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ein Interview mit Mag. Jörg Vogeltanz


Gesprächiger Erleuchteter: Vogeltanz
(Bild: K.M.)
 

Wir trafen Vogeltanz in einem kleinen Gasthaus in der Südweststeiermark und befragten ihn über seine Rolle in den parailluminatischen Kabalen der Landeshauptstadt. Und förderten Erstaunliches zutage.


THE LIE: Herr Vogeltanz, Sie werden von manchen Personen als Kopf der Steirischen Illuminaten verdächtigt...

JÖRG VOGELTANZ:
...Herz wäre mir eigentlich lieber. Oder Keimdrüse! (lacht)

THE LIE:
Sie geben es zu??

JV:
Sollte ich nicht? Wir stehen für Offenheit. Wir sind ja keine Freimaurer. Oder Rosenkreuzer. Oder CVer.(lacht)

THE LIE:
Aber -entschuldigen Sie- exponieren Sie sich damit nicht etwas?

JV:
Naja, wenn mich wer exponiert, dann sind das Sie... nebenbei: Mir ist das völlig wurscht. Was soll schon gross passieren? Wir sind ja nicht im Vatikan.

THE LIE: Warum Vatikan?

JV:
Lesen´S Bücher, Herr Redakteur! (lacht)

THE LIE:
Zurück zu Ihnen: Was bringt Ihnen Ihre Position bei den StIll?

JV:
Zunächst die Erkenntnis, dass wir alle auf einer Seite stehen.

THE LIE:
Soll heissen..?

JV:
Ich bin Zeichner. Wenn ich Comics zeichne, werden sämtliche Figuren, positive wie negative Characters, Schauplätze etc. mit und auf denselben Materialen entworfen. Das brachte mich zu der Erkenntnis, dass wir alle auf dem gleichen Blatt Papier existieren, alle und al les mit ein und derselben Tuschfeder gezeichnet sind... Ergo gibt es keine Unterschiede. Alles ist miteinander verbunden. Wenn ich etwas ausradiere, wird Platz frei für Neues. Besseres oder Schlechteres. Wer weiss? Aber das Gesamtbild wird empfindlich gestört... ist das Bild gut gewesen, stört die Leerstelle, war das Bild Mist, kann Reduktion nur von Vorteil sein. Life´s a Comic.

THE LIE:
Das könnte man ziemlich misanthropisch interpretieren...

JV:
Das ist mir klar. Doch auch Misanthropen können gut auf eine Comicseite passen... und vergessen Sie diese scheinheilige Political Correctness: Manche Personen sind -von anderen subjektiv gesehen!- storymässig obsolet. Ich muss nicht jeden Idioten in die Handlung meines Life-Comic integrieren. Ich kann ihn ausradieren. Oder langsam aus der Handlung entfernen, am besten durch satirische Denunziation. Siehe "The X-Files", wo die dominante protagonistische Figur des Fox Mulder stufenwei se immer lächerlicher, unsympathischer und psychopathischer dargestellt wurde, bis sein Ausscheiden aus der Serie akzeptabel wurde.

THE LIE: Und auf Ihr Leben angewandt bedeutet das..?

JV:
Gewisse Personen, die meine eigene "Story" gefährden, aufhalten oder sonstwie negativ beeinflussen, werden von mir so lange öffentlich ausgelacht und satirisch bearbeitet, bis ihr Verschwinden aus meinem Blickfeld niemand innerhalb meiner Story mehr negativ auffällt... Man muss seine restlichen positiv wirkenden Handlungsfiguren ja zufriedenstellen.

THE LIE:
Das klingt sehr danach, dass Sie ein Kontrollfreak sind.

JV:
Möglich. Wahrscheinlich. Auf jeden Fall bin ich -und das glaubt man mir nicht oft (lacht)- ein extremer Harmonie-Freak.

THE LIE:
Haben Sie politische Ambitionen?

JV:
Wozu? Politik ist dermassen obsolet, dass sie mich nur mehr erstaunt. Was sollte ein Politiker bewegen können, innerhalb dieser momentanen pseudokapitalistischen Okzidentalgesellschaft? Ausser brave Konsumenten in immer grössere Mega-Shoppingmalls, meine ich?

THE LIE:
Was sind Sie? Anarchist? Kommunist? Neokonservativ?

JV:
Am ehesten finde ich die Anarchie anziehend... allerdings ist mir klar, dass das nicht so bald realisierbar ist. Nicht mit dieser Bevölkerung, die lieber Kameras auf dem Klo akzeptiert, statt sich selbst für bestimmte Dinge einzusetzen. Ich bin Anhänger der Freiheit-statt-Sicherheit-Philosophie. Lieber 100 Mörder auf der Strasse als eine staatlich überwachte Telefonleitung!

THE LIE:
Daher auch dieser seltsam humoristische Zynismus und Darstellung modisch gekleideter Killer in Ihrem "Anger Diaries" - Zyklus?

JV:
Ich halte es da mit dem "Invisibles"-Schöpfer Grant Morrison: Revolution und Anarchie müssen wieder "cool" werden. Nur so bringt man diese Herde wirtschaftspolitikgläubiger Studenten dazu, sich gegen Beeinflussung zu wehren und in ihrem Lebensfilm selbst Regie zu führen. Oder noch besser: Auch die Dramaturgie und Handlung zu bestimmen. Morrison sagt, das letzte Mal war Revolution "cool", als die Baader-Meinhof-Gruppe ihren "Terror" verbreitete. Dem kann ich mich nur anschliessen. Es war furchtbar. Gewalttätig. Inakzeptabel. Aber... COOL! Danach -und ich darf wieder Morrison zitieren- kamen uncoole Strickpulliträger, Bruder-Baum-Umarmer und Indigo-Kids-An-Die-Macht-Befürworter. Und plötzlich war Revolution, Naturschutz, Systemkritik etc. wieder total scheisse. Revolution muss das Aussehen von -natürlich äusserst systemkonformen!- geilen MTV-Clips bekommen. Pop goes the Revolution! Anarchy goes Sigismondi. Dann werden vielleicht endlich diese widerlich wertko nservativen und geschmacklosen Scientology-Klone an der Spitze unserer Gesellschaft der Lächerlichkeit und Langeweile preisgegeben!

THE LIE: Etwas extrem, Ihr Zugang zur Gesellschaftspolitik...

JV: Finden Sie? (lacht) Ich mag Homer Simpsons Zugang: "Booooring!!"

THE LIE: Die Para-Illuminaten, deren Kopf... Verzeihung: Keimdrüse Sie sind, stehen dafür ein, aus unserer Gesellschaft einen revolutionär-satirischen Comic mit anarchistischem Ansatz machen zu wollen?

JV: (Pause) Gut formuliert! Wäre das schlimm für Sie?

THE LIE: Ich bin mir nicht sicher, ob ich in einer klischierten Welt, die in Panels aufgeteilt ist, leben möchte...

JV: Glauben Sie, das jetzt nicht zu müssen..? Ausser, dass die Panels von Anderen um Sie herum gezeichnet wurden?

THE LIE: Gut. Aber wozu dann überhaupt Ihr Modell?

JV: Ganz richtig ... Wozu? Willkommen bei den Para-Illuminaten! (lacht)



(Das Interview führte Field Agent King Jason)