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mission report 0014

field agent <EyeOfTheQueen7> an Zuständige, Beamte, politische Entscheidungsträger:

OFFENER BRIEF

SENT VIA e-mail / 07.02.2004

Sehr geehrte Zuständige, Beamte, politische Entscheidungsträger etc.
Es könnte doch so einfach sein:

Nicht "Kultur-Services" mit Parteibuch- odder Ideologiezugehörigkeit (ob offen oder "occult") sind notwendig; notwendig wären Organisationen (von uns aus auch nur eine, wenn sie korrekt arbeitet), die nicht die automatisierte Subventionsvergabe an KünstlerInnen regelt, nicht die touristische Relevanz.

Die einzig sinnvolle Strukturmaßnahme, die JETZT zu setzen gewesen wäre, würden Sie Ihre Verantwortungsbereiche optimal verwalten und ginge es tatsächlich nur ums Wohl der steirischen Kulturlandschaft (die dank der staatsekretärlichen (und) Regierungspolitik des "Divide Et Impera" inzwischen ja ohnehin ein unattraktives Dornengestrüpp, auf das künstlich aussehende Röslein gepflanzt werden, geworden ist), wäre eine Organisation, die KünstlerInnen bei ihrer Selbstvermarktung unterstützt, die mindestens 20% der jeweiligen Fördersummen verpflichtend für Marketing und PR von KünstlerInnen, die die seltene Fähigkeit zur Selbstvermarktung nicht besitzen, verwenden liesse und darüberhinaus selbsterhaltende KünstlerInnen nicht "beschenkte", nur weil sie sich in den letzten Jahren als besonders partei-, staats- oder linientreu erwiesen haben (damit wurde n und werden nämlich Handaufhalter und brave Duckmäuser gebastelt!). Eine solche Organisation müsste idealerweise natürlich vollkommen partei- und ideologiefrei (links, rechts oder sonstige) gehalten werden (ist halt unbequem, wenn kein Polit-Kontrollfritz drinsitzt, aber da muss man durch) und neben wirtschaftlicher Kompetenz auch kulturelles Wissen (selten, seit Scientology-Grasser philosophische Studien zu "Orchideen" erklärte) und Liebe zur Kunst besitzen. Solche Personenkreise existieren. Vielleicht nicht in den Wartezimmern von Burg oder Landhaus, nicht in den powerPointillierten Seminarzimmern von New Economy-Neoliberalisten und "Consulting Groups", aber durchaus hier und dort in privaten Unternehmen... man hätte nur ausserhalb der üblichen Zirkel suchen müssen und auch einmal auf unbequeme Rufer im Dornenwald hören sollen, anstatt sie auszulachen.


Exkurs: graz2003 war DEFINITIV kein kulturpolitischer, kein kultureller Erfolg, schon gar kein künstlerischer. 2003 hat Bettenzahlen optimiert und den Tourismus (angeblich) gefördert. Na und? Das schaffen eine Olympiade, ein hübscher Gletscher oder billige Verkehrswege auch. Also einigen wir uns doch bitte darauf, dass trotz allen scheinbar notwendigen Schönredens graz2003 ein absolutes Debakel war. Getragen von arroganten Frühachtzigern, denen persönliche Reputation und Eigenwerbung über alles geht. 2003 war doch nichteinmal über die Staatsgrenze hinaus relevant (fragen Sie doch einmal wirklich bedeutende europäische KünstlerInnen danach!); die Bettenzahlen werden weniger glorreich, wenn man bedenkt, dass JEDER Tourist, auch ein nicht-kulturhauptstadtinteressierter, mitgerechnet wurde. Das ist zwar noch nicht Betrug, aber zumindest Realitätsbeugung. Damit kommen wir zum Schluss dieses Exkurses: Das Einzige, was graz2003 wirklich gut gemacht hat, war, sich selbst zu verkaufen; und fast alle sind drauf hereingefallen. Die, die kritisch blieben, wurden ignoriert, als man sah, dass sie nicht (ver)käuflich waren.


Wir orten im erschreckenden Ausmaß Orientierungslosigkeit, wirtschaftlich unterstützte Machtpolitik und kulturelle Verarmung in ganz Österreich und nun leider auch seit geraumer Zeit in der Steiermark und Graz. Die sogenannte Freie Szene muss hier auch genannt werden: Das Gros (Ausnahmen bestätigen die Regel) der jungen (laut 03GI Lorenz ja jeder bis 65) heimischen Kulturschaffenden arbeitet eigentlich nicht an der eigenen Weiterentwicklung, nicht daran, die Perfektionierung zu erreichen, nicht daran, sich auf künstlerische Weise zu zeitgenössischen Themen zu äussern, ja, nicht einmal an einer Form von wirklich funktionierenden und pluralistischen (nicht inzestuösen) Netzwerken. Die Freie Szene reibt sich an Grabenkämpfen ums öffentliche Fördergeld auf ("Divide Et Impera"; Gratulation: DAS Ziel wurde von der österreichischen Kulturpolitik immerhin erreicht) oder versucht, i n Machtpositionen politischer Natur zu gelangen. Das ist nätürlich politisch gesteuert, da muss man wohl -ganz unter uns- nicht lang drumherumreden. Am liebsten wäre es Ihnen allem Anschein nach (denn danach riechen Ihre Maßnahmen), Kunst würde primär als Tourismusfaktor dienen, repräsentierend unpolitisch sein und möglichst weitgehend eine relativ harmlose und gut vermarktbare Form von "Volkskultur" darstellen. Verzeihen Sie, aber das ist mindestens genauso monokulturell wie die ursozialistische Variante vom/von der für den Arbeiterstaat arbeitenden KünstlerIn und widerspricht allen Emotionen und Intentionen eines/r wirklichen Kunstschaffenden.


Gehen Sie in sich. Üben Sie Selbstkritik. Versuchen Sie sich vorzustellen, zu spüren, dass Ihre Ideologie, die man Sie gelehrt hat, die Sie vielleicht sich selbst aneignen konnten, mit der Sie -zweifellos- Erfolg verbuchen konnten, nicht immer die richtige sein könnte. Handeln Sie kreativ. Blicken Sie über Ihren Tellerrand hinaus in die -nicht von Ihrer Ideologie und Überzeugung getragene- Welt. Hören Sie auf -auch böse- Kritiker, denn die sind Ihre und der Menschen Freunde, nicht jene, die Ihnen applaudieren. Betrachten Sie Steuergelder als wundervolle Möglichkeit, Sinnvolles tun zu können, nicht nur Bequemes. Und -vor allem: Versuchen Sie nicht ständig, es möglichst vielen recht machen zu wollen. Das ist eine Sackgasse, die in die Iden des März (inklusive 23 Dolche) führt. Werden Sie eine unbequeme Stimme innerhalb Ihrer Partei/Organisation. Leben Sie das Ketzertum (sollten Sie chri stlichsozial geprägt sein: vergessen Sie die negativen Konnotationen von "ketzerisch"!) und den Aufstand.

Ruhe ist Stillstand.: Stillstand ist Rückschritt.: Rückschritt ist langweilig und gefährlich.:


MUNDUS VULT DECIPI... aber dann wenigstens etwas origineller, bitte! Modetrachten sind unsexy.


political contact departement agent <EyeOfTheQueen7>







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