bundespräsidentenwahlanalysen-analyse von politikexpertin field agent <OpenedMind> im auftrag von <THE LIE>:
DISINFORMATION FOR THE PEOPLE
wie wahlkampfanalysen uns erklären wollen, warum wir nicht so gewählt haben, wie wir gewählt haben
RECEIVED VIA e-mail / 26.04.2004 / 11.17h
link: orf.at
link: fessel-gfk
nach jeder wahl in österreich wird der/die mehr oder weniger mündige wählerIn nach auszählung aller abgegebenen stimmen mit vielen mehr oder weniger unterhaltsamen erklärungen via tv, radio oder printmedien konfrontiert, wie denn nun -laut "wählerstromanalysen" oder ähnlichem das jeweilige ergebnis zustandekommen konnte. gleichzeitig bemühen sich die vertreterInnen der jeweiligen parteien oder unterstützungskomitees aus leibeskräften, diese erklärungsmodelle zu bestätigen oder zu verneinen.
auch nach dem gerade eben von spö-kandidat und 2. nationalratspräsidenten dr. heinz fischer erfolgreich geschlagenen wahlkampf gegen regierungs- und övp-kandidatin dr. benita ferrero-waldner zerstrageln sich sämtliche meinungsforschungsinstitute, freie und unfreie experten und sympathisanten des einen wie auch der anderen wahlgekämpfthabendenden in ihren meinungen über den grund des -ohnehin seit wochen prognostizierten- endergebnisses.
breiten wir den gnädigen mantel des schweigens über die kosten jener analysen, über den tatsächlichen wert ihrer aussagen, und wenden wir uns der genauen beobachtung einiger weniger kernaussagen zu:
behauptung 1 (meinungsforscherInnen):
"18 - 29-jährige wählerInnen wählten deshalb in höherem masse ferrero-waldner, weil diese jenen glaubhaft vermitteln konnte, sie stünde für modernität und frauenpower."
THE-LIE - gegenanalyse: das stimmt nur zu einem geringen teil; einerseits ist ein grosser teil der jungwählerInnen wesentlich stärker durch audiovisuelle medien beeinflussbar als personen älterer semester; durch den von der regierung wesentlich unterstützten und mit hohem audiovisuellen einsatz geführten wahlkampf "ihrer" kandidatin im gegensatz zum eher statischen stil der fischer-kampagne konnte eine viel aggressivere werbung durchgesetzt werden, die der bildsprache der "jungen" angepasster war. andererseits ist der genannte wählerInnenkreis weit eher bereit, peppig abgefasste slogans zu "schlucken" und hat aufgrund seiner noch kurzen demokratiepolitischen erfahrung auch weniger grund, ihnen zu misstrauen. beim gros der wählerInnen spielt natürlich auch die mangelnde schulische und universitäre (mit sicherheit machtpolitisch über jahrzehnte unterdrückte) aufklärung über politische langzeitprozesse eine gewichtige rolle. zum thema "frauenpower" muss dazu nichts angemerkt werden; auch hier schlägt der slogan den wahren inhalt.
behauptung 2 (övp-stellungnahme):
"das konservative wird von österreicherInnen offenbar mehr geschätzt als das moderne, weibliche."
THE-LIE - gegenanalyse: dass die für reaktion und konservativismus stehende regierungspartei övp tatsächlich das "moderne" für sich reklamiert, steht entweder für deren realitätsferne oder für taktisches "newspeak". nebenbei existieren wenige indizien dafür, dass an tatsächlich relevanten frauenfragen in der övp auch nur teilweise interesse besteht.
behauptung 3 (meinungsforscherInnen, övp-stellungnahme):
"die övp konnte leider nicht alle ihrer wählerInnen mobilisieren, zur wahl zu gehen. spö-wählerInnen sind von der wiener spö leichter in bewegung zu setzen."
THE-LIE - gegenanalyse:
abgesehen davon, dass gleichzeitig von "crossvoting" gesprochen wird, steht hier wohl eindeutig fest: nicht das mobilisierungsversagen sollte im vordergrund stehen, sondern die tatsache, dass TROTZ ungeheurer anstregungen seitens des vp-wahlkampfteams diese mobilisierung nicht zustandekam. offenbar sind fischer-sympathisanten die aktiveren wählerInnen und damit demokratiefähiger. das führt uns zu...
behauptung 4 (meinungsforscherInnen (nicht alle), övp-stellungnahme):
"der bundespräsidentschaftswahlkampf war kein lager-, sondern ein reiner persönlichkeitswahlkampf."
THE-LIE - gegenanalyse: spätestens hier sollte sich ferrero-waldner beleidigt fühlen; es war ausschliesslich ihre schuld? sie besitzt zuwenig persönliche überzeugungskraft? keinerlei politische beweggründe (etwa der unpopuläre stil der regierung, der durch 4 politische niederlagen allein 2004 dokumentiert wurde) waren für die wahl fischers verantwortlich? würde das ganze nicht eine konzertierte regierungsaktion (ablenken von internen problemen) sein, müsste die aussenministerin zurücktreten... was auch vor deren kandidatur eine gute idee gewesen wäre und ihre glaubwürdigkeit gestärkt hätte.
natürlich wurde mittels dieser wahl der wunsch nach mehr gleichgewicht und die kritik an der am volk vorbeilavierenden und nur mehr massenmedial funktionierenden politik der amtierenden regierung ausgedrückt... und das mit einer mehrzahl von ca. 200.000 wählerInnen.
behauptung 5 (meinungsforscherInnen, spö/grüne-stellungnahme):
"die wahlempfehlung jörg haiders schadete ferrero-waldner vor allem bei urbanen frauen."
THE-LIE - gegenanalyse:
"auch bei urbanen frauen" wäre korrekter. hardcore-konspirologen sehen ja im vorgehen haiders eine mit der spö abgesprochene aktion... so weit wollen wir nicht gehen. zumal -wenn die wahlbeteiligung etwa in vorarlberg höher gewesen wäre- der vorsprung ferrero-waldners in kärnten zu deren sieg möglicherweise wesentlich beigetragen hätte. dass nebenbei jörg haider primär sich selbst unterstützt, sollte in die bewertung seiner aussage (die ja nur "durch die (korn:-)blume eine empfehlung war) einfliessen. inzwischen sollte er erkannt haben, dass sein politischer stil nicht mehrheitsfähig ist.
möglicherweise wollte die österreichische bevölkerung aber mehrheitlich auch nur ein staatsoberhaupt, das etwas von repräsentativer amtsführung versteht, nicht nur sprechen sondern auch zuhören kann, statt flacher slogans auch inhalte schätzt, zugeben kann, auch fehler zu machen, nicht verneint, jemals gelogen zu haben, lächeln kann, ohne die mundwinkel herabzuziehen und innerhalb der für uns bewährten spielregeln menschlicher genetik bleibt, statt retardiete raubkatzenattitüden zu forcieren.
ob fischer dafür geeignet ist, werden die nächsten jahre zeigen.
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