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Chronologie des Niedergangs der FPÖ / August - September 2002


2.7. Nach langem Auf und Ab entscheidet sich die Regierung für den Eurofighter als künftiges Luftraum-Überwachungsgerät Österreichs. Auch der zuvor skeptische Finanzminister stimmt der teuersten Flieger-Variante zu.
26.7. Haider trifft - "mit der Parteivorsitzenden nicht abgesprochen" - Vertreter des Vlaams Blok und der Lega Nord in Kärnten und bespricht mit ihnen die Möglichkeit einer gemeinsamen Kandiatur rechter Parteien zur Europawahl.
5.8. Das von Rudolf Fußi initierte Anti-Abfangjäger-Volksbegehren schneidet überraschend gut ab. 624.720 Österreicher unterschreiben gegen den Abfangjäger-Kauf.
ab 7.8. Die Jahrhundertflut, die von 7. bis 17. August ganze Landstriche quer durch Europa unter Wasser setzt, hinterlässt unvergessliche Bilder und Schäden ungeahnten Ausmaßes. Allein auf Österreich gehen in der ersten Woche unfassbare zehn Billionen Liter Regen nieder, was der 20fachen Wassermenge des Mondsees entspricht. Mancherorts werden Werte von 294 Litern pro Quadratmeter gemessen. Niederschläge, wie sie alle 2000 bis 10.000 Jahre vorkommen, staunen selbst Experten.
Die oft tragischen Schicksale der rund 200.000 Betroffenen allein in Österreich dominieren wochenlang die Medien. Binnen weniger Tage werden 10.000 Häuser zu abbruchreifen Ruinen, weitere 60.000 werden beschädigt, mehr als 500 Betriebe müssen zusperren. 120.000 Helfer sind im Dauereinsatz und evakuieren insgesamt 25.000 Österreicher aus den betroffenen Regionen. 40.000 Hektar Land versinken in den Fluten und bescheren den Landwirten Ernteschäden in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro.
Der Gesamtschaden für Österreich ist nur schwer berechenbar, zu weitläufig sind die Folgeschäden wie etwa Arbeitsplatzverluste oder Steuereinbußen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut schätzt den Verlust Ende August auf 7,5 Milliarden Euro. Damit kostet das Hochwasser der heimischen Wirtschaft 2002 rund 0,3 Prozent Wachstum. Trauriger Spitzenreiter der Schadensbilanz ist Niederösterreich mit drei Milliarden Euro, gefolgt von Oberösterreich mit Einbußen von einer Milliarde. (profil Jahresrückblick 2002)

So

11.8.

In der Hochrechnung des market-Instituts liegt die FPÖ in der 32. Kalenderwoche bei 21 Prozent.
Haider meint in einem Kurier-Interview, dass es von ihm "einen Wahlkampf außerhalb von Kärnten […] nicht geben wird". Auch sei es vorbei mit der "bisherigen Arbeitsteilung, […], dass die Regierung das vornehme Oberhaus spielt und die Kanalräumerbrigade die Schmutzarbeit macht." Das Ziel der FPÖ gab Haider mit "25 Prozent plus" vor. "Wenn es ganz schlecht ausgeht und die FPÖ aus der Regierung fliegt, erwarte ich, dass sich die Verantwortlichen vertschüssen, weil sie gescheitert wären." Das sei eine völlige Neukonstruktion der FPÖ erforderlich. Wenn er dann Obmann werden wolle, würde er nicht fragen, sondern einfach kandidieren. Der Wahlausgang wäre keine Frage: "Eine Mehrheit wäre mir sicher." (Der Standard-online)

Mo

12.8.

Di

13.8.

Mi

14.8.

Beschluss des FPÖ-Vorstandes, die für das Jahr 2003 geplante Steuerreform angesichts des Hochwassers und der Konjunkturflaute zu verschieben. Haider ist nicht anwesend, Martin Strutz gibt eine Gegenstimme ab. Haider droht wieder mit dem Entzug seiner Unterstützung im Wahlkampf.

Do

15.8.

Kurt Scheuch spricht bei Vizekanzlerin Riess-Passer vor und droht mit der Abspaltung der Kärntner FPÖ von der Partei.

Bundeskanzler Schüssel und Vizekanzlerin Riess-Passer sagen die für 2003 versprochene Steuerreform ab.

Fr

16.8.

Haider erklärt in einem Interview die Verschiebung der Steuerreform sei "ein Hüftschuss. Das macht keinen Sinn."

Sa

17.8.

.

So

18.8.

In der Hochrechnung des market-Instituts liegt die FPÖ in der 33. Kalenderwoche bei 22 Prozent.
Haider droht wieder damit, die Parteibasis gegen die Parteispitze zu mobilisieren: "Der Bundesparteitag ist das höhere Gremium, das hat die Steuerreform beschlossen."
Riess-Passer meint zum Thema "Regierungsverantwortung", man könne nicht "mit einer Liste von Wünschen ans Christkind kommen."

Mo

19.8.

Haider kontert: "Wenn sie ihre eigenen Parteitagsbeschlüsse als Christkind qualifiziert, so bleibt ihr das unbenommen."

Der FP-Parlamentsklub spricht sich gegen den Wunsch von Haider nach einer Steuerreform aus. Haider kommt knapp vor Ende der Sitzung. Klubchef Peter Westenthaler erteilt ihm erst spät das Wort, Haider kann sich nicht durchsetzen.

Di

20.8.

Scheuch telefoniert mit den Parlamentsabgeordneten der FPÖ, um sie auf das Steuerreform-Volksbegehren einzuschwören.

Mi

21.8.

Haider stellt seiner Partei wieder ein Ultimatum. Er erwarte sich eine Klärung des Kurses bis spätestens Oktober.

Do

22.8.

.

Fr

23.8.

Haider fordert für den Herbst einen Sonderparteitag, wo der "Verschiebungs-Beschluss" rückgängig gemacht werden muss und kritisiert die Linie der Parteichefin auch in Bezug auf die Abfangjäger.

Sa

24.8.

Die Vizekanzlerin kündigt erstmals ihren Rücktritt an, sollte es zum Sonderparteitag kommen: sie würde "in diesem Fall überhaupt nicht mehr zur Verfügung stehen."

So

25.8.

In der Hochrechnung des market-Instituts liegt die FPÖ in der 34. Kalenderwoche bei 22 Prozent.
Auch Finanzminister Grasser droht mit Rücktritt, sollte die Steuerreform auf diese Weise erzwungen werden.
Haider erklärt seinerseits: "Wenn diese undemokratische Gesinnung aufrechterhalten wird, […] dann gibt es meinen totalen Rückzug. Dann sind all jene zu 100 Prozent in Verantwortung, die diesen Weg gehen wollen. Und dann werden wir sehen, was von der FPÖ 2003 noch überbleibt."

Mo

26.8.

Haider droht mit seinem Rückzug und kündigt ein Volksbegehren für eine Steuersenkung an. Er werde sich "an die Spitze einer Bürgerbewegung quer durch Österreich stellen" und gelichzeitig "einen Finanzierungsplan für die Steuereform 2003 präsentieren". Am gleichen Tag werden bereits die gedruckten Plakate für das Anti-Regierungs-Volksbegehren präsentiert. ("Dem Wähler verpflichtet. Ja zur Steuererform.")
Riess-Passer verlagert die Auseinandersetzung von der Partei- auf die Regierungsebene und kontert mit der Forderung nach einer Volksbefragung zum Thema "Hochwasserhilfe vor Steuerreform". Haider nennt diesen Vorschlag "zynisch".

Di

27.8.

Haider sagt sein Projekt Volksbegehren "vorerst" ab, unter der Bedingung, dass die FPÖ-Spitze noch einmal mit ihm über mögliche Steuererleichterungen diskutiert. Es handle sich dabei um ein "sehr großes Entgegenkommen" seinerseits, mit dem die Parteiführung "nicht leichtfertig umgehen" solle. Wenn es "nicht möglich sei, und die Partei nicht bereit ist, einen Schritt in dieser Frage auf uns zuzugehen, zwingt sie mich, mich aus der Politik zurückzuziehen."
Finanzminister Grasser macht klar, es gebe kein Geld für eine baldige Steuerreform.

Mi

28.8.

Haider erhebt die Forderung nach einer Neuverhandlung des Koalitionsüberienkommens.
Riess-Passer kündigt an, in der Parteivorstandssitzung am 3.9. die Vertrauensfrage zu stellen, um damit die "Richtungsentscheidung" herbeizuführen.

Do

29.8.

Am Abend gibt es ein "Geheimtreffen" zwischen Haider mit dem Regierungsteam. Riess-Passer bleibt inhaltlich bei ihrer Position, macht aber Haider das Angebot, mit ihr in die Regierung zu gehen. Haider lehnt dies ab.

Fr

30.8.

Haider teilt mit, er werde sich "völlig und endgültig" aus der Bundespolitik zurückziehen. Die Partei, so sagt er, verfolge in der Regierung eine andere Linie, als sie unter seiner Mitwirkung nach der Nationalratswahl 1999 konzipiert worden sie. Er wolle nun "nicht mehr stören" und der Parteiführung die Chance gaben , "ihre Arbeit zu tätigen mit der Möglichkeit, dass [sie] auch […] die volle Verantwortung dafür trägt."

Riess-Passer erklärt, sie akzeptiere die "persönliche Entscheidung" Haiders zum Rückzug.

Sa

31.8.

Riess-Passer beeilt sich zu versichern, dass sie sich "immer den Zielsetzungen Jörg Haiders verpflichtet gefühlt" habe. Sie stehe nach wie vor auf dem Boden des von Haiders mitverhandelten Regierungsprogramss, 90 Prozent davon sein bereits umgesetzt, die Steuerreform nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Man werde sich auch nach seinem RÜckzug anstrengen, "sein Vertrauen zu rechtfertigen."
Haider erklärt jetzt, er wäre bereit, die Partei 2003 wieder zu übernehmen: "Wenn Sie so wollen, bin ich sicherlich ein Sisyphos der Partei, der bereit ist, den Stein wiedr oben zu bringen." Gleichzeitig wird eine Dolchstoß-Legende offeriert: "Meine Partei [habe sich …] mit unseren Gegnern verbündet, um mich so zu sagen zur Strecke zu bringen."

So

1.9.

In der Hochrechnung des market-Instituts liegt die FPÖ in der 35. Kalenderwoche bei 20 Prozent.
Das für 17 Uhr in Salzburg geplante geheime Treffen mit allen Landesparteiobleuten (Riess-Passer hatte eingeladen) kommt nicht zustande: am Tag zuvor waren nämlich der Kärntner Obmann Martin Strutz, der Wiener Hilmar Kabas und der OÖer Hans Achatz die ganze Zeit telefonisch nicht erreichbar gewesen.

Mo

2.9.

In Stadlers Büro sind versammelt: Strutz, Achatz, Franz Marchat (NÖ) und Kabas. Per Fax werden bis zum frühen Nachmittag 380 Unterschriften von Deligierten für einen Sonderparteitag gesammelt. Strutz ruft Riess-Passer an und formuliert ein Ultimatum: Sie müsse die Initiatoren der Unterschriftenaktion zu einem Gespräch empfangen, die Sitzung des Parteivorstandes am Abend absagen und eine Klausur zum Thema Steuerreform einberufen. Riess-Passer verweist auf den geplatzten Termin vom Vortag und sagte nein.
Stadler nimmt die Unterschriften, spaziert quer durch die Innenstadt in die Bundessgeschäftsstelle der FPÖ in der Eßlinggasse und drückt Generalsekretär Karl Schweitzer den Stapel mit den Unterschriften in die Hand. Jetzt muss statutengemäß ein Sonderparteitag einberufen werden (weil dies die Mehrheit der Deligierten gefordert hat).
Knapp vor der Vorstandssitzung sitzt Haider mit dem Ex-Bundesgeschäftsführer Gerry Mikscha und dem steirischen Ex-NR-Abgeordneten Harald Fischl im Kaffehaus Landtmann.

Di

3.9.

Sitzung des Bundesparteivorstandes im Hilton Plaza von 18 bis 6h früh. Der Vorstand bekennt sich mit zwei Gegenstimmen zur Koalition. Komme es zum Sonderparteitag, so würden die Parteispitze und alle FPÖ-Minister zurücktreten. Als Frist für die Zurücknahme der Unterschriften zum Sonderparteitag (mindestens 131davon müssen zurückgezogen werden) wird ultimativ der nächste Montag genannt.

Mi

4.9.

Nationalrats-Präsident Prinzhorn erklärt, seine Stimme für den Sonderparteitag zurückzuziehen.
Die blauen Rebellen um Stadler und Schatz telefonieren mit Erfolg mit der Basis, ihre Unterschriften nicht zurückzuziehen.
Haider erklärt zu Mittag, er werde alle Delegierten, die für einen Sonderparteitag unterschrieben haben, nach Knittelfeld zu einer Versammlung einladen.

Do

5.9.

Haider tritt mit dem Oberösterreichischen FPÖ-Chef Achatz auf der Welser Messe auf. An diesem Tag und am Vortag gibt sich Haider flexibel und versöhnlich: er bestehe nicht auf dem Termin 2003 für die Steuereform. Die Versammlung am 7.9. diene auch dazu, die Deligierten von der Hinfälligkeit eines Sonderparteitag zu überzeugen, für den Fall, dass die Parteispitze eine große Steuerreform für 2004/05 akzeptiere.
Riess-Passer erklärt, "überhaupt nichts" von einem Alternativ-Plan zur Steuerreform zu wissesn.

Fr

6.9.

In einer "Schlammschlacht hinter den Kulissen" werden Killergerüchte über die FPÖ-Prominenz lanciert: Haider habe seit seinem Rückzug als FPÖ-Obmann als "einfaches Perteimitglied" insgesamt mehr als 20 Millionen Schilling (über 1,5 Millionen Euro) an Spesen kassiert, und Riess-Passer wolle sich ein Penthouse in Wien-Döbling um über 10 Millionen Schilling (750.000 Euro) kaufen.

Stadler erscheint im Kanzleramt bei Riess-Passer und schlägt ihr vor, sie solle auf den Vizekanzler verzichten und könne dafür Ministerin für Beamte bleiben.

Am Abend treffen sich Haider und Riess-Passer in Obdach und formulieren eine dreiseitige Resolution, die ein klares Bekenntnis zum Regierungskurs beinhaltet: keine Steuersenkung 2003, Ankauf der Abfangjäger, Bekenntnis zur Erweiterung der EU.  Haider solle, so wird vereinbart, diese Resolution in Knittelfeld vorlesen.

Sa

7.9.

Anhänger von Riess-Passer verbreiten untertags in der Partei die Kunde von der Einigung mit Haider.


Ab 17 Uhr beginnt die "Putsch"-Versammlung in Knittelfeld mit gut 400 Delegierten. Regie führen Strutz und Stadler. Haider nimmt Achatz, Windholz und Kabas beim Hinaufgehen auf das Podium mit. Die mit Riess-Passer ausgemachte Rednerliste wird nicht eingehalten. Haider fordert in seiner Rede die Delegierten nicht auf, die Unterschriften zurückzuziehen und präsentiert auch nicht die Resolution vom Vortag. Diese kursiert im Saal, Haider will aber nichts mit ihr zu tun haben. Scheuch erklärt in seiner Rede zu der mit Riess-Passer ausgehandelte Erklärung vom Vortag: "Aber diese Resolution von Frau Passer ist eine Schweinerei. Sie ist undemokratisch und passt besser zur KPÖ" und zerreißt sie unter Beifall demonstrativ auf der Bühne.

Grasser findet kein Gehör. Scheibner schwenkt zu Haider über und präsentiert überraschend einen "Kompromiss", den Haider als "zielführender" und "substantieller" als das Verhandlugsergbnis mit der Vizekanzlerin bezeichnet. Von Haider suggestiv befragt nehmen die Delegierten diesen "Kompromiß-Vorschlag" ohne eigentliche Abstimmung an. Darin wird der Koalitionsvertrag de facto gekündigt. Gefordert wird: die Einsetzung einer Steuerreform-Kommission, Beschluss der Steuerreform für 2003 im Jänner, Abhaltung eines FPÖ-Parteitages vor der Ratifikation der EU-Osterweiterung im Parlament, Haiders Rückkehr in die Bundespolitik, keine Zahlung  für Abfangjäger vor einer Steuerreform. Riess-Passer habe bis Montag Zeit, diese Bedingungen anzunehmen. Stadler wird zum "treuhändischen Sachwalter" der Unterschriften ernannt.
Riess-Passer ist zu dieser Zeit bei einer Landespartei-Sitzung im Burgenland. Um ein Uhr Nachts treffen sich Riess-Passer, Grasser und Westenthaler in Riess-Passers Wohnung in Wien.

So

8.9.

In der Hochrechnung des market-Instituts liegt die FPÖ in der 36. Kalenderwoche bei 19 Prozent.
Die freiheitliche Führungsspitze versammelt sich am Vormittag zu einer stundenlangen Sitzung in der FP-Bundesgeschäftsstelle. Die anderen FPÖ-Minister wollen nun doch nicht zurücktreten. Zu Mittag kommt Haider und nach und nach die neun Landesschefs der FPÖ. Riess-Passer, Grasser und Westenthaler kündigen ihren Rücktritt an. Haider meint, dass das nicht das Ende der Koalition sein werde. Er rechnet nicht damit, dass Schüsssel Neuwahlen ausschreibt. Laut Format vom 12.9. soll Haider auch gesagt haben: "Ich sehe überhaupt keine sachlichen Gründe für den Rücktritt von der Susanne. Ich frage mich, was für mysteriöse Hintergründe wirklich dahinter stecken. Das ist schon sehr merkwürdig." Grasser und Reichhold kontern Haider, der dann zwei Stunden lang nichts mehr sagt. Um 19 Uhr verlässt Haider die Sitzung und fliegt nach Klagenfurt. Man einigt sich anschliesssend auf Scheibner als interimistischen Parteiführer.


Um 21h geben Vizekanzlerin Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Klubobmann Peter Westenthaler auf einer Pressekonferenz ihren Rückzug bekannt.

Zu dieser Zeit ist Schüssel mit der Führungsspitze der ÖVP, auch allen Landeshauptleuten, versammelt und berät die Lage. Es fällt an diesem Tag noch kein Beschluss für Neuwahlen.

Mo

9.9.

Haider sagt, er wolle die Partei nicht übernehmen.

Um 15h verkünden Schüssel und Riess-Passer das Ende der Koalition und Neuwahlen. Schüssel kann sich allerdings eine Neuauflage der Koalition mit den "Reformkräften" und "Patrioten, denen man vertrauen kann" in der FPÖ vorstellen.

Di

10.9.

Infrastrukturminister Reichhold erklärt ebenfalls seinen Rücktritt. Er will die Geschäfte vorerst - wie Riess-Passer und Grasser - interimistisch weiterführen.


"Österreich steckt in einer handfesten Regierungskrise", so Jörg Haider in Liechtenstein. Die hätte nicht er und nicht die FPÖ zu verantworten, sondern jene "die das Regieren wegen eines Elementarereignisses beendet haben". Bedenken, Neuwahlen könnten zum Bumerang für die FP werden, hat er nicht: "Ich glaube nicht, dass uns die Keule des Wählers treffen wird." Die Verantwortung für Neuwahlen liege beim Regierungspartner: "Wir haben die Neuwahlen ja nicht provoziert." Die Entscheidung liege schließlich bei Bundeskanzler Schüssel: "Der Bundeskanzler muss nun entscheiden, ob er gleich in Pension geht oder noch etwas durchhalten will."

In Wien erklärt Haider am gleiche Tag, die FPÖ werde in Neuwahlen "besser abschneiden, als wenn sie noch ein halbes Jahr in der Regierung geblieben wäre".
Kritik an Haider kam von Hans-Jörg Schimanek, Exlandesrat in Niederösterreich und nunmehr Bezirksrat der Freiheitlichen in Wien. Haider habe sich von Volksanwalt Ewald Stadler zu etwas verleiten lassen, "dessen Konsequenzen er selbst nicht abschätzen habe können". Die jetzige Situation habe Haider sicher nicht gewünscht. Schimanek sprach von einem "Schuss nicht in ein Knie, sondern in beide". Jörg Haider sei mit FP-Volksanwalt Stadler "einem falschen Götzen erlegen". Schimanek attestierte seinem Parteifreund Stadler, "pathologisch destruktiv" zu sein. (Der Standard)

Haider erklärt, er habe mit Scheibner vereinbart, dass dieser den Kaufvertrag zu den Abfangjägern nicht unterschreiben werde. Scheibner erklärt das anschließend als "Missverständnis". Er würde sehr wohl an der Vertragsunterzeichnung festhalten, es werde aber Probleme mit einem rechtzeitigen Beschluss zur Finanzierung geben. Scheuch kündigt an, die sechs Kärntner Abgeordneten würde im Parlament nicht für die Finanzierung stimmen.

Mi

11.9.

In Kärnten werden die nebenstehenden Plakate aufgehängt.


Haider lässt sich im Design Zentrum in Linz "überreden", doch wieder Obmann der FPÖ zu werden. Er wird allerdings von einem Teil der Delegierten mit gellenden Pfiffen und nach unten gestreckten Daumen begrüßt. Zu Stellvertretern werden Ursula Haubner (Haiders Schwester), Thomas Prinzhorn, Herbert Scheibner und Hubert Gorbach für den Parteitag am 21.9. nominiert. Sozialminister Herbert Haupt wird Spitzenkandidat für die kommende Wahl.
Dieser auf die Frage, ob man Haider angesichts desssen Verhaltens in den vergangenen Wochen noch vertrauen könne. "Haider ist in seiner Gedankenwelt den Menschen meist voraus. Viele seiner Konzepte, die heute wie Bocksprünge aussschauen, werden später erst nachvollziehbar." Daher wolle er, Haupt, als "Übersetzer und Erklärer" der Haiderschen Ideen und Vorhaben wirken.

Do

12.9.

Gorbach sagt nach einer Sitzung des Vorarlberger Landesparteivorstandes, er sei für eine Kandidatur als Vizeobmann nicht bereit. Es werde auch ein Antrag für einen Parteiausschluss von Stadler vorbereitet. Prinzhorn lässt über einen Sprecher erklären, er werde bei der Nationalratswahl nicht mehr antreten, später heißt es dann, er würde "natürlich" antreten.

Haider nennt die Turbulenzen in der FPÖ einen "kleinen Betriebsunfall".

Fr

13.9.

Scheibner erklärt "Haider ist mit mir vom Kauf der Abfangjäger überzeugt". Gleichzeitig läßt er auch Rücktrittsgerüchte dementieren.
Schweitzer erklärt sich zur Nachfolge von Westenthaler als FPÖ-Klubobmann bereit.

Haider betritt knapp nach 7 Uhr das Gourmetlokal Oskar am St. Veiter Ring in Klagenfurt und wird dabei, wie er Montag sagt, bedroht. Haider bleibt ungefähr eine Stunde im Lokal, nachher soll er (so Format vom 20.9.) in einem nahegelegenen Restaurant gesehen worden sein.
Nach einer Umfrage von market hat die FPÖ innerhalb einer Woche drei Prozentpunkte verloren und kommt jetzt nur mehr auf 14 Prozent.
Auf einer Sitzung der erweiterten Landesparteileitung der FPÖ-Kärnten hagelt es heftige Kritik an den Knittelfelder Putschisten, inbesondere an Ewald Stadler.

Sa

14.9.

Haupt sagt, das Aus für die Abfangjäger gelte für die FPÖ nur als vorläufig.

Haider eröffnet am Vormittag - ohne Bewachung durch Bodyguards - die Klagenfurter Messe. Er wirkt dabei zeitweise desorientiert, posiert aber gleichzeitig auf einem Skibob. Kurz nach Mittag sagt ihm sein Pressesprecher, dass das Verteidigungsministerium noch diese Woche die Unterschrift unter den Abfangjäger-Kauf setzen will. Haider macht beim Messebesuch weiter, fährt dann in sein Klagenfurter Haus und schreibt ganz alleine, ohne irgendjemanden zu informieren, die endgültige Absage als Parteiobmann. Die Erklärung wird um 14 h 39 per Fax verbreitet, sie beginnt so: "Klagenfurt (OTS) - In Folgendem darf der freiheitliche Pressedienst Kärnten eine öffentliche Erklärung des Kärntner Landeshauptmannes Dr. Jörg Haider übermitteln …" Haider führt in dem Fax sein Scheitern auf "wirtschaftliche Interessen mit der Abfangjägeranschaffung" innerhalb der FPÖ zurück. Schuld sind "die bisherigen Regierungsmitglieder und die sie umgebenden Lobbys und Interessengruppen". Nachher verschwindet er bis Montag für die Öffentlichkeit. Er soll im Bärental gewesen sein, auch in Tarvis wurde er gesichtet.

Am gleichen Tag kündigt der für außenpolitische Kontakte zuständige FPÖ-Generalsekretär Peter Sichrovsky seinen Rücktritt beim Parteitag in Oberwart an.

So

15.9.

In der Hochrechnung des market-Instituts liegt die FPÖ in der 37. Kalenderwoche bei 17 Prozent.
Haider telefoniert mit Haupt, sonst mit niemanden. Er nimmt um 11h, wiederum ohne Personenschutz, an der Einweihung der Pfarrkirche Tiffen am Ossiacher See teil, dann bei einem Erntedankfest im Ort.

Interims-Parteichef Scheibner erklärt, er wolle nicht FP-Parteichef werden und wehrt sich gegen die Korruptionsvorwürfe von Haider. Dieser solle Beweise vorlegen oder die Beschuldigungen und persönlichen Unterstellungen zurückziehen. Scheibner kündigt auch an, den Rechnungshof einzuschalten.

Stadler verteidigt in einem Interview mit einer spanischen Zeitung das Regime in Bagdad.
Justizminister Dieter Böhmdorfer deutet an, dass man seinetwegen auch von den angekündigten Neuwahlen absehen könnte. In der ORF-Pressestunde fordert er die rücktrittsbereiten FP-Regierungsmitglieder und insbesondere Riess-Passer auf, ihre Ämter und Funktionen in Partei und Regierung wieder aufzunehmen.

Riess-Passer lehnt es ab, die FPÖ erneut zu übernehmen.

Mo

16.9.

Haider erklärt den Grund für seinen Rücktritt: er sei am Freitag von einem Mann bedroht worden. "Aus den Umständen hat sich bei mir die Meinung verfestigt, dass hier nicht mit normalen Karten gespielt wird. Ich bin nicht bereit, meine Familie zu gefährden. Deshalb habe ich mich aus dem Rennen genommen. Umso mehr, als mir ein holländischer Journalist erzählte, dass Pim Fortyn die Forderung erhoben hatte, dass es keine militärische Nachrüstung geben sollte. Das war offenbar sein Todesurteil." "Ich muss der Gewalt weichen." [Das ist eine Anspielung auf die Formulierung, die Schussnigg im Jahre 1938 zur Erklärung seines Rücktritts nach dem "Anschluss" Österreichs an das NS-Deutschland bebraucht hatte.] [Karikatur von Manfred Deix uind von Gerhard Haderer dazu]

Das Parteipräsidium tagt auf Wunsch des neuen Klubobmann Karl Schweitzer an einem geheimen Ort, um einen neuen Obmann zu finden. Haider nimmt an der Sitzung nicht teil. Montag Nacht einigt man sich auf Mathias Reichhold. Dieser erbittet sich Bedenkzeit. Reichhold sagt intern um 23h zu, nach einem Telefonat mit seiner Frau um 1h früh wieder ab. Schweitzer kann um Mitternacht vor der Presse keinen Namen nennen. Hilmar Kabas erklärt am nächsten Tag, dass es nur einen einzigen Kandidaten gegeben habe.
Der Vorarlberger Landeshauptmann und VP-Chef Herbert Sausgruber hält die FPÖ in ihrem derzeitigen Zustand für nicht mehr regierungsfähig und Khol als Klubobmann durchaus "verzichtbar".

Di

17.9.

Reichhold signalisiert in der Früh wieder Zustimmung und stellt Bedingungen, gegen 16h signalisiert er wieder Ablehnung. In einem neuerlichen Stimmungswechsel fliegt er um 17h von Wien nach Klagenfurt. Gespräch mit seiner Familie. Haider stimmt Reichhold zu. Um 20h ist Reichhold in Villach bei der Kärntner FP-Parteileitung. Knapp vorher gibt er seine Kandidatur als neuer FP-Obmann öffentlich bekannt.

Am gleichen Tag tritt der oberösterreichische FPÖ-Chef Hans Achatz, einer der Anführer des Putsches von Knittelfeld, zurück, um, wie er sagt , "die Partei vor einer Zereißprobe zu bewahren" und der "Rückkehr Riess-Passers nicht im Wege stehen".

Am Dienstag wird auch bekannt, dass Haider von seiner "Bedrohung" weder die Polizei noch seine Kollegen in der FPÖ benachrichtigt hat. Er hat auch keine Anzeige gemacht. Auch Innenminsiter Ernst Strasser erklärt, er sei vom Kärntner Landeshauptmann nicht informiert worden.
Der frühere FPÖ-Generalsekretär Sichrovsky nennt die Aussagen Haiders im Zusammenhang mit einer angeblichen Bedrohung "
absurd". Haider sei außerdem, so Sichrovsky, auch in die Entscheidung für den Kauf der Abfangjäger immer "voll eingebunden" gewesen.

Mi

18.9.

Reichhold berichtet, er habe Schüssel das Angebot gemacht, die Regierungsarbeit ohne vorgezogene Neuwahlen fortzusetzen. Schüssel habe das abgelehnt. Die Abfangjägerfrage könne laut Reichhold zur Zeit nicht gefällt werden, nach der Wahl müsse es eine Lösung geben. Scharfe Kritik an Haiders Kurs, "der in die Katastrophe führt." Reichhold kündigt auch "weitere Konsequenzen" an. So ist er strikt dagegen, dass der freiheitliche Volksanwalt Ewald Stadler für den Nationalrat kandidiert. Er würde die Partei auch nicht ohne "überzeugendes Votum" (mindestens 80 Prozent Zustimmung) übernehmen und die Forderung der "Parteirebellen" würden nicht umgesetzt werden.
Stadler schließt weitere Karriereschritte für sich in der nächsten Zeit aus. Er wolle auch nicht für die Nationalratswahl kandidieren.

Do

19.9.

Nach einem Bericht von Profil 40/02 startet Prinzhorn folgendes Manöver. Er lässt in seinem Namen im Innenministerium anrufen und verlangte Unterlagen und Informationen über eine Parteigründung. Davon aufgeschreckt kommt Reichhold ins Büro des Nationalratspräsidenten. Prinzhorn legt dort Reichhold ein vierseitiges Papier zur Unterschrift vor, das von Reichhold unterzeichnet wird. Inhalte sind u.a.: (1) Prinzhorn wird stellvertretender Parteiobmann und in alle wesentlichen Entscheidungen verpflichtend eingebunden. In den Bereichen Finanzen und Wirtschaft soll er sogar die Personalhoheit inne haben. (2) Es dürfe nur vier Stellvertreter geben (die Wunschkandidaten von Riess-Passer wurden damit laut Profil verhindert.) (3) Prinzhorns Bürochefin und rechte Hand, Barbara Kappel, kommt an wählbarer Stelle auf die Bundesliste. (4) Die Abfangjäger müssen aus dem Wahlkampf herausgehalten werden.

Ein neuer Störfall im AKW Temelin liefert der FPÖ den Anlass, den EU-Beitritt Tschechiens wieder einmal infrage zu stellen.
Der designierte FP-Chef und Infrastrukturminister Mathias Reichhold nennt das Weiterregieren als erstes Ziel der Wahlen. Die FPÖ will auch in Zukunft Regierungsverantwortung tragen - wenn auch "nicht um jeden Preis".

"Wir stehen wieder zur Verfügung" meint Karl Schweitzer bei seinem ersten Auftritt als freiheitlicher Klubchef und malt die Gefahr einer rot-grünen Regierung in wüsten Farben an die Wand. (Der Standard)

Fr

20.9.

Der Nationalrat in Wien beschließt seine vorzeitige Auflösung. Damit ist der Weg für die Neuwahlen frei.

Die Mehrheit der Bevölkerung glaubt nach einer Meinungsumfrage, dass die Krise in der FPÖ weitergeht. Nur ein gutes Viertel meinen, dass die Freiheitlichen nach ihrem Parteitag am Samstag geeinigt sein werden und wieder einheitlich auftreten können.


Die Polizei erstellt auf der Basis von Haiders Angaben ein Phantom-Bild des Unbekannten, der ihn bedroht haben soll..


.

Parteivorstand und Bundesparteileitung nominieren Reichhold zum Obmann. Stellvertreter sollen werden: Haupt, Prinzhorn, Bleckmann und Walch.

Sa

21.9.

[16. Jahrestages des Putsches in Innsbruck, der Haider an die Spitze der FPÖ brachte.] FPÖ-Sonderparteitag in Oberwart. Bei der Begrüßung bekommen Achatz und Stadler den lautesten Applaus. In Abwesenheit von Haider wird Reichhold mit 92,2 % der Stimmen zum FPÖ-Obmann gewählt. Haupt (als Stellvertreter) bekommt 96,1 %, Bleckmann 83,1%, Prinzhorn 72,1% und Walch 70,3%. In seiner Rede sagt Reichhold: "Es gibt bei uns keine Putschisten". Und: "Ich stehe hier, weil  Jörg Haider entschieden hat, nicht zum Parteiobmann zu kandidieren. […] Dieser Mann hat mich auserwählt". Keiner der zahlreichen Debatten-Redner spricht die Bedrohungs-Geschichte von Haider an. Es gibt auch keinen Antrag zur Frage der Abfangjäger. Burgenlands FP-Chef Stefan Salzl erklärt am Parteitag: "Jetzt geht es um die Abnabelung von Haider". "Oberwart 2002" sei für die FPÖ eine historische Zäsur, ähnlich bedeutend wie "Innsbruck 1986".

So

22.9.

In der Hochrechnung des market-Instituts stürzt die FPÖ in der 38. Kalenderwoche von 17 auf 13 Prozent ab.
Haider erklärt in einem Ö3-Interview Reichhold sei vor allem dank seiner Unterstützung Parteichef geworden. Reichhold kontert scharf, er sei "keine Marionette" von Haider. Gleichzeitig nimmt er einen neuerlichen Schwenk der FPÖ in der Abfangjägerfrage vor. Er sei jetzt gegen die Anschaffung.

Klaus-Dieter Bergner, Senior Vice-President des Eurofighter-Konzerns EADS, erklärt in einem Interview mit profil, er habe persönlich mit Haider über Kompensationsgeschäfte für den Abfangjäger-Kauf gesprochen: "Er war von unserem Angebot sehr angetan und hat gesagt: Ihr kriegt von mir jede Unterstützung, die ihr braucht."

Volksanwalt Ewald Stadler, Rädelsführer der Unterschriftenaktion für Knittelfeld, gibt sich in einem Interview im Standard zufrieden. Er habe sich, so meint er, personell wie inhaltlich durchgesetzt. Allerdings: "Die Humankosten erscheinen zu hoch".
Die ÖVP äußerte sich betont zurückhaltend zu den vergangenen Vorgängen in der FPÖ. Parteivize Wilhelm Molterer erinnerte am Sonntag daran, dass die FPÖ genauso wie SPÖ und Grüne ein Mitbewerber für die Volkspartei sei.

Mo

23.9.

Reichhold präsentiert seine Wahlkampf-Themen. Zeitgleich und ohne Absprache mit Reichhold kündigten Haider und Strutz in Kärnten außerdem einen eigenen Wahlkampf an. Themen sind: Veto gegen die EU-Osterweiterung (die Benes-Dekrete und die Avnoj-Beschlüsse müssen außer Kraft gesetzt werden, bevor man einem EU-Beitritt Tschechiens oder Sloweniens zustimmen werde) und Forderung nach einer Steuerreform. Außerdem werde man die Ausländerfrage wieder zum Kernthema machen: "Für uns gilt, Österreich zuerst, wir denken erst in zweiter Linie an die Ausländer". Haider werde auch für die Nationalratswahl als "Schlusslicht" auf der Landesliste kandidieren.


Haider wird am Vormittag von der Kärntner Sicherheitsdirektion zu der Bedrohung genauer befragt. Nach News (26.9.) habe Haider keine konkreteren Angaben gemacht. Um 15 h wird dann vom Innenministerium der Personenschutz für Haider durch die Sondereinheit Cobra (4 Männer hatten Haider die letzten drei Tage rund um die Uhr bewacht) wieder beendet. (Es habe, verlautbart die Sicherheitsdirektion am Mittwoch, eine Neubewertung der Situation gegeben, die Gefährdung werde nicht mehr als akut eingestuft. Haider habe dieser Einschätzung sowie dem Abzug der Personenschützer zugestimmt.)

Di

24.9.

Haider beharrt auf einer Steuerreform 2003, finanziert aus den Rücklagen der Nationalbank.

Mi

25.9.

Reichhold spricht sich dagegen aus, dass Haider für den Nationalrat kandidiert, und sagt, er erwarte, dass Haider seine Kandidatur zurückzieht. Reichhold an Haider: "Der Chef bin ich."

Do

26.9.

Reichhold bekräftigt seine Veto-Drohung gegen den EU-Beitritt Tschechiens: Bei Benes und Temelín gehe es um österreichische "Lebensinteressen", "Die Benes-Dekrete sind in der EU undenkbar". Ähnlich seine neue Stzellvertreterin Magda Bleckmann: "Wenn die Benes-Dekrete aufrecht bleiben und es bei Temelín kein Ausstiegsszenario gibt, wird es aus Sicht der FPÖ keine Osterweiterung geben."
Jörg Haider lässt offen, ob er als Schlusslicht auf der Kärntner Landesliste für den Nationalrat kandidieren werde oder nicht.

Fr

27.9.

Parteitag der Landes-FPÖ Oberösterreich. Achatz tritt ab, Nachfolger ist Klubobmann Günther Steinkellner. Dieser erklärt: "Ich will Brücken bauen und die aufgerissenen Gräben wieder zuschütten." Nach dem offenen Aufstand von vier Bezirksorganisationen will er "die Einigkeit und Handlungsfähigkeit der Landespartei wiederherstellen". "In Oberösterreich als führende Landesgruppe der FPÖ ist die Situation nicht einfach. Es gibt unterschiedliche Strömungen", weiß er. In der Tat: Schon vor seiner Wahl gab es neue Kritik, diesmal an der zu glatten Organisation des Parteitags. Zu gedrängt und knapp sei das Programm. Auf eine Neuwahl der Stellvertreter Steinkellners, unter denen deklarierte Achatz-Getreue sind, wurde verzichtet.
"Unter zwölf Prozent gehen wir in Opposition." nennt FP-Obmann Mathias Reichhold die Grenze, unter der für seine Partei eine neuerliche Regierungsbeteiligung nicht in Frage komme.
Am kommenden Wochenende soll, so wird bekannt, in Kärnten eine Entscheidung über eine Kandidatur von Landeshauptmann Jörg Haider auf der Kandidatenliste für die Nationalratswahl erfolgen. Im Radio Morgenjournal des ORF am Freitag dazu die neugewählte reichhold-Stellvertreterin Jost-Bleckmann, "normalerweise wäre das überhaupt keine Geschichte. Der Landeshauptmann steht als letzter auf der Liste oben. Aber für mich ist wichtig, daß die beiden [der neue FPÖ-Chef Mathias Reichhold und Haider] sich das miteinander ausmachen, wie der richtige Weg ist, wie die Sprachregelung ist". Auf die Frage, ob ihr das egal sei, meinte Bleckmann: "Ja".

Reichhold, der gegen Haiders Kandidatur ist, wollte Bleckmanns Aussage nicht kommentieren.

Sa

28.9.

Nach einem Bericht der Kleinen Zeitung soll Reichhold mit dem Rücktritt gedroht haben, solle Haider für die NR-Wahl kandidieren. Sechsaugen-Gespräch zwischen Haider, Reichhold und dem Gurker Bürgermeister Siegfried Krampl.

So

29.9.

In der Hochrechnung des market-Instituts liegt die FPÖ in der 39. Kalenderwoche bei 13 Prozent.
Nach einer sechsstündigen Sitzung des Kärntner Landesparteivorstandes in Launsdorf erklären Strutz und Reichhold, dass Haider nun doch auf eine Kandidatur bei der Nationalratswahl verzichte, obwohl sich die Kärntner FPÖ einstimmig für sein Antreten ausgesprochen hatte. (Haider war nicht einmal eine Stunde anwesend und hatte die Sitzung vorzeitig verlassen.) Reichhold sagt, er hätte auch eine Kandidatur Haiders akzeptiert, fände es aber "großartig, was der Jörg da gemacht hat."

Mo

30.9.

Andreas Mölzer schlägt eine Neugründung der FPÖ vor.

Der Budgetsprecher der FPÖ im Nationalrat, der Wirtschaftstreuhänder Hermann Böhacker tritt nicht mehr zur Wahl am 24. November an.
Ein Gutachten von J. Frowein u.a. für das Europäische Parlament wird bekannt, in dem erklärt wird, die Benes-Dekrete seien zwar "abstoßend aus der Sicht der Menschenrechte", aber mit geltendem EU-Recht "nicht inkompatibel". Reichhold versucht das Gitachten in Frage zu stellen, indem er meint, da hätten "nicht Historiker, sondern Politiker zu entscheiden". Die FPÖ beharre jedenfalls auf der Aufhebung der "menschenrechtswidrigen" Benes-Dekrete.

 





Copyright Manfred Deix, profil 45/2002.

Fr 1.11. ÖVP und FPÖ versuchen, sich weiter gegenseitig die Schuld am Scheitern der Regierung zuzuschieben. FPÖ-Klubobmann Karl Schweitzer wies die Vorwürfe des Vorarlberger ÖVP-Landeshauptmanns Herbert Sausgruber zurück, wonach die Auflösung der Koalition auf die "unglaublichen Vorgänge in der FPÖ und das Führungsversagen der Freiheitlichen" zurück zu führen sei. Die ÖVP-Landeshauptleute Pröll, Pühringer, Schausberger und eben Sausgruber sowie Wirtschaftskammerpräsident Leitl hätten sich von Anfang an "als Keile in der FP-VP Koalition und als Bremsklötze und Hemmschuhe für notwendige Reformvorhaben" erwiesen. Sie hätten vorsätzlich, dauerhaft und nachhaltig die Arbeit der Bundesregierung konterkariert und beschädigt. Ob dieses Doppelspiel Teil einer ÖVP-Strategie gewesen oder von Bundeskanzler Schüssel vielleicht nicht goutiert aber doch geduldet worden sei, ließ Schweitzer "im Raum stehen".
Dass Schüssel einen Austausch zweier FPÖ-Minister nicht akzeptiert und - ohne den Koalitionspartner zu informieren - "Neuwahlen vom Zaun gebrochen hatte", um günstige Umfragewerte zu nützen, bezeichnete Schweitzer als einen "Anfall von Opportunismus zum Schaden für Österreich". "Schüssel hat gepokert, hoch gesetzt und geblufft. Er hat aus Eigennutz die Wendepolitik aufs Spiel gesetzt und riskiert damit, dass Österreich in die Fänge einer Rot-Grünen Regierung gerät". (Der Kurier)

Jörg Haider wird einen der hinteren Plätze [auf der Bundesliste] einnehmen“, sagte der Kärntner FP-Chef Martin Strutz dem "Kurier". „Damit wird signalisiert, dass der Landeshauptmann seinen Teil zum Erfolg der Freiheitlichen beitragen wird.“ Ein Erfolg wären 20 Prozent (Derzeit lliegt die FPÖ vermutlich bei rund 13 Prozent .) In Kärnten wolle die FPÖ weiterhin Nummer eins bleiben. Haider werde sich auch in den letzten drei Wochen massiv in den Wahlkampf einschalten. Auftritte außerhalb Kärntens, die er bisher ausgeschlossen hat, sind möglich. Strutz: „Jeder weiß, dass sich Jörg Haider noch nie dem Wunsch verschlossen hat, wenn man ihn einlädt.“
Demgegenüber erklärt Haupt zur Positionierung von Haider auf der Bundeliste: "Ich habe mit ihm ausgemacht, dass er oben auf einen Ehrenplatz bekommt." Er schließe jedoch aus, dass die Knittelfelder Rebellen Kurt Scheuch unde Ewald Stadler auf der Bundesliste aufgestllt werden.
Sa 2.11. Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider überlegt nun doch, auf der Bundesliste für die FPÖ bei der Nationalratswahl zu kandidieren. Vor einer endgültigen Entscheidung werde es aber noch Gespräche mit Spitzenkandidat Herbert Haupt geben, sagte Haider am Samstag. Zum Spitzenkandidaten Haupt erklärte Haider, er rechne damit, dass Haupt in den nächsten Tagen die Position der FPÖ um drei bis fünf Prozent verbessern werde.
In der Vorausveröffentlichung eines "profil"-Interviews fordert Haider die frühere Parteiobfrau Susanne Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-Klubobmann Peter Westenthaler auf, die Partei zu verlassen.

Im folgenden die Original-Zitate aus dem "profil"-Interview laut apa vom späten Samstagnachmittag. (Das Gespräch führte "profil-Redakteur Thomas Hofer).
Im Laufe des Gesprächs ist die Rede von einem Ausscheiden Haiders aus der Politik.
"profil": Und wer führt die Partei dann weiter?
Haider: Das gibt es viele: Herbert Haupt zum Beispiel. Aber auch Magda Bleckmann und Heinz Christian Strache haben das Zeug dazu, erfolgreiche Parteichefs zu sein. Das sind Leute mit Stehvermögen und Gesinnung.
"profil": Was ist mit Thomas Prinzhorn - angeblich soll er eine entscheidende Rolle in dieser FPÖ-neu spielen ?
Haider: Von ihm bin ich begeistert. Wie er trotz seiner Enttäuschung bei der Regierungsbildung zu unseren Inhalten gestanden ist, das ist beeindruckend. Auf der anderen Seite wird man die Partei um alle jene Leute, wie etwa Tirols Landeschef Willi Tilg, erleichtern, die bisher nur auf meiner Erfolgswelle mitgeschwommen sind und jetzt gegen mich polemisieren. All diejenigen, die Leute wie Achatz angegriffen haben, haben keine Basis hinter sich. Die haben keine demokratische Legitimation und werden zur Kenntnis nehmen müssen, dass sie entbehrlich sind. Die haben nur die brutale ÖVP-Medienpropaganda genützt, um verdienten Persönlichkeiten der FPÖ in den Rücken zu fallen.
"profil": Meinen sie damit auch Vizekanzlerin Riess-Passer, Finanzminister Grasser oder Ex-Klubchef Westenthaler ?
Haider: Alle jene, die jetzt nicht aktiv mittun, möchte ich nie mehr in einer FPÖ, oder einer FPÖ-neu sehen. Sich in einer solchen Situation abseits zu stellen und sich nur die Taschen voll zu stopfen mit Geldern aus Ämtern, die sie nur durch die Partei erreicht haben, ist ein Akt der Illoyalität. Wenn man der FPÖ nicht mehr helfen will, dann darf man auch nicht die Ministerposten behalten, und sich dafür bezahlen lassen.
"profil": Was erwarten Sie von den Dreien ?
Haider: Wenn sie Charakter haben, dann müssen sie die Konsequenzen ziehen und auch als Parteimitglieder gehen. Ein Reinigungsprozess von jenen, die die FPÖ nur für ihre Interessen gebrauchen, wäre nicht schlecht.
"profil": Von wem aus diesem Trio sind Sie am meisten enttäuscht ? Von Susanne Riess-Passer ?
Haider: Nicht einmal. Sie hat nach einer Seelenmassage durch Grasser und Westenthaler in einer Situation resigniert, in der sie nicht weglaufen hätte dürfen. Aber das Ganze hat schon so gewirkt, als wäre es mit Schüssel abgesprochen gewesen. Die Inszenierung war zu perfekt. Und der Jubel über die Treulosen in den gegnerischen Medien hat jeden denkenden Bürger nachdenklich gemacht.
"profil": Eine Weltverschwörung gegen die FPÖ ?
Haider: Die FPÖ war bei Wahlen nicht zu besiegen, nicht bei den Themen, also hat man sie nach meinem Rückzug von innen her aufgebrochen. Ich verweise nur darauf, dass Karl-Heinz Grasser bereits das zweite Mal die FPÖ verraten hat. .......
Haider: Der Abfangjägerkauf hat vieles ausgelöst und Entschlossenheit zum Rücktritt beflügelt. Es gab offenbar Sicherheiten für gewisse Personen, die die Entscheidung erleichtert haben. Vielleicht muss man das zusammen mit dem Versuch sehen, die FPÖ zu spalten. Da ist eine Person wie Stronach sehr talentiert. Der hat uns den Grasser schon einmal herausgekauft, genauso wie er uns den Trainer von FC Kärnten Schachner nur aus Bosheit weggekauft hat.
"profil": Sie behaupten, er hätte Riess-Passer, Grasser und Westenthalter gekauft ?
Haider: Sie stehen alle in Geschäftsbeziehung zu ihm. Das ist auffällig und kann kein Zufall sein.
"profil": Haben sie Beweise für angedeutete "strafrechtliche relevante" Tatbestände ?
Haider: Ich bin neugierig, wie sich die Justiz verhalten wird. .........
Haider: Ich habe eigentlich vor, später etwas darüber zu schreiben. Nur so viel: Die goldene Regel ist in Österreich offenbar sehr wirksam.
"profil": Wie lautet die ?
Haider: Wer das Gold hat, bestimmt die Regeln.

Die von Haider via "profil" an Susanne Riess-Passer, Karl-Heinz Grasser und Peter Westenthaler gerichtete Aufforderung zum Parteiaustritt wurde am Samstagnachmittag von der FPÖ Kärnten dementiert. Landesobmann Martin Strutz erklärte, es handle sich um eine Falschmeldung. Die Schlagzeile des Nachrichtenmagazins stehe in keiner Relation zum Gesagten, betonte Strutz in einer Parteiaussendung. Haider habe ausschließlich Kritik am Wahlkampfeinsatz der genannten Personen geübt. Strutz sagte, Haider habe gegenüber "profil" wörtlich Folgendes festgestellt [vgl. die Zitate oben dazu]: "All jene, die jetzt nicht aktiv mittun, möchte ich nie mehr in einer FPÖ oder FPÖ-Neu sehen. Sich in einer solchen Situation abseits zu stellen und nur die Taschen voll zu stopfen, mit Geldern aus Ämtern, die sie nur durch die Partei erreicht haben, ist ein Akt der Illoyalität. Wenn man der FPÖ nicht helfen will, dann darf man auch nicht Ministerposten behalten und sich dafür bezahlen lassen." Laut Strutz stünden diese Aussagen in keiner Relation zu den Schlagzeilen, die er als "bewusst konstruiert" bezeichnete. Er sprach von Missbrauch der Medien.
Im Samstag-Nachmittag-Journal des ORF-Radio bestritt Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider, Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-Klubchef Peter Westenthaler zum Austritt aus der Partei aufgefordert zu haben. Er habe lediglich gesagt, jeder, der durch die Partei ein Minister- oder Klubobmann-Amt erhalte und dafür bezahlt werde, müsse in einer "so schwierigen Phase und dramatischen Wahlbewegung" wie jetzt zum 24. November, bereit sein "mitzuarbeiten und für die FPÖ zu werben". Denn "Geld zu nehmen für einen Posten, den man der Partei verdankt und für die Partei nichts zu leisten", das müsste schon ein "ziemlicher Spitzbube" sein.
Gelassen haben Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und der ehemalige FPÖ-Klubchef Peter Westenthaler auf die Forderung Jörg Haiders reagiert, sie sollten - gemeinsam mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser - aus der Partei austreten. Sie hätten sich nichts zu Schulden kommen lassen, es sei schade, wenn im Wahlkampf nicht die politischen Gegner sondern eigene Parteimitglieder attackiert würden. Und - wenn Haider wolle, könne er ein Parteiausschlussverfahren anstrengen, das stehe jedem Parteimitglied frei, so Riess-Passer und Westenthaler auf Anfrage der apa. An einer "Politik der verbrannten Erde" wolle sie sich nicht beteiligen, stellte die Vizekanzlerin fest. Die Vorwürfe sind für sie "völlig unverständlich". Dass sie und Grasser in ihren Regierungsämtern verblieben sind, sei auf Wunsch der Partei erfolgt. Auch habe sie keinerlei Aktion gesetzt, die nicht mit der Parteispitze abgesprochen gewesen sei.
Ebenso argumentierte Westenthaler: "Ich habe 15 Jahre lang Tag und Nacht für den Erfolg der FPÖ gekämpft", sagte er und bekräftigte, weiterhin Parteimitglied der Freiheitlichen bleiben zu wollen, dies sei ihm eine "Herzensangelegenheit". Aber, "wenn man uns nicht mehr will, muss man ein Ausschlussverfahren beginnen. Das kann jedes Parteimitglied tun durch eine Anzeige beim Partei-Schiedsgericht". In so einem Falle müsse begründet werden, warum der Ausschluss erfolgen solle. Westentahler: "Ich habe eine weiße Weste, ich habe kein Millionen-Spesen-Konto".
Finanzminister Karl-Heinz Grasser wollte am Samstag zu all dem nicht Stellung nehmen. Aus dem Finanzministerium hieß es dazu nur: "Der Minister gibt in dieser Causa keinen Kommentar ab."

Haider war am Samstag von Klagenfurt aus nach Syrien aufgebrochen, von wo er weiter nach Bagdad weiter reisen will. In Bagdad will er eine Wirtschaftsmesse besuchen. Ob es neuerlich zu einem Treffen mit Staatschef Saddam Hussein kommt, stand am Samstag noch nicht fest. Fixiert seien hingegen bereits ein Treffen mit Vize-Ministerpräsident Tarek Aziz und mit Außenminister Naji Sabri.
Der neue FPÖ-Chef, Gesundheitsminister Herbert Haupt, war von Jörg Haiders neuerlicher Irak-Reise informiert. Dies sagte Haupts Sprecher, Herbert Grosz, am Samstag auf Anfrage der apa. Auf die Frage, ob Haupt daraufhin auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) informiert habe, sagte der Sprecher: "Nein. Das ist nicht notwendig und nicht seine Aufgabe."

Für eine heftige Reaktion aus Oberösterreich haben am Samstag die jüngsten Aussagen von Haider gesorgt. Der Gmundener Bezirksparteiobmann Martin Kreßl legt dem Kärntner Landeshauptmann einen Austritt aus der Partei nahe: "Er könnte ja um politisches Asyl im Irak ansuchen, dort fühlt er sich offensichtlich sehr wohl und wäre unter Freunden." Haider sei völlig außer Kontrolle geraten: "Wenn sich jemand in der Partei die Taschen voll gestopft hat, dann war es Jörg Haider selber, mit seinen vielen Aufwandsentschädigungen der letzten Jahre, die sich in Millionenbeträge (Schillinge) belaufen". Wenn jemand aus der Partei austreten solle, dann sei es der Altparteiobmann selber, denn er habe der Partei mit dem "Irak-Spektakel und seiner Sympathie zum verrückten Diktator Suddam Hussein schweren Schaden zugefügt". Auch habe sich Haider selbst als "Zündler und Sprengmeister betätigt" und mit den "Knittelfelder-Putschisten" eine erfolgreiche, im In-und Ausland anerkannte Regierungsmannschaft in die Luft gesprengt. Riess-Passer, Grasser und Westenthaler hätten im Gegensatz zu seiner "Sprücheklopferei" und seinen "Rundumschlägen" verantwortungsbewusste Regierungsarbeit geleistet. (apa)
Alois Pumberger, FP-Parteiobmann von Ried/Innkreis und Nationalratsabgeordneter, fordert Jörg Haiders Parteiaustritt, schreibt die "Sonntags Rundschau" (OÖ). Dass er mit seiner Forderung nicht alleine ist, wisse seit einem Bezirksparteitag im September dieses Jahres. Damals stellte Pumberger den Antrag auf den Parteiausschluss von Jörg Haider, Hans Achatz, Ewald Stadler und "all jenen Personen, die durch ihr Handeln die Partei schädigen". "Dieser Antrag wurde mit einer deutlichen Mehrheit angenommen - 90 Prozent stimmten dafür", so der FP-Nationalratsabgeordnete. Das eindeutige Ergebnis wurde bisher nicht der Öffentlichkeit präsentiert, da man weitere Entwicklungen abwarten wollte. Doch Jörg Haider wusste darüber Bescheid. "Ich habe ihm das beim Bundesparteitag klipp und klar gesagt", erinnert sich Pumberger an die scharfen Worte, die er seinem Parteikollegen aus Kärnten zukommen ließ.
Die neuerlichen Attacken von Jörg Haider gegen Susanne Riess-Passer, Karl-Heinz Grasser und Peter Westenthaler kommentiert Pumberger so: "Das tut verdammt weh, dass die bisher erfolgreichsten freiheitlichen Politiker derart angegriffen werden. Obwohl ich hier nicht irgendwelche Gelder gegeneinander aufrechnen möchte, sage ich nur so viel dazu, dass Jörg Haider täglich durchschnittlich 10.000 Schilling Spesen hat."
So 3.11. In der Hochrechnung des market-Instituts liegt die FPÖ in der 44. Kalenderwoche bei 13 Prozent.

Haider ist am Sonntag mit dem irakischen Außenminister Naji Sabri in Bagdad zusammengetroffen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur INA berichtete, sprachen beide über Möglichkeiten, "die Beziehungen zwischen den beiden befreundeten Seiten weiterzuentwickeln". (apa)
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat am Sonntag in der Fernseh-"Pressestunde" zwar Haider kritisiert, eine Fortsetzung der schwarz-blauen Koalition aber neuerlich nicht ausgeschlossen. Ob eine Koalition mit der FPÖ unter Haider denkbar wäre, beantwortet Schüssel ausweichend: "Ein Mann ist keine Partei." Haider sei nicht der FPÖ-Obmann und in keinem Verhandlungsteam. Zu den heftigen Attacken Haiders gegen seine Person sagte Schüssel, dass er dem Landeshauptmann nicht alles verzeihen werde. Man solle aber nicht Haider zur zentralen Figur machen, sondern den Wähler.
Der Kärntner FPÖ-Obmann Martin Strutz hat am Sonntag die Kritik von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an der neuerlichen Irak-Reise von Landeshauptmann Jörg Haider zurück gewiesen. Die Reise diene nicht nur dazu, österreichischen Firmen Aufträge zu sichern, sondern sei auch ein Beitrag für den Frieden im Nahen Osten. Dies wäre eigentlich die Aufgabe der Bundesregierung und von Schüssel, "anstatt sich mit Kriegstreibern aller Tony Blair auf europäischer Ebene in ein Bett zu legen", so Strutz in einer Aussendung. "Haider führt Friedensgespräche und leistet seinen Beitrag dazu, auch den Frieden im Nahen Osten zu sichern. Europa wird dem Kärntner Landeshauptmann für seine Tätigkeit und seine Mission in Bagdad noch einmal dankbar sein."
"Haider führt auch konkrete Gespräche, um einen Krieg gegen den Irak verhindern zu helfen", erläuterte Strutz. Schon seine letzte Bagdad- Reise habe zu konkreten Abschlüssen geführt. Das politische Engagement von Haider habe die Friedensgespräche zwischen den USA und dem Irak in Wien wieder ankurbeln geholfen.
"Ich verstehe, dass Haider in den Irak fährt. Ich wüsste sonst keinen Politiker, der ihn offiziell empfangen würde", sagt der im September als FP-Generalsekretär zurückgetretene Peter Sichrovsky im Standard-Gespräch. Eine weitere Möglichkeit sähe er eigentlich nur mehr in Nordkorea, ätzt Sichrovsky. Auf die Frage, ob Haider an vorderster Front in die Bundespartei zurückkehren könnte, antwortet Sichrovsky: "Ist mir egal." Er bezeichnet sich selbst als "Noch-Mitglied" der FPÖ. Zynischer Nachsatz: "Ich warte auch auf ein Ausschlussverfahren." Denn dass Haider die "verdienstvollsten Leute in der Geschichte der Partei" (Riess-Passer, Grasser, Westenthaler) den Parteiaustritt nahe legte, stört ihn gewaltig. (Der Standard, Printausgabe, 4.11.2002) (apa)
Mo 4.11. Haider trifft Saddam Hussein in Bagdad. Der Kärntner Landeshauptmann Haider ist am Montag in Bagdad vom irakischen Diktator Saddam Hussein empfangen worden. Bei der rund einstündigen Unterredung sollen die internationale Politik und bilaterale Wirtschaftsfragen im Mittelpunkt gestanden sein. Die Begegnung zwischen dem Machthaber und Haider fand in einem Palast in Bagdad statt. Saddam hätte bei dem Gespräch seinem Außenminister Sabri außerdem persönlich den Bereich der bilateralen Wirtschaftskontakte übertragen, so Haider. Er wertete dies als ein gutes Zeichen für das Interesse des Irak an einem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zu Österreich. Weitere Details nannte Haider nicht . (apa)
Die amtliche irakische Nachrichten-agentur INA bezeichnet Haider wörtlich als "Governors of Karenthia, head of Liberal Party in Austeria Dr. Yorgh Hider" (Der Standard).
Die neuerliche Irak-Reise von Haider findet die volle Zustimmung von FPÖ-Chef Haupt. Haider sei von österreichischen Unternehmern gebeten worden, in Bagdad Aufträge ans Land zu ziehen, meinte Haupt. Dies sei "ein hehres Ziel im Sinne Österreichs".
Kein Verständnis hat Haupt auch für die Einwände von Bundeskanzler Schüssel gegen die Reise. Immerhin habe der ÖVP-Chef am Sonntag in der "Pressestunde" zugegeben, dass er gerüchteweise von den Plänen des Landeshauptmanns erfahren habe. Dann wäre aus Sicht Haupts eine Kontaktaufnahme Schüssels fällig gewesen. Bei "zwei alten Freunden, die gemeinsam einen Koalitionspakt unterzeichnet haben, wäre ein Telefongespräch keine Angelegenheit gewesen".
Dagegen äußerte sich der Vorarlberger FPÖ-Chef Hubert Gorbach äußerst skeptisch. Haider müsse "doch wissen, dass dies der Partei im Wahlkampf nicht dienlich ist". Und der steirische FP-Obmann Leopold Schöggl wollte keine klare Positionierung abgeben.
Erwartungsgemäß Unterstützung für Haider kam vom Kärntner FP-Obmann Martin Strutz. Wäre es nicht Haider, der im Irak für Großaufträge wirbt, würde man mit dem Erfolg der österreichischen Wirtschaft hausieren gehen, meinte er. (apa)

Weder fair noch "partei-freundschaftlich" bezeichnet Hubert Gorbach die Aussagen Haiders im Nachrichtenmagazin "profil" dieser Woche, wonach Vizekanzlerin RiessPasser, Finanzminister Grasser und Ex-Klubchef Westenthaler "die Konsequenzen ziehen müssen und auch als Parteimitglieder gehen, wenn sie Charakter haben". Hubert Gorbach: "Da tut Jörg den drei Spitzenfunktionären wirklich unrecht. Alle drei haben ihre Ämter sehr, sehr ernst genommen. Sie wurden auch um die Beibehaltung der Funktionen gebeten. Nun zu sagen, sie hätten sich nur die Taschen vollgestopft, dient nur den politischen Mitbewerbern. So unfein geht man mit alten Freunden nicht um."
Nun gelte es mehr denn je, als Vorarlberger Landesgruppe einen eigenständigen Weg zu gehen. Die "Vorarlberger Freiheitlichen" wollen sich ganz darauf konzentieren, so LSth. Gorbach, der mit Haider reden will, sobald dieser aus dem Irak zurückgekehrt ist, denn die jüngsten "Aktionen" sind für Gorbach nicht nachvollziehbar. Keinen Wert legt man in der Ländle-FP offensichtlich auf Wahlkampfunterstützung aus Wien. "Ich habe Bundesparteiobmann Haupt gesagt, dass es mehr bringt, sich auf die Ballungszentren zu konzentrieren."
Etwas kryptisch fiel Haupts Antwort auf die Frage nach seiner Einschätzung der Vorwürfe des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider an Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-Klubobmann Peter Westenthaler aus, sich persönlich bereichert zu haben. Haupt meinte dazu, er selbst hätte stets die Gerichte eingeschaltet, wenn seine Ehre oder die Ehre seiner Familie beleidigt würde. "Das ist für mich der einzig mögliche Weg in einer Demokratie".
Das US-Außenministerium hat seinen Unmut über die neuerliche Irak-Reise des Kärntner Landeshauptmanns Haider und sein Treffen mit dem irakischen Staatspräsidenten Saddam Hussein ausgedrückt. Beim Pressebriefing am Montag reagierte der Sprecher des State Department, Richard Boucher, auf eine Frage zu Haiders Treffen mit Saddam Hussein mit der kurzen Bemerkung, "Leute vom gleichen Schlag?" ("Birds of a Feather?" laut Transkript des Briefings). Damit bezog er sich offenbar auf das Sprichwort "Birds of a Feather stick together" ("Gleich und gleich gesellt sich gern"). Auf eine weitere Frage, welche Haltung die USA gegenüber Politikern aus demokratischen Ländern einnähme, "die in den Irak fahren, um mit Saddam Hussein zu plaudern", sagte Boucher: "Dazu werde ich keine neue Haltung einnehmen". Bereits Haiders erste Irak-Reise in diesem Jahr war vom State Department in einer Presseerklärung als "kontraproduktiv" verurteilt worden. Zu Haiders zweiter Reise im Mai wollte Washington keinen Kommentar mehr abgeben. (www.derstandard.at)
Die 5.11. Haider erklärt am Dienstag, er habe im Irak den Frieden gerettet: "Die Kriegsführung kann unterbleiben". Nach seinem Gespräch mit Saddam Hussein habe sich dieser bereit erklärt, eine UN-Resolution zu akzeptieren, wenn sie die Unabhängigkeit, Souveränität und Sicherheit für den Irak beinhalte. "Bisher hat niemand den Irak zu irgendeiner Beweglichkeit motivieren können. Wir haben das erreicht." Wenigen anderen in der Außenpolitik sei so etwas gelungen. Das einzige Problem seien jetzt noch die Amerikaner. Die wollten nämlich um jeden Preis Krieg führen. Aus einem Grund: "Die Amerikaner streben eine Vormachtstellung beim Öl an. Dann wird sich Europa anschauen."
Die UNO-Sanktionen gegen den Irak bezeichnete Haider als "Beihilfe zum Völkermord". Wenn die Frage des irakischen Giftgasangriffes auf die kurdische Bevölkerung gestellt werde, "muss man auch die Frage stellen, warum haben die Amerikaner die Atombombe auf die japanische Zivilbevölkerung geworfen und warum haben die Chinesen unschuldige Studenten niedergewalzt".
Haider hat nach Angaben von FPÖ-Klubobmann Karl Schweitzer bei seiner Irak-Reise die Freilassung von 300 kurdischen Kriegsgefangenen erwirkt, die Reise habe "Sinn gemacht" sagte Schweitzer in der Nacht auf Dienstag in der "ZiB3".
"In höchstem Maße kontraproduktiv" sei die Reise von Haider, sagte Finanzminister Karl-Heinz Grasser am Dienstag in Brüssel am Rande des EU-Finanzministerrates. Ein Landeshauptmann "kann nicht österreichisch-irakische Beziehungen besprechen oder verhandeln". Grasser ist "sehr erstaunt, dass man einen Fehler mit großem Elan ein zweites Mal begeht" und erinnert daran, dass er schon die erste Reise Haiders in den Irak kritisiert habe.
Gefragt, ob er sein eigener Nachfolger (als Finanzminister) sein könnte, meinte Grasser: "Das würde mich selbst überraschen". Er habe "hervorragende Angebote" aus der Privatwirtschaft, die eine "Gehaltsvervielfachung" bedeuten würden und sei daher für seine eigene Zukunft sehr optimistisch.
Merklich auf Distanz zu Jörg Haiders Irak-Reise gegangen ist am Dienstag Verteidigungsminister Herbert Scheibner. Angebracht seien "weder übertriebene Wichtigmacherei noch besondere Hysterie". Wenn es sich - wie er gehört habe - bei der Reise darum gehandelt habe, die Wirtschaft zu unterstützen, sei das in Ordnung, aber: sicherheitspolitisches Engagement müsse abgesprochen sein, betonte der Minister am Rande einer Pressekonferenz.
Scheibner verwies auf seine eigenen Erfahrungen im arabischen Raum: "Ich weiß, wie man so etwas machen kann und soll und ich weiß, wie man so etwas nicht machen kann und soll." Klar sei: "Wenn man hier sicherheitspolitisch oder außenpolitisch agiert, muss man andere Maßstäbe ansetzen." Und: "Im Zweifel, wenn man wirklich etwas bewegen will, sollte man die Medien heraushalten." Der Verteidigungsminister weiter: "Wenn man sicherheitspolitisch unterwegs ist, sollte man auch aufpassen, dass man nicht vereinnahmt wird." Auf die Frage, wie diese Aussagen nun hinsichtlich der jüngsten Haider-Reise konkret zu verstehen seien, gab sich der Minister freilich zurückhaltend: "Die Interpretation lasse ich ihnen über." Er wies allerdings darauf hin, dass unabhängig von sicherheitspolitischen Fragen derzeit praktisch alle Länder in die arabische Region drängten.
Infrastrukturminister Mathias Reichhold wurde am Dienstag nach zehntägigem Spitalsaufenthalt in häusliche Pflege entlassen. Die Herzrhytmusstörungen seien abgeklungen, erklärte Primar Georg Lexer, Reichholds behandelnder Arzt im Krankenhaus Friesach. "Der Patient muß sich noch einige Tage lang schonen. Danach kann er seine Arbeit als Minister ganz normal wieder ausüben", so Lexer. Von besonderen Belastungen, wie sie etwa ein Wahlkampf mit sich bringe, rät Lexer allerdings aus ärztlicher Sicht ab.
Ob der Kurzzeit-FP-Obmann in die Politik zurückkehren wird, ist noch unklar. In den Nationalrat dürfte Reichhold jedoch nicht einziehen, ist er doch sowohl auf der Bundesliste als auch auf der Kärntner Landesliste an nicht wählbarer Position gereiht. Als Infrastrukturminister bleibt Reichhold allerdings noch bis zur Angelobung einer neuen Regierung im Amt.

Eva Linsinger stellt im Standard fest, dass sich beim gegenwärtigen Saddam-Besuch kein einziger FP-Spitzenpolitiker findet, „der im Freundschaftsbesuch beim Diktator irgendetwas Negatives sieht. Von Neoparteiobmann Herbert Haupt abwärts betet die neue Führungsriege brav die absurden Haider-Argumente nach, dass dieser im Bagdader Präsidentenpalast einen total wichtigen Beitrag für die österreichische Wirtschaft, gegen die österreichische Arbeitslosigkeit und für den Weltfrieden leistet. […] Die völlige Kritiklosigkeit gegenüber Haider […] ist ein deutlicher Beleg für den Positionswechsel in der FPÖ. Vertreter des regierungsfähigen Flügels wie Riess-Passer oder Grasser wurden von den Knittelfelder Rabauken weggeputscht - und […] Reichhold ist auf der Bundesliste an aussichtsloser Stelle gereiht - und das auch noch direkt hinter Haider, den Reichhold aus der Bundespolitik und von der Bundesliste fern zu halten versucht hatte. Und zynischerweise wird Reichhold, der wegen eines angeblich kranken Herzens zurücktrat, auf den neuen FPÖ-Plakaten durch ein Herz - Slogan dazu: "das verbindet uns" - ersetzt.[Zitat Ende].
Peter Westenthaler kommentiert in www.derstandard.at das heutige TV-Duell spät am Abend zwischen Wolfgang Schüssel und Herbert Haupt u.a. so:
Formal hat er recht“, sagt Westenthaler zum Argument von Haupt, Schüssel habe die Koalition gebrochen – um später zu relativieren: „Schüssel ist immer hundertprozentig zur Koalition gestanden. Aber es ist ihm nichts anderes übrig geblieben. Man muss sich nur überlegen: Was hätten wir getan, wenn es in der ÖVP einen Umsturz gegeben hätte? Etwa wenn Schüssel durch Erwin Pröll abgelöst worden wäre? Das hätte die FPÖ niemals akzeptieren können.“
Westenthaler räumt gleich mit einer anderen Mär auf: „Haider hat gewusst, dass es Neuwahlen gibt, sollten wir drei (Anm.: Susanne Riess-Passer, Karl-Heinz Grasser, Westenthaler) abgelöst werden. Aber er hat alles völlig falsch eingeschätzt: Er hat uns nicht geglaubt, dass wir zurücktreten. Und er hat auch nicht geglaubt, dass das zu Neuwahlen führt.
Getroffen ist Westenthaler, als Haupt über Riess-Passer, Grasser und ihn sagt: „Wer jetzt nicht mithilft, die FPÖ in dieser Wahlbewegung zu unterstützen, sollte sich überlegen, wie weit er noch mit der FPÖ und dem Reformprojekt verbunden ist.“ – „Schade, dass der Herbert voll den Haider-Jargon übernimmt. Wenn man 15 Jahre lang Tag und Nacht für die Partei rennt, erwartet man sich etwas anderes“, ärgert sich Westenthaler.
Am Dienstag wurden bereits Plakate mit Haider und der FP-Spitze [vierter von links ist Haider] produziert, die demnächst in ganz Österreich affichiert werden.
Mi 6.11. Haupts teilweise Übernahme des Standpunktes von Haider gegenüber Riess-Passer, Grasser und Westenthaler im TV-Duell gestern Abend mit Wolfgang Schüssel spaltet die Partei in Verteidiger und Attackierer von Riess-Passer und Grasser. Die Kärntner FPÖ gehört zum Lager der Attackierer - hatte doch Jörg Haider das abgetretene Führungstrio schon angegriffen. Daher meinte FPÖ-Landeschef Martin Strutz, er gehe mit Haupt "hundertprozentig d’accord". Die drei Genannten sollten aus der FPÖ austtreten. Andere wiederum verteidigen Riess-Passer und Grasser heftig. Max Walch, ein Stellvertreter Haupts, meinte, er wolle "niemand weghaben". Auch Burgenlands FP-Chef Stefan Salzl sah "keinen Grund" für Austritte. Riess-Passer werde den Wahlkampf im Burgenland unterstützen, so Salzl. Haupt selbst wollte am Tag danach nie von Parteiaustritt gesprochen haben.
Weitere Reaktionen aus der FPÖ laut www.orf.at: Aus Tirol kommt wenig Unterstützung für die Forderungen von Haider und Haupt. Der Tiroler FPÖ-Chef Willi Tilg ortet bei der früheren FPÖ-Spitze sehr wohl Unterstützung im laufenden Wahlkampf. Der Vorarlberger FPÖ-Chef Hubert Gorbach betont: "Die FPÖ braucht jetzt alle Kräfte. Riess-Passer und Grasser haben sehr gute Regierungsarbeit geleistet und ich wünsche mir, dass sie der Politik erhalten bleiben."
Jeder muss miztarbeiten, lässt der niederösterreichische FPÖ-Chef Ernest Windholz seine Parteikollegen wissen. Inwieweit sich die drei Genannten einbringen, könne er nicht beurteilen. Der Salzburger FPÖ-Obmann Karl Schnell ist gegen eine parteiinterne Diskussion. Zu hauopts Aussagen meinte er: "Haupt hat nur darauf hingewiesen, dass alle für die Partei kämpfen sollen."
FPÖ-Klubobmann Karl Schweitzer ist entsetzt über den Stil in seiner Partei und unterstützt die von Haider angegriffenen drei Spitzenpolitiker. Wer wie Riess-Passer, Grasser und Westenthaler "über einen so langen Zeitraum hinweg so hervorragende Arbeit für die FPÖ und für Österreich geleistet hat, sollte innerhalb unserer Gesinnungsgemeinschaft immer einen Platz haben, den ihnen auch niemand streitig machen sollte", wies Schweitzer die Forderung Haiders nach einem Parteiaustritt der drei zurück.
Man müsse "froh sein, diese Personen in der FPÖ zu haben. Wenn jemand glaube, dass Riess-Passer, Grasser und Westenthaler sich etwas zu Schulden hätten kommen lassen, soll er damit aufhören, Gerüchte zu verbreiten, sondern etwaige Fakten auf den Tisch legen, was aber schwierig sein dürfte, da es solche Fakten mit Sicherheit nicht" gebe, zeigte sich Schweitzer überzeugt. "Nicht belegbare Anschuldigungen" seien kein geeignetes Mittel zur Wahrheitsfindung und auch kein Mittel, das man in der politischen Auseinandersetzung verwenden sollte.
Zu den Aussagen des neuen FPÖ-Chefs, Herbert Haupt, der sich indirekt der Kritik an den drei Spitzenpolitikern angeschlossen hatte, meinte Schweitzer, Haupt habe lediglich erklärt, dass er Riess-Passer, Westenthaler und Grasser einlade, sich aktiv am Wahlkampf zu beteiligen. "Auch ich ersuche sie, sich in der verbleibenden Zeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten am Wahlkampf zu beteiligen."
"Bei aller Brillanz" des gestrigen TV-Auftritts von Haupt sei es "ein bisschen enttäuschend" gewesen, dass er die Vorwürfe Haiders "so undifferenziert übernommen" habe. "Wir haben es uns nicht verdient, jetzt eine Art Fußtritt zu bekommen", sagte Westenthaler im Ö1-Interview. Riess-Passer und er hätten 15 Jahre lang Tag und Nacht bis an ihre Grenzen für die Partei gearbeitet. Beide hätten aus der FPÖ sehr viel Solidarität bekommen, auch nach den Attacken Jörg Haiders. Er sieht niemanden, der wünsche, dass er und Riess-Passer die Partei verlassen sollten.
Er hoffe, dass das nicht so gemeint gewesen sei, denn er trage "noch immer die Partei im Herzen", so Westenthaler. Die Vorwürfe Haupts kämen "ja nicht von ihm, sondern von jemand anderem", womit Westenthaler Haider meinte. "Untergriffe, Diffamierungen, Beleidigungen oder gar Fußtritte, wie sie Jörg Haider ausgeteilt hat", würde Herbert Haupt in Wirklichkeit nicht übernehmen. Von sich aus wolle er seine Parteimitgliedschaft jedenfalls nicht zurücklegen. Einem Parteiausschlussverfahren würde er sich stellen müssen, "aber es wäre sehr schade".(www.orf.at)
Laut „News“ steht Haider steht vor seinem Einstieg in den bundesweiten Wahlkampf. In einem "News"-Interview erklärte er, wenn der FP-Spitzenkandidat Herbert Haupt es wünsche, werde er ihn "natürlich" auch bundesweit unterstützen. Zu seiner möglichen Rückkehr in die Bundespolitik sagte Haider, "wenn man so viele Jahrzehnten für etwas gearbeitet hat, dann kann man nicht einfach nur zuschauen". Haupt solle nur FP-Obmann bleiben, wenn "es gelingt genügend Wähler zu mobilisieren". Seine "Schmerzgrenze" setzt Haider bei 15 bis 20 Prozent. Sollte die FPÖ unter 15 Prozent fallen, werde es einen Neuanfang und eine "unkonventionelle Neugründung der FPÖ" geben. Haider: „Das heißt, dass sich dann eine Bewegung neu gründet, die alle Belastungen hinter sich lässt." Eine Rückkehr an die Spitze einer solchen neuen FPÖ hält Haider für mehr als denkbar: "Wenn man so viele Jahre hart gearbeitet hat, kann man nicht einfach nur zuschauen. Dann hilft man natürlich."
Zu den Austrittsaufforderrungen an die abgetretenen FPÖ-Spitzen meinte er, noch könnten die Betroffenen ja im Wahlkampf mithelfen. Sollten Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Vizekanzlerin Susanne Ries-Passer und Ex-Klubobmann Peter Westentaler aber nicht mithelfen, werde man nach den Wahlen in der FPÖ "ernsthaft" über einen Ausschluss reden. "Das wird in der FPÖ keiner gutheißen", so Haider.
Auf die Kritik Grassers an seiner Irak-Reise antwortete er mit verbalen Gegenattacken: "Ich habe Überzeugungen und er hat Interessen zu allererst für sich." Grasser wolle einen "Job in den USA" und brauche "offenbar das Wohlwollen der Ostküste", "der Finanzwelt und des Bankenbereichs im Ost-Establishment". "Da kann ihm eine araberfreundliche Politik ja nicht hilfreich sein", meint Haider.
Eine Fortsetzung der schwarz-blauen Koalition hält Haider für unwahrscheinlich, schließt sie aber nicht dezidiert aus. Er selbst werde einem Verhandlungsteam nach der Wahl nicht angehören. Haider: "Ich werde die Parteiführung ersuchen, mich von diesen Verhandlungen zu befreien, weil ich nicht mehr mit Leuten reden will, die zu feig sind, mir in die Augen zu schauen." Seine Angriffe gegen Bundeskanzler Schüssel setzt Haider in diesem Zusammenhang mit unverminderter Schärfe fort. Dieser sei "ohne die Schalthebeln der Macht ein menschliches Nichts".

In der gleichen Ausgabe von „News“ wird ein Brief Grassers an Haider veröffentlicht. Darin fordert der Finanzminister vom Kärntner Landeshauptmann ultimativ, seine Vorwürfe, es hätte sich im Zusammenhang mit dem Abfangjägerkauf und der Autobahn-Bemautung strafrechtlicher Tatbestände schuldig gemacht, öffentlich zu widerrufen. Grasser wörtlich: "Mit großem Befremden registriere ich zum wiederholten Male die völlig unqualifizierten, sachlich jeder Grundlage entbehrenden, und persönlich herabwürdigenden Äußerungen Deinerseits. […] Ich muss dich aber nach diesen Vorwürfen auffordern, umgehend Deine Äußerungen, mit denen Du mich klar einer strafbaren Handlung bezichtigst, öffentlich richtigzustellen, andernfalls behalte ich mir vor, rechtliche Schritte einzuleiten."
Ähnlich Riess-Passer in „News“:"Das ist ein ungeheuerlicher Vorwurf, der für mich das Ausmaß des erträglichen überschreitet. Ich werde mir das von niemandem gefallen lassen." Eine Klage gegen Haider sei möglich: "Wenn er das wirklich behauptet, wird das auch für ihn Konsequenzen haben." Sie "denke nicht daran", Haiders Aufforderung, aus der Partei auszutreten, nachzukommen. "Das ist meine Partei genauso wie sie die Partei Haiders ist."
Riess-Passer: "Wer glaubt, dass ich keinen Platz in der Partei mehr habe, muss ein Ausschlussverfahren gegen sie anstrengen und Gründe auf den Tisch legen." Sie hätte sich jedenfalls nie die "Taschen vollgestopft", sondern "sofort meinen Rücktritt als Vizekanzlerin angeboten." Riess-Passer: "Die Partei hat mich gebeten, weiter zu machen."
Haiders Ausflug in den Irak kommentiert sie nicht ohne Ironie: "Man kann schon die Fehler der USA sehen, aber man darf die Fehler der anderen Seite nicht verschweigen. Und Saddam ist wahrhaft kein unbeflecktes Lamm."
Laut der jüngsten Gallup-Umfrage stürzt die FPÖ bei der Sonntagsfrage auf neun Prozent ab. Der Wiedereinstieg von Jörg Haider in die Bundespolitik stößt auf breite Ablehnung, 86 Prozent halten dies für "nicht wünschenswert".
Do 7.11. In der FPÖ kursiert ein anonymes Pamphlet, in dem ein Anonymus aus dem "innersten Führungskreis" "die Wahrheit über Vorgänge in der FPÖ" beschreibt. Zitate aus der dicken Schrift: "Riess-Passer und Westenthaler, der Oberintrigant, und Grasser, der seine Karriere vor alles andere stellt, haben ihre eigene Suppe gegen die Partei gekocht und für ihren Vorteil alles zerstört." Dabei, so heißt weiter, hätten die drei in den Anfangsmonaten der Regierung "ohne Jörg Haider totalen Schiffbruch erlitten" Interessant: Teile des Pamphlets sind fast wortident mit Passagen eines Haider-Interviews im neuen News. So heißt es in dem anonymen Text: Grasser ist einer mit weit reichenden Karriereplänen. Eine ganz besondere Rolle spielen seine Ambitionen auf einen Sessel in der Weltbank. Das Wohlgefallen bestimmter Kreise hat Grasser dadurch gefördert, dass er mit ganz besonderem Eifer den Irakbesuch Haiders kritisiert hat. Das kommt, in den USA, bei jenen, die über die Posten in der Weltbank zu entscheiden haben, gut an. Haider hingegen wird als unschuldiges Opfer einer groß angelegten Intrige dargestellt, die von der ÖVP und Frank Stronach ausgeheckt und von Riess-Passer, Grasser, Westenthaler aus Eigennutz umgesetzt worden sei. (apa, Kurier)
Die fieberhafte Fahndung nach den Urhebern dieser Schrift läuft. Der jüngste Stand: Die Briefe wurden mit Poststempel in Graz aufgegeben, und es wurden nur aktive Funktionäre (vor allem Gemeinderäte) der FPÖ angeschrieben. Den Verdacht, daß der Urheber zumindest über eine FP-Adreßkartei verfügt, weist Schweitzer offiziell zurück: "Ich schließe das aus." Nachsatz: "Lassen S' mich mit dem Schwachsinn in Ruhe." (www.diepresse.at)
Die Salzburger Nachrichten zu diesem Pamphlet: "Drei Dinge sind es, die näherer Betrachtung wert sind. Erstens : Der Autor des 23-seitigen Papiers verfügt über ausgezeichnete Kenntnisse aus dem innersten freiheitlichen Führungskreis. Zweitens: Die Vorwürfe des Autors gegen Riess-Passer, Grasser und Westenthaler unterscheiden sich nicht wesentlich von den unfairen Attacken, die LH Jörg Haider zuletzt gegen dieses Trio geritten hatte. […] Noch ein Drittes fällt auf: Der Autor des Protokolls bezeichnet den Bruch der Koalition als ein von Riess-Passer, Grasser und Westenthaler gemeinsam mit Bundeskanzler Schüssel inszeniertes Spektakel. Die gleiche Version erhielten die SN dieser Tage von einem Mandatar aus dem Umfeld Jörg Haiders aufgetischt. Offensichtlich wird also in der FPÖ (genauso wie in dem anonymen Protokoll) an der Geschichtslüge gebastelt, nicht die Knittelfelder Rebellen, sondern die damalige Pareispitze sei schuld am gegenwärtigen Elend."
Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer hat einem Bericht der "ZiB3" zufolge ihren Anwalt mit der Prüfung rechtlicher Schritte gegen den Vorwurf beauftragt, sie hätte sich im Zuge des Abfangjäger-Kaufs persönlich bereichert. Vorwürfe und Andeutungen von Landeshauptmann Jörg Haider und Parteiobmann Herbert Haupt, sie habe vom geplanten Abfangjäger-Ankauf profitiert, wies Riess-Passer neuerlich scharf zurück, weil sie "zutiefst rufschädigend" seien. Solche Anschuldigungen könne sie nicht auf sich sitzen lassen, besonders im Hinblick auf ihre spätere berufliche Zukunft.
Riess-Passer bedauert, dass die Zusammenarbeit innerhalb der FPÖ mit solchen "Misstönen" zu Ende geht. "Eine Politik der verbrannten Erde ist meine Sache nicht", sagte sie wörtlich. Und: "Mir tut auch Jörg Haider eigentlich Leid, weil das ein Licht auf ihn wirft, das ihm nicht gerecht wird", schließlich habe er viel für die Partei getan. (apa)

Haider sieht keinen Grund, sich bei Susanne Riess-Passer, Karl-Heinz Grasser und Peter Westenthaler zu entschuldigen. Er habe im Zusammenhang mit der Abfangjäger-Entscheidung seinen Parteifreunden keine Korruptionsvorwürfe gemacht und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Allerdings bleibe er dabei, dass es "um die Abfangjäger aufklärungswürdige Vorgänge gibt", sagte Haider und auch FP-Spitzenkandidat Herbert Haupt am Donnerstag in Klagenfurt.
Die Klagsdrohungen gegen ihn seien "absolut nicht notwendig" gewesen, stellte Haider fest. Seine Kritik hätte sich nämlich nicht gegen die persönliche Integrität der Betroffenen gerichtet. Es gehe vielmehr um die Frage: "Wie steht ihr zu eurer Partei?" Es sei nämlich nicht verständlich, dass Personen noch Monate nach ihrem Rücktritt auf gut bezahlten Ministerposten der FPÖ sitzen und sich nicht in den Wahlkampf einbringen würden. Auch der ehemalige Klubobmann Westenthaler würde ungeachtet des Wahlkampfes "bei vollen Bezügen zu Hause sitzen", kritisierte Haider.
Jedenfalls habe er im Zusammenhang mit den Abfangjägern niemanden der Korruption bezichtigt, unterstrich der Altparteiobmann. Tatsache sei jedoch, dass Grasser eine "Rückkehrgarantie" zu Frank Stronach habe ("Das hat mir Stronach selbst erzählt") und Stronach für Westenthaler "sein Herz als Geschäftsführer" der Fußball-Bundesliga entdeckt habe.
Aufklärungswürdig in Bezug auf die Abfangjäger ist für Haider der Entscheidungsprozess zu Gunsten des Eurofighters, und dabei vor allem die Geschwindigkeit, mit der man sich gegen den zuvor favorisierten schwedischen Typ entschieden habe. Auffallend sei auch, dass urplötzlich in den Zeitungen überhaupt keine kritischen Artikel und Leserbriefe gegen den Eurofighter mehr erschienen seien, sagte Haider.
Haupt teilte in der Pressekonferenz mit, dass die Staatsanwaltschaft ein Reihe von Sachverhaltsdarstellungen im Zusammenhang mit den Abfangjägern prüfen würde. Dies habe ihm heute, Donnerstag, Justizminister Dieter Böhmdorfer mitgeteilt. Auch er selbst habe alles, was er in Bezug auf die Abfangjäger an Unterlagen zugestellt bekommen habe, der Staatsanwaltschaft übergeben.
Auf jeden Fall gelte für alle, ob Riess-Passer, Grasser oder Haider, die Unschuldsvermutung, wie für andere auch, meinte Haupt weiter. Er sei jedenfalls "dem Rechtsstaat verpflichtet" und alles, was in Sachen Abfangjäger an ihn heran getragen wird, werde auch der Staatsanwaltschaft übergeben. (Die Kleine, Standard)
Generalsekretär und Klubchef Karl Schweitzer gilt nach einem Bericht des "Standards" (Freitagausgabe) in der FPÖ als "ablösereif". Im pareiinternen Konflikt hatte er sich zuletzt demonstrativ auf die Seite der von Haider und Haupt Angegriffenen gestellt. Am Donnerstag wurde er überraschend nach Kärten zitiert, um dort an einer "Strategiesitzung" teilzunehmen.

Der FPÖ-Europaparlamentarier und Ex-Generalsekretär Sichrovsky übt in "Format" heftige Kritik an der Außenpolitik Jörg Haiders. Sichrovsky über Haiders Reise zu Saddam Hussein: "Haider geht damit dem Diktator auf den Leim und reduziert sich zum Postboten Saddams." "Das zeigt nur das erschütternde Niveau, was hier unter Außenpolitik verstanden wird, wenn man einem Wahnsinnigen oder einem Doppelgänger die Hand schüttelt." Sichrovsky abschließend: "Haider hat sich vom Amerikafreund zum Amerikafeind entwickelt." (Format 46/02)
In einem Gespräch mit apa warf Sichrovsky Haider am Donnerstag "eine krasse Form des Antisemitismus" vor. Sichrovsky reagierte mit seinem Antisemitismus-Vorwurf auf eine Äußerung Haiders, wonach Grasser mit seiner Kritik an der Irak-Reise Haiders um das "Wohlwollen der Ostküste" buhle. Damit bediene Haider "klassische Vorurteile gegen jüdisch dominierte Finanz- und Industriezentren an der Ostküste", sagte Sichrovsky. Mit dieser Aussage sei Haider auch als Landeshauptmann "nicht mehr tragbar". Auf die Frage, ob er einen Parteiausschluss Haiders wünsche, sagte Sichrovsky, Ausschlussverfahren seien nur berechtigt gegen jene, die "mit eindeutig parteischädigendem Verhalten" eine Partei, die zuletzt ein Viertel der Wähler hinter sich wusste, auf "eine Partei reduziert haben, die in Umfragen zuletzt unter zehn Prozent lag".
Fr 8.11. Nach seiner Kritik an Haider und der Forderung nach dessen Parteiausschluss (am Montag erhoben) muss jetzt der Obmannstellvertreter der FPÖ-Kufstein, Hans Arzberger, selbst seinen Hut nehmen und gehen. Auf Antrag der Bezirksparteileitung sei Arzberger "ab sofort wegen parteischädigenden Verhaltens aus der FPÖ ausgeschlossen", habe dieser von dem Tiroler FP-Chef Willi Tilg erfahren.

Peter Sichrovsky sieht Jörg Haider "psychisch und physisch" nicht mehr im Stande, die FPÖ je wieder zu übernehmen. "Diese Niederlage der letzten Jahre, dass er die FPÖ in die Regierung geführt, sich zurückgezogen, dann den Sturz gefördert oder zumindest nicht verhindert hat - das hat auch bei ihm zu schweren Folgen geführt", sagte Sichrovsky in einem Interview mit der jüdischen Zeitschrift "NU" ("News über uns"). In den vergangenen eineinhalb Jahren habe sich Haider - für Sichrovsky weiter "die dominierende Figur in der Partei" - aber "dramatisch verändert, persönlich und auch in seiner politischen Arbeit". Er sei immer "so etwas wie ein politischer Zelig" (im Film "Zelig" spielt Woody Allen ein "menschliches Chamäleon", Anm.) gewesen, sei immer zu dem geworden, was seine Umgebung von ihm erwarte. Aber: nun funktioniere "seine geniale Fähigkeit, sich der jeweiligen Situation anzupassen und sie politisch für sich zu nützen", plötzlich nicht mehr.
Aufhorchen lässt Sichrovsky in dem Interview auch mit einer Empfehlung an die ÖVP. Es werde kein arbeitsfähiges FPÖ-Regierungsteam geben können, "so lange Haider Landeshauptmann ist. Mein Rat an die ÖVP wäre: In Kärnten schon jetzt vorzeitige Neuwahlen vom Zaun brechen und Haider abwählen. Nur so kann man eine Koalition auf Bundesebene absichern - das ist das einzige, was funktionieren kann. Mit Haider in einer politischen Funktion geht es nicht. Nicht so sehr wegen seiner politischen Ansichten, sondern wegen seiner Unberechenbarkeit - derzeit weiß man nie, was der Mann in der nächsten Woche vorhat." (apa)
FP-Klubchef Karl Schweitzer signalisiert angesichts dieser Zustände nur noch eines: totale Niedergeschlagenheit. "Ach Gott, wieso soll ich dauernd irgendwen ausschließen?", antwortet er in jammerndem Ton auf die Frage, ob Sichrovskys Attacken auf Haider Konsequenzen haben werden. Und weiter: "Ich tät so gern ein bissl meine Ideen unterbringen, aber es interessiert niemanden . . ." (www.presse.at)
Wolfgang Schüssel bietet Finanzminister Grasser öffentlich an, als "unabhängiger Fachminister" in sein ÖVP-"Kompetenzteam" zu kommen. Grasser werde frühestens Dienstag oder Mittwoch nächster Woche seine Entscheidung bekannt geben, sagte sein Kabinettchef Mathias Winkler. Grasser werde über das Wochenende weitere Jobangebote prüfen, "aber vor allem mit seiner Familie die künftige Lebensplanung besprechen". Eine Rolle dabei werde freilich die Frage spielen, inwieweit das Angebot mit seiner Partei, der FPÖ, vereinbar sei.
FPÖ-Parteichef Herbert Haupt dazu: "Wenn Karl-Heinz Grasser Charakter hat, dann tut er es nicht." Grasser sei FPÖ-Mitglied, daher sei eine Tätigkeit als ÖVP-Finanzminister gar nicht möglich. Haupt stellt später ein Ultimatum: Grasser solle sich binnen 24 Stunden entscheiden. In der FPÖ könne er jedenfalls nicht bleiben, sollte er das Angebot Schüssels annehmen.
FPÖ-Generalsekretär Karl Schweitzer hält einen Wechsel Grassers für gänzlich ausgeschlossen. Grasser werde "das unmoralische Angebot des Bundeskanzlers" nicht annehmen, Grasser sei "ein Mann mit einem starken Charakter". Dass Schweitzer am Donnerstag zu einer "Strategiesitzung" mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider und FPÖ-Chef Herbert Haupt zusammengetroffen sei, dementierte er. Dabei habe es sich lediglich um eine Pressekonferenz wegen des Wahlplakates der Kärntner FPÖ mit Spitzenkandidat Haupt, dessen Hund, einer hochschwangeren Frau und Haider gehandelt. Auch eine mögliche Ablöse Schweitzers sei dabei nicht zur Debatte gestanden. Haupt habe ihm, Schweitzer, versichert, dass er weiter in seinen Funktionen tätig sein werde. Solange man sich das von ihm wünsche, werde er das auch tun, betonte Schweitzer.
Er könne sich - neben einem stärkeren Engagement des Alt-Parteiobmanns im Bundeswahlkampf - auch eine Rückkehr Haiders in die Bundespolitik vorstellen, ließ Haupt-Stellvertreter Prinzhorn am Freitag verlauten. Schwere Kritik übte er an Westenthaler. Dass er sein Amt an Schweitzer abgetreten und sich daraufhin abgesetzt habe, habe ihn "sehr geschmerzt". Lob gab es allerdings für die Vizekanzlerin und den Finanzminister. Letzterer sei, wann er immer er etwas von ihm brauche, im Finanzministerium anzutreffen.
"Ich sage nichts", reagierte Stadler auf die neue Situation in der FPÖ. Er werde vor der Nationalratswahl zu keinem innerparteilichen Vorgang Stellung nehmen. Nach dem 24. November jedoch werde "an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig bleiben", kündigte Stadler an.
Sa 9.11.

Am Samstag zeigt sich die FPÖ-Spitze über das ÖVP-Angebot an Grasser uneins. Das Meinungsspektrum reicht von einem "unsittlichen Angebot" (Haupt) über "Verlockungen", denen ein "echter, gestandener Freiheitlicher" widerstehen müsse (Altparteichef Jörg Haider) bis zu einem "klugem Angebot" (Parteivize Thomas Prinzhorn). "Wenn er als Parteiloser in einer Regierung sitzt, stört mich das nicht", so Prinzhorn im Ö1-Mittagsjournal. "Ich bin vielleicht ein etwas liberalerer Mensch und sehe Österreich im Vordergrund", kommentierte er die ablehnende Reaktion von Haupt. "Charakterlos" wäre eine Annahme des "klugen Angebots der ÖVP" für Prinzhorn nicht, konterte er Haupts Ansicht, wonach ein Nein Grasser eine Charaktersache sei. (orf.at)


Die FPÖ setzt im Wahlkampf nun wieder auf den Kärntner Landeshauptmann. Bei einem "Motivations-Frühschoppen" in Linz trat Haider gemeinsam mit der neuen FPÖ-Spitze erstmals außerhalb Kärntens bei einer Wahlveranstaltung auf. Erstredner Haider bekam bei Einzug prompt den meisten Applaus, übte scharfe Kritik an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (dieser wolle die FPÖ "zerstören" und habe seinen Koalitionspartner "hundsmiserabel behandelt". Das werde man dem Kanzler "heimzahlen") und Finanzminister Karl-Heinz Grasser, warnte vor einer Neuauflage von Rot-Schwarz und einer zu laxen Haltung bei der EU-Erweiterung.
Haiders Auftritt in Linz dürfte offenbar jene "größere Überraschung" darstellen, die Parteiobmann Herbert Haupt im Vorfeld für den Frühschoppen angekündigt hatte. Am Donnerstag hatte der Landeshauptmann noch gemeint, nicht nach Oberösterreich zu reisen, weil er am Samstag in Kärnten im Einsatz sei und Haupt den Rücken freihalten wolle. Beim Frühschoppen anwesend war die gesamte neue FP-Spitze und alle FP-Landesobmänner. Nur Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und der erkrankte Justizminister Dieter Böhmdorfer fehlten. (apa)

Die FPÖ erneuert ihre Vetodrohung gegen den EU-Beitritt Tschechiens. In einem "profil"-Interview erklärte Haupt, eine tschechische Erklärung zu den Benes-Dekreten sei nicht genug, er fordere einen "Rechtsakt". Ohne einen solchen Akt müsse es "zwei Geschwindigkeiten" bei den EU-Aufnahmen geben. Für Tschechien verlangt er ein härteres Vorgehen: "Tschechien sollte in eine zweite Beitrittsschleife kommen."
Der Zweite Nationalratspräsidenten Thomas Prinzhorn erklärte im Gespräch mit der Wochenzeitung "Zur Zeit", Österreich habe als "besonders betroffenes Land" die Verpflichtung, gegen das Unrecht der Benes-Dekrete anzukämpfen und auf deren Aufhebung vor dem EU-Beitritt Tschechiens zu bestehen. Justizminister Dieter Böhmdorfer hatte zuvor in einem "Kurier"-Interview betont, bei den Benes-Dekreten werde die FPÖ "ganz hart" bleiben.
Haupt legt sich nun doch nicht darauf fest, bei einem Ergebnis unter 15 Prozent in Opposition zu gehen. Wenn sich trotz solch eines Abschneidens mit der ÖVP eine Mehrheit ausgehe, sei "zu überlegen, ob unsere Stärke ausreichend ist, hier das Angebot anzunehmen", sagte der Sozialminister gegenüber der "Oberösterreichischen Rundschau". Zu seiner früheren Festlegung, bei unter 15 Prozent keiner Regierung mehr anzugehören, meinte er nun: "Die Aussage war immer im Zusammenhang mit den derzeit vorliegenden Umfrageergebnissen". (www.derStandard.at)
So 10.11. In der Hochrechnung des market-Instituts stürzt die FPÖ in der 45. Kalenderwoche von 13 auf 10 Prozent ab.

In der TV-Pressestunde sagt Haupt: "Ich glaube nicht, dass Karl-Heinz Grasser so dumm ist, auf das Schüssel-Angebot einzugehen." Schüssel könne nur dann weiter regieren, "wenn er weiter einen starken Partner hat". Dieser starke Partner könne nur die FPÖ sein. Das Angebot Schüssels würde bedeuten, ohne parlamentarischer Mehrheit regieren zu müssen. Die FPÖ hoffe, so Haupt, auf eine entsprechende Zustimmung der Wähler, um den Sanierungskurs in der Regierung fortsetzen zu können. Als Wahlziel nannte Haupt 15 Prozent.
In der Pressestunde präzisierte Haupt auch seine Aussage über die 15-Prozent-Marke, die er bei der Wahl erreichen will: "Das ist die Latte, bei der ich meiner Partei empfehlen werde, in eine Regierung zu gehen." Wenn die FPÖ aber darunter liegt, sich zugleich aber eine Mehrheit mit der ÖVP ausgehe? "Alles andere muß ein Parteitag beschließen." (www.diepresse.at, apa)

In einem Bericht im neuen „profil“ ist zu lesen, dass Grassers Anwalt mittlerweile die Klage gegen Haider in der „finalen anwaltlichen Prüfung“ hat. Auch Riess-Passer will nicht klein beigeben. Ihre Sprecherin Andrea Krametter: „Susanne Riess-Passer bleibt dabei. Ohne Entschuldigung Haiders wird es rechtliche Schritte geben.“(profil 46/02)

In der selben Ausgabe von "profil" erneuert Ex-FPÖ-Generalsekretär Peter Sichrovsky seine Vorwürfe.
profil: Haider warf Grasser vor, er sei vor der „Ostküsten-Lobby“ in die Knie gegangen.
Sichrovsky: Das ist für mich nichts anderes als krasser Antisemitismus. Haider bedient sich ähnlicher Reflexe wie Jürgen Möllemann. Die Anspielung auf die angeblich von Juden dominierten Finanzkreise der amerikanischen Ostküste ist ein antisemitisches Klischee. In jeder anderen Demokratie wäre er als Politiker nicht mehr tragbar.
rofil: Stadler und Co haben wieder das Sagen.
Sichrovsky: Auch Frau Bleckmann. Das Einzige, was ihr zur SS einfällt, ist, dass nicht alle Verbrecher waren. Sie verteidigt die SS heute noch. Und Riess-Passer, die wirklich ihr ganzes politisches Leben dafür gearbeitet hat, diese Partei aus diesem Eck rauszubekommen, wird heute als Feindin abgestempelt. Sie und Grasser sind für die Gruppe um Haider in der Tat eine Gefahr. Erstens durch ihre Popularität. Zweitens zerstört ihre Art von Politik eine Herrschaftsstruktur, mit der die Partei wie ein Privatverein geführt werden soll.

In "profil" 46/02 findet sich auch ein Bericht über die Stimmung unter FPÖ-Funktionären. Zitate:
Stell dir vor, es ist Wahlkampf und keiner kämpft mit. Für die FPÖ ist dieses Schreckensszenario in unzähligen Gemeinden bittere Realität geworden. Verschlossene Parteilokale und Resignation an der Basis: Gerade in jenen Gegenden Oberösterreichs, die den Regierungskurs von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer bis zuletzt unterstützt hatten, ist von einem FPÖ-Wahlkampf nur wenig zu spüren. […] In Vorchdorf […] haben alle freiheitlichen Funktionäre ihre Ämter zurückgelegt. […] Andreas Sodian [meint, dass der] Kärntner Landeshauptmann ]sich] „auf dem totalen Egotrip befindet“ […]: „Nachdem er den Bruch der Regierung provoziert hat, wird Haider die Wahl verlieren. Dann werden die Funktionäre abspringen, die jetzt noch zuwarten. Und in ein paar Wochen ist die FPÖ so uninteressant, dass niemand mehr einen Finger für sie rühren wird.“
Vorchdorf gehört zum Bezirk Gmunden, in dem es besonders heiß hergeht. Dort steht nicht nur die FPÖ von Bad Goisern, Haiders Geburtsort, knapp vor der Selbstauflösung. Sämtliche übrigen 20 Ortsgruppen haben in einer Resolution ihre Gefolgschaft mit der Bundespartei aufgekündigt. Der Gmundener Bezirksobmann und Landtagsabgeordnete Martin Kreßl, der noch vor einer Woche dem „Zündler und Sprengmeister“ Haider den Parteiaustritt nahe gelegt hat, beugt sich vorerst dem Maulkorberlass seines Linzer Landtagsklubs, denn: „Nach der Wahl kommt sowieso der große Showdown.“
In der benachbarten Bezirksstadt Steyr, wo die FPÖ zweitstärkste Fraktion ist, hat sich der stellvertretende Bezirksobmann und Gemeinderat Klaus Hoflehner von seiner Gesinnungsgemeinschaft bereits verabschiedet. […] Wegen Haider sei die FPÖ jetzt allerdings zur Lachnummer verkommen und „seit der Haupt am Werken ist“, so Hoflehner, „führen wieder die Untoten das Wort, die Haider nach dem Mund reden“. Mit einer „haiderischen FPÖ“ wolle er nichts mehr zu tun haben. Die ganz persönliche Bilanz seiner jahrelangen Anhängerschaft an das Idol Jörg […]: „Er ist eine der größten Enttäuschungen meines Lebens.“
Auch Erich Enichlmayr versteht den „Einsamen in Kärnten“ nicht mehr. Als er Haider zum ersten Mal traf, war es einer der schönsten Augenblicke seines Lebens. Heute fühlt sich der Gemeindevorsteher von St. Pantaleon, einem Grenzort zu Bayern, von ihm „betrogen und bestohlen: betrogen um den Erfolg und bestohlen um das Wahlvolk, das unsere Arbeit nicht mehr honoriert“, wie er sagt. Enichlmayrs FPÖ-Ortsgruppe hat sich aufgelöst, die gesamte sechsköpfige Gemeinderatsfraktion ist aus der Partei ausgetreten. Das Fazit des Ziviltechnikers: „Um weiterzumachen, ist die Enttäuschung zu groß. Ich bin nicht mehr bereit, für die FPÖ zu leiden.
Die EU-Abgeordnete Daniela Raschhofer […]: Für einen organisierten Widerstand gegen Haiders destruktive Politik sei es […] zu spät, da seit dem Abgang Susanne Riess-Passers eine integrative Persönlichkeit fehle. Rebellin Raschhofer rechnet daher mit einer „Atomisierung“ der FPÖ nach der Wahl: „Wir haben das alles nicht mehr in der Hand.“
Die freiheitlichen Sezessionisten verkörpern alles andere als eine geeinte Stoßtruppe. Dennoch ist auch Jörg Haiders Getreuen die Kontrolle entglitten, und das sogar im eigenen Bundesland. Kurz vor Allerheiligen sorgte die kleine Ortschaft Frauenstein nahe St. Veit an der Glan für Aufregung, als der freiheitliche Bürgermeister Karl Berger gemeinsam mit Parteikollegen früh am Morgen die Plakate der FPÖ eigenhändig abmontierte. Erstens, weil damals Noch-Spitzenkandidat Mathias Reichhold nicht drauf war, und zweitens, weil er die schwangere Susanne auf dem Konterfei als „erbärmliche“ Anspielung auf Riess-Passer verstanden hatte.
Erbärmlich zumute ist es auch den Freiheitlichen von Velden am Wörthersee. Die sieben Ortspolitiker haben geschlossen und per Hauswurfsendung an die Bevölkerung die Zusammenarbeit mit der Kärntner Landesspitze aufgekündigt, weil sie sich „von einer Parteiführung missbraucht“ fühlten, „die blinde Gefolgschaft für einen Zickzackkurs erwartete“, wie es im Flugblatt heißt. „Sonst wären wir vor unserem Gewissen schuldig geworden“, begründet Gemeinderat Theo Hippel den Bruch. […].
Sternads designierter Nachfolger Heinz Lunacek versteht auch nach Wochen noch nicht, was da passiert ist. „Ich kenne Haider schon so lang. Er war für mich der Politiker.“ Sein Kollege Markus Kuntaritsch will den Landesvater zwar nicht für den Bruch der Bundeskoalition verantwortlich machen – das seien die Knittelfelder gewesen. Doch eines sei sicher, so Kuntaritsch: „Die Spaltung der FPÖ kommt, die Frage ist nur mehr, wer anfängt.“ [Zitate Ende]
Mo 11.11. Finanzminister Grasser hat noch keine Entscheidung über das Angebot von Bundeskanzler Schüssel getroffen, einer allfälligen nächsten ÖVP-Regierung als parteiunabhängiger Fachminister anzugehören. Das teilte Grassers Kabinettschef Winkler am Montag mit. Wie Winkler erklärte, will Grasser am Dienstag oder Mittwoch seine Entscheidung bekannt geben. Nicht kommentieren wollte der Kabinettschef die Kritik des Kärntner Landeshauptmannes Haider und des geschäftsführenden FPÖ-Obmannes Haupt an Grasser. (apa)
Kurzzeit-FP-Chef und Verkehrsminister Mathias Reichhold hat nach seinem zweiwöchigen krankheitsbedingten Ausfall am Montag seine Amtsgeschäfte wieder aufgenommen. Nach einem nicht näher erläuterten Besprechungstermin in Kärnten kehrt Reichhold zu Mittag ins Verkehrsministerium nach Wien zurück. Beim Ministerrat am Dienstag wird Reichhold erstmals wieder in der Öffentlichkeit auftreten. Statement vom zurückgetretenen FP-Parteichef gab es vorerst keines. (www.kurier.at)
Anfang dieser Woche wurde an FPÖ-Funktionäre in ganz Österreich ein zweites, 24 Seiten starkes Dossier versandt. Titel "Die wahren Hintergründe rund um die aktuellen Geschehnisse in der FPÖ". Detailgetreu skizziert der anaonyme Autor sämtliche innerhalb der FPÖ kursierenden Gerüchte über die Rücktritte. Die Anschuldigungen reichen von einer vermeintlichen Verschwörung bei der besetzung der ORF-Spitzen über Unregelmäßigkeiten beim Abfangjägerkauf, die Rolle Frank Stronachs bis hin zu skurillen Verschwörtungstheorien. So soll die Scientology-Sekte bereits Teile der FPö kontrollieren. Die FPÖ wird penibel in zwei Lager eingeteilt. Die Bösen: der "aalglatte und brav gestrigelte" Finanzminister Karl-Heinz Grasser, die"Säulenheilige der Vereinigten Linken" Susanne Riess-Passer, Karl Schweitzer und der "personelle Flop" Peter Sichrovsky. Die Guten: "die vormaligen FPÖ-Erfolgsgaranten Haider, Achatz, Stadler, Kabas und Co."
Aufgelistet sind die detailliert beschriebenen Vorwürfe und Beschuldigungen unter Zwischentiteln wie "Onkel Frank aus Kanada, EADS, Magna und die vielen, vielen Millionen …", "Wir nehmen den Hut und sagen adieu! - glückliche Reise, Herr Westenthaler!!!" oder "Ist die Scientology-Sekte innerhalb der FPÖ bzw. in manchen FPÖ-Kreisen bereits gesellschaftsfähig?"
"Format" kommentiert das Dossier so: "Die Dossiers, so vermuten FPÖ-Funktionäre, sollen ihren Teil dazu beitragen, den letzten verbliebenen Riess-Passer-Vertrauten das Wasser abzugraben und den Weg für Haiders Rückkehr freizuschaufeln." (Format 47/02).
"News" schreibt zu den Scientology-Vorwürfen: "Und so machten - quasi als Retourkutsche - schon am Montag illustre Geschichte über Haider und Scientology die Runde. Zum Beispiel, dass es ausgerechnet Haider gewesen sei, der während eines US-Trips im Herbst 1998 die Nähe zur umstrittenen Sekte gesucht habe." Gerätselt wird auch, ob die beiden Pamphlete von demselben Autor stammen: "Es wird gemutmaßt, dass hinter den Anschüttungen ein Autorenteam steht, das über direkten Zugriff auf aktuelles FPÖ-Adressenmaterial verfügt. So erhielten selbst FP-Mitglieder die Dossiers an die richtige Adresse zugesandt, obwohl sie erst vor kurzem ihren Wohnsitz gewechselt hatten." (News 46/02)
Di 12.11. Finanzminister Grasser wird der ÖVP bei einer allfälligen Regierungsbeteiligung als unabhängiger Finanzminister zur Verfügung stehen. Als Konsequenz aus seiner Kandidatur als "unabhängiger Finanzminister" hat Karl-Heinz Grasser am Dienstag seine Mitgliedschaft in der FPÖ "ruhend gestellt". Eine Weiterarbeit mit der FPÖ sei nicht möglich gewesen, weil die "Knittelfelder FPÖ nicht meine Partei ist", sagte Grasser am Dienstag weiter vor Journalisten. Auf mögliche Koalitionen unter denen er als Minister weiterarbeiten könne, wollte er sich nicht festlegen. Sinn mache ein solches Szenario aber nur, wenn die ÖVP die Wahlen gewinnen würde. In den Wahlkampf wolle er nicht eingreifen, so Grasser. "Ich werde mich überhaupt nicht in den Wahlkampf einmischen, das lässt sich nicht mit meiner Unabhängigkeit vereinbaren", sagte Grasser. Auch einen Wechsel zur ÖVP schließt Grasser aus. "Ich werde mein Amt nur unabhängig von jeder Partei wahrnehmen und sicher nicht Teil der ÖVP werden."
Mit FP-Parteiobmann Herbert Haupt habe er diesen Weg telefonisch besprochen. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen. Haupt habe zwar seine Pläne nicht goutiert, dass er, Grasser, nun seine Parteimitgliedschaft ruhend stelle, sei für Haupt aber ein guter und akzeptabler Weg gewesen.
Mögliche Gerüchte in Richtung "Verschwörungstheorie oder Dolchstoß-Legende" wies Grasser zurück. Dies entbehre jeder Grundlage. Vielmehr sehe er es als seine Pflicht, das Angebot Schüssels anzunehmen: "Wenn die Republik ruft, kann man nicht Nein sagen, sondern hat seine persönlichen Interessen hintanzustellen", so Grasser. Ziel sei es, die Reformpolitik für Österreich fortzusetzen, das sollte auch im Interesse der freiheitlichen Wähler sein, so Grasser. (Die Kleine)
Dass er mit der Annahme von Schüssels Angebot der FPÖ schaden könnte, glaubt Grasser nicht. Schaden wolle er allein "Rot-Grün". Seine bisherige Mitgliedschaft bei der FPÖ bereut er nicht. Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, Peter Westenthaler und er seien "ganz knapp davor gewesen, die FPÖ als erfolgreiche Regierungspartei zu etablieren. Wenn wir die Umpositionierung geschafft hätten, wäre das ein wesentlicher Schritt für die österreichische Parteienlandschaft gewesen", meinte Grasser.
Die Gründung einer neuen Partei lehnte Grasser ab. Ein fertiger Finanzierungsvorschlag sei ihm zwar bereits unterbreitet worden. "Ich war aber nicht bereit diesen Schritt zu setzen. Eine fünfte Partei zu etablieren, ist ein mühvoller und wenig realistischer Weg", sagte der Finanzminister weiter. Überlegungen zum Liberalen Forum (LIF) zu wechseln, hat es laut Grasser von seiner Seite nicht gegeben. (Die Kleine)
Bei seiner Pressekonferenz am Dienstag erklärte Grasser auch, Haider habe in einem Schreiben erklärt, dass er ihm nie einen persönlichen Vorwurf machen wollte. "Alle Dinge wie die Korruptionsvorwürfe hat Haider klargestellt. Die Sache ist für mich damit erledigt", sagte Grasser. Wie der Finanzminister hatte auch Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider mit Klage gedroht. Eine Stellungnahme ihrerseits ist noch ausständig. (www.kurier.at)
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, der Karl-Heinz Grasser seinerzeit in die Politik geholt hat, ist betroffen von dessen heutiger Entscheidung, in einer allfälligen VP-Regierung als Finanzminister mitzuarbeiten. Grasser habe zum zweiten Mal der Partei durch seinen "Verrat massiven Schaden" zugefügt, so Haider. Aber der Wähler werde das Spiel von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wohl durchschauen, und so gesehen seien "eher bessere Chancen für die FPÖ" bei der Wahl zu erwarten. Ein "unangenehmes Gefühl" bleibe bei ihm aber, betonte Haider. Schließlich habe er Grasser "alle Chancen gegeben" und ihm "verziehen", als er "das erste Mal davon gelaufen" sei.
Mit den Worten "Jetzt wissen wir, warum Grasser die Steuerreform blockiert und andere Entscheidungen zum Nachteil der FPÖ getroffen hat" reagierte am Dienstag der freiheitliche Kärntner Landesobmann Martin Strutz auf die Entscheidung Karl-Heinz Grassers, das Schüssel-Angebot anzunehmen. Landeshauptmann Jörg Haider, der seit einem Jahr auf die Strategie der ÖVP, die FPÖ spalten zu wollen, hingewiesen habe, sei damit voll rehabilitiert, sagte Strutz. "Leider haben bei dieser Strategie einige aus unserer Partei mitgespielt", bedauerte Strutz. Von Grasser habe er "nichts anderes erwartet". Dieser habe die FPÖ "schon ein Mal verlassen". Strutz: "Der Charakter eines Menschen zeigt sich in harten Zeiten und nicht bei Schönwetter". Ablehnend steht Strutz dem Ansinnen Grasser gegenüber, die FPÖ-Mitgliedschaft ruhend zu stellen: "Entweder ist man freiheitliches Mitglied oder nicht. Ein bisschen schwanger geht nicht". Der Kärntner FP-Obmann wartete in Richtung Grasser auch mit einem Zitat von Wilhelm Busch auf: "Vergebens predigt Salomo. Wer einmal so ist, der bleibt auch so". (www.kurier.at)
Reaktionen anderer FP-Politiker laut www.fpoe.at: Der stellvertretende FPÖ-Parteiobmann Thomas Prinzhorn bedauert die Entscheidung von Karl-Heinz Grasser. Durch seinen Wechsel leiste Grasser Vorschub für Schwarz-Rot, was zum Ende des freiheitlichen Reformprojektes und zum Stillstand in Österreich führe "Nur wer freiheitlich wählt, hat die Gewähr, dass freiheitliche Reformpolitik fortgesetzt wird. Weder mit Schwarz-Rot noch mit Rot-Grün ist eine Fortsetzung des eingeleiteten Reformprojekts möglich", sagte Prinzhorn.
"Grasser hätte bei einer neuerlichen Regierungsbeteiligung der FPÖ auch weiterhin Finanzminister sein können, umso enttäuschter bin ich von seinem jetzigen Schritt", erklärte der stellvertretende FPÖ-Parteiobmann Max Walch. Das Angebot Schüssels an Grasser sei jedenfalls der Beweis dafür, "dass es in der ÖVP einen Personalnotstand gibt und man dort niemanden hat, der Finanzminister sein könnte".
"Das sagt über den Charakter eines Menschen sehr viel aus. Charakter und Anstand merkt man in schwierigen Zeiten und nicht, wenn die Sonne scheint", sagte der Kärntner Landesparteiobmann Martin Strutz. "Anstatt der FPÖ in einer schwierigen Wahl zu helfen und sie zu unterstützen, wechselt Grasser zur ÖVP. Gesinnung und politisches Bekenntnis könne man, wenn man Anstand und Charakter besitzt, nicht so wechseln wie ein Unterhemd. Es sei denn, das politische Ich und der Eigennutz sind die Maxime allen Handelns. Darin sind sich Schüssel und Grasser sehr ähnlich."
Der Landesparteiobmann der FPÖ-Burgenland, Stefan Salzl zeigte sich über das Verhalten Grassers "menschlich enttäuscht". "Es ist dies aus meiner inneren Überzeugung eine Herz- und Charaktersache. Wer die freiheitliche Idee und Gesinnung unterstützt, kann nicht einen derartigen Seitenwechsel vollziehen."
Der freiheitliche NÖ-Chef, LR Ernest Windholz, spricht von einem "Schlag ins Gesicht tausender freiheitlicher Funktionäre", die Tag für Tag im Wahlkampf unterwegs sind. Im übrigen unterliege Grasser einem "krassem Irrtum", denn seine und die Ziele der Wendergierung seien auch nur weiter mit einer starken Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen möglich.
Der Steirische FPÖ-Landesobmann Leopold Schöggl zeigte sich "absolut enttäuscht". Das "Lockangebot" Schüssels sei "ein deutliches Zeichen in Richtung Große Koalition". Im Übrigen halte er das Vergeben von Posten und Ämtern vor der Wahl für nicht zielführend.
Die Zugehörigkeit zu einer Gesinnungsgemeinschaft oder Partei sei immer eine Charakter- und Herzenssache, betont der Salzburger FPÖ-Chef Klubobmann Karl Schnell. Grassers Entscheidung sei ein schwerer Charakter-Mangel: "Man wechselt die Gesinnungsgemeinschaft nicht wie ein Hemd."
Als "sicher enttäuschend" bezeichnet Wiens FP-Obmann Hilmar Kabas den "Gesinnungswechsel" von Karl-Heinz Grasser. Kabas sprach von einem "abgekarteten Spiel" von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel: "Das ist der Versuch, die FPÖ maximal zu schädigen." [Ende der Zitate von www.fpoe.at]
Reaktionen der anderen FPÖ-Minister: Der eigentliche Ministerrat war schon lange aus - die FPÖ-Spitze saß aber noch lange im Ministerratssitzungssaal zusammen. Noch-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, Verteidigungsminister Herbert Scheibner und Neo-FPÖ-Obmann Herbert Haupt sprachen dort über einen, der gar nicht mehr zum Ministerrat erschienen war: Karl-Heinz Grasser.
Und gaben sich danach "enttäuscht" (Scheibner) vom ehemaligen Parteifreund: "Bei allen Differenzen, die ich mit Grasser gehabt habe, bin ich immer davon ausgegangen, dass er sich zur freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft bekennt." Denn so weit wie ÖVP-Ministerkollege Martin Bartenstein, der Grasser immer schon irgendwo zwischen ÖVP und FPÖ gesehen haben will, wollte Scheibner nicht gehen. Und auch nicht über einen etwaigen Parteiausschluss von Grasser reden.
"Schade" fand es auch Haupt, dass Grasser dem Buhlen der ÖVP erlegen sei. Noch Dienstag früh hatte Haupt Grasser zu überzeugen versucht, dass dieser bei einem "Ja" zu Kanzler Wolfgang Schüssels Angebot nicht viel gewinne. Denn, so Haupt zum Standard: "Grasser hat damit auf ein sicheres Ticket als FPÖ-Finanzminister in einer weiteren schwarz-blauen Regierung verzichtet." Was er damit meine? - "Mit dem Angebot der ÖVP an Grasser stehen die Zeichen deutlich auf einer Renaissance von Schwarz-Rot." Ob das heiße, dass für einen Finanzminister Grasser in einer etwaigen neuerlichen schwarz-blauen Koalition kein Platz mehr sei, darauf wollte Haupt auch auf mehrmaliges Nachfragen nur vage so antworten: "Das Angebot an Grasser ist nur bei schwarz-rot verständlich." Ausschließen wollte er einen Minister Grasser allerdings auch nicht." (Der Standard)
Infrastrukturminister Mathias Reichhold zeigte sich am Dienstag erstmals nach seiner Erkrankung wieder in der Öffentlichkeit. Die Entscheidung Grassers, in einem etwaigen Kabinett Schüssel II als parteiloser Finanzminister wieder zur Verfügung zu stehen, wollte er nicht öffentlich kommentieren. Er halte sich an die Spielregeln und richte nichts über die Medien aus.
Zu seiner persönlichen Zukunft legte sich Reichhold nicht fest. Er sei zunächst einmal froh, wieder genesen zu sein, nachdem er sich in einer kritischen Situation befunden habe. Die Prioritäten hätten sich nun in Richtung Gesundheit und Familie verschoben.
Da er ein sehr politischer Mensch sei, werde er auch nach der Wahl in der einen oder anderen politischen Funktion tätig sein, erklärte Reichhold. Was er sich genau darunter vorstellt, sagte er nicht. Bezüglich seines Rücktritts als FPÖ-Obmann und freiheitlicher Spitzenkandidat betonte Reichhold, dass dieser ausschließlich gesundheitlich begründet gewesen sei.
Der Bruch zwischen Ex-Obfrau Susanne Riess-Passer und den Freiheitlichen wird immer deutlicher. Die Vizekanzlerin klagt die FP-nahe Zeitschrift "Zur Zeit". Grund: Deren Behauptungen, sie habe bei Bundespräsident Thomas Klestil dafür interveniert, dass der italienische Vizepremier Gianfranco Fini einen Orden erhalte.
Dies sei "absolut falsch und frei erfunden", heißt es in einer Aussendung der Vizekanzlerin. Riess-Passer wird gegen "diese unwahre und kreditschädigende Behauptung alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel, insbesondere eine Zivilklage", ergreifen (www.news.at)
Mi 13.11. Der stellvertretende FPÖ-Chef Thomas Prinzhorn hat nach einer Pressekonferenz am Mittwoch in Linz zum Thema "EU-Erweiterung" einen "Hörfehler" korrigiert: der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider habe Karl-Heinz Grasser nicht als "Verräter" sondern als "Verwehter" bezeichnet. Die Pressekonferenz, in der die Journalisten auch zur Entscheidung von Grasser, in einer ÖVP-Regierung als Finanzminister zur Verfügung zu stehen, gefragt hatten, war von Landesparteiobmann Günther Steinkellner schon offiziell beendet worden und alle standen auf. Da entwickelte sich noch ein Dialog, den ein Journalist mit der Frage eröffnete, wie Prinzhorn, Karl-Heinz Grasser beurteile, den der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider als "Verräter" bezeichnet habe. Prinzhorn: "Na, ich hab das als 'Verwehter' verstanden". Frage von Journalisten: "Bitte ?" Prinzhorn: "Ich hab das anders verstanden, ich glaub' das haben sie nicht richtig gehört - 'Verwehter' hat er gemeint". "Verräter ?" Prinzhorn: "Nein Verwehter. Ich glaub das war eine, 'Verwehter', nein, nein, er hat 'Verwehter' gesagt".(www.news.at)

Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider sei für die FPÖ "wichtiger denn je", erklärt der interimistische Parteichef Herbert Haupt in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Jedenfalls glaubt der Sozialminister, dass "viele Wähler durch das Nachdenken Grassers zur FPÖ zurückkehren". Zum Wechsel Grasers in das Team von VP-Kanzler Schüssel meinte Haupt: "Jetzt, wo Schüssel klar signalisiert hat, dass er mit Grasser in ein schwarz-rotes Abenteuer will, ist Jörg Haider wichtiger denn je".

Noch-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer versteht Karl-Heinz Grasser, der einem etwaigen ÖVP-Regierungsteam als Finanzminister zur Verfügung stünde. Gegenüber „News“ kritisierte sie Neo-Obmann Herbert Haupt und den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, die ihr und Grasser zumindest indirekt einen Parteiaustritt nahe gelegt hatten. "Wenn man das ausgerichtet bekommt, darf man sich nicht wundern, wenn es eine Reaktion darauf gibt", so Riess-Passer. Es sei eine "große menschliche Enttäuschung" für sie gewesen, "so was über das TV ausgerichtet zu bekommen, wo mir Herbert Haupt unter vier Augen immer was anderes sagte". "Ich war fassungslos", so Riess-Passer.
Sie fände es "ein bisschen merkwürdig", dass die FPÖ-Spitze "ganz empört" auf die Grasser-Entscheidung reagiert habe. Sie „warnt“ die Freiheitlichen, „mit Dolchstoßlegenden von eigenen Fehlern abzulenken“. Für sich selbst schließt sie eine Rückkehr in die Politik aus. "Ich habe meine Rücktrittsentscheidung am 8. 9. getroffen."
Erneut zeigte sich Riess-Passer enttäuscht von ihrem ehemaligen Mentor Haider. Wörtlich sagte sie: "Es war ein menschliches Problem, das ich nicht nachvollziehen kann. Denn meine Haltung gegenüber Haider war immer maximal loyal. Das hat er auch gewusst. Ich glaube nicht, dass man Politik auf einer Basis machen kann, indem man andere demütigt. Mir tut er eigentlich Leid, weil er Brücken abbricht zu Menschen, die ihn viele Jahre seines Lebens begleitet haben, und weil ich glaube, dass er sehr, sehr einsam geworden ist." (www.kurier.at)

Wie "News" meldet, haben Peter Westenthaler und Susanne Riess-Passer auf das neue Pamphlet innerhalb der FPÖ reagiert und Anzeige gegen unbekannte Täter erstattet. Westenthaler zu NEWS: "Alles, was da drinnen steht, ist erstunken und erlogen. Das ist der Versuch, Menschen zu vernichten. Es gäbe, so Westenthaler, "eine Fülle von Hinweisen auf den Täter". Westenthaler drohend: "Wir werden ihn bald ausfindig machen und dann wird er keine ruhige Minute mehr in seinem Leben haben."(www.news.at)
In "News" sagt Riess-Passer über die unterschiedlichen Kommentare von Haider und Prinzhorn zu Grasser: "Es müssen sich Haider und Prinzhorn ausmachen, was jetzt Linie der FPÖ ist. Ich warne, mit Dolchstoßlegenden von eigenen Fehlern abzulenken. Es ist erst wenige Tage her, dass uns der amtierende FP-Obmann via TV sowie Kärntens Landeshauptmann ausrichteten, dass wir eigentlich nimmer erwünscht sind in der eigenen Partei. Wenn man das ausgerichtet bekommt, darf man sich auch nicht wundern, wenn es eine Reaktion drauf gibt. Ich finde es ein bisschen merkwürdig, dass man dann ganz empört ist, wenn es eine Entscheidung eben in dieser Richtung gibt. Das ist ein so unschöner Umgang unter Parteifreunden, den ich mir in der FPÖ eigentlich nie hätte vorstellen können. Es ist auch eine große menschliche Enttäuschung für mich, so was über das TV ausgerichtet zu bekommen, wo Herbert Haupt unter vier Augen immer was anderes sagte." […]
News: Was ist die wirkliche Wurzel dieses FPÖ-Desasters?
Riess-Passer. "Es war ein menschliches Problem, das ich nicht nachvollziehen kann, denn meine Haltung gegenüber Haider war immer maximal loyal. Das hat er auch gewusst. Ich glaube nicht, dass man Politik machen kann auf einer Basis, indem man andere demütigt. Ich hatte 15 Jahre wirklich guter Zusammenarbeit mit ihm; nur Loyalität ist keine Einbahnstraße. Ich habe ihm gegenüber meine Loyalität immer, bis zum Schluss, gebracht. Mir tut er eigentlich leid, weil er Brücken abbricht zu Menschen, die ihn viele Jahre seines Lebens begleitet haben, und weil ich glaube, das er sehr, sehr einsam geworden ist."
Peter Pelinka in "News" unter der Überschrift: "Der Selbstmord einer Partei":
"[…] Dass muss man [den] genialen Strategen zwischen Klagenfurt und Knittelfeld einmal nachmachen: Die erst im Juni fast einstimmig bestätigte Parteichefin Riess-Passer parteiintern ebenso abzumurksen wie den einzig wirklich populären Minister, danach Jörg Haider für nur vier Tage auf den Parteischild zu heben, dann einen in jeder Hinsicht überforderten Mathias Reichhold und schließlich den nur in seiner Treue zum Bagdad-Touristen unbestrittenen Herbert Haupt - das schafft locker eine Massenflucht von ehemaligen FPÖ-Wählern. Jörg Haider ist tatsächlich konsequent: Lieber eine 12- bis 15-Prozent-Oppositionspartei als eine 20-bis25-Prozent-Regierungspartei unter irgendjemanden anderer." (News 46/02)
Wien - Der Kurzzeit-FP-Obmann und amtierende Verkehrsminister Mathias Reichhold hat offenbar ziemlich wechselhafte Zukunftspläne. In einem Interview mit der Illustrierten "News" meinte er: "Ich strebe vordergründig keine politischen Ämter oder Positionen mehr an." Am Mittwoch dementierte er diese Aussagen jedoch wieder. Er, Reichhold, sei missverständlich wiedergegeben worden. Er sei nie jemand gewesen, der vordergründig politische Ämter oder Positionen angestrebt habe. Nur das habe er mit seiner Aussage unterstreichen wollen, betonte Reichhold am Mittwochnachmittag.
Im "News"-Interview meint Reichhold: "20 Jahre habe ich die Partei vorangestellt. Jetzt habe ich umgedacht. Jetzt zählen einmal das Leben und die Familie". Seine Tätigkeit als Infrastrukturminister werde er "mit vollem Einsatz zu Ende bringen", danach strebe er das Amt nicht mehr an.
Er sei nach wie vor ein "sehr politischer Mensch und werde sich daher auch weiter politisch engagieren", bekräftigte der Minister. Im Wahlkampf wolle er die FPÖ noch im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen. Eine Wahltournee für die FPÖ könne er aber nicht mehr machen. "Das ist mir auf Grund meiner gesundheitlichen Situation nicht möglich", so Reichhold.
Angesprochen auf die Kandidatur von Karl-Heinz Grasser als "unabhängiger" Finanzminister, meinte Reichhold, er wolle dies politisch "nicht kommentieren". Persönlich halte er es aber für "eine zweischneidige Geschichte". "Für mich käme ein Wechsel zur ÖVP nicht in Frage", sagt Reichhold.
Wie seine persönliche Zukunft nach dem 24. November konkret aussehen wird, wollte Reichhold am Mittwoch noch nicht präzisieren. Dazu sei es noch zu früh. Er sei aber erstaunt "über die Vielfalt an interessanten Jobangeboten", so Reichhold in "News".
Unter der Überschrift "Der Selbstmord einer Partei" schreibt Peter Pelinka in "News" u.a.: "[Der] in der Geschichte Österreichs einmalige Absturz einer Partei ist zu 90 Prozent selbst verschuldet, allen – gerade nach Schüssels Grasser-Coup aufgewärmten – blauen Verschwörungstheorien zum Trotz. […] Das muss man [den] genialen Strategen zwischen Klagenfurt und Knittelfeld einmal nachmachen: Die erst im Juni fast einstimmig bestätigte Parteichefin Riess-Passer parteiintern ebenso abzumurksen wie den einzig wirklich populären Minister, danach Jörg Haider für nur vier Tage auf den Parteischild zu heben, dann einen in jeder Hinsicht überforderten Mathias Reichhold und schließlich den nur in seiner Treue zum Bagdad-Touristen unbestrittenen Herbert Haupt – das schafft locker eine zusätzliche Massenflucht von ehemaligen FPÖ-Wählern. Jörg Haider ist tatsächlich konsequent: Lieber eine 12- bis 15-Prozent-Oppositionspartei unter seiner diktatorischen Fuchtel als eine 20- bis 25-Prozent-Regierungspartei unter irgendjemand anderem. Sicher hofft er, noch einmal hochzukommen wie damals, 1986, und etliche Male seither. Man sollte ihn nie voreilig abschreiben. Aber diesmal dürfte er wirklich (s)eine historische Chance verspielt haben. Und die seiner Partei dazu."[Ende der Zitate aus "News"]
Do 14.11. Der Kärntner Landeshauptmann und Alt-Parteichef Jörg Haider wird sich im Finale des Wahlkampfes jetzt österreichweit engagieren. Gestartet wird der Österreich-Einsatz Haiders am Wochenende: Am Samstag steht ein Wahlkampftag von Haupt und Haider in Kärnten auf dem Programm. Am Sonntag geht es ins niederösterreichischen Kirchberg am Wagram, wo Haider um 10.00 Uhr gemeinsam mit Haupt und Niederösterreichs Spitzenkandidat Dieter Böhmdorfer einen Frühschoppen besucht. Am Montag, dem 18. November, werden Haupt und Haider in Innsbruck mit dem Tiroler Spitzenkandidaten Klaus Wittauer bei einer Kundgebung vor dem Goldenen Dachl (16.00 Uhr) in Erscheinung treten. Am Dienstag erfolgt laut Haupts Terminplanung ein weiterer Einsatz mit Haider und Böhmdorfer in einem Festzelt in Schwechat (16.00 Uhr).
Die Schlusskundgebung in Salzburg findet am Mittwoch im Augustinerbräu (19.30 Uhr) statt, wobei sich neben Haupt und Salzburgs Spitzenkandidat Eduard Mainoni ebenfalls der Kärntner Landeshauptmann angesagt hat. Unmittelbar davor treten Haider und Haupt noch bei einer FPÖ-Kundgebung in Wels (OÖ) mit Max Walch auf (17.30 Uhr). Am Freitag wird es dann am Wiener Viktor Adler Markt im Beisein Haiders, Haupts und des Wiener Spitzenkandidaten Herbert Scheibner zur Bundesabschluss-Kundgebung der FPÖ kommen (17 Uhr).
Am Samstag folgen dann nach eine Kundgebung der "HAUPTtour" in Klagenfurt (Neuer Platz, 11.00 Uhr) und in Graz (Hauptplatz 13.00 Uhr), bevor in Spittal/Drau die Abschluss-Kundgebung stattfindet. (www.kleinezeitung.at)

Finanzminister Karl-Heinz Grasser übt erneut heftige Kritik an der "Knittelfelder FPÖ". "Der dort geprägte Stil, das Mobbing, einfach die komplette Veranstaltung waren unerträglich", meint Grasser im morgen, Freitag, erscheinenden "Format". Den Vorwurf, dass er durch seine Entscheidung, einem ÖVP-Kabinett zur Verfügung zu stehen, die FPÖ zerstören könnte, weist der Finanzminister zurück. "Wenn jemand sagt, dass die eigenen Leute die Partei zerstören, dann sollten sich diejenigen einmal selbst bei der Nase nehmen und nicht mit dem Finger auf andere zeigen", so Grasser. Jene, die das Knittelfelder Delegiertentreffen organisiert hätten, seien dafür verantwortlich, "dass die Regierung geplatzt ist". Unter der Parteiführung von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer hätte die FPÖ eine Zustimmung von 20 Prozent gehabt. "Wenn ich mir jetzt anschaue, wieviel Wählerzustimmung die Knittelfelder FPÖ bekommen wird, schaut das anders aus", wird Grasser zitiert. Nun müsse der Wähler entscheiden, "wer Recht hat. Und der Wähler hat immer Recht."
Der "Knackpunkt" sei für ihn die "Inszenierung und die Intention von Knittelfeld" gewesen. "Da haben Leute gegen den Willen und hinter dem Rücken der Parteichefin einen Parteitag einberufen. ... Das ging gegen die Vizekanzlerin, das ging gegen die Regierungsmannschaft", so Grasser. (www.kurier.at)

FP-Chef Herbert Haupt reklamiert für den Fall der Neuauflage von Schwarz-Blau den Finanzminister für seine Partei - und dies werde keinesfall Karl-Heinz Grasser sein, erklärt er in den "Salzburger Nachrichten" (Freitag-Ausgabe): "Mein Ticket für den Finanzminister hat er verlassen. Das war seine Entscheidung. Wir legen auf Corporate Identity wert, das heißt für uns, bedingungslos für Österreich einzutreten und nicht für egoistische Eigenvorstellungen". Haupt will für die FPÖ einen "Fachmann" nominieren, diesen aber nicht vor der Wahl nennen: "Ich werde ihn nicht im Wahlkampf zerzausen lassen".
"Der Kollege Grasser hat sich von einem sicheren Ticket auf ein Nullticket bewegt. Weil ich rechne nicht damit, dass die ÖVP über 50 Prozent der Stimmen bekommt", sagt Haupt. Auch die SPÖ habe gesagt, dass es keine SP-VP-Koalition mit Grasser gebe.
Neuerlich nennt Haupt die - zwischendurch auch wieder etwas zurückgenommene - 15-Prozent-Marke: "Von mir aus werden, wenn wir über 15 Prozent liegen, Regierungsverhandlungen angestrebt." Er schützt, dass die FPÖ über 15 Prozent liegen werde - und sich dann mit einer ÖVP mit 36 Prozent Schwarz-Blau wieder ausgeht. (www.news.at)
Wie zerrüttet die Koalitionsehe zwischen ÖVP und FPÖ ist, zeigte sich am Donnerstag durch harte Attacken von FP-Klubobmann Karl Schweitzer auf Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Der VP-Chef mache Politik genauso, wie er Fußball spiele, so Schweitzer: "Mit Egozentrik und versteckten Fouls." Die ÖVP betreibe Wahlkampf mit groben Unwahrheiten. Als Beleg nannte der FP-Abgeordnete die von der ÖVP inserierte Unterstützung Schüssels durch den Fußballer Radoslaw Gilewicz; dieser sei Pole, nicht Österreicher, könne daher an der Nationalratswahl gar nicht teilnehmen, geschweige denn, wie von der ÖVP insinuiert, eine Vorzugsstimme für Schüssel abgeben. Schweitzer weiter: Schüssel habe im Wahlkampf nur ein Programm - "einen absoluten Schüssel-Zentrismus, Hauptsache er bleibt Kanzler, alles andere interessiert ihn nicht". (Die Presse)
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider verlangt - zumindest öffentlich - keinen Parteiausschluss gegen Finanzminister Karl-Heinz Grasser wegen dessen Entscheidung, der nächsten Regierung als unabhängiger Minister angehören zu wollen. Das sei Sache des Bundesparteiobmannes der FPÖ, ließ Haider am Donnerstag wissen. Haider meinte vor Journalisten in Klagenfurt: "Ich bin in der glücklichen Lage, als einfaches Parteimitglied mit keinerlei Ausschlussverfahren beschäftigt zu sein".

Justizminister Dieter Böhmdorfer bestätigte am Donnerstag, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen über die Vorgänge rund um die Typenentscheidung beim Abfangjägerkauf durchführe. Es würden eine Reihe von Unterlagen existieren, die er jedoch nicht werten wolle, sagte Böhmdorfer vor Journalisten in Klagenfurt. Gegen wen konkret ermittelt wird und ob sich darunter auch Regierungsmitglieder befinden, wollte der Justizminister nicht sagen.
"Ich bin an einer Aufklärung sehr interessiert", versicherte Böhmdorfer. Auch werde gegen jeden ermittelt, "ob groß oder klein", wenn ein Verdacht gegeben sei. Die bisher vorliegenden Angaben seien zwar nicht sehr präzise, würden sich aber aus logischer Sicht insgesamt nachvollziehen lassen, erläuterte der Minister.
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider verlangt jedenfalls Ermittlungen gegen SPÖ-Wehrsprecher Anton Gaal. Dieser hätte "mit Deckung seiner Parteiführung" Verteidigungsminister Herbert Scheibner wissen lassen, dass die SPÖ "still halten" würde, wenn man sich für den schwedischen Abfangjägertyp entscheiden sollte, sagte Haider am Donnerstag. (www.kleinezeitung.at)
Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat die Erhebungen im Zusammenhang mit der Bedrohung des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider abgeschlossen. Offiziell wurden die Ergebnisse nicht bekannt gegeben, doch sickerte durch, dass keinerlei Hinweise auf jenen Mann, der Haider im September in einem Klagenfurter Lokal bedroht haben soll, gefunden wurden.
Der zuständige Staatsanwalt Helmut Jamnig erklärte auf Anfrage, die Causa sei im Berichtsstadium: "Wir haben einen Vorhabensbericht an die Oberstaatsanwaltschaft weiter geleitet." Wenn dieser Bericht genehmigt werde, dann werde man entsprechend agieren, meinte Jamnig. Dass die Oberstaatsanwaltschaft die Angelegenheit an das Justizministerium weiterreicht, glaubt Jamnig eher nicht. (www.kurier.at)
Fr 15.11. Interview des „Standard“ (Michael Völker) mit Jörg Haider:
Standard: Hat Finanzminister Karl-Heinz Grasser in der FPÖ noch eine Zukunft?
Haider: Ich stelle nur fest, dass es eine große Empörung über seinen Schritt gibt.
Standard: Können Sie seinem Schritt auch etwas Positives abgewinnen?
Haider: Es bewirkt eine Mobilisierung bei den potenziellen freiheitlichen Wählern. Die sagen, das geht zu weit, hier ist die Grenze überschritten.
Standard: Sind Sie enttäuscht?
Haider: Ich bin natürlich enttäuscht. Wir hatten schon einmal eine solche Situation. Er hat 1998 auch über Nacht die FPÖ verlassen, ist davongelaufen, und Stronach hat ihn eingekauft. Er hat mir ein paar Monate später geschrieben und sich entschuldigt. Daraufhin haben wir wieder Kontakt gehabt. Als es zur Regierungsbildung gekommen ist, habe ich ihn an die Situation erinnert. Er hat mir versprochen, "wenn so etwas wieder auftritt, dann ziehe ich mich zurück, weil ich will das nicht mehr haben, dass irgendwelche öffentlichen Diskussionen ausbrechen". Das Gegenteil ist aber der Fall.
Standard: Hat Grasser Sie vorher informiert?
Haider: Nein. Aber es haben ja die Spatzen von den Dächern gepfiffen, dass das geplant ist. Es hat mich nicht überrascht, dass Schüssel das noch einmal versucht hat. Das war doch langfristig angelegt. Daher ist jetzt auch für viele Wähler klar, dass der Plan die Spaltung der FPÖ war. Man liebt den Verrat, aber nicht den Verräter, daher wird diese Rechnung nicht aufgehen.
Standard: Was für eine Funktion soll Riess-Passer in der FPÖ in Zukunft innehaben?
Haider: Wenn diese Periode aus ist, wird sie einfaches Parteimitglied sein - so wie ich.
Standard: Mit Ihren Statthaltern in der Partei scheinen Sie kein großes Glück zu haben.
Haider: Das kann man nicht sagen. Ich habe durchaus viele gute Leute hervorgebracht, die das Rückgrat gehabt haben, für die FPÖ auch bei Gegenwind Politik zu machen, und sich nicht dadurch profiliert haben, dass sie sich gegen den Jörg Haider gestellt haben. Wenn ein Freiheitlicher gegen den Haider ist, dann hat er den ungeteilten Applaus von links und von rechts. Dann gilt er geradezu als Säulenheiliger dieser Republik. Wer das tut, wird halt damit leben müssen, dass er einen Teil dessen zerstört, was ihm selbst gedient hat. Herr Grasser wäre das alles nie geworden, wenn die FPÖ nicht erfolgreich gewesen wäre und der böse Haider diese Erfolge errungen hätte.
Standard: Aus jetziger Sicht hat sich die FPÖ halbiert. Ist das ihr eigenes Verschulden?
Haider: Es gibt zwei Seiten. Den Fehler meinerseits, dass ich den Parteivorsitz abgegeben habe. Ich hätte das nicht tun sollen. Ich wollte der Koalition nur eine leichtere Arbeit ermöglichen. In dem Ausmaß, wie ich mich zurückgezogen habe, ist es der ÖVP gelungen, unsere Leute im Regierungsbereich tödlich zu umarmen, sie zu Verbündeten ihrer Politik zu machen und damit zu Gegnern der freiheitlichen Politik. Der zweite Teil war, dass die ÖVP die Strategie gehabt hat, aus der FPÖ die für sie wichtigen Verbündeten herauszulösen und so eine Spaltung zu versuchen. Damit sie dann vor der FPÖ liegt und den Kanzleranspruch erheben kann.
Standard: Das ist gelungen.
Haider: Unsere Mannschaft ist in diese Falle getappt, das habe ich oft genug gesagt. Das hat dazu geführt, dass manche beleidigt waren. Aber es sind die Kernbotschaften und das Kernimage der FPÖ infrage gestellt worden. Jetzt ist es besser, dass man Klarheit schafft.
Standard: Bereuen Sie es, dass Sie nicht doch den Parteiobmann gemacht haben?
Haider: Riess-Passer hat mich abgewiesen. Sonst hätte die FPÖ eine konsequente Führung gehabt und unser Profil in der Regierung verteidigen können. Um das geht es ja. Ich kann ja nicht wesentliche Dinge, die wir zum Kernbestandteil der Regierungsarbeit gemacht haben, wie die Steuerreform, nach einem Zwei- Stunden-Gespräch in der Regierung absagen und erst dann den Parteivorstand damit zu befassen. Das ist von der demokratischen Auffassung her desaströs und andererseits auch von der politischen Einschätzung her. Jeder weiß, dass die FPÖ für eine Reduzierung der Belastungen und für steuerliche Anreize für tüchtige und fleißige Leute in Österreich steht. Das hätten wir durchführen müssen. Das haben wir ja im Regierungsprogramm verankert gehabt. Zwei Phasen: Sanierung, Entlastung. Man kann nicht sanieren und dann sagen, die Entlastungen gehen sich leider nicht mehr aus.
Standard: Grasser hat eine Steuerreform für 2005 in Aussicht gestellt.
Haider: Ich halte das alles für völlig verrückt. Ich bin neugierig, für wie lange der Applaus für eine Politik anhält, die dieser Republik die höchste Abgabenbelastungsquote beschert. Es gibt ja in breiten Kreisen der Arbeiterschaft einen totalen Frust. Wo man hinkommt, sagt man mir, "Du hast schon Recht mit der Steuersenkung, bleib dabei, lass Dir nichts gefallen".
Standard: Wie wird es mit der FPÖ nach der Wahl weitergehen? Sie haben eine Neugründung in den Raum gestellt.
Haider: Ich glaube, dass man sich das Ergebnis anschauen soll und dann mit Herbert Haupt, der ein Fels in der Brandung ist, gemeinsam überlegen muss, wie man die FPÖ wieder zu einer schlagkräftigen Bewegung macht - befreit um jene Persönlichkeiten, die wenig Rückgrat zeigen. Das ist der Gedanke der Neugründung.
Standard: Wer sind diese Persönlichkeiten?
Haider: Man wird sich sehr genau anschauen müssen, wer in der Lage ist, mitzuhalten und mitzugehen. Es muss eine politische Bewegung sein, wo die Leute sagen, jawohl, das ist wieder die FPÖ, wie wir sie gekannt haben. Da kann man sich verlassen, die nennen die Dinge beim Namen, passen sich nicht an, lassen sich vom politischen Gegner nicht inhalieren. Die haben auch dann ein Stehvermögen, wenn es ihnen kurzfristig zum Nachteil gereicht.
Standard: Wie wichtig ist es für die FPÖ, in der Regierung zu sein?
Haider: Ich halte das für sekundär. Die FPÖ sollte sich das sehr gut überlegen, eine Partnerschaft mit einer Partei fortzusetzen, die sich so unfair verhalten hat. Viele in der Partei haben gesagt, ihr werdet schon sehen, mit den Schwarzen kann man nicht zusammenarbeiten, die sind nicht ehrlich. Das haben wir leider auch massiv erlebt. Da wäre es sinnvoller, dass die FPÖ in Opposition bleibt, bis sich eine andere Option auftut.
Standard: Aber Herbert Haupt propagiert eine Fortsetzung der Koalition.
Haider: Er lässt sich das offen und schaut sich an, unter welchen Konstellationen das möglich sein könnte. Nachdem Rot-Schwarz im Hintergrund vorbereitet wird, sehe ich mehr die Möglichkeit einer Opposition.
Standard: Geht es mit der Person Schüssel überhaupt aus Ihrer Sicht?
Haider: Mich darf die Partei über diese Persönlichkeit sicherlich nicht mehr fragen. Ich halte ihn für einen eiskalten Spieler. Es ist ihm kein Anliegen, für Österreich etwas zu bewegen, sondern nur, das Spiel zu gewinnen. Das ist ein Spieler. Spieler haben in der Regel wenig Herz und viel brutales Kalkül.
Standard: Sie selbst gehören in der öffentlichen Wahrnehmung aber auch eher zu den Bösen.
Haider: Nicht nur eher. Ich war immer der Böse. Es war das Konzept meiner Gegner, mich zu dämonisieren. Es ist nur eine neue Facette hinzugekommen, dass einige aus unseren Reihen bei diesem Spiel noch geholfen haben.
Standard: Wer wird aus der Regierungsmannschaft überbleiben?
Haider: Leute wie Böhmdorfer. Er hat absolute Steherqualitäten bewiesen und als Justizminister sehr viel bewegt. Es ist ja bezeichnend, dass in diesem Land einem Finanzminister mediale Huldigungen gemacht werden, der die höchste Belastungsquote verantwortet und sich weigert, die Steuern zu senken.
Standard: Bis vor zwei Wochen war das noch der FPÖ-Finanzminister.
Haider: Ja, aber wir haben aus diesem Grund auch den Konflikt gehabt. Weil ich habe den Koalitionsvertrag unterschrieben. Wenn ich sage, am Ende des Jahres 2003 muss eine Steuersenkung kommen und sie ist vertraglich vereinbart, dann ist sie durchzuführen. Da gibt es keine Ausrede. (Der Standard, Print-Ausgabe, 16./17.11.2002)
Haupt will seine Festlegung, Grasser könne in einer Regierung unter Beteiligung der FPÖ nicht Minister werden, nicht als Meinungswechsel verstanden wissen. „Ich habe nur die Ziele der FPÖ präzisiert und gesagt, welche Minister wir wollen.“
Seine Stellvertreter assistieren Haupt im Gespräch mit dem "Kurier" „Wer vor der Wahl nicht auf einem FPÖ-Ticket sitzt, wird das auch nach der Wahl nicht tun“, poltert der Industrielle Thomas Prinzhorn. Denn die Blauen würden weder bei Inhalten noch bei Personen Anleihe bei einer anderen Partei nehmen. Wie sein Parteichef betont der Zweite Nationalratspräsident, „die FPÖ hat nie ein Problem gehabt, geeignete Personen zu finden“.
Dass es nach dem 24. November auch die dazugehörigen Ressorts geben wird, davon ist Prinzhorn überzeugt: „Wir werden gut abschneiden und die VP/FP-Koalition fortsetzen.“
Für Haupt-Stellvertreterin Magda Bleckmann spricht nicht nur der Lagerwechsel gegen Grasser: „Die Koalition ist doch wegen der Steuerreform geplatzt, die gerade er und Schüssel nicht wollten.“ Der Dritte im Bunde der Statthalter, der oö. Arbeitnehmervertreter Max Walch, will dem blauen Jungstar a. D. nicht alle Türen zuschlagen. „Wenn Grasser mit unseren Forderungen und unserem Programm bei Koalitionsverhandlungen einverstanden wäre, ist alles wieder möglich.“ Zudem könnte dieser sich ja nach dem Urnengang auch dazu entschließen, seine Parteimitgliedschaft wieder zu aktivieren (derzeit ist sie „ruhend“ gestellt, Anm.). Sollte das erwartungsgemäß nicht der Fall sein, teilt Walch die Meinung seiner Kollegen im FP-Führungsquartett. „Wir lassen uns niemanden vor die Nase setzen.“ Warum der Finanzminister „die Entscheidung getroffen hat, mit der er sich selbst abmontiert“, ist Walch unverständlich. Die Chancen für einen Finanzminister Grasser seien gering. Walch: „Unter Rot-Schwarz, was wahrscheinlich ist, sicher nicht, auch nicht unter Schwarz-Grün.“ Grasser habe sich benützen lassen, „obwohl er weiß, dass es ein Lotteriespiel ist“.
FPÖ-Generalsekretär Karl Schweitzer schmerzt etwas anderes noch mehr als das Überlaufen: „Grasser ist nicht einmal bereit zu sagen, ,Ich wähle die FPÖ!‘. Dass er sich auf das Wahlgeheimnis beruft, ist ein Schlag ins Gesicht für alle in der Freiheitlichen Partei.
Herbert Haupt rechnet im "Standard"-Chat mit 15 Prozent Zustimmung: "Ich würde mich aus der Politik zurückziehen wenn ich kein Mandat für den österreichishen Nationalrat erreiche." "Ich bleibe in beiden Optionen Frontmann: wenn uns der Wähler eine Regierungsbeteiligung oder die Oppositionsrolle zuteilt."
Frage: Hat Stadler oder Achatz in der FPÖ noch was zu sagen. wenn ja, warum?
Herbert Haupt: "Stadler hat als Volksanwalt jedes Wochenende wenn er im Fernsehen zu sehen ist mehr als 500.000 interessierte Bürger, die seine Härte in der Vertretung von Bürgern der österreichischen Verwaltung gegenüber unterstützen. Hans Achatz ist als Landesrat in OÖ unbestritten und hat diese Funktion mit einstimmiger Zustimmung des Landtagclubs nach Zurücklegung seiner Obmannschaft übertragen bekommen. Beide werden daher in ihren Positionen gut wie bisher Interessen der Bürger vertreten."
Frage: Ist an eine Rückkehr von Riess-Passer in die Politik zu denken?
Herbert Haupt: "Zum jetzigen Zeitpunkt: nein. Aber in der Politik gibt es nie ein Nie."
Frage: Ist Riess-Passer nicht auch eine Verräterin?
Herbert Haupt: "Nein. Sie beteiligt sich hervorragend, wie das letzte Wochenende durch ihren Auftritt bei den Hochwasseropfern in NÖ bewiesen hat, unterstützend bei unserem Wahlkampf."
Sa 16.11. Der geschäftsführende FP-Obmann Sozialminister Haupt formulierte am Samstag eine Reihe von Bedingungen seiner Partei für eine eventuelle Regierungsbeteiligung nach der Nationalratswahl. Eine Reform der Sozialversicherungen und ein bundesweites Tierschutzgesetz bezeichnete er als "conditio sine qua non", auf keinen Fall werde die FPÖ eine VP-Minderheitsregierung unterstützen.
Haupt sah in Klagenfurt keinen Widerspruch zwischen seinen Wünschen, wieder zu regieren und der Quasi-Empfehlung des - neben ihm sitzenden - Kärntner Landeshauptmannes Haider für einen Gang in die Opposition. Auf Anfrage der apa meinte Haupt: "Es wird einmal davon abhängen, mit welchem Votum uns der Wähler ausstattet." Auf jeden Fall müsste eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllt werden. Denn: "Einen Ehevertrag, wie wir ihn mit der VP geschlossen haben, wird es nicht mehr geben." Immerhin habe Schüssel diesen Vertrag gleich zwei Mal gebrochen und damit das Misstrauen, das ihm viele FP-Sympathisanten entgegen gebracht hätten, bestätigt.
Haupt sagte, man strebe die Ressorts Finanzen und Soziales an. Er verwies auch auf die Möglichkeit, in einem Regierungs-übereinkommen koalitionsfreie Räume zu vereinbaren, da sei vieles möglich. Bei der Schlussoffensive im FP-Wahlkampf, für die Haupt quer durch Kärnten tourt, fiel jedoch vor allem auf, dass Kärntens Landeshauptmann sich wieder verstärkt in den Wahlkampf einschaltete. Dessen voller Einsatz wird auch durch ganzseitige Inserate in mehreren Tageszeitungen untermauert. Darin kommt Haupt überhaupt nicht vor, die potenziellen Wähler werden hingegen aufgefordert, "der FPÖ und Jörg Haider die Treue" zu halten. Denn Rot und Schwarz hätten das Ziel der Zerstörung Haiders und der FPÖ. (www.derstandard.at, apa)

Finanzminister Karl-Heinz Grasser erklärt, dass sein Ministerium in der Frage der Abfangjäger ganz klar den Kauf gebrauchter Flugzeuge vom US-Typ F16 empfohlen habe. Das sei auch aktenmäßig nachvollziehbar, so Grasser im Interview mit der "Presse" (Samstag-Ausgabe). Es sei eine seiner schwierigsten Entscheidungen gewesen, da er persönlich sehr davon überzeugt gewesen sei, dass die Entscheidung für einen Kauf von Kampfflugzeugen für das österreichische Bundesheer falsch sei.
Jörg Haider hingegen habe trotz mehrfachem Insistieren Grassers erklärt, der Ankauf stehe im Regierungsübereinkommen, man habe sich darauf geeinigt und es sei daher zu tun. Haider habe sich nachher auch damit gebrüstet, dass dieses Geschäft ohne ihn gar nicht zustande gekommen wäre, sagt Grasser.
24 gebrauchte F16 seien um 600 Millionen Euro offeriert worden, die vom Ministerrat abgesegnete Entscheidung des Heeres fiel auf 24 Eurofighter um rund 2,4 Milliarden. Grasser weiter: Gebrauchte, wenn auch neuwertige Flugzeuge habe allerdings das Verteidigungsministerium in seiner Ausschreibung von vorneherein ausgeschlossen.
Auch von dem Angebot des schwedischen Verteidigungsministers Björn von Sydow an Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) über 24 neuwertige, zum Teil gebrauchte Saab Gripen um rund 600 Millionen Euro habe er nichts gewusst, betonte Grasser. (www.derstandard.at, apa)

Haigermoser, Obmann der Salzburger FP-Wirtschaftstreibenden, geht in einer Analyse in der Zeitschrift "Der Standpunkt" von Hans Pretterebner mit der FPÖ hart ins Gericht. Die Koalition sei am "Firmenpersonal" der FPÖ geplatzt. Die Nationalratsfraktion, der Haigermoser bis zum Frühjahr dieses Jahres angehörte, habe sich als "Zufallsprodukt ohne inneren Zusammenhalt" erwiesen.
Die Mehrheit der Abgeordneten hätte keine "freiheitliche Seele" besessen, sondern sei durch "Zuruf in das Parteiherz eingeschleust" worden. Die Fraktion habe aus den bisher meisten Abgeordneten bestanden, aber aus den wenigsten "echten Freiheitlichen". Dies habe zum Putsch von Knittelfeld beigetragen, glaubt Haigermoser. Zudem beklagt er "einen noch ärgeren Zustand in den Landtagsfraktionen" und eine "desaströse Politqualität so manches Landesobmanns".(www.diepresse.at)
Der Salzburger Landesparteichef Karl Schnell kündigte in diesem Zusammenhang an, gegen Kritiker innerhalb der Partei hart vorzugehen. Für Parteimitglieder, die sich „parteischädigend“ vrehalten, werde es nach der Wahl „Konsequenzen geben.“ (Salzburger Nachrichten)

Finanzminister Grasser, der seine FPÖ-Mitgliedschaft ruhend gestellt hat, könnte noch einmal von der Diskussion über die Einzahlungen in den FPÖ-Sozialfonds eingeholt werden.
Der FP-Finanzreferent bestätigt laut "profil", dass von Grasser noch Beiträge für den Fonds offen seien. Grasser dementiert und meint, er habe sogar mehr für karitative Zwecke aufgewendet als von der Partei vorgeschrieben.
Laut "profil" hat Grasser statt fälliger 23.000 Euro nur etwas mehr als 18.000 Euro eingezahlt. Die freiheitliche Bezügeregelung sieht vor, dass Spitzenpolitiker Nettoeinkommen über 4.800 Euro an den Sozialfonds abführen müssen. Grasser hatte dies zu Beginn seiner Amtszeit unter Hinweis auf sein zuvor höheres Einkommen abgelehnt. Ergebnis der parteiinternen Debatte war dann die Anhebung der Grenze auf die nunmehr geltenden 4.800 Euro, zuvor waren es 4.360 Euro (60.000 Schilling).
Der Finanzminister weist die Berichte zurück, er sei seinen Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem freiheitlichen Sozialfonds nicht ausreichend nachgekommen. Gegenüber der apa sagte Grassers Sprecher Winkler, der Minister habe nicht in den Fonds eingezahlt, sondern direkt an bedürftige Familien gespendet.Im Jahr 2001 habe er 150.000 Schilling (10.901 Euro) an zwei Familien gespendet, so Grasser in einem der apa vorliegenden Schreiben an FPÖ-Finanzreferent Detlev Neudeck. Gefordert gewesen seien 110.440 Schilling (7.994 Euro), so dass sich ein Guthaben von 39.560 Euro (2.874,93) ergeben habe.
Dass Grasser bei der Bundes-FPÖ über ein Spesenkonto verfügt habe, bestätigte Winkler ebenso wie die von dem Magazin in diesem Zusammenhang genannten rund 8.400 Euro. Dieser Betrag gelte für die vergangenen drei Jahre, so der Sprecher. Verwendet worden sei das Geld für Wahlkampf-Einsätze. (www.derstandard.at, apa)
So 17.11. Die FPÖ fordert die Ablöse von Finanzminister Karl-Heinz Grasser unmittelbar nach der Wahl. Er werde Bundespräsident Thomas Klestil vorschlagen, das Ressort ab 25. November interimistisch einem leitenden Beamten zu übergeben, sagte Parteichef Herbert Haupt. Anlass für die Aussage ist der heutige Auftritt Grassers mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, bei dem die beiden ein Programm präsentiert hätten, das mit den "Knittelfelder Beschlüssen" der FPÖ ident sei. Das beweise, dass es sich bei den vorgezogenen Neuwahlen um ein "abgekartetes Spiel" der ÖVP mit Grasser handle.
Nach Meinung Haupts besteht in Sachen Finanzministerium unmittelbar nach der Wahl Handlungsbedarf. Grasser sei in dieser Position "nicht vertretbar". Denn der Finanzminister habe gemeinsam mit der ÖVP Neuwahlen vom Zaun gebrochen, die mehrere Millionen Euro kosteten, statt weitere Entlastungen für die unteren Einkommensschichten zu ermöglichen. Dem müsse nun gegengesteuert werden: "Das abgekartete Spiel ist aus. Seit heute ist der Vorhang offen."
Wie der FP-Chef betonte, stünden Schüssel und Grasser "für ihren egoistischen Kurs und nicht für Österreich". Hätten sie das heute präsentierte Programm wirklich umsetzen wollen, wäre das mit der FPÖ jederzeit möglich gewesen. Allerdings sei es den beiden nur darum gegen, die eigenen Sessel abzusichern und der ÖVP statt den Bürgern zu helfen. Diese Politik dürfe sich nicht lohnen. Daher gehe es jetzt darum, die Freiheitlichen zu stärken. (apa)
Mit scharfen Attacken gegen die ÖVP und Schüssel warteten die freiheitlichen Partei-Granden Herbert Haupt, Jörg Haider und Dieter Böhmdorfer in Kirchberg am Wagram auf. "Die ÖVP ist wie der Mond", so Haider: Dieser leuchte zwar schön durch die ihn bestrahlende Sonne, sei aber eigentlich nur eine "schiache dunkle Kugel". Die Sonne sei in den vergangenen zweieinhalb Jahren die FPÖ gewesen.
Standing Ovations begleiteten die Aussagen der Redner, ehe Haider - "Diese FPÖ kann man nicht kaputt machen" - zum Abschluss den Radetzky-Marsch dirigierte. Rot-Grün sei zwar ein Angstgespenst, die eigentliche Gefahr sei aber eine Neuauflage von Rot-Schwarz. Denn damit würde das Land "wieder in Geiselhaft genommen", so der frühere Parteichef. Schüssel habe die Koalition aufgekündigt, weil sich sonst im Jahr 2003 eine erfolgreiche FPÖ der Wiederwahl hätte stellen können, verwies Haider auf von Freiheitlichen durchgebrachte Leistungen - wie etwa das Kindergeld - in der nun ablaufenden Legislaturperiode. In der Regierungsvereinbarung mit Schüssel seien die Punkte Budgetsanierung, Steuersenkung sowie EU-Erweiterung - allerdings nur bei Änderung der Benes-Dekrete - festgehalten, erinnerte Haider.
Haider listete die Versuche der vergangenen Jahre auf, die FPÖ zu ruinieren und in "Gute" und "Böse" auseinander zu dividieren - von seiner Abwahl als Landeshauptmann 1991 beginnend über das "Lichtermeer", inszeniert als "Hetze" gegen die angesichts der drohenden Ausländerflut für schärfere Zuwanderungsgesetze eintretenden FPÖ, bis zur Briefbombenserie, die in den Medien ebenfalls FPÖ-Kreisen angelastet worden sei. (apa)
Der Herausgeber der "Kronen Zeitung", Hans Dichand, spricht sich einem Interview mit der "Presse" (Montagsausgabe) für eine "Dreierkoalition" von ÖVP, SPÖ und dem bisherigen Finanzminister Karl-Heinz Grasser aus. Eine rot-grüne Koalition wäre Dichand laut "Presse" wegen der vielen "Kummerln" bei den Grünen "unheimlich". Gegen Schwarz-Blau spreche, dass der ehemalige FPÖ-Chef Jörg Haider seine Partei zu einem "Haufen Schrott" gefahren habe und deshalb "keine Chance mehr" verdiene. (www.derstandard.at) [Karikatur von Manfred Deix dazu]
In den Sonntagsausgaben mehrerer Tageszeitungen erscheint ein als Inserat abgedrucktes Schreiben von Jörg Haider und Herbert Haupt. Die "beste Wahl für unser Österreich" sei eine starke FPÖ, heißt es darin. "Wie jeder, der eine Sache mit Begeisterung in Angriff nimmt, haben auch wir unsere Fehler gemacht", wird eingeräumt. Aber insgesamt "waren wir sehr erfolgreich". Die FPÖ-Spitzen, die beide mit einem Passfoto abgebildet sind, appellieren an den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten. "Wir sind mit unseren Freunden immer einen geraden Weg gegangen und haben mit ganzer Kraft für unser Österreich gearbeitet." Jetzt bitte man um Unterstützung dafür, diese Arbeit fortführen zu können: "Halten Sie gerade deshalb am 24. November bei der Wahl der FPÖ die Treue." Inhaltlich machen die Freiheitlichen Spitzen den Kampf gegen Privilegien und Proporz, den "vollen Einsatz zum Schutz Österreichs vor den Folgen einer überhasteten Osterweiterung" sowie eine steuerliche Entlastung der kleinen Gewerbetreibenden und Arbeitnehmer für sich geltend. (www.kurier.at)

"Profil" berichtet in seiner neuen Ausgabe über die FPÖ u.a.:
In der vergangene Woche intensivierte sich die Abrechnung mit der früheren Parteispitze um Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, Ex-Klubchef Peter Westenthaler und vor allem Finanzminister Karl-Heinz Grasser noch einmal. Während Haupt versuchte, Grasser und der ÖVP keine weitere Angriffsfläche zu bieten, indem er Grasser empfahl, seine Parteimitgliedschaft "ruhend zu stellen" und ihm keinen Ausschluss androhte, kochte der Zorn des nationalen Lagers wieder einmal über.
Anfang der Woche wurde ein zweites internes Pamphlet in Umlauf gebracht, das den "Abtrünnigen" nicht nur Unregelmäßigkeiten beim Abfangjägerdeal, sondern auch Scientology-Kontakte unterstellte.
Diese Woche – rechtzeitig vor der Wahl – soll ein drittes Papier folgen, das sich angeblich allein mit dem ins Lager der ÖVP gewechselten Finanzminister, dessen Freundeskreis und Auftragsvergaben des Ministeriums beschäftigen soll. profil vorliegenden Informationen zufolge wurden in Sachen Abfangjäger vergangene Woche auch zwei Strafanzeigen eingebracht. Eine davon betrifft Grasser, dem unterlassene Anbotsprüfungen unterstellt werden. Die andere das Ehepaar Passer. In der Staatsanwaltschaft heißt es dazu bloß: "Alle eingelangten Eingaben werden gerade geprüft." Die Betroffenen haben alle gegen sie erhobenen Vorwürfe freilich längst dementiert und Klagen gegen die Urheber angedroht. […]
Die Schmerzgrenze bei den Betroffenen dürfte erreicht sein: Von Ex-Parteichefin Riess-Passer wurde vergangene Woche kolportiert, sie könnte Grassers Beispiel folgen und dem vor Wochen ausgesprochenen Angebot Schüssels entsprechend ebenfalls die ÖVP im Wahlkampffinish – etwa durch eine offizielle Wahlempfehlung – unterstützen.
Mit Mitarbeitern der Vizekanzlerin wird derzeit jedenfalls aufgeräumt. Der von Jörg Haider als Geschäftsführer der Parteiakademie eingesetzte Kärntner Gagschreiber Herbert Kickl hat bislang von der Akademie bezahlte Riess-Passer-Mitarbeiter bereits vorsorglich vor die Tür gesetzt. Und FP-Klubdirektor Josef Moser – ursprünglich ein Haider-Vertrauter – soll ob der Dominanz der so genannten Knittelfelder in der Partei schon an eine Zukunft in der Schienen-infrastrukturgesellschaft (Schig) denken.
Abseits des krimiähnlichen Theaters um die Abfangjäger in der FPÖ bahnt sich derzeit aber auch der nächste handfeste Konflikt an der Parteispitze an. Denn obwohl das derzeit bestimmende Trio – Haupt, dessen Vize Thomas Prinzhorn und Jörg Haider – nach außen hin Einigkeit demonstriert, zeichnen sich zwischen Haupt und Prinzhorn erste Bruchlinien ab.
Prinzhorn wird vorgeworfen, er habe sich zu wenig klar von Grassers Schritt in Richtung ÖVP abgegrenzt und sich in den Tagen vor dessen Entscheidung gar mit dem Finanzminister getroffen. Außerdem werden Prinzhorn Avancen auf so ziemlich alle interessanten Posten, die die FPÖ nach der Wahl möglicherweise zu vergeben hat, nachgesagt. Er soll sowohl auf den Job des Parteichefs, den Haupt auch nach der Wahl weiter mimen möchte, als auch jenen des Klubchefs spitzen. Geschäftsführend tätig wäre in diesen Fällen wohl Barbara Kappel, die in der FPÖ umstrittene Büroleiterin Prinzhorns. Selbst das – eher unwahrscheinliche – Szenario als Finanzminister in einer Neuauflage von Schwarz-Blau soll Prinzhorn intern durchspielen.
Der Industrielle genießt seine starke Position in der Partei. Seine Umgebung ließ in den vergangenen Wochen Mitarbeiter der Partei jedenfalls wissen, dass die Finanzmisere der Partei ohne die Hilfe Prinzhorns nicht zu bewerkstelligen sein werde. Der Schuldenstand der FP soll sich nach dem intensiven Wahlkampf, bei dem ob des Wechsels des Spitzenkandidaten die Plakate öfter als geplant ausgewechselt werden mussten, bereits über sieben Millionen Euro betragen. Offiziell wird das dementiert, die Außenstände beliefen sich demnach "nur" auf rund drei Millionen Euro.
Ob und wie die Machtkämpfe nach der zu erwartenden Wahlniederlage ausbrechen werden, wird nicht zuletzt von der Reaktion Haiders und dessen Rolle bei einer von ihm angekündigten Parteineugründung abhängen. Ob Haider die Partei übernehmen möchte und Haupt seine Kandidatur beim nach der Wahl stattfindenden Parteitag zurückziehen wird, werden die nächsten Wochen zeigen. (profil 47/02)
Mo 18.11. Auf eine Zusammenarbeit mit der ÖVP nach der Nationalratswahl hat am Montag FP-Chef Herbert Haupt gebaut. Das "Vertrauen" zur ÖVP sei vorhanden, sagte der Obmann der Freiheitlichen in Innsbruck: "Die erste Option sehe ich bei der ÖVP", meinte Haupt. Für den Fall einer Regierungsbeteiligung seiner Partei müsse es allerdings einen "anderen Koalitionsvertrag" geben, betonte Haupt. Er könne sich vorstellen, sein "Lieblingsthema", ein bundesweites Tierschutzgesetz, auch in einem koalitionsfreien Raum zu vereinbaren. Persönliche Animositäten seien ihm "wurscht", die handelnden Personen nachrangig. Er könne mit jeder Partei zusammenarbeiten, die an einer "Sanierung" Österreichs interessiert sei. "Unter Profis muss es möglich sein, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die eine andere Meinung haben", sagte der FP-Chef. […] Er peile ein Wahlergebnis "deutlich über 15 Prozent" an. Dies sei notwendig, um nach der Wahl "unbeschädigt" in der Partei Verantwortung zu übernehmen. "Bei unter 15 Prozent lege ich die Entscheidung in die Wahlgremien", meinte Haupt.
"Empörend" fand der FP-Chef, dass das "Duo" Grasser-Schüssel jetzt "auf einmal eine Steuerreform umsetzt, obwohl sie das vor drei Monaten nicht tun wollten". "Die Ereignisse der letzten Tage haben mein Vertrauen in den Finanzminister erschüttert", sagte Haupt. Karl-Heinz Grasser handle aus "opportunistischen und egoistischen" Gründen. Der Obmann der Freiheitlichen bedauerte, dass Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer eine Rückkehr in die Politik nach den Wahlen ausgeschlossen habe. "Riess-Passer genießt mein Vertrauen". Er habe "keine Zweifel an ihrer Integrität", betonte Haupt. (www.kurier.at)

Die Kärntner Freiheitlichen unterstützen Bundesparteiobmann Herbert Haupt bei dessen Forderung nach einer Ablöse von Karl-Heinz Grasser am 25. November als Finanzminister. "Herbert Haupt hat unsere vollen Rückendeckung", sagte Landesparteiobmann Strutz am Montag auf Anfrage. Es könne nicht sein, dass jemand, der von der FPÖ entsandt wird, gegen die Interessen der Freiheitlichen handle. In Kärnten wollen die Freiheitlichen bei der Nationalratswahl am 24. November fünf Mandate erringen. Bundesweit sei es das Ziel, so stark zu werden, dass "die Reformarbeit für Österreich fortgesetzt und Rot-Grün sowie einen Rückfall in den rot-schwarzen Privilegienstadl zu verhindern", sagte Strutz am Montag in Klagenfurt. (www.kurier.at)
Scharf attackiert hat der Kärntner Landeshauptmann und ehemalige FPÖ-Chef Jörg Haider am Montag einmal mehr Bundeskanzler Wolfgang Schüssel Nach der Hochwasserkatastrophe in Österreich habe Schüssel die Freiheitlichen "über den Tisch gezogen", sagte Haider bei einer Wahlkampfveranstaltung unter großem Polizeiaufgebot in der Innsbrucker Altstadt.
Er habe "schlechte Erfahrungen" mit Schüssel gemacht, betonte Haider. Vereinbart gewesen sei eine Sanierung des Budgets und eine Steuersenkung. Nach dem Hochwasser sei dann alles anders gewesen. "Der Bundeskanzler ist eiskalt". Er breche die Koalition und werbe Minister "zum eigenen Vorteil" ab. "Nicht die FPÖ sondern Schüssel hat die Koalition verlassen" bemerkte Haider. Als Grund nannte er die EU-Osterweiterung, für die die FPÖ Bedingungen gestellt habe. "Schüssel hat Neuwahlen vom Zaun gebrochen, ohne vorher mit mir gesprochen zu haben". Dabei sei mit dem Bundeskanzler vereinbart worden, dass ein Ministerrücktritt einzig "Sache der Partei" sei. Grasser abzuwerben sei ein "Trick" von Schüssel, den die Bevölkerung "nicht tolerieren" werde. Wenn Karl-Heinz Grasser "anständig" sei, dann würde er nicht zur ÖVP überlaufen, sagte Haider. "Bevor sich Grasser um einen Posten bei der ÖVP bewirbt, sollte er seinen Ministerposten zurückgeben". (apa).
Die Kontroverse zwischen ÖVP und FPÖ um die vorzeitige Ablöse von Finanzminister Karl-Heinz Grasser spitzt sich zu. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel denkt nicht daran, Grasser bis zur Ernennung einer neuen Regierung zu ersetzen, wie FP-Chef Herbert Haupt dies verlangt hatte. Haupt erhöhte aber am Montag im Gespräch mit der "Presse" den Druck auf Schüssel: Er werde vom Bundeskanzler im Einklang mit dem Koalitionspakt verlangen, daß er Grasser "sofort", jedenfalls aber "möglichst schnell" entläßt und mit "einem Mann meines Vertrauens" besetzt, so Haupt. Am Sonntag wollte er noch einen "leitenden Beamten" des Ministeriums einsetzen.
Der FP-Chef meint im Hinblick auf die Besetzung des Ressorts: "Ich werde den Bundeskanzler in die Ziehung nehmen, daß er den Koalitionsvertrag einhält." Am Wochenende hatte Haupt noch gemeint, er werde Bundespräsident Thomas Klestil vorschlagen, das Finanzressort ab 25. November interimistisch einem leitenden Beamten zu übergeben. Nach der Verfassung kann der Bundespräsident einen Minister aber nur auf Antrag des Bundeskanzlers entlassen. (www.diepresse.at)
Auszüge aus einem Interview von "Die Welt" mit Peter Sichrovsky, ehemaligem Generalsekretär der FPÖ:
DIE WELT: Herr Sichrovsky, Sie haben Jörg Haider kürzlich "krassen Antisemitismus" vorgeworfen und gemeint, in einem normalen, demokratischen Land hätte er längst zurücktreten müssen. Fordern Sie persönlich Haider damit zum Rücktritt auf?
Sichrovsky: Ich habe früher Jörg Haider immer verteidigt und gemeint, er sei kein Antisemit. Diesmal geht es um eine konkrete, in einem Interview autorisierte Aussage. Haider hat Finanzminister Grasser vorgeworfen, er habe seine, Haiders, Irak-Reise nur kritisiert, weil er "bei der Ostküste einen guten Eindruck machen wollte". Er provoziert hier bewusst - er weiß genau, was er sagt, hat ohne Rücksicht auf Tabus oder persönliche Sensibilität in seinen Provokationen antisemitisc he Klischees benutzt. Da war er früher vorsichtiger.

DIE WELT: Also Rücktritt?
Sichrovsky: Na ja - es ist ja leider österreichische Realität, dass mit diesem Thema sehr lasch umgegangen wird. Ich glaube nicht, dass irgendwo in Europa jemand nach so einer Bemerkung politisch überleben kann. Hier zu Lande ist das leider Normalität. Ich glaube nicht, dass in Deutschland ein Bundeskanzler, wie zum Beispiel Kreisky, sechs ehemalige NSDAP-Mitglieder in sein erstes Kabinett hätte holen können. Das österreichische Prinzip der Nachkriegszeit war, Ex-Nazis in ein demokratisches System zu zwingen, damit so etwas nicht mehr passieren kann - und das hat auch funktioniert. Ob uns das gefällt oder nicht, der Aufbau der Demokratie nach 1945 hätte nie funktioniert ohne die Unterstützung durch die Ex-Nazis.
DIE WELT: Sie meinen, Haider werde, weil Österreich anders ist, auch diese Bemerkung politisch überleben?
Sichrovsky: Da bin ich nicht so sicher - allerdings aus anderen Gründen. Er betreibt an sich selbst eine systematische Demontage, die wir alle nicht mehr verstehen. Ich habe nach 1996 in einer für viele Leute absurden Symbiose sehr gut mit ihm zusammengearbeitet. Wir Liberalen in der FPÖ haben ihn als Motor benutzt, um eine politische Veränderung zu erreichen. Eine seiner Strategien war ja eine Zeitlang, liberale Wähler für die FPÖ zu gewinnen und sie nicht durch die traditionell rechten Aussagen zu vertreiben.
DIE WELT: Was hat dann Haiders Veränderung bedingt?
Sichrovsky: Sein persönlicher Plan ist nicht aufgegangen: Die Liberalen in die Regierung zu schicken, quasi als Vorbereitung seiner eigenen Minister- oder gar Kanzlerkarriere. Er hat den Einsatz von Riess-Passer als ersten Schritt gesehen, er hat damit gerechnet, dass sie scheitert, weil sie seiner Meinung nach nicht gut genug, eben kein Haider war. Danach wäre er gekommen, nachdem die FPÖ durch die Regierungsbeteiligung gesellschaftsfähig geworden ist.

DIE WELT: Wollen Sie damit sagen, er habe bewusst ein Regierungsteam ausgewählt, das scheitern sollte?
Sichrovsky: Er hat zumindest damit gerechnet, dass das schief geht. Das erste Ministerteam, das er vorgeschlagen hat, war ja vom fachlichen Niveau her unterdurchschnittlich - das waren sicherlich nicht die Besten in der FPÖ. Als dann allerdings das liberale Segment um Riess-Passer immer stärker wurde, als wir auch sehr erfolgreich unsere internationalen Kontakte, sogar zu Israel und den USA verbessert haben, hat ihn das einfach fertig gemacht.
DIE WELT: Sie haben kürzlich auch gemeint, Haider habe sich vom Amerika-Freund zum Amerika-Feind gewandelt. Warum?
Sichrovsky: Das hat sehr viel zu tun mit seinem Versuch, sich mit seinen jüdischen Kritikern zu versöhnen. Er war 1998, 1999 in den USA, hat sich dort öffentlich entschuldigt für seine bekannten Sprüche. Ich habe ihn damals gewarnt, dass es mit einer Entschuldigung nicht getan sein werde. Das zeigt auch der unterschiedliche Werdegang Finis oder auch Joschka Fischers. Da besteht für mich ein gravierender Unterschied zu Haider. Alle drei kommen aus radikalen Ecken, waren zu Beginn antiisraelisch eingestellt. Fini und Fischer haben aber erkannt, dass die politische Karriere im eigenen Land nur über internationale Akzeptanz geht. Fini ist sofort nach Auschwitz gefahren, Fischer hat sich als überzeugender Freund Israels und Partner der jüdischen Organisationen und der USA angeboten. Nur dadurch konnten sie international anerkannte Politiker werden. Haider dagegen ist der international geächtete Provinzpolitiker geblieben, der nur durch Provokation Aufsehen erregen kann.
DIE WELT: Sprechen wir über Haiders wiederholte Irak-Reisen. Unternimmt er auch die aus purer Lust an der Provokation?
Sichrovsky: Sie hätten ihn sehen müssen, wie glücklich er war, als ihm nach der letzten Irak-Reise bei einer Pressekonferenz in Wien zwei Dutzend Journalisten und ein Dutzend Kameraleute gegenüberstanden. Da war er wieder der große Star - etwas, das er innenpolitisch kaum mehr erreicht. Diese Aufmerksamkeit braucht er - das ist das psychische Element. Zum Zweiten ist er total isoliert und völlig vereinsamt - wo soll der arme Kerl denn noch hinfahren? Er wurde zwei Mal im letzten Jahr zu einem Vortrag in Frankfurt eingeladen, beide Male wurde die Veranstaltung nach Interventionen verschiedenster Gruppen abgesagt. Haider kann nicht einmal mehr in einem Gasthaus außerhalb Österreichs sprechen. (www.welt.de)
Di 19.11. Alt-FPÖ-Jörg Haider attackiert Grassers Steuerpläne im NEWS-Interview heftig:
Haider über Grassers Steuerplan: "Der Herr Schüssel braucht nicht vor Rot-Grün zu warnen, wenn er sich einen Finanzminister nimmt., der solche Grauslichkeiten vorhat. Da kann Grasser gleich grüner Finanzminister werden."
Haider über Grassers Finanzminister-Chancen nach der Wahl: "Wenn Schüssel wirklich Nummer eins wird, dann hat er zunächst einmal das Problem, wohin entsorgt er den soeben angeheuerten Finanzminister. Ihm bleibt ja dann nur die SPÖ als potenzieller Koalitionspartner."
Haider über den Schüssel-Grasser-Deal: "Ich vermute, dass Schüssel mit Grasser ausgemacht hat, dass er bei der Wahl als Marketinggag für ihn zur Verfügung steht und dann dafür eine hohe Position in der Nationalbank bekommt."
Haider über Grassers Zukunft: "Von der Nachfolge Klaus Liebschers abwärts ist alles möglich. Denn jetzt laufen viele hochdotierte Verträge aus, das hätte den Vorteil für Grasser, nicht mehr beweisen zu müssen, dass er in der Privatwirtschaft erfolgreich ist. Denn die Nationalbank ist ein klassisch geschützter Bereich." (www.news.at)
Eine "Person des Vertrauens der Freiheitlichen" solle statt Karl Heinz Grasser in der provisorischen Regierung nach der Wahl Finanzminister sein. Dies forderte FPÖ-Chef Herbert Haupt am Dienstag an Rande einer Pressekonferenz. Wer konkret Grasser nachfolgen solle, dazu nannte Haupt keinen Namen, er sprach aber von einer "Person mit Reputation in der Wirtschaft".
Auf Grund des Koalitionsübereinkommens habe die FPÖ das Recht, das Finanzministerium zu besetzen, betonte Haupt. "Der Bundeskanzler ist verpflichtet, wenn er die Regierungsvereinbarung einhalten will, einen anderen Vorschlag der Freiheitlichen zu berücksichtigen."
Er "möchte Grasser abberufen haben", sagte Haupt, weil dieser in seinen Augen nicht mehr das Vertrauen besitze, "dass er in den schwierigen Verhandlungen für die EU-Osterweiterung die Interessen Österreichs" vertreten könne. In einem persönlichen Gespräch mit dem Bundeskanzler werde ihm dieser sagen müssen, "ob er gedenkt, das Koalitionsabkommen einzuhalten, wenn er es wieder bricht, dann wird die Bevölkerung wissen, was sie auch von den Versprechen Schüssels für die Zukunft zu halten hat".
Im Hinblick auf eine mögliche weitere schwarz-blaue Koalition sagte Haupt, was einen allfälligen künftigen Finanzminister Grasser betrifft: "Für mich als Sozialminister und als Parteiobmann ist eine andere Person erste Wahl."

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider möchte dem Team seiner Partei für die künftigen Koalitionsverhandlungen nicht angehören. "Ein Mal hat mir gereicht", sagte er am Dienstag nach einer Regierungssitzung in Klagenfurt. Er habe nämlich inzwischen konstatieren müssen, was die Unterschrift seines damaligen Verhandlungspartners Wolfgang Schüssel wert sei.
Haider wollte zwar keine konkrete Aussage zu einer allfälligen Neuauflage einer schwarz-blauen Koalition machen, meinte jedoch, seine "persönliche Einstellung gegenüber Schüssel ist bekannt". Haider: "Wenn mich die Partei fragt, werde ich meine Meinung sagen." Die Konsequenzen daraus müssten die Verantwortlichen in der Partei ziehen. Eine mögliche VP-FP-Koalition nach der Wahl sei jedenfalls "die Sache von Herbert Haupt im Parteivorstand", betonte Haider. (apa, www.derstandard.at)
Erneut scharf abgerechnet hat Haider am Dienstag mit der ÖVP und insbesondere mit Bundeskanzler Schüssel. Im Rahmen einer Wahlveranstaltung in einem Festzelt in Schwechat bezeichnete Haider Schüssel wörtlich als "Reserve-Napoleon", der mit "allen Mitteln wieder die Nummer eins werden" wolle.
Die Österreicher sind laut Haider von "den Schwarzen nach Strich und Faden hinters Licht geführt worden". Nicht die FPÖ habe das Regierungsprogramm geändert, sondern die Volkspartei, polterte der ehemalige Parteichef der Freiheitlichen. Schüssel habe das Hochwasser als Ausrede benützt, um die Steuerreform abzusagen. Dabei könne sich Österreich den Wiederaufbau durchaus leisten. Haider sprach diesbezüglich die Geldreserven der Nationalbank an, die er - wäre er Regierungschef - zur Katastrophenhilfe verwenden würde.
Großes Lob zollte Haider in seiner Rede FPÖ-Chef Herbert Haupt. Dieser habe in den "letzten Wochen gezeigt, was freiheitliches Stehvermögen bedeutet". Andere hingegen, die er, Haider, über 15 Jahre hindurch aufgebaut habe, hätten "in zwei Jahren alles verwirtschaftet".
Kein gutes Haar ließ der Kärntner Landeshauptmann an Finanzminister Karl-Heinz Grasser: "Er hat seine Gesinnung an den Nagel gehängt, als würde er ein Hemd wechseln." Den Ministerposten hätte er "einzig und allein der FPÖ zu verdanken". Grasser hätte sein Amt zur Verfügung stellen müssen, zeigte sich Haider enttäuscht. (apa, www.derstandard.at)
Die FP-Ortsgruppe in Kaumberg (NÖ) wirbt für die Wahlen mit einem antisemitischen Pamphlet. Einer Postwurfsendung, die auch vor "Überfremdung" warnt, ist die Broschüre "Krisengebiet Nahost" von Richard Melisch beigelegt, der den Konflikt als Kampf zwischen dem "global organisierten, ... territorial nicht fassbaren Zionismus" mit Verbindungen zur (jüdischen) New Yorker Hochfinanz und den arabischen Völkern beschrieben, die laut FP-Schreiben "immer unsere Freunde" waren. Melisch, der in Beirut als Geschäftsmann lebt, beschimpft auch die USA und fordert die Anerkennung der "arabischen Befreiungsorganisationen als legitime Widerstandsbewegung gegen die zionistischen Besatzer". (Der Standard, Printausgabe, 20.11.2002)
Auszug aus einem Interview mit Justizminster Böhmdorfer im "Standard":
Standard: Sind Sie ein Knittelfelder?
Böhmdorfer: Nein. Ich wäre gerne hingefahren, weil ich mich in dieser Phase als Integrationsfigur gefühlt habe. Ich bin auf ausdrücklichen Wunsch der Frau Vizekanzlerin nicht hingefahren. Ich habe sie gefragt, ob ihr das Recht wäre, aber sie hat das ausdrücklich verneint.
Standard: Vertreten Sie die Positionen, die in Knittelfeld beschlossen wurden?
Böhmdorfer: In Knittelfeld wurde ein Kompromiss beschlossen, der durchaus Basis für die weitere Arbeit gewesen wäre. Das sieht man auch jetzt: Was Karl-Heinz Grasser vertritt, ist Knittelfeld pur. Grasser ist offensichtlich ein Ober-Knittelfelder. Genau das, was dort beschlossen wurde, wenn auch nicht in den Worten, die er gerne gehört hätte, genau das macht er jetzt. Mit Schüssel allerdings. Das gehört zu den Ungereimtheiten der Gegenwart.
Standard: Schmerzt es Sie, dass sich Grasser der ÖVP als unabhängiger Finanzminister angeboten hat?
Böhmdorfer: Da gibt es keinen Schmerz. Der Umgang mit politischen Ämtern, in die man aufgrund der Vertrauensbasis einer Partei gelangt, hat auch etwas mit Charakter zu tun. Mehr sage ich nicht.
Standard: Soll Jörg Haider wieder Parteiobmann werden?
Böhmdorfer: Das ist nicht mein Thema. Ich bin nicht Parteimitglied und nicht in den Gremien. Ich habe aber immer einen offenen Zugang zu ihm gehabt und glaube, dass er aufgrund seines scharfen politischen und analytischen Verstandes für die Partei sehr wichtig ist. (DER Standard, Print-Ausgabe, 20.11.2002)
Mi 20.11. Der freiheitliche Altparteiobmann Jörg Haider wendet sich wieder stärker einer Neuauflage der schwarz-blauen Koalition zu. Wer immer Reformen wolle, könne Partner der FPÖ sein, meinte er bei einer Pressekonferenz Mittwoch Vormittag. Die ÖVP sei immer nur in einer Koalition mit den Freiheitlichen "politisch resozialisierbar".
Voraussetzung für eine neuerliche Regierungsbeteiligung sei, dass der Wähler die FPÖ so stark mache, dass sie als wesentlicher Faktor agieren könne. Als Latte dafür nannte Parteichef Herbert Haupt die schon bekannten 15 Prozent.
Besonders schossen sich Haupt und Haider auf ihren nunmehr ruhend gestellten Parteifreund Karl-Heinz Grasser ein, der ja neuerdings im Team der Volkspartei aufscheint. Dessen im Sommer ausgearbeitetes Steuerreform-Konzept hätte nämlich unter anderem eine volle Besteuerung der Überstunden sowie höhere Grund- und Mineralölsteuern gebracht, betonte der Kärntner Landeshauptmann. Schüssel habe nun Grasser in sein Boot geholt und damit akzeptiert, dass in einer VP-geführten Regierung ein riesiges Belastungspaket passieren müsse.
Ebenso wenig Freude am Finanzminister hat der neue FP-Chef: "Wir haben mit Grasser massive Schwierigkeiten gehabt", klagte Haupt. (apa)
Die scheidende FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer dementiert nicht, ebenso wie Finanzminister Karl-Heinz Grasser Offerte von der ÖVP für eine Fortsetzung der Regierungstätigkeit bekommen zu haben. "Es gab eine Menge Angebote", sagte sie im ORF-"Report". Ambitionen, diese wahrzunehmen, habe sie keine. Sie wolle einfaches FPÖ-Mitglied bleiben. (www.kurier.at)
Die Freiheitlichen werben für die sonntägige Nationalratswahl zumindest in Klagenfurt noch immer mit Mathias Reichhold. Am Mittwoch wurden in der Kärntner Landeshauptstadt Kugelschreiber und Papiertaschentücher verteilt, die den Namenszug und das Bild des aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Bundesparteiobmann und Spitzenkandidat der Freiheitlichen aufweisen.

Ein Bericht der "Presse" Über einen Wahlkampfauftritt von Haider in Innsbruck:
Vorbei sind die Zeiten, in denen die Wahlkampf-Lokomotive Jörg Haider mühelos die Herzog-Friedrich-Straße in der Innsbrucker Altstadt mit Tausenden Schaulustigen füllte. Als der Kärntner Landeshauptmann an diesem regnerischen Nachmittag die Bühne vor dem Goldenen Dachl betritt, wird er gerade einmal von ein paar hundert Zuschauern empfangen. "Haider go home", skandieren die meist jugendlichen Innsbrucker unter ihren Regenschirmen. Das Idol von einst ist zum Buhmann geworden. Haiders Kommentar: "Ich bin es gar nicht gewohnt, daß die linken Pfifferlinge bei so einem Wetter aus ihren Ecken hervorkriechen." Es folgt ein gellendes Pfeifkonzert.
In einer Ecke der straßenbreiten Bühne stehen die Tiroler FP-Mandatare mit versteinerten Gesichtern. Sie hatten gehofft, daß "der Jörg" das Ruder noch einmal herumreißen kann in diesem Wahlkampf. Doch schon in den ersten Minuten des Haider-Referates werden sie eines Besseren belehrt. Recht lustlos trägt Haider Altbekanntes vor, wie jene Passage von den Milliarden an Rücklagen in der Nationalbank, die man für die Finanzierung der Steuerreform verwenden könnte; oder die These, allein Kanzler Wolfgang Schüssel sei schuld, daß die Koalition zerbrochen sei.
"Horchts ihm doch nit zua!", schreit einer in die Menge. Der Landeshauptmann aus Kärnten warnt eindringlich vor den negativen Folgen der EU-Osterweiterung: "Die Wiedervereinigung in Deutschland hat nicht funktioniert, wie soll das mit zehn Beitrittskandidaten funktionieren?" Er spricht von Tausenden Billigarbeitskräften, die Österreich nach der EU-Erweiterung überfluten würden, weil sie derzeit nur 15 Prozent des hiesigen Gehaltsniveaus erreichen. Das Argument überzeugt nicht. "Der ist einfach dumm!", ärgert sich ein Student. Das Pfeifkonzert wird lauter.
Die Stimmung wird hitziger, uniformierte Polizisten mischen sich unters Auditorium. Als der Wahlredner ankündigt, die FPÖ werde weiterhin dafür sorgen, daß "der Zuzug von Ausländern begrenzt" wird, bekommt er aus dem Publikum zur Antwort: "Das Deutsche Reich lebt!" Haiders Wortspiele, die einst Begeisterungsstürme hervorriefen, versinken im Innsbrucker Schnürlregen und in "Saddam, Saddam!"-Rufen der Umstehenden. Die wollen gar nicht mehr hören, daß der laufende Wahlkampf dem Roulette ähnle, bei dem es nur mehr Schwarz und Rot gäbe mit einer "grünen Null" als Verzierung.
Eben hatte FP-Spitzenkandidat Herbert Haupt noch von einem Wiedererstarken der FPÖ gesprochen. Doch beim Bühnenabbau herrscht miese Stimmung unter den Funktionären. "Ob wir überhaupt zehn Prozent erreichen?", fragt einer von ihnen in die Runde. "Was ist nur passiert?" Statt einer Antwort erntet er nur Kopfschütteln. (www.diepresse.at)
Heftige Attacken gegen Wolfgang Schüssel und Karl-Heinz Grasser kennzeichneten eine Wahlkampf-Veranstaltung der FPÖ mit dem Spitzenkandidaten Sozialminister Herbert Haupt Mittwochabend in Wels, an der auch Jörg Haider teilnahm. Haider bedankte sich bei Haupt, dass sich dieser als Spitzenkandidat zur Verfügung gestellt habe: "Er wird auch beim stärksten Gegenwind nicht schwach, nicht wankelmütig und fällt nicht seiner Gesinnungsgemeinschaft in den Rücken". Die Freiheitliche Bewegung bezeichnete er als den "entscheidenden Reform-Motor". Der ÖVP seien Reformen erst ein Anliegen geworden, als sie mit den Freiheitlichen eine Koalition gebildet hätten. Schüssel sei 15 Jahre hindurch beim Schuldenmachen dabei gewesen. Mit den Freiheitlichen sei er in die "Bewährungshilfe" gekommen, aber jetzt bestehe die Gefahr - "wie das so ist mit Resozialisierungskandidaten" - dass er rückfällig werde. Das würden die Freiheitlichen verhindern.
Schüssel habe die Koalition gebrochen, die Freiheitlichen hätten hingegen nichts anderes gemacht, als die Vereinbarungen einzuhalten, betonte Haider. Alle anderen Darstellungen seien eine "Gehirnwäsche sondergleichen, die mit den österreichischen Wählern betrieben wird". Schüssel führe als "Reserve-Napoleon" einen "Krieg" gegen die FPÖ, "anstatt dass er Rot-Grün verhindert, der Wahnsinige".
Der Wechsel von Finanzminister Karl-Heinz Grasser sei lange geplant gewesen. Wenn dieser einen "Funken von Charakter und Anständigkeit" besitzen würde, ginge er. Er sitze in einer Funktion, die er von der FPÖ erhalten habe. Er sei wie ein "Bräutigam, der mit dem Verlobungs- und Brautgeschenk durchgeht, um eine andere zu heiraten", kritisierte Jörg Haider bei der FPÖ-Veranstaltung in Wels Mittwochabend.
Herbert Haupt geht davon aus, dass im Fall einer künftigen schwarz-blauen Koalition der Bundeskanzler nicht mehr Wolfgang Schüssel heißen wird: "Wenn er nicht Erster wird, sind seine Tage gezählt", glaubt der Sozialminister im Ö1-"Mittagsjournal" an einer parteiinterne Revolte bei der ÖVP, sollte die Volkspartei seinen Erwartungen entsprechend nur Platz zwei erreichen. So kann sich Haupt dann auch eine Fortsetzung von Schwarz-Blau vorstellen. Mit welchen Personen ließ er offen. Es gebe aber im Süden und Westen Österreichs "hervorragende Partner".
Weiter nicht verraten wollte Haupt, wen er als Ersatz für Karl-Heinz Grasser im Finanzministerium sieht. Gerüchte, wonach es sich bei seinem Kandidaten um den Präsidenten der Finanzlandesdirektion für Wien, Burgenland und Niederösterreich, Manfred Frey, handelt, wies der FP-Chef als "haltlos" zurück. Partei-Vize Thomas Prinzhorn wäre für Haupt hingegen "sicher ein guter Kandidat".
Bundeskanzler ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel habe mit den Neuwahlen auch versucht, ein anderes Thema nicht umzusetzen, nämlich die EU-Erweiterung, wo es einen Katalog von Bedingungen gegeben hätte, unter denen er in Brüssel Ja sagen hätte sollen, erklärte Haider. Beispielsweise, dass nicht mehr Netto-Zahlungen für Österreich herauskommen dürften. Aber Schüssel "sitzt lieber auf dem Schoß von Chirac, um der Sonne der Macht näher zu sein und die Außenministerin zeigt lieber ihr Lächeln, als ihre Zähne".
Die FPÖ sieht Haider in den Medien ungerecht behandelt. Es sei "eine Schande", wie man mit einer demokratischen Kraft umgehe, die für Österreich so viel geleistet habe. Es werde immer versucht, die FPÖ zu verhindern, sie sei immer Außenseiter gewesen, nur weil sie für die "Kleinen Leute" eintrete und ausgesprochen habe, was diese nicht zu sagen wagten, weil es sonst ein politischer "Tabu-Bruch" gewesen wäre. Etwa in der Ausländerpolitik. Es dürfe Österreich nicht so gehen wie Deutschland, dort würden Menschen, die vor einigen Jahren in Anatolien gelebt und nicht gewusst hätten, wo Europa sei, nunmehr die Mehrheit in den Städten stellen. Kritik übte er auch an illegalen Einwanderern: "Illegale, die sich nicht benehmen können, haben hier nichts verloren". (www.derstandard.at)
Format: Sie haben Karl-Heinz Grasser 1999 zum Finanzminister gemacht. Bereuen Sie Ihre Entscheidung?
Haider: Ich konnte nicht wissen, daß Grasser nicht zu seinem Wort steht. Wir haben beschlossen, die Schuldenwirtschaft zu beenden und in der letzten Phase eine entsprechende Steuersenkung durchzuführen. Das hat er zugesagt und sich dann plötzlich davon verabschiedet.
Format: Grasser ist mittlerweile zu Ihrem ehemaligen Koalitionspartner ÖVP übergelaufen. Wäre nicht die logische Konsequenz, daß er jetzt aus der FPÖ austreten muß?
Haider: Freilich. Und wenn er nur einen Funken von Anstand hat, dann müßte er zumindest seinen Ministerposten zurücklegen. Das ist wohl das mindeste, was man verlangen kann. Er ist auf einem Posten der FPÖ – und da kann er ja nicht einfach Politik für die ÖVP machen. Das ist ja so, wie wenn der Bräutigam mit der Mitgift durchbrennt und dann eine andere heiratet.
Format: Heißt das, Finanzminister Grasser soll jetzt noch durch einen FPÖ-Kandidaten ersetzt werden?
Haider: Das ist die Sache von Herbert Haupt. Ich hätte mir von Grasser erwartet, daß er aus der FPÖ austritt – er ist ja jemand, der Wert auf gutes Benehmen legt.
Format: Haupt will nach wie vor eine Koalition mit der ÖVP. Halten Sie das für einen Fehler?
Haider: Es ist richtig, daß sich Haupt alle Optionen offenhält – so wie alle anderen auch. Er war ja nicht Vertragspartner von Schüssel. Er hat das Negativerlebnis des Vertragsbruchs im Gegensatz zu mir nicht erlebt. Daher wird er die Dinge vielleicht etwas lockerer sehen. Für mich ist das Kapitel Schüssel erledigt. Jemand, der so schonungslos und brutal einen Vertrag bricht, ist für mich kein Partner mehr. Aber ich stehe da meiner Partei nicht im Wege. Die FPÖ muß wissen, was sie tut. Wenn sie mich fragt, werde ich meine Meinung sagen – die Schlußfolgerungen muß die Partei selber ziehen. Ich bin in der angenehmen Lage, nur ein einfaches Parteimitglied zu sein.
Format: Sie haben in „News“ angekündigt, in der FPÖ nach der Wahl die Spreu vom Weizen zu trennen.
Haider: Das ist wichtig. Es gibt viele Mitläufer, so wie den Herrn Grasser, die nur die schönen Seiten der FPÖ erlebt haben. Leute, die nie für etwas einstehen mußten und auf den Schultern meines Erfolgs das geworden sind, was sie heute sind. Die sollten sich aus der Politik zurückziehen.
Format: Wer, außer Grasser, muß denn noch aller gehen?
Haider: Es gibt Leute, die vom Aufstieg profitiert haben und die nicht bereit sind, auch bei Gegenwind ihren Mann zu stehen. Da ist ein Reinigungsprozeß notwendig.
Format: Wer muß gehen?
Haider: Darauf will ich mich jetzt noch nicht einlassen.
Format: Sie sind mittlerweile österreichweit im Wahlkampfeinsatz. Ist eine Niederlage der FPÖ dann auch Ihre Niederlage?
Haider: Ich war immer solidarisch mit meiner Partei, und Herbert Haupt wird das sicher nicht allein zu tragen haben.
Format: Das heißt, Sie sind für eine Wahlniederlage der FPÖ zumindest mitverantwortlich?
Haider: Es sind in erster Linie die verantwortlich, die davongelaufen sind. Wir haben als Rettungskommando eingegriffen – um die FPÖ vor einem Totalabsturz zu bewahren. Alle, die wir in den letzten Tagen mobilisieren konnten, werden dazu beitragen, daß wir von einer guten Grundlage aus neu starten können. (Format 48/02)
Do 21.11. Das Linzer market-Institut sieht in seiner am Montag und Dienstag durchgeführten Umfragewelle die FPÖ bei elf Prozent, vor den Grünen, die mit neun Prozent den niedrigsten Wert seit Juni haben.
FPÖ-Spitzenkandidat Herbert Haupt steht für den Fall einer neuerlichen schwarz-blauen Koalition für die Funktion des Vizekanzlers nicht zur Verfügung. "Ich kenne meine Schuhgröße", sagte Haupt am Donnerstag in Eisenstadt. Mit dem Sozialministerium, das er anstrebe, habe er eines der größten Ressorts zu verwalten und könne nicht auch noch Koordinationsaufgaben wahrnehmen. "Über den Vizekanzler werden die Parteigremien entscheiden." LH Jörg Haider habe jedenfalls versprochen, bis 2004 in Kärnten zu bleiben. Namen wollte Haupt nicht nennen, "ich werde die Partei nicht präjudizieren".
Für den Wahlausgang zeigte sich der FPÖ-Spitzenkandidat optimistisch. Der Abstand der Freiheitlichen zu den Grünen sei schon unübersehbar geworden, die SPÖ werde knapp vor der ÖVP liegen. "Ich bin überzeugt, dass wir über 15 Prozent liegen werden." Haupt kreidete Grasser und Schüssel auch an, in der Frage des Wahlkampfthemas Nr. 1 - Steuersenkung - nur Entlastungen für Bezieher höherer und höchster Einkommen in Aussicht gestellt zu haben. Die Klientel, die die FPÖ immer vertreten habe, die Bezieher kleiner Einkommen sowie Klein- und Mittelbetriebe, sei von den beiden Herren sträflich vernachlässigt worden. Die Menschen hätten nachzudenken begonnen und seien nun dabei, wieder in Scharen zur FPÖ zurückzukehren. Die von Grasser und Schüssel geplante Erhöhung der Grundsteuer ist für Haupt "ein Anschlag auf die Mieten, auf die kleinen Häuslbauer und auf die Landwirtschaft". Haupt glaubt daher, dass Grasser und Schüssel mit diesen Plänen "einfach baden gehen werden". (apa, www.derstandard.at)
Fr 22.11. Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider gab am Freitag Anlass zu neuerlichen Koalitionsspekulationen. Auf eine scherzhafte Bemerkung des Kärntner SP-Landesgeschäftsführers Herbert Würschl beim Shakehands mit Haider, dies sei ein "Handschlag der künftigen Koalitionspartner", meinte Haider: "Wenn euer Gusenbauer ein bisschen mehr Flexibilität zeigt, warum nicht?"
Er habe ohnehin ein Gespräch mit Gusenbauer geführt, fügte Haider am Rande der Eröffnung der Klagenfurter Familienmesse hinzu. Auf Anfrage der Austria Presse Agentur, wann und wo dieses Gespräch stattgefunden habe, meinte er: "Das geht euch nichts an." Gusenbauer selbst hatte am Donnerstagabend in der TV-Diskussion der Spitzenkandidaten erklärt, dass er in den letzten 20 Jahren kein persönliches Gespräch mit Haider geführt habe. Sowohl Gusenbauer als auch FPÖ-Obmann Herbert Haupt hatten das Gerücht dementiert, der SPÖ-Chef und Haider hätten eine FPÖ-Unterstützung für eine SPÖ-Minderheitsregierung und im Gegenzug eine Wiederwahl Haiders als Landeshauptmann paktiert.
Zuvor hatte Haider bei einer Pressekonferenz sogar lobende Worte für den SP-Bundesvorsitzenden gefunden. Dieser sei neben Herbert Haupt "die große Überraschung" bei den TV-Konfrontationen gewesen. Allerdings, so Haider, hätte Gusenbauer mit Hilfe des "Haider-Konzeptes" gepunktet: "Er hat auch ein Taferl mit sich herumgeschleppt."
Heftige Attacken gegen die EU-Osterweiterung haben den Auftritt des freiheitlichen Alt-Parteiobmanns Jörg Haider bei der offiziellen Schlusskundgebung der FPÖ in Wien Freitag Abend dominiert. ÖVP und SPÖ seien wieder einmal dabei, Österreich zu verkaufen, erklärte der Kärntner Landeshauptmann vor den etwa 1.000 Zuhörern am Victor-Adler-Markt. Wenn man die Grenzen aufmache, würden billige Arbeitskräfte ins Land kommen "und unsere Leute werden stempeln geschickt". Besonders scharf äußerte sich Haider in Richtung Tschechien: "Solange diese Benes-Dekrete existieren, kann es keinen Beitritt Tschechiens in die EU geben", legte er sich fest. Auch in der Ausländerpolitik demonstrierte Haider Härte: "Wir wollen Herren im eigenen Haus bleiben und bestimmen, wer zu uns kommen darf." Es dürfe keine deutschen Verhälnisse geben, wo eine falsche Einwanderungspolitik dazu geführt habe, „dass Zuwanderer die Bürgermeister bestimmen“.
Trotz dieser teils aggressiv vorgetragenen Polemiken ließ Haider die Tür zur ÖVP erstaunlich weit offen. Die Freiheitlichen seien etwa in Sachen Entschuldung ein "Bewährungshelfer" für die ÖVP gewesen: "Dieser Bewährungshelfer ist auch für die Zukunft notwendig." Denn die Freiheitlichen seien die wirkliche Reformbewegung in der Regierung gewesen.
Härtere Angriffe führte der Landeshauptmann gegen seinen ruhend gestellten Parteifreund, Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Es sei "schlimm genug, wenn einer seine Gesinnung in den Wind hängt wie eine Wetterfahne", zumindest solle dieser dann aber sein Ministeramt zur Verfügung stellen. Für eine Neuauflage der schwarz-blauen Koalition kommt Grasser nach Wunsch Haiders daher nicht mehr in Frage. Man werde mit einem freiheitlichen Finanzminister dafür sorgen, dass eine Steuersenkung für die kleinen und mittleren Einkommen durchgeführt werde.
Auch die SPÖ kam in Haiders Rede nicht ungeschoren davon: Die Wähler sollten den "Gruselbauer" (SP-Chef Alfred Gusenbauer) dort lassen, wo er sei - "in der Bedeutungslosigkeit". Schon die Plakate der SPÖ seien "sehr verräterisch", heiße es auf diesen doch: "Jeder Mensch zählt". Nach dem Wahltag brauche man dann nur die Stricherln wegzustreichen, dann heiße es richtig: "Jeder Mensch zahlt".
Haiders Vorredner, Spitzenkandidat Herbert Haupt, warnte ebenfalls vor überhasteten neuen Beitritten zur EU: "Lassen Sie sich nicht hinters Licht führen bei der EU-Osterweiterung", schmetterte der FP-Chef ins Publikum. Weiteres großes Thema in Haupts Rede war die geplante Entlastung niedriger Einkommen. So versprach der Sozialminister unter anderem ein weiteres Mal einen 1.000 Euro-Mindestlohn für alle und eine Steuersenkung für kleinere und mittlere Einkommen durch eine Anhebung der Stiftungssteuer. Grasser und Schüssel wollten den Menschen diese Entlastung erst 2005 geben, während die FPÖ garantiere, dass die erste Etappe schon 2003 erfolge.
Am vielleicht deftigsten formulierte der vom Moderator als "Stachel im Fleisch des Roten Machtrausches" präsentierte Wiener FP-Obmann Hilmar Kabas. Er erwartet von einer Regierung ohne FPÖ die Freigabe von Drogen, eine EU-Erweiterung ohne Wenn und Aber sowie eine Öffnung der Grenzen für unkontrollierte Zuwanderung. Manche träumten jetzt schon davon, "dass bald ein Bezirksvorsteher ein Türke sein könnte". (www.kurier.at)
Sa 23.11. Der freiheitliche Spitzenkandidat Herbert Haupt rechnet mit über 15 Prozent Stimmenanteil bei der sonntägigen Nationalratswahl. "Wenn wir das erreichen, können wir wieder mitbestimmen", sagte er am Samstag bei der Schlusskundgebung in Klagenfurt. Haupt sprach sich für eine Steuerreform 2003 aus und warf Finanzminister Karl-Heinz Grasser vor, das Geld "lieber in den Osten" zu geben. Nur wenn die FPÖ stark genug wird, werde es möglich sein, dass Einkommen bis 14.500 Euro jährlich steuerfrei werden. "Wir sind die einzige Partei, die für Österreich ist", fasste der FPÖ-Spitzenkandidat zusammen.
Landeshauptmann Jörg Haider sagte, die FPÖ habe mit Haupt ein klares Signal für eine Fortsetzung des Reformkurses in Österreich gesetzt. "Er ist ein Freiheitlicher, auf den man sich verlassen kann. Er kämpft für die Kleinen." Haider erinnerte daran, dass viele Leistungen von Kärnten ausgegangen seien. "Schüssel hat meinen Kinderscheck als ungedeckten Scheck bezeichnet", sagte er. "JetztD verkauft er das Kindergeld als Leistung der ÖVP."
Hart ins Gericht ging der Landeshauptmann mit Bundeskanzler und Finanzminister im Zusammenhang mit der Steuerpolitik. "Das Hochwasser ist nur eine Ausrede", betonte er. "Denn das Geld ist da. Es gibt den Katastrophenfonds und die Reserven der Nationalbank. Daher ist auch Geld für eine Steuerreform vorhanden. Wenn wir etwas in der neuen Regierung zu haben haben, muss es die vereinbarte Steuersenkung geben. Zu Grasser meinte er weiters: "Ich will sein jetziges Verhalten nicht kommentieren. Aber das Mindeste, was ich mir erwartet habe ist, dass er seinen Ministersessel zurückgibt. Den hat er nämlich von den Freiheitlichen bekommen."
Kritik übte Haider auch an der EU-Osterweiterung. "Schüssel hat die Koalition nur deshalb aufgelöst, damit er in Brüssel ohne Wenn und Aber zustimmen kann", erklärte er. "Und der Gruselbauer soll seine Gewerkschafter fragen, ob sie billige tschechische Facharbeiter in Österreich haben wollen."
"Die FPÖ passt nicht in dieses Konzept von Rot und Schwarz, weil wir die Stimme der Bürger sind", fasste der Landeshauptmann zusammen. "Wir sind den Mächtigen zu unbequem. Ihr aber müsst uns auf diesem Weg weiter unterstützen."(apa, www.derstandard.at)

So

24.11.

Wahlen zum Nationalrat: das offizielle vorläufige Endergebnis:
SPÖ 36,90 %, FPÖ 10,16 %, ÖVP 42,27 %, Grüne 8,96 %, KPÖ 0,57 %, LIF 0,97 %, DEM 0,05 %, CWG 0,04 %, SLP 0,08 %


So

24.11.

Wahlen zum Nationalrat
Bereits um sieben Uhr früh war der freiheitliche Spitzenkandidat Sozialminister Herbert Haupt in "seinem" Wahllokal in Spittal/Drau erschienen, um seine Stimme abzugeben.
Haupt zeigte sich nach seinem Votum betont optimistisch, auf die Frage nach dem Wahlausgang meinte er: "Ich glaube, wir können die 15 Prozent schaffen." Am Ende des Wahlsonntags werde seiner Ansicht nach jedenfalls die SPÖ knapp, aber doch, die Nase vorne haben.
Vom Wahllokal marschierte der geschäftsführende FP-Obmann dann zu Fuß zur Gemeinde Spittal/Drau, wo er sich für seine Tätigkeit als Beisitzer der fliegenden Wahlkommission meldete. "Das ist ja immer so gewesen, wir fahren jetzt dann ins Krankenhaus und machen die Runde." Haupt wirkte locker und guter Dinge und hatte für jeden, den er traf, ein freundliches "Guten Morgen" übrig.
Am Nachmittag, gegen 15 Uhr, kommt der FP-Obmann nach Klagenfurt, von wo aus er um 17 Uhr nach Wien weiterreisen wird, um das Abschneiden seiner Partei zu kommentieren.

"Einen Absturz wird es sicher nicht geben." Alt-FPÖ-Obmann Jörg Haider gab sich bei der Stimmabgabe am Sonntag kurz nach 9.00 Uhr in Klagenfurt optimistisch. Auf Prozente wollte er sich aber nicht festlegen. Er sprach lediglich von einer "stabilen Entwicklung".
Wie immer hatte der Kärntner Landeshauptmann auch dieses Mal zahlreiche Medienvertreter, Fotografen und TV-Teams aus dem In- und Ausland angelockt. Er fuhr im dunkelblauen Porsche vor dem Wahllokal in der Maximilianstraße (Fernmeldebetriebsamt) vor und gab im Sprengel 832 seine Stimme ab.
Anschließend verabschiedete sich Haider. "Ich gehe in die Berge", sagte er. Am Abend werde er Gattin Claudia abholen, die sich zur Kur im steirischen Gröbming befindet.
Klagenfurt - Für FPÖ-Spitzenkandidat Herbert Haupt stand am Wahlsonntag bereits kurz nach 15.00 Uhr fest: "Wir haben unser Wahlziel nicht erreicht." Ob er persönliche Konsequenzen daraus ziehe werde, wollte der geschäftsführende Parteiobmann nicht sagen: "Ich werde die zuständigen Gremien damit befassen." Dies gelte auch für den künftigen Kurs der freiheitlichen Bundespolitik.
"Aber die Wähler wollen weiterhin Schwarz-Blau", betonte Haupt. Sollte es zu einer Fortsetzung der VP-FP-Koalition kommen, würde es seitens der Freiheitlichen ein "klares Controlling" geben. Auf die Frage, ob in diesem Fall die FPÖ Karl-Heinz Grasser als Finanzminister akzeptieren werde, sagte Haupt: "Von uns wird es für ihn sicher kein Ticket geben."
Für den Sozialminister Herbert Haupt ist der auf ein ÖVP-Ticket gewechselte Finanzminister Karl-Heinz Grasser auch mit ein Grund für die schwere Niederlage. "Er hat gemeinsam mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel die Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen verhindert. Denn sonst hätten wir die 20 Prozent erreicht." So sei es aber nicht gelungen, den Wählern das "Doppelspiel Schüssel-Grasser" nahe zu bringen, sagte Haupt.
Die "Revolte von Knittelfeld" wollte Haupt für die Niederlage nicht verantwortlich machen. "Knittelfeld war die richtige Ansage", meinte er. "Wenn Knittelfeld umgesetzt worden wäre, hätten wir ebenfalls 20 Prozent erreicht."
Große Verluste für die Freiheitlichen habe es vor allem in den kleinen Gemeinden gegeben. "In den größeren haben wir uns bei 13 Prozent stabilisiert", sagte Haupt. In Kärnten sei das Ergebnis zwar besser, aber es sei nicht zu verhindern, dass die SPÖ stimmenstärkste Partei wird. "Aber das hat für die nächsten Wahlgänge im Land nichts zu sagen", betonte der Minister. "Bereits bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen im nächsten Jahr werde die FPÖ "wieder ganz anders" dastehen. "Und 2004 stellen wir wieder den Landeshauptmann", fügte er hinzu. (apa)

Die Zahlen laut ORF-Hochrechnung von 17 Uhr: ÖVP 43,2 (1999: 26,9), SPÖ 36,5 (33,2), FPÖ 10,1 (26,9), Grüne 8,2 (7,4). Die ÖVP hat damit den größten Stimmengewinn bei einer Wahl der Zweiten Republik geschafft. für die FPÖ gab es den stärksten Verlust.

"Wir haben unser Wahlziel nicht erreicht", kommentierte FP-Chef Herbert Haupt trocken das seit Jahrzehnten schwächste Abschneiden der Freiheitlichen. Ob er persönliche Konsequenzen daraus ziehe werde, wollte der geschäftsführende Parteiobmann nicht sagen: "Ich werde die zuständigen Gremien damit befassen." Für eine Koalition mit der ÖVP steht er offenbar weiter zur Verfügung: "Die Wähler wollen weiterhin Schwarz-Blau".

Als "massive Niederlage" für die FPÖ hat Klubobmann Karl Schweitzer das sich abzeichnende Wahlergebnis in einer ersten Stellungnahme bezeichnet. Das Ergebnis sei aber auch eine "klare Absage" an Rot-Grün. Der Reformkurs der Regierung sei im Wesentlichen bestätigt worden, nur mit dem "Wermutstropfen", dass sehr viele bisherige FPÖ-Wähler zur ÖVP gewechselt wären, so Schweitzer am Sonntag vor Journalisten.
Auf Fragen nach einer möglichen Regierungsbeteiligung der FPÖ wich Schweitzer aus. Er wolle keine Spekulationen anstellen, erst das tatsächliche Ergebnis abwarten. Morgen, Montag, werde man die Parteigremien befassen und sehen, welche Optionen sich ergeben würden. Eine weitere Koalition mit der ÖVP wäre aber durchaus eine der Optionen, so Schweitzer.
Auch zu möglichen personellen Konsequenzen wollte sich Schweitzer vorerst nicht äußern. Er sei aber überzeugt, dass die Wahlniederlage nicht auf den Spitzenkandidaten Herbert Haupt zurückzuführen sei. Dieser hätte "im Wahlkampf alles gegeben". Man müsse aber trotzdem eingestehen, dass man sich den "Großteil der Niederlage" selbst zuzuschreiben habe. Welchen Einfluss Finanzminister Karl-Heinz Grasser auf das Wahlergebnis gehabt habe, wolle er vorerst noch nicht abschätzen, so Schweitzer.
Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (F) zeigte sich, mit den ersten Hochrechnungen konfrontiert, gefasst. Das FPÖ-Ergebnis liege im Rahmen dessen, was die Meinungsumfragen bereits gezeigt hätten. Dass die ÖVP derart hohe Zugewinne habe, habe aber sogar ihn überrascht, so Waneck. Auch er meinte, dass man über die weitere Vorgangsweise und über mögliche personelle Konsequenzen in den Parteigremien entscheiden müsse. (apa)

Klagenfurt - Für den Kärntner FPÖ-Obmann Martin Strutz ist der Absturz der Freiheitlichen bei der Nationalratswahl keine persönliche Niederlage von Altparteichef Jörg Haider. "Er hat eine noch schlimmere Niederlage verhindert", sagte Strutz gegenüber der apa. Es sei bedauerlich, dass für den Wahlkampf nicht noch 14 Tage zur Verfügung gestanden sind. "Hätten wir länger Zeit gehabt, dann würde es sicher besser aussehen."
Entscheidend für Österreich sei, dass sich die Wähler für Blau-Schwarz entschieden haben. "Dies muss in den Koalitionsverhandlungen auch berücksichtigt werden", sagte Strutz. Er gab zu, dass der Wechsel von jenen, die bisher freiheitlich gewählt haben, zur ÖVP "uns massiv geschadet hat".
Diesen Wechsel habe es auch in Kärnten gegeben. "Hingegen sind jene, die zuletzt von der SPÖ zur FPÖ gewandert sind, bei uns geblieben", sagte Strutz. Dies sei positiv zu werten. Der Landeschef gab auch zu, dass im Wahlkampf "organisatorische und politische Fehler" gemacht worden seien. "Daraus müssen wir lernen und die richtigen Schritte für die Zukunft setzen", fügte er hinzu. Denn auch in Kärnten sei den Freiheitlichen das Vertrauen entzogen worden.
Auf Bundesebene ist es für den Kärntner Parteichef notwendig, "neu durchzustarten". Auf die Frage, ob dies mit Jörg Haider an der Spitze geschehen müsse, sagte Strutz: "Das zu entscheiden, ist noch zu früh. Aber es darf nicht zur Tagesordnung übergegangen werden, sondern es muss tief greifende Analysen geben." (apa, www.standard.at)
Wien - FPÖ-Chef Herbert Haupt spricht sich dafür aus, die Regierungszusammenarbeit mit der ÖVP fortzusetzen. Die endgültige Entscheidung müssten aber die Parteigremien treffen. Haupt betonte auch, dass er die volle Verantwortung für die Wahlniederlage übernehme.
An einen automatischen Rücktritt denkt er allerdings nicht. Wenn er in den Parteigremien die nötige Unterstützung bekomme, werde er der FPÖ weiter als Obmann zur Verfügung stehen, sagte Haupt beim Eintreffen im Kursalon Hübner in Wien, wo sich die Freiheitlichen versammelt haben.
Das sich abzeichnende Wahlergebnis sei in erster Linie eine Absage an Rot-Grün, sagte Haupt. ÖVP und FPÖ würden zusammen weiterhin über eine Mehrheit verfügen. Das "Farbenspiel" von vor der Wahl hätte sich zwar verändert, er plädiere aber dafür, die "Reformarbeit" weiter zu führen. Zu seiner Wahlkampf-Ankündigung, bei unter 15 Prozent den Gang in die Opposition vorzuschlagen, meinte Haupt nur, dass er dieses Ziel nicht erreicht und daher die Gremien befassen werde.
Trotz seiner Präferenz für eine Regierungsbeteiligung, schloss der Sozialminister eine Zusammenarbeit mit dem nun auf einem ÖVP-Ticket kandidierenden Finanzminister Karl-Heinz Grasser aus. "Das Trio" Wolfgang Schüssel, Karl-Heinz Grasser, Herbert Haupt wird es nicht geben.
Der Wiener FPÖ-Chef Hilmar Kabas deutet das schlechte Ergebnis für seine Partei optimistisch: "Nach diesem Tiefpunkt kann es nur mehr aufwärts gehen." Der Grund für das schlechte Abschneiden seiner Partei seien die internen Querelen der vergangenen Monate: "Wir haben von den Wählern die Rechnung für die Streitereien präsentiert bekommen."
19:46 Uhr: das offizielle vorläufige Endergebnis:
SPÖ 36,90 %, FPÖ 10,16 %, ÖVP 42,27 %, Grüne 8,96 %, KPÖ 0,57 %, LIF 0,97 %, DEM 0,05 %, CWG 0,04 %, SLP 0,08 %. (Wahlbeteiligung: 80,48 Prozent). Das Ergebnis des Wahlkarten wird am 2. Dezember bekanntgegeben. [Wählerstromanalyse von SORA] Die Zahl der FPÖ-Abgeordneten im Nationalrat wird von 52 auf voraussichlich 19 sinken.
Laut Format 49/02 wird die FPÖ folgende Parlamentarier entsenden: Josef Bucher* (Landesliste Kärnten), Sigisbert Dolinschek* (Landesliste Kärnten), Marialuise Mittermüller* (Landesliste Kärnten), Dieter Böhmdorfer (Landesliste Niederösterreich), Barbara Rossenkranz* (Landesliste Niederösterreich), Max Walch (Landesliste Oberösterreich), Max Hofmann (Landesliste Oberösterreich), Elke Achleitner* (Landesliste Oberösterreich), Eduard Mainoni* (Landesliste Salzburg), Magda Bleckmann* (Landesliste Steiermark), Mares Rossmann* (Landesliste Steiermark), Klaus Wittauer* (Landesliste Tirol), Reinhard Eugen Bösch (Landesliste Vorarlberg), Herbert Scheibner (Landesliste Wien), Helene Partik-Pablé (Landesliste Wien), Herbert Haupt (Bundesliste), Thomas Prinzhorn* (Bundesliste), Karl Schweitzer (Bundesliste), Elmar Lichtenegger (Bundeliste) [*Diese Abgeordneten ihre Unterschrift zur Einberufung eines außerordentlichen Parteitages geleistet, die dann zu der Versammlung in Knittelfeld geführt hat.]
Sehr selbstkritisch zeigte sich Verteidigungsminister Herbert Scheibner angesichts der schweren Wahlschlappe der FPÖ. Der Hauptgrund für die Verluste sei, dass die öffentlichen Streitereien und Diskussionen der FPÖ in der Bevölkerung nicht den Eindruck von Stabilität vermittelt hätten. Bei seinem Eintreffen im Kursalon Hübner sprach sich Scheibner gegen einen Rücktritt von Parteichef Herbert Haupt aus. Eine Koalition mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser schloss er, wie zuvor schon Haupt, aus.
Er hoffe, es hätten nun alle in der FPÖ eingesehen, dass öffentliche Streitereien kontraproduktiv sind, so Scheibner. Die FPÖ stehe nun vor einer "Richtungsentscheidung", ob sie weiter regieren oder in die Opposition gehen wolle. Das müssten nun die Parteigremien entscheiden. Er spreche sich jedenfalls aus, die gesamte Partei in diesen Entscheidungsfindungsprozess einzubinden. Es könne nämlich nicht sein, dass sich ein Teil für die Regierung und ein Teil für die Opposition entscheide, wie das in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. "Wir haben durch die Streitereien die positive Arbeit verdorben", sagte Scheibner. Die Früchte hätte nun die ÖVP geerntet.
Zu seiner persönlichen Zukunft wollte sich Scheibner nicht äußern. Das "persönliche Befinden" sei derzeit zweitrangig.
Dem geschäftsführenden Parteichef Haupt attestierte Scheibner gute Arbeit. Es sei zwar klar, dass Haupt angesichts der Niederlage seine Funktion zur Disposition stelle, für ihn sei aber ebenso klar, dass man dieses Angebot nicht annehmen werde.
Eine weitere Zusammenarbeit mit Grasser schloss er aus. Der Finanzminister habe eine klare Entscheidung getroffen und sogar für die ÖVP wahlgekämpft. Ein unabhängiger Finanzminister sei für ihn jedenfalls nicht vorstellbar, weil ein Finanzminister auch die Unterstützung einer Partei als Druckmittel brauche, um Reformen durchzusetzen. (apa)
Die FPÖ verliert in Kärnten fast 15 Prozent (von 38,6 auf 24,1%) und rutscht damit vom 1. auf den 3. Platz ab.
Landeshauptmann Jörg Haider ging auf Tauchstation und überließ die Bekanntgabe des Landeswahlergebnisses Landesamtsdirektor Reinhard Sladko. Weil ein Klagenfurter Wahlsprengel bei der Auszählung massive Probleme hatte, musste ganz Österreich eine Stunde länger auf das Kärntner Ergebnis warten; in diesem Fall war das südlichste Bundesland doch wieder anders. Überhaupt gab es, wie Landeswahlleiter Herbert Hauptmann berichtete, gestern in den örtlichen Wahlkommissionen viel mehr Diskussionen als bei vergangenen Wahlgängen. Offenbar wollten manche Parteienvertreter die Ergebnisse nicht zur Kenntnis nehmen.
Die ÖVP gewann 14 Prozent und wurde damit nach Jahrzehnten wieder zweitstärkste Partei in Kärnten. Für Wurmitzer liegen die Gründe in der Arbeit von Kanzler Schüssel und in dem Vertrauensschwund der FPÖ. "Der Landeshauptmann soll seine eigene Position überdenken", sagte Wurmitzer in Richtung Jörg Haider und forderte diesen auf, "jetzt seine Egotripps zugunsten der Arbeit in Kärnten einzuschränken". SPÖ-Chef Peter Ambrozy legte dem Landeshauptmann überhaupt den Rücktritt nahe: "Mit einer solchen Niederlage tritt man normalerweise zurück." Denn die Schuldfrage sei absolut geklärt: "Die Hauptschuld an der Niederlage der FPÖ trägt Haider", sagte Ambrozy.
Die erste Niederlage der FPÖ seit Jahren musste Landesparteiobmann Martin Strutz kommentieren. "Die FPÖ hat Fehler gemacht und ihre Antwort vom Wähler dafür bekommen", sprach er von "inhaltlichen, politischen und organisatorischen" Fehlern. Näher benennen wollte Strutz die Fehler nicht. Das Ergebnis werde Anlass für genaue Analysen "und natürlich auch für Konsequenzen" sein. Der einzige Trost, der Strutz blieb: Das Kärntner Ergebnis ist österreichweit das beste für die FPÖ. (www.kleinezeitung.at)
Mölzer zum Wahlausgang in Kärnten: “Es ist Š keine Frage Š Haiders Standing in Kärnten [ist] schwer angeschlagen.³
Wie sehr angeschlagen, wurde bei der TV-Runde der Landesobleute in der Kärntner Landesregierung ersichtlich. Als FPÖ-Chef Martin Strutz mit glasigen Augen von einem “dank Jörg Haiders Einsatz sehr guten Kärntner Ergebnis im österreichweiten Vergleich³ sprach, war außer dem freiheitlichen Vizebürgermeister von Klagenfurt kein einziger FPÖ-Politiker anwesend. Nach dem Landeshauptmann fragte außer einigen Journalisten ohnehin niemand. (profil 48/02)
Laut News 48/02 hat Haider seinen persönlichen Referenten Franz Koloini am Abend zur "Wahlparty" der FPÖ im Wiener Kursalon Hübner geschickt. Dieser sei dort in sehr "geteilter Stimmung" empfangen worden. Ein Teil hätte dem Haider-Vertrauten freundschaftlich die Schultern getätschelt und gemeint. "Ohne Jörg wär's noch schlimmer geworden". Ein gar nicht kleiner Teil aber hätte ihn mit bösen Blicken und mit unüberhörbaren Anwürfen wie "Das Desaster verdanken wir deinem Chef" begrüßt worden. Haider langjähriger Freund Haupt hingegen sei minutenlang laut beklatscht worden.
Eisenstadt - Unter burgenländischen Freiheitlichen wird der Ruf nach Jörg Haider als Bundesparteiobmann laut. "Ich glaube, dass nach diesem Wahlergebnis, das die FPÖ rein auf ihre Kernschichten reduziert hat, Jörg Haider die Partei übernehmen sollte", stellte FPÖ-Landesparteiobmann Stefan Salzl fest. Haider genieße bei dieser Kernschicht der freiheitlichen Wähler und Funktionäre die größte Akzeptanz. Er sei im Stande, die Menschen wieder zu motivieren.
Nach Ansicht von Salzl gibt es zwar auch andere Persönlichkeiten in der FPÖ, die für die Funktion des Parteichefs in Frage kämen, aber "niemand von diesen hätte nur annähernd diese Akzeptanz". Sollte Jörg Haider "Nein" sagen, dann würde ihn Salzl "höflichst ersuchen bis lautstark auffordern, dass er das macht". (apa)
Wien - Die Wahl habe gezeigt, dass "der Wähler schwere Fehler nicht verzeiht". Dieses Resumee zog Justizminister Dieter Böhmdorfer am Sonntag. Der Fehler sei darin bestanden, dass man eine an sich richtige Diskussion über die Steuerreform "unprofessionell in der Öffentlichkeit" ausgetragen habe. Zu den Koalitionsoptionen wollte sich Böhmdorfer nicht äußern.
"Die Diskussion über die Steuerreform war notwendig und richtig", so Böhmdorfer. Das zeige sich auch darin, dass die ÖVP und die SPÖ ebenfalls auf diese Linie eingeschwenkt seien und Finanzminister Karl-Heinz Grasser zum "Oberknittelfelder" avanciert sei.
Das Wahlergebnis sei eine "Bestätigung des Reformkurses" von Schwarz-Blau und die FPÖ sei der Träger dieser Reformen, versuchte Böhmdorfer Optimismus zu zeigen. "Wir haben nicht in der Politik versagt, sondern beim Verkauf."
Zu seiner persönlichen Zukunft meinte er: "Ich stehe dort zur Verfügung, wo mich die FPÖ haben will." (apa)
Die Situation in der FPÖ am Wahltag Abend laut profil 48/02 [in Kurzform auch in Profil 51/00]:
Der Wahlabend war nur wenige Stunden alt, da wurde der schwer geschlagenen FPÖ schon das erste Trostpflaster geboten. Absender: der Sieger des Abends, die ÖVP unter Kanzler Wolfgang Schüssel. Die ÖVP signalisierte blauen Unterhändlern - wie schon Tage vor der Wahl - die prinzipielle Bereitschaft zu einer Fortführung des schwarz-blauen Projekts. Klarerweise müsse man sich mit öffentlichen Festlegungen noch zurückhalten, so die Signale der Schwarzen, aber unter bestimmten Bedingungen dürfe die FPÖ auch weiterhin die Das Angebot der ÖVP in groben Zügen: Der Finanzminister müsse zur ÖVP wandern. Über die Person allerdings könne man diskutieren, die ÖVP besteht nicht unbedingt auf Karl-Heinz Grasser, der der FPÖ schwer zuzumuten wäre. Grasser hätte ohnehin ein anderes Angebot in Aussicht. Zusätzlich verlangt die ÖVP von den Blauen ein weiteres Ministerium, vorzugsweise das Infrastrukturministerium, und die Agenden für die Beamten, eine Klientel der ÖVP. Inhaltlich gibt es die Bedingung einer klaren Abkehr der FPÖ von ihrer Anti-EU-Erweiterungslinie.
Der FPÖ bliebe an Ministerien also das Sozial-, das Verteidigungs- und das Justizressort. Der eine oder andere Staatssekretär würde wohl auch dazu kommen.
Wie die FPÖ auf dieses Angebot reagieren wird, ist noch nicht geklärt. Š [Laut News 48/02 soll Prinzhorn schon am Wahlabend in vertraulichen Gesprächen mit der ÖVP seine Bereitschaft angedeutet haben, die "Bürde" eines Vizekanzlers auf sich zu nehmen. Er soll auch die Gesprächspartener in der ÖVP beruhigt haben, auch mit einem Finanzminister Grasser leben zu können.] Beginnend mit diesem Montag wurden in der Partei Krisensitzungen einberufen, die die nahe Zukunft klären sollen. Dabei wird es wohl zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Denn wie schon in den Monaten zuvor ist die FPÖ auch nach der Wahl tief gespalten. Die Frage, die die Partei diesmal spaltet: Soll die Partei tatsächlich nochmals in die Regierung, oder soll es den Gang in die Opposition geben?
Die blauen Regierungsmitglieder haben die Antwort noch am Wahlabend fast einhellig gegeben. Alle Minister haben sich intern klar für eine Fortsetzung der Regierung ausgesprochen. Parteichef Herbert Haupt sieht einen klaren Wählerauftrag für die Fortsetzung von Schwarz-Blau, und ein anderer aus der Führungsriege meinte am Wahlsonntag gegenüber profil: “Natürlich müssen wir wieder in die Regierung. Es hat keinen Sinn, sich mit den Grünen in der Opposition zu duellieren, da gehen wir langfristig nur unter
Während alle Minister der Freiheitlichen für den Verbleib in der Regierung sind, sieht das in den Ländern völlig anders aus. Mehrere Landesparteiobleute - darunter der Burgenländer Stefan Salzl, der Wiener Hilmar Kabas, Niederösterreichs Ernest Windholz und auch der Kärntner Martin Strutz - haben Präferenzen in Richtung Opposition erkennen lassen. Auch der Salzburger Parteichef lässt an seiner Einstellung keinen Zweifel. Karl Schnell gegenüber profil: “Ich sehe bei diesem Ergebnis keinen Auftrag für eine Regierungsbeteiligung der FPÖ. Wir sollten wieder zurück zu unseren Wurzeln.³ Für Kärnten ergreift Haiders Ex-Chefideologe Andreas Mölzer eine ähnliche Position: “Es könnte nun zu einer Zerreißprobe kommen. Wenn man bei einem Verlust der Hälfte der Wähler nicht reagiert, dann muss sich schon die Frage stellen, ob man das Votum der Wähler nicht ignoriert
Der Politologe Fritz Plasser sieht eine stärkere Bewegung aus der blauen Basis auf das Regierungsteam zukommen: “Die FPÖ wird nun in Opposition müssen, selbst wenn die Parteieliten es anders wollen. Der Druck der Basis wird stark werden.³
Eine Frage, die am Wahlabend noch nicht geklärt werden konnte, war, welche Position Altparteiobmann Jörg Haider, der für den Fall einer deutlichen Niederlage eine Parteineugründung erwogen hatte, in dieser Frage einnehmen würde. Er war an diesem Abend selbst für Parteifreunde kaum zu erreichen.
Klar scheint: Einfach wird es für ihn, der auch in Kärnten ein schmerzliches Ergebnis hinnehmen musste, nicht werden. Einerseits machen die Knittelfelder Parteirebellen Druck in Richtung Opposition, auf der anderen Seite steht das Regierungslager auch zum Kampf bereit. Ein Mitglied des Parteivorstandes kündigte am Wahlabend sogar eine Abrechnung mit Haider für den Parteivorstand an: “Dieses Wahlergebnis ist die Abwahl Jörg Haiders und nicht die Abwahl der FPÖ
In der Partei kursierten knapp nach Bekanntwerden des desaströsen Ergebnisses schon Horrorszenarien die Zukunft der Partei betreffend: Notfalls, so hieß es aus obersten Kreisen, sei man zu Kampfabstimmungen in den Gremien über den künftigen Kurs der Partei bereit. Sogar eine Klubspaltung steht im Raum: Die Knittelfelder, so hieß es an der Parteispitze, seien in dem auf 19 Mandatare geschrumpften Parlamentsteam keinesfalls in der Mehrheit.
[Š] Haider könnte [Š] Ziel von Attacken werden. Die Riess-treue Truppe in Wien informierte die in China weilende Riess-Passer am Sonntag nicht nur über das Ergebnis, sondern ventiliert sogar schon ein Comeback der Ex-Parteichefin. Haider ließ sich am Sonntag zwar nicht in Wien blicken, schickte aber seinen Sekretär als Aufpasser zur FP-Wahlveranstaltung.
Abgerechnet wird in der FPÖ in den nächsten Tagen auf jeden Fall. Der Kreis um Herbert Haupt und Parteivize Thomas Prinzhorn hatte schon im Vorfeld einen Kassasturz in der Partei angekündigt. Der wird auch dringend notwendig sein, denn mit dem Verlust von 33 Mandaten wird auch die Parteiförderung für die FPÖ empfindlich gekürzt - dazu kommen noch die Schulden, die sich in den vergangenen Monaten während des Wahlkampfs türmten.
Was sich personell ändert, werden die nächsten Tage zeigen. In einigen Ländern - wie etwa in der Steiermark - sind bereits Diskussionen um die jeweiligen Parteiobleute ausgebrochen. Herbert Haupt will seinen Verbleib an der Parteispitze und eine Kandidatur beim in den nächsten Wochen anstehenden Parteitag von den kommenden Sitzungen abhängig machen. Es soll auch eine Personalkommission geben, die über diverse Köpfe in der Partei zu entscheiden haben wird.
Ob dabei die Köpfe der Knittelfelder oder jene im Regierungslager rollen werden, bleibt abzuwarten. Aber auch als Oppositionsführer ist Haiders Wirkung nach der jüngsten, desaströsen Niederlage umstritten. Der Politologe Plasser: “Haiders Selbstbeschädigung der vergangenen Monate ist wohl final. Ob er als Oppositionsführer noch einmal wie früher punkten kann, ist daher mehr als fraglich.³
In der FPÖ verdichteten sich Sonntagabend jedenfalls die Gerüchte, Haider könnte nun seinen endgültigen Rückzug aus der Politik ankündigen - dies vor allem, sollte eine allfällige Rieß-Passer-Rückholaktion gestattet werden. [Ende der Zitate aus profil 48/02]
Bereits das Aufeinandertreffen der vier Parteichefs nach der Nationalratswahl Sonntag Abend [0RF 2] brachte Š bereits erste gröbere Schwierigkeiten über eine mögliche Neuauflage von Schwarz-Blau. Während Bundeskanzler Schüssel "ganz deutlich" auf Finanzminister Grasser drängte, lehnte dies FPÖ-Chef Haupt ab. Es wäre ihm "persönlich nicht möglich", mit Grasser zusammenzuarbeiten.
Schüssel zeigte sich darüber befremdet und meinte, dieser Logik könne er bei allem Respekt nicht folgen. Für Schüssel ist Grasser "unverzichtbar". Immerhin habe Grasser in der Regierung mit Haupt und dem gesamten ÖVP-Team die Sache der gut gemacht. Haupt erklärte, er bitte seine Sicht "so zu akzeptieren. Wir haben uns persönlich so weit entfremdet, dass eine persönliche Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist", so Haupt.
Ex-FPÖ-Chefin Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, die derzeit einen China-Besuch absolviert, zeigte sich nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Presse" über die schweren Verluste ihrer Partei bei der Nationalratswahl "erschüttert". "Haider wollte es ja so haben. Es hat 13 Jahre gebraucht, um alles aufzubauen und wahrscheinlich nur 13 Wochen, um alles zu zerstören", so Riess-Passer.
"Das Ergebnis ist eine klare Antwort der Wähler auf Knittelfeld", ärgert sich Riess-Passer in Anspielung auf jenes Parteitreffen, das ihrer Regierung den Todesstoß versetzt hatte. "Ich erwarte, dass die, die das verursacht haben, nun die Konsequenzen ziehen und sich bei den kleinen Funktionären der FPÖ entschuldigen."
Trotz des Grolls kann sie dem Ergebnis auch positives abgewinnen: "Das wichtigste am Wahlergebnis ist für mich, dass Rot-Grün verhindert wurde." Auf die Frage, ob sie für eine Fortsetzung von Schwarz-Blau sei, meint sie gegenüber der "Presse": "Absolut. Ich bin dafür, dass es zu einem Neuanfang kommt." (apa, www.derstandard.at)
Nach der schweren Wahlniederlage der FPÖ hofft nun der frühere Klubchef Peter Westenthaler auf eine Neugründung der FPö - ohne "Leute wie (Ewald) Stadler, (Hans) Achatz oder (Thomas) Prinzhorn - nur ohne sie ist ein ordentlicher Neustart der Partei möglich", sagt Westenthaler im "Standard" (Montag-Ausgabe). Das Bild der FPÖ sei derzeit "verheerend", die Partei müsse jetzt "die Knittelfelder Last abschütteln". Es sei notwendig, dass sich "die Totengräber aus der FPÖ vertschüssen", so Westenthaler.
Auch Jörg Haider, meint Westenthaler, dürfe in einer neuen FPÖ keinen Platz an der Sonne mehr einnehmen: "Er selber sollte erkennen, dass seine Zeit vorbei ist. Die Nach-Haider-Ära muss jetzt beginnen." Und zwar nicht so wie in den letzten Monaten, sondern "gänzlich. Er muss sich ganz aus der Politik zurückziehen. Daran gibt es nichts zu rütteln. Das Wahlergebnis war ja eindeutig verheerend. Auch in Kärnten."
Mo 25.11.

In den frühen Morgenstunden des Montag bringt der Privatflieger von Thomas Prinzhorn Haider von Klagenfurt nach Wien. Um neun Uhr trifft sich eine prominente blaue Runde zum Frühstück: Parteichef Haupt, Thomas Prinzhorn, der Kärntner FP-Chef Martin Strutz und Jörg Haider.
Haider hat laut News 48/02 ein fertiges Konzept zur "Neugründung der FPÖ", wie er sie bei einem Ergebnis unter 15 Prozent angekündigt hatte, mitgebracht. Er will sich erwartungsgemäß als "Sisyphus" anbieten und wieder den Parteivorsitz übernehmen. Doch die neue Führungsspitze hat - vorerst - andere Pläne. Vor allem Thomas Prinzhorn [er soll am Vorabend schon mit der ÖVP über den Posten des Vizekanzlers gesprochen haben] drängt darauf, Herbert Haupt an der Spitze zu belassen. Dieser, so Prinzhorn, sein "keinesfalls für das blaue Wahldesaster" verantwortlich. dass die FPÖ überhaupt knapp "über zehn Prozent geblieben" sei, sei nur ihm zu verdanken. Man müsse jetzt auf "Kontinuität" setzen. (News 48/02)


Die FPÖ hat sich am Tag nach ihrem Wahldesaster offenbar zunächst Stillschweigen verordnet. Vor Beginn einer Präsidiumssitzung Montag Vormittag war kein Spitzenrepräsentant der Partei zu inhaltlichen Aussagen bereit. Obmann Herbert Haupt erklärte lediglich, alles weitere werde man nach der Besprechung sehen. Auch Alt-Parteichef Jörg Haider wollte sich nicht dazu äußern, ob die Freiheitlichen Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP aufnehmen sollten: "Es ist sinnlos, wenn sie jetzt versuchen, mir etwas zu entlocken."
Auch die Landesparteiobleute zeigten sich großteils wortkarg. Mehr als "das werden wir alles sehen", "lassen wir uns überraschen" oder "wir werden jetzt einmal beraten" war weder von Tirols Willi Tilg, Burgenlands Stefan Salzl und Wiens Hilmar Kabas zu hören.
Als einziger zu ausführlicheren Statements bereit war der Vorarlberger Landesparteiobmann Hubert Gorbach. Für ihn kommt es seitens der FPÖ darauf an, einen Weg einzuschlagen, der für die Bevölkerung das Beste ist. Dabei sei sowohl eine Oppositionsrolle als auch ein Fortsetzen der Regierungstätigkeit möglich. Allerdings ließ Gorbach gewisse Präferenz in Richtung einer Neuauflage von Schwarz-Blau erkennen. Angesprochen auf Aussagen Haupts, wonach man erst in einer zweiten Legislaturperiode die Früchte der Arbeit ernten könne, antwortete er: "Haupt ist ein weiser Mann." Für Gorbach ist im Gegensatz zum Parteichef auch eine weitere Zusammenarbeit mit Karl-Heinz Grasser als Finanzminister denkbar. Zwar wollte sich der Vorarlberger FP-Chef dazu nicht im Detail äußern, meinte aber, er habe in dieser Frage eine andere Position als die Partei. Überhaupt könnte Gorbach früheren Verhältnissen bei der FPÖ wieder einiges abgewinnen. Er kann sich nämlich auch vorstellen, dass Ex-Parteiobfrau Susanne Riess-Passer wieder zurückkehrt. (www.derstandard.at)
Bei den oberösterreichischen Freiheitlichen begann man am Montag mit den - zumindest gedanklichen - "Aufräumungsarbeiten" nach der Wahlniederlage. Von der Basis kam der deutliche Ruf nach einem "Neubeginn". Auch Susanne Riess-Passer wurde wieder als Parteichefin und Vizekanzlerin ins Gespräch gebracht. "Jörg Haider soll in Kärnten bleiben und sich aus der Bundespolitik heraus halten", hieß es ebenfalls.
Bereits am Wahlabend hatte der oberösterreichische FPÖ-Chef Günther Steinkellner angekündigt, man werde "schon morgen zu arbeiten beginnen, um aus dem tiefen Tal heraus zu kommen". Einer der Stellvertreter von Steinkellner, der Arzt und bisherige FP-Nationalratsabgeordnete Alois Pumberger aus dem Innviertel, sagte am Montag, er sehe sich durch das Wahlergebnis "leider Gottes in meiner Kritik voll bestätigt". Die Probleme der FPÖ seien nur damit zu lösen, "dass der Zug nicht in Richtung Knittelfeld weiterfährt". Herbert Haupt sei "ein guter Mann", der bei der jetzigen Wahl "jene Watschen bekommen hat, die eigentlich Jörg Haider gebührten", so Pumberger. Eine neuerliche Regierungsbeteiligung halte er derzeit für "äußerst ungünstig", die FPÖ solle sich vielmehr "in der Opposition als Partei reorganisieren und stabilisieren", meinte Pumberger. Jörg Haider solle sich aus der Bundespolitik fern halten "und er soll auch einmal die Vertrauensfrage in Kärnten stellen, ob er dort überhaupt noch tragbar ist" (Pumberger).
Der FPÖ-Bezirksobmann von Gmunden, der Landtagsabgeordnete Martin Kreßl - seinerzeit neben Pumberger einer der führenden Kritiker des inzwischen abgelösten Landesparteiobmannes Hans Achatz - bezeichnete das Wahlergebnis als "schallende Ohrfeige und Denkzettel für die 'Knittelfeld-Rebellen'", die "mit ihren absurden Aktionen nicht nur eine erfolgreiche und zunehmend anerkannte und respektierte Regierungsmannschaft, sondern auch die eigene Partei in die Luft gesprengt haben". Es sei richtig gewesen, dass Finanzminister Karl-Heinz Grasser das Angebot von Bundeskanzler Schüssel angenommen hat, "damit ist es dem Duo Schüssel/Grasser schlussendlich doch noch gelungen, eine rot-grüne Mehrheit zu verhindern", meinte Kreßl. Und der Gmundener FP-Chef forderte weiters: "Jetzt sollte sich die gesamte Partei bei Susanne Riess-Passer für die unverständlichen und absolut entbehrlich gewesenen Geschehnisse in aller Form entschuldigen und sie zu einer Rückkehr an die Parteispitze bitten". Die FPÖ solle wieder mit der ÖVP in die Regierung gehen, wobei "Susanne Riess-Passer als Vizekanzlerin die beste Lösung wäre", ergänzte Kreßl.
Der freiheitliche Vizebürgermeister von Steyr, Leopold Pfeil, sieht in der Wahlniederlage "auch die Chance für einen Neubeginn" für die FPÖ, es gehe jetzt um "konstruktive Zusammenarbeit". Pfeil ist ebenfalls für eine neuerliche Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen, "mit Herbert Haupt, der ausgezeichnete Arbeit geleistet hat". Jörg Haider hingegen solle sich "auf Kärnten konzentrieren".

Das FPÖ-Bundesparteipräsidium hat am Montag in Wien den von Herbert Haupt angebotenen Rücktritt als Chef der Bundespartei abgelehnt. Dies teilte der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider gegenüber Radio Kärnten mit. Haider: "Er hat das volle Vertrauen und wurde im Parteivorstand bereits aufgefordert, sich auf einem Parteitag der Wahl zu stellen." Haupt sei in dieser Situation der FPÖ "der Richtige", sagte Haider. Er habe mit seinem Engagement als Spitzenkandidat ein noch schlechteres Abschneiden verhindert. Das Abschneiden der FPÖ bewertete Haider als "schlicht fürchterlich und muss uns sehr, sehr nachdenklich machen". Zu Koalitionsgesprächen sagte er, dass sich die FPÖ "zurückhalten" und die ÖVP es zuerst mit den anderen Parteien versuchen solle. "Die FPÖ bringt Ideen, ist aber für alle Negativa verantwortlich - diese Art der Regierungsteilung darf es nicht mehr geben", erklärte Haider.
Wenn es eine Fortsetzung des Reformprogrammes gibt, dann müssten auch freiheitliche Ideen berücksichtigt werden. "Die ÖVP war nicht wirklich reformbereit und hat unsere Ideen zu den ihren gemacht", meinte er. "Ich mische mich in die Koalitionsverhandlungen aber nicht ein. Ich wirke nur bei der Analyse mit."
Er jedenfalls wisse die Ursachen für den freiheitlichen Misserfolg: "Wir waren in der Regierung die Botschafter der schlechten Nachrichten. Dies ist keine Form der Partnerschaft. Das darf es nicht mehr geben." (www.kleinezeitung.at)
Am Tag nach dem Wahldebakel brach der Richtungsstreit in der FPÖ voll aus. Die Frage, die die geschwächten Blauen spaltete: Soll die FPÖ, wie von Obmann Herbert Haupt angekündigt, trotz der Niederlage noch einmal in die Regierung? Oder soll sie den Gang in die Opposition antreten? Die Diskussion darüber war im Parteipräsidium voll im Gang, als Jörg Haider den Sitzungssaal verließ, wortlos an den Kamerateams vor dem Saal vorbeieilte, aus einem Nebenzimmer den ORF Kärnten anrief und dort erklärte, er werde am Abend den Kärntner FPÖ-Gremien seinen Rücktritt als Landeshauptmann anbieten.
Er begründete dies mit dem Umstand, dass die FPÖ nicht nur bundesweit, sondern auch in Kärnten stark verloren hat. Er werde seinen Rücktritt am Abend im Landesparteivorstand "meinen Parteifreunden vorschlagen und werde versuchen, mit ihnen einen Kompromiss zu erreichen", sagte Haider.
"Mein Bedarf an der Politik ist absolut gedeckt", stellte Haider gegenüber Radio Kärnten fest. "Denn wenn man so viele Jahre Aufbauarbeit geleistet hat und dann eine solche Rechnung präsentiert bekommt, sollte man auch wissen, welche Entscheidung man für sich selbst zu treffen hat". Auf die Frage, ob er sich eventuell zum Weitermachen überreden lassen könnte, sagte Haider: "Das wird sehr schwierig werden.
Die Ankündigung von Jörg Haider, als Landeshauptmann zurücktreten zu wollen, hat zu einem Aufschrei innerhalb der FPÖ geführt. "Die Kärntner Partei steht geschlossen hinter Haider. Wir werden ihn ersuchen, dem Land weiterhin als Landeshauptmann zur Verfügung zu stehen", erklärte Landesparteiobmann Martin Strutz.
Für Strutz hat es am Sonntag eine Bundeswahl gegeben, die "mit der Person Jörg Haider und mit Kärnten überhaupt nichts zu tun hat". Daher appelliere er an den Landeshauptmann, sich weiterhin "voll zur Verfügung zu stellen". Laut Strutz sei auch nicht der "Weg für Kärnten" abgewählt worden. Der Grund für die Wahlniederlage sei vielmehr in der "Nichtgeschlossenheit der Partei" zu suchen.
Landeshauptmann-Stellvertreter Karl Pfeifenberger ermutigte Haider, "als Landesvater im Amt zu bleiben", um den erfolgreichen Kurs für Kärnten fortzusetzen. "Ich habe Jörg als sein Stellvertreter sowie als Freund ersucht, Landeshauptmann zu bleiben", sagte der Finanz- und Wirtschaftsreferent. Der Großteil der Partei stehe geschlossen hinter Haider. Viele Großprojekte in Kärnten wären ohne das Engagement Haiders nie zu Stande gekommen. Pfeifenberger: "Mein Regierungskollege Landesrat Gerhard Dörfler und ich sprechen unserem Freund und Landeshauptmann Jörg Haider das absolute Vertrauen aus und möchten ihn zur Weiterarbeit zum Wohle der Bürger in diesem Land ermutigen. Wir stehen voll hinter ihm."
Dörfler gab sich gege vom beabsichtigten Rücktritt Haiders "total überrascht". Die Wahlniederlage sei für den Landeshauptmann ein Schock gewesen, sagte er. "Jetzt bin ich geschockt. Denn damit habe ich in keiner Weise gerechnet."(www.kleinezeitung.at)
Riess-Passer lässt aus dem fernen Peking ausrichten, sie messe den Ankündigungen Haiders “die übliche Bedeutung³ zu.
Soll heißen: Er sei auf Bitt-Prozessionen aus und wolle sich zum Bleiben überreden lassen. Die Rufe aus der FPÖ nach einer Rückkehr Riess-Passers wurden ihr berichtet – sie blieb aber gelassen. “In der FPÖ ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen³, glaubt man in ihrer Umgebung nicht so recht daran, dass sich bei den Blauen bereits die “Einsicht³ durchgesetzt hat. Als Zeichen dafür wird auch gewertet, dass sofort eine Bewegung für Haiders Verbleib entstanden war. (www.kurier.at)
Zwei ehemaligen freiheitlichen Spitzenpolitikern droht indes der Parteiausschluss. Der Vorstand hat Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der seine Parteimitgliedschaft ruhend gestellt hat und ins ÖVP-Kompetenzteam gewechselt ist, und Ex-Klubchef Peter Westenthaler aufgefordert, aus der Partei auszutreten. Ansonsten werde ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet.
Westenthaler denkt jedoch weiterhin nicht an einen freiwilligen Austritt aus der FPÖ. Das angekündigte Parteiausschlussverfahren sehe er "sehr gelassen". "Sollen sie nur", so Westenthaler. "Ich muss das eh auf mich zukommen lassen." Wenn man ein Ausschlussverfahren wolle, müsse man allerdings auch Gründe vorbringen. Er hätte sich jedenfalls nichts vorzuwerfen, so Westenthaler. (www.kurier.at)
Das Kärntner FPÖ-Präsidium sprach sich "geschlossen und entschieden" gegen einen Rückzug Haiders aus, wenig später trudelten die Solidaritätskundgebungen für Haider aus den Bezirken ein - trotz der deutlichen Niederlage der FPÖ in Kärnten.
Die Wirkung auf die laufende Präsidumssitzung:
All dieses Liebeswerben der Kärntner gab denen in der FPÖ Auftrieb, die in Haiders Rücktrittsandrohung (wieder einmal) einen Versuch sahen, der FPÖ mit Liebesentzug zu drohen - aber das nur mit dem Zweck, liebevoll zum Bleiben gedrängt zu werden. Und alle Kritik an ihm, die aus Kärnten und aus Oberösterreich an ihm laut wurde, zum Schweigen zu bringen. Und Rufe wie die des Gmundner FPÖ-Obmanns Martin Kreßl nach einer Rückkehr des Haider-Opfers Susanne Riess-Passer an die Parteispitze zum Verstummen zu bringen
Zur Rücktrittsansage Haiders meinte FPÖ-Obmann Herbert Haupt, der Vorstand habe Haider heute als wichtigen "Stabilisierungsfaktor" gesehen. Er glaube, dass es wichtig sei, dass der freiheitliche Weg in Kärnten fortgesetzt werde. Zur Frage, wie ernst es Haider mit seiner Rücktrittsdrohung sei, wollte sich Haupt nicht festlegen. Er meinte lediglich, Haider bleibe Landeshauptmann, solange es "die Bevölkerung will".
"Jörg Haider bleibt Landeshauptmann von Kärnten", erklärte der interimistische FPÖ-Obmann Herbert Haupt Montagabend im ORF-Report. Haider bleibe "selbstverständlich" noch eineinhalb Jahre. Haider werde als "einer von neun Landeshauptleuten auch in der nächsten Zeit ein Faktor der Innenpolitik sein. Schüssel wird sich das nicht aussuchen können", so Haupt weiter.
In den Bundesgremien der FPÖ bleibe Haider statutengemäß "so verankert wie in der Vergangenheit auch, er ist Mitglied der Bundesparteileitung mit Sitz und Stimme".
Zum Rücktrittsangebot von Haider meinte Haupt, der Landeshauptmann habe sich lediglich den Parteigremien gestellt. Und dabei habe er einen "überzeugenden Vertrauensbeweis" erhalten. (www.orf.at)
Interview mit Ewald Stadler, FP-Volksanwalt und "Knittelfelder Rebell":
Standard: Sind Sie und die "Knittelfelder Rebellen" schuld am Wahlverlust der FPÖ?
Stadler: Nein. Das ist die Methode "Haltet den Dieb". Aber das wird es nicht spielen. So dumm ist die FPÖ-Basis nicht, dass sich das auch noch ausginge - dass jene Leute mit ihren parteischädigenden, mutwilligen Rücktritten auch noch bestimmen, wer am Wahldebakel schuld ist.
Standard: Wer ist denn schuld?
Stadler: Die ÖVP hat jede Schwäche, die die FPÖ in den letzten Jahren geboten hat, schamlos ausgenutzt. Das kann ich weniger der ÖVP vorwerfen, als unseren eigenen Leuten, die eine Politik geliefert haben, die meilenweit neben den Wahlversprechen war. Ich erinnere an den Fall Gaugg. Was hat das mit dem Kampf gegen Privilegien zu tun? Die unsozialen Maßnahmen, die der Finanzminister erzwungen hat? Höchster Steuerdruck, Ambulanzgebühr, Unfallrentenbesteuerung, Abfangjäger.
Standard: Wieso hat die FPÖ dabei mitgemacht?
Stadler: Ich sag ja, die FPÖ hat sich von der ÖVP überall vorführen lassen. Die haben dieses Trachtenpärchen in der Koalition schon so verinnerlicht, dass man die Politik nur mehr danach ausgerichtet hat, dass es der ÖVP möglichst gut geht. Wie gut es ihr geht, haben wir bei der Wahl gesehen.
Standard: Soll die FPÖ wieder in eine Regierung gehen?
Stadler: In eine Koalition, wo eine Osterweiterung beschlossen werden muss, empfehle ich der FPÖ nicht einzutreten. Unter den Bedingungen, die sich die ÖVP vorstellt, wo man die Interessen der Österreicher verrät - so eine Osterweiterung wird es mit uns nicht geben. Wo man Verrat übt an den Heimatvertriebenen, so eine Osterweiterung ist für mich undenkbar.
Standard: Für Schüssel sind die EU-Osterweiterung und Finanzminister Grasser aber Koalitionsbedingungen.
Stadler: Schüssel kann so viele Bedingungen aufstellen, wie er will. Wir haben unsere eigenen Bedingungen. Wir müssen gar nichts, da täuscht sich der Herr Schüssel. Eines ist klar, wir werden Verrat nicht auch noch belohnen.
Standard: Soll Haupt als FP- Chef für Haider Platz machen?
Stadler: Haupt hat es verdient, dass die Partei zu ihm steht. Ich wünsche mir weiter das Duo Haupt/Haider.
Der voraussichtliche FPÖ-Klub in der nächsten Legislaturperiode, gereiht nach Landes-Listen und Bundes-Listen - und vorbehaltlich allfälliger Vorreihungen durch Vorzugsstimmen bzw. Mandatsverzichte:
* Bundesliste (4 statt bisher 6 Mandate): Herbert Haupt, Thomas Prinzhorn, Max Walch, Karl Schweitzer ev. Elmar Lichtenegger, Detlev Neudeck
* Burgenland (0 Mandate)
* Kärnten (3 statt bisher 5 Mandate): Herbert Haupt, Josef Bucher, Sigisbert Dolinschek, ev. Marialuise Mittermüller, wenn Haupt das Bundesmandat nimmt oder Minister wird
* Niederösterreich (2 statt bisher 7 Mandate): Dieter Böhmdorfer, Barbara Rosenkranz, ev. Anton Wattaul, wenn Böhmdorfer wieder Minister wird
* Oberösterreich (3 statt bisher 8 Mandate): Max Walch, Max Hofmann, Elke Achleitner, ev. Helga Sturm, wenn Max Walch das Bundesmandat nimmt
* Salzburg (1 statt bisher 3 Mandate): Eduard Mainoni
* Steiermark (2 statt bisher 8 Mandate): Magda Bleckmann, Mares Rossmann, ev. Anton Knerzl, wenn Rossmann wieder Staatssekretärin wird
* Tirol (1 statt bisher 4 Mandate): Klaus Wittauer
* Vorarlberg (1 statt bisher 2 Mandate): Reinhard Eugen Bösch
* Wien (2 statt bisher 8 Mandate): Herbert Scheibner, Helene Partik-Pable, ev. Martin Graf, wenn Scheibner wieder Minister wird. (www.standard.at, apa)
Die FPÖ hat sich am Montag in Präsidium und Vorstand auf ihr Verhandlungsteam für Sondierungsgespräche geeinigt. Neben FPÖ-Obmann Herbert Haupt werden Justizminister Dieter Böhmdorfer, die Landesparteiobleute von Kärnten und Vorarlberg, Martin Strutz und Hubert Gorbach, sowie die Vize-Parteichefs Thomas Prinzhorn und Magda Bleckmann angehören. (apa)
Di

26.11.

"Jörg bitte bleib", lautete der Text der Huldigungsfaxe an den Kärntner Landeshauptmann, abgesandt von Bezirken und freiheitlichen Teilorganisationen. Sie verfehlten ihre Wirkung nicht: Jörg Haider schmollte, entschloss sich in der Nacht auf Dienstag aber trotzdem, auf seine Kärntner Fans zu hören.
Gegen 20 Uhr, als Haider zur entscheidenden Sitzung der Kärntner Parteigremien eintraf, gab er sich noch ganz beleidigt. Auf die Frage, ob er sein Rücktrittsangebot aufrechterhalte, schnauzte er knapp ins Mikrofon: "Ja, so ist es." .
Sechs Stunden später vollzog Haider wieder einmal den Rücktritt vom Rücktritt. Gegen halb drei Uhr früh erschien Haider, noch immer schwer gereizt, und stellt seine jüngste Volte als Entscheidung seiner Kärntner Parteifreunde dar. "Rücktritt wäre die logische Konsequenz gewesen, meine Parteifreunde haben das aber nicht akzeptiert, weil sie glauben, dass der Kärntner Weg gut ist und ich weitermachen soll."
Ausschlaggebend, dass Haider seinen geplanten Rücktritt nicht vollzogen hat, war, dass seitens der Partei jene Rahmenbedingungen festgelegt wurden, die der Landeshauptmann gefordert hatte. Diese betreffen die Bereiche Kommunikation und verstärkte Anstrengungen in derRegierungsarbeit. "Wir werden Schwerpunkte für das Land bei Bildung, Wirtschafts- und Arbeitsplatzpolitik setzen", sagte er. Er erklärte sich bereit, die volle Legislaturperiode bis März 2004 Landeshauptmann zu bleiben.
"Das Ergebnis der Nationalratswahl war ein kritischer Hinweis der Wähler", sagte Haider Dienstagnacht nach der Vorstandssitzung. "Ich übernehme persönlich zum Großteil die Verantwortung für das schlechte Abschneiden. Daher wäre der Rücktritt die logische Konsequenz gewesen. Meine Parteifreunde haben das nicht akzeptiert, weil sie glauben, dass der 'Kärntner Weg' gut ist und ich weitermachen soll."
"Wir haben uns in den vergangenen Monaten in eine negative Diskussion verstrickt. Dabei sind die positive Dinge für das Land in den Hintergrund getreten", sagte der Landeshauptmann weiters. Wenn die Bevölkerung sieht, dass gut gearbeitet wird, werde es für die FPÖ auch wieder die alten Erfolge geben. "Man will Jörg Haider weiter als Landeshauptmann haben", betonte er und verwies in diesem Zusammenhang auf viele entsprechende Reaktionen der vergangenen Stunden.
Ob er sich auch in der Bundespolitik betätigen wird, macht Haider von Bundesparteiobmann Herbert Haupt abhängig. "Ich habe Verständnis, dass er die Fortsetzung des Kärntner Weges haben will und mich daher zum Weitermachen gebeten hat", meinte er. "Aber wenn er mich im Koalitionsausschuss haben will, dann würde ich ihn darum bitten, mich davon zu entbinden." (apa)
Während der Kärntner Marathonsitzung wurde heftig abgerechnet. Vor allem Parteichef Strutz und Landesgeschäftsführer Kurt Scheuch wurden als organisatorisch Verantwortliche für das Desaster der Kärntner Wahl verantwortlich gemacht. Auch die Darstellung freiheitlicher Politik als "Dauershow für die Spaßgesellschaft" sei heftig kritisiert worden.
Strutz habe daraufhin seinen Rücktritt als Parteichef angeboten, der jedoch einstimmig abgelehnt worden sei, berichtete Parteisprecher Siegfried Jost.
Als Bauernopfer blieb schließlich "Reißwolf" Kurt Scheuch übrig. (Er hatte in Knittelfeld das Riess-Passer- Papier zerrissen.) Dessen Rücktritt gab Partichef Strutz am Dienstag bekannt. Scheuch hatte sich vor allem in der blauen Basis massive Kritik eingehandelt, weil er in Knittelfeld die zwischen Jörg Haider und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer getroffene Vereinbarung auf offener Bühne zerrissen hatte. Er will sich nun verstärkt um seinen Spittaler Heimatbezirk kümmern. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt. Strutz will eine "Paketlösung" und kündigt weitere Personalrochaden an. (Der Standard)
Nach der Wahlniederlage beginnt in der FPÖ offenbar eine Ausschlusswelle: Nach Karl-Heinz Grasser, Peter Westenthaler und den zwei oberösterreichischen Bezirksparteiobmännern Alois Pumberger und Michael Kreßl muss nun auch der langjährige Nationalrat Helmut Haigermoser den Hut nehmen. Er bekommt ebenso wie Grasser und Westenthaler noch heute den Ausschluss-Brief zugestellt, der damit bereits wirksam wäre. Die Reaktionen der vom Ausschluss Betroffenen sind durchaus unterschiedlich. Finanzminister Grasser will trotz allem nicht zur ÖVP wechseln, Haigermoser möchte sich fügen und Ex-Klubchef Westenthaler sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen.
Helmut Haigermoser, Obmann des Ringes Freiheitlicher Wirtschaft (RFW), wird ein FPÖ-kritischer Aufsatz zur Last gelegt. Haigermoser fehlt zwar das Verständnis für den "politischen Blutrausch", er fügt sich aber dem "Bärental-Befehl" - der RFW stellt sich hingegen geschlossen hinter ihn. In Oberösterreich wurden die Bezirksparteiobmänner Alois Pumberger (Ried) und Martin Kreßl (Gmunden) wegen parteischädigenden Verhaltens ausgeschlossen. Beides sind "Anti-Knittelfelder", hatten die "Knittelfelder" für das Wahldebakel verantwortlich gemacht und Jörg Haider kritisiert (Pumberger sogar mit Antrag auf Parteiausschluss) und nach einer Rückkehr Riess-Passers gerufen. Pumberger kommentiert den Ausschluss so: "Hier wird das Exekutionskommando Haiders tätig."
Kreßl reagiert im Standard-Gespräch mit Wut und Sarkasmus: "Wenn die keine anderen Sorgen haben nach der Wahlniederlage - bitte. Ich habe jede Menge Anrufe von Funktionären gekriegt, die wütend sind, dass man Grasser ausschließt. Man muss anerkennen, dass Grasser Rot-Grün verhindert hat - und wenn man ihn zuerst bei uns rausekelt, darf man sich nicht wundern, wenn er zu Schüssel geht." Er will jedenfalls nicht freiwillig gehen: "So leicht mache ich es denen nicht. Zur Not werde ich wilder Abgeordneter." Und er bleibt bei seinem Wunsch, Riess-Passer zurückzuholen: "Das ist unser einzige Chance - mit ihr weiterzuregieren." Denn für Haider hat Kreßl nicht mehr viel übrig: "Ich kann diesen Menschen nicht mehr ernst nehmen. Er hat viel Schaden verursacht." (Der Standard)
Haupt will zwar "keine Blutspur" durch die FPÖ ziehen, hält die Ausschlüsse aber für notwendig. Riess-Passer hingegen sei in der FPÖ "sehr willkommen". Auf Exgeneralsekretär Peter Sichrovsky könnte ein Ausschluss zukommen - Haupt sagt: "Seine Dienste werde ich nicht mehr in Anspruch nehmen." Trotzig kritisierte Sichrovsky nochmals Haider und meinte, Schwarz-Blau sei "nur ohne Haider" möglich. Und weiter: "Der Wähler hat mit dem Geist von Knittelfeld mehr als deutlich abgerechnet. Wenn Haider das nicht kapiert, ist ihm nicht mehr zu helfen. Selbst China hat sich vom Kommunismus losgelöst", tönte Sichrovsky von einer gemeinsamen China- Reise mit Riess-Passer.
Auch in der niederösterreichischen Landespartei gärt es. Einzelne Funktionäre - vor allem "Anti-Knittelfelder" - wünschen sich einen außerordentlichen Landesparteitag mit Wahl einer neuen Führung. Ewald Stadler wiederum will "reinen Tisch" machen.
Der ORF-NÖ meldet in der Sendung "Niederösterreich heute", auch gegen den niederösterreichischen Ex-Landesobmann Hans Jörg Schimanek sei ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet worden. Das sei in einer Sitzung des Landesparteivorstand am Dienstagabend beschlossen worden.
Schimanek, derzeit FPÖ-Bezirksrat in Wien-Floridsdorf, hatte im Zuge der innerparteilichen Turbulenzen der vergangenen Wochen immer wieder Kritik an der Landesparteispitze geäußert. Dasselbe Schicksal soll noch drei weiteren Mitgliedern drohen. (Eva Linsinger/DER Standard, Print-Ausgabe, 27.11.2002/APA)
Gegen die beiden Bezirksparteiobmänner Alois Pumberger von Ried und Martin Kreßl von Gmunden - sie sind auch Mitglied der FPÖ-Bundesparteileitung - wurde ein Verfahren wegen des Verdachts des parteischädigenden Verhaltens eingeleitet. Beide hatten sich am Dienstag nach dem Wahlausgang kritisch auch zu innerparteilichen Fragen geäußert. Dazu Oberösterreichs FPÖ-Chef Günther Steinkellner am Mittwoch: "Ich dulde es nicht, dass Kritik öffentlich und nicht in den Gremien geäußert wird".
Auch bei den Kärntner Freiheitlichen ist es zu einer Personalentscheidung gekommen: Landesgeschäftsführer Kurt Scheuch (35) hat seine Funktion zur Verfügung gestellt. Scheuch war Österreich-weit bekannt geworden, nachdem er in Knittelfeld die zwischen Haider und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer getroffene Vereinbarung auf offener Bühne zerrissen hatte.
Einvernehmen
Scheuchs Rücktritt wurde am Dienstag von Landesparteiobmann Martin Strutz überraschend bekannt gegeben. In der Nacht war den Journalisten noch erklärt worden, dass es "noch keine personellen Konsequenzen gegeben" hätte. "Das Rücktrittsangebot von Scheuch wurde von mir angenommen." Er wird mit Ende des Jahres einvernehmlich aus dieser Funktion ausscheiden, erläuterte Strutz.
Peter Westenthaler kündigt an, sich mit allen Mitteln gegen den Ausschluss zur Wehr setzen. Dabei will der Ex-Klubchef deftige Aussagen von Parteikollegen auf den Tisch legen, die nicht zu solch einer Maßnahmen geführt hätten. Auch weiterreichende Aktivitäten denkt Westenthaler an. Für ihn ist vorstellbar, ein Buch über die Ereignisse in der FPÖ zu verfassen: "Darin wird es auch einige interessante Enthüllungen über Jörg Haider geben", berichtet er im "News".
Offiziell kenne er den Grund für das Parteiausschlussverfahren gegen ihn nicht, sagt der blaue Ex-Klubchef Peter Westenthaler: “Ich habe noch nichts zugestellt gekriegt.³ Er wisse aber, warum ihn die FPÖ loswerden will: “Weil ich die Ursachen für die Wahlniederlage genannt habe – den Knittelfelder Putsch, Haiders Irak-Reisen, die Beschimpfungen gegen Karl-Heinz Grasser.³ Vor allem aber, dass er gemeint habe, nun müssten sich einige “vertschüssen³.
Dass dies als parteischädigend gewertet werde, sei insofern “spannend³, als “das andere schon gesagt haben³, spielt Westenthaler auf ein Kurier-Interview mit Haider an. “Wenn es parteischädigend ist, die Wahrheit zu sagen, wird es für andere auch sehr eng.³ Dem Schiedsgericht werde er sich stellen – und all das zur Sprache bringen: “Ich bin mir keiner Schuld bewusst.³
Bestärkt fühlt sich der Ex-Parlamentarier durch Solidaritätsbekundungen: “Ich habe schon ein rotes Ohr, weil so viele angerufen haben.³ Diese hätten “kein Verständnis dafür, dass Leute ausgeschlossen werden, die 15 Jahre lang hart für die Partei gearbeitet haben³.
Dass sich Haider aus der Politik zurück zieht, habe er nie geglaubt, verrät der einstige Vertraute des Altparteiobmanns. Im Gegensatz zu Haider hätten er, Susanne Riess-Passer und Karl-Heinz Grasser nicht bloß herum geredet: “Wir sind zurück getreten
Die jetzige Führung habe “die Partei nicht im Griff³. Mit den Ausschlüssen und Haiders “Eskapaden³ werde der Bogen überspannt: “Es ist erschütternd, was sich abspielt. Es wäre das Beste für die FPÖ, wenn Haider gegangen wäre.³ Die Partei habe sich alle Wege verbaut: “Es schaut aus, als sei eine Koalition mit der ÖVP ausgeschlossen
In Opposition zu Schwarz-Rot gebe es keinen Neuanfang. “Dann wird FPÖ auch in den Ländern marginalisiert³, prophezeit Westenthaler, der seine Erfahrungen mit Haider und der FPÖ als Buch veröffentlichen will. Und er appelliert “an die vernünftigen Kräfte in der FPÖ, gegen die Fahrt in den Abgrund etwas zu tun³.
Alois Pumberger erklärte am Dienstagmittag in einer ersten Reaktion zum Parteiverfahren gegen ihn: "Hier wird offensichtlich ein Exekutionskommando mit dem Kommandanten Jörg Haider tätig". Bevor "Haider selbst geht, lässt er exekutieren", so Pumberger.
Er habe sich "in 30 Jahren der Parteimitgliedschaft keinen Maulkorb umhängen lassen und ich werde das auch in der Zukunft nicht", betonte Pumberger. Wenn bei einer Wahl 60 Prozent der Wähler verloren gehen, man dann Kritik übt "und es in der Folge heißt: Rübe ab", dann "weiß ich nicht mehr, wohin diese Partei gehen wird" (Pumberger).
Sollte er tatsächlich aus der Partei ausgeschlossen werden, "so wird das noch viel mehr Parteiaustritte zur Folge haben es als jetzt schon gibt", meinte Pumberger. Er habe jedenfalls für Donnerstag dieser Woche eine Sitzung der FPÖ-Bezirksparteileitung Ried einberufen. Dort werde er als Bezirksparteiobmann die Vertrauensfrage stellen. Er sei überzeugt, dass die Funktionäre und auch die Wähler im Bezirk hinter ihm stehen, sagte Pumberger und verwies darauf, dass er am vergangenen Sonntag im Bezirk 1.800 Vorzugsstimmen erhalten habe.
An der Sitzung des Landes-Parteipräsidiums am Dienstagmittag, in der es um das Verfahren gegen Pumberger und Kreßl ging, nahm der Rieder FP-Bezirkschef nicht teil, um "den dortigen Beratungen freien Lauf zu lassen", sagte Pumberger.(www.kurier.at)
Der Klubobmann der steirischen FPÖ, Franz Lafer, hat als Reaktion auf das desaströse Ergebnis der Freiheitlichen in der Steiermark (minus 19,5 Prozent) sein Amt zu Verfügung gestellt. Er selbst gibt "persönliche Gründe" als Grund für seinen Abschied von der Klubspitze an. Als Landtagsabgeordneter will der Oststeirer weitermachen.
Lafers Entschluß ist Endpunkt eines Rückzugs auf Raten: Schon Anfang Oktober übergab er die Klubführung interimistisch an seine Stellvertreterin Waltraud Dietrich, um Kurzzeit-Spitzenkandidaten Mathias Reichhold als Wahlkampf-Mitarbeiter in Wien zu unterstützen. Schon damals gab es Vermutungen über eine "Palastrevolution" gegen Lafer, die heftig dementiert wurden.
Mit Lafers Entscheidung keimen auch wieder Gerüchte über die Zukunft der steirischen Spitzenkandidatin Magda Bleckmann auf. Vor der Wahl hatte Bleckmann noch betont, sie werde auch als Nicht-Ministerin in die Bundespolitik wechseln.
Ob die Vize-Parteichefin nach dem ernüchternden Wahlergebnis für ihre Partei eines der beiden verbliebenen steirischen FP-Nationalratsmandate annehmen oder die Klubführung im Landtag übernehmen wird, soll in den nächsten Tagen entschieden werden. (Die Presse)
"Alles ist möglich. Aber einfach wird es nicht." Das sagt Magda Bleckmann, stellvertretende Parteiobfrau der Freiheitlichen im Standard-Gespräch auf die Frage, ob eine Neuauflage von Schwarz-Blau denkbar sei. Zu den FP-Parteiausschlüssen meint sie: Es handle sich um jene, die sich "parteischädigend verhalten haben". Über den freiheitlichen EU-Abgeordneten Peter Sichrovsky, der den Haider-Kurs derzeit schwer kritisiert, aber noch keinen blauen Brief erhalten hat "wird man zu reden haben", so Bleckmann. Und: "Es wird über andere auch noch zu reden sein. All jene, die den Weg, den die FPÖ geht, nicht mitgehen wollen, sollten selbst Konsequenzen überlegen." Ist Haider sakrosankt? "Er ist jemand, der sich konstruktiv in der FPÖ betätigt, der sich im Wahlkampf noch eingebracht hat", antwortet Bleckmann. Aber sakrosankt sei niemand in der FPÖ. Inhaltlicher Kurswechsel? "Im Moment nicht." Unterschiedliche Strömungen habe es nie gegeben, das sei immer Interpretation der Medien gewesen.
Was von der FPÖ übrig bleibt? "Sehr viel", lacht Bleckmann. Sie hofft darauf, dass Herbert Haupt am Parteitag (8. Dezember) als Parteichef bestätigt wird. Präferenzen - Opposition oder Regierung - will Bleckmann keine äußern. Sollte die FPÖ in Opposition gehen, werde Haupt als Parteichef wohl auch Klubobmann Karl Schweitzer ablösen. Auf die Frage, ob es überhaupt noch genug Leute für Regierungsposten gäbe, meint Bleckmann nur: "Es sind immer gute Leute da." Sie selbst wünscht sich zwar, als Abgeordnete in den Nationalrat zu wechseln, schließt aber auch andere Funktionen nicht aus, wenn die Partei ruft. Kolportiert wurde zuletzt, dass sie Klubchefin im steirischen Landtag werden könnte. (Martina Salomon/DER Standard, Print-Ausgabe, 27.11.2002)
Ex-FP-Chefin Susanne Riess-Passer zeigt sich über die jüngste Parteiausschlüsse bei den Freiheitlichen betroffen: "Wenn jetzt alle, die jahrelang für die Partei und loyal zu mir gearbeitet haben, gesäubert werden sollen, dann ist das nicht mehr meine Partei." Der angekündigte Partausschluss von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Klubchef Peter Westenthaler und Ex-Mandatar Helmut Haigermoser übersteige ihre Vorstellungskraft, erklärt die Vizekanzlerin in China.
"Die Art und Weise, wie Menschen jetzt diffamiert und öffentlich hingerichtet werden, die hat es nie gegeben.", meinte sie weiter in der "Presse".
Auch die Begründung für die Ausschlüsse erschüttert die frühere Parteichefin: "Leute, die nicht stromlinienförmig mitschwimmen, die einem nicht zu Gesicht stehen oder Jörg Haider kritisieren, werden eliminiert. Wenn ich diese Maßstäbe anlege, wen hätte ich dann nicht aller im August ausschließen müssen?!" Zur Tatsache, dass Haider doch nicht als Kärntner Landeshauptmann zurückgetreten ist, meint Riess-Passer: "Ich kommentiere den Rücktritt und den Rücktritt vom Rücktritt nicht mehr, das habe ich oft genug getan."
FP-Obmann Herbert Haupt will die Kritik seiner früheren Chefin Susanne Riess-Passer an den jüngsten Parteiausschlüssen vorerst nicht kommentieren. Nach der Rückkehr der Vizekanzlerin aus China werde Haupt ihr die Ausschlüsse aber erklären, sagte der Sprecher des Sozialministers, Gerald Grosz, am Dienstag auf Anfrage.
Nach der Pleite bei der Nationalratswahl wäre nach Ansicht Riess-Passers ein Umdenken in der FPÖ notwendig. Wenn die Partei nicht erforsche, wo die Ursachen des Absturzes liegen und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, dann werde es ein "langsames Siechtum in die Bedeutungslosigkeit geben". So zeigt sich die Vizekanzlerin für die Zukunft auch pessimistisch: "Wenn das Miteinander verloren geht, wenn die Befindlichkeit einzelner wichtiger ist als die Partei, dann kann das nicht funktionieren."
Zu den Gerüchten über eine Vereinbarung mit VP-Chef Wolfgang Schüssel sagt Riess-Passer: "Lächerlich. Eine Lügengeschichte mehr." Befragt nach einer möglichen Beteiligung an einer schwarz-blauen Regierung antwortete die Vizekanzlerin: "Ich ändere meine Haltung nicht. Man kann doch nicht heute alles verdammen, was ich zweieinhalb Jahre gemacht habe, mir einen Geheimpakt, Korruption und andere Absurditäten vorwerfen und dann erwarten, dass ich so tue, als wäre nichts geschehen." (www.news.at)
Nach der freiheitlichen Wahlschlappe vom Sonntag scheint es in der niederösterreichischen Landespartei zu "gären". Der Ruf einzelner Funktionäre nach einem außerordentlichen Landesparteitag mit Wahl einer neuen Führung werde immer lauter, hieß es am Dienstag.
Zitiert wurde der Gänserndorfer Bezirksobmann Robert Wenitsch, der sein Nationalratsmandat verloren hat. Er führte den massiven Stimmenverlust auf die Enttäuschung der Wählerschaft durch "Knittelfeld" zurück und kann sich eine Rückkehr von Ex-Landesobmann Hans Jörg Schimanek vorstellen. Personelle Konsequenzen forderte auch Ignaz Schnötzinger, Hollabrunn: Die Parteispitze - FP-NÖ-Chef Landesrat Ernest Windholz, sein Stellvertreter Volksanwalt Ewald Stadler, Klubobfrau LAbg. Barbara Rosenkranz und Landesparteisekretär Franz Marchat - sollte von sich aus zurücktreten.
Windholz reagierte dem Bericht zufolge gelassen: Er würde auch bei einem Sonder-Landesparteitag kandidieren. Bezüglich eines Spitzenkandidaten für die NÖ Landtagswahl im Frühjahr 2003 habe er zwar Vorstellungen, die er aber erst im Dezember präzisieren werde. Auch Neo-Abgeordnete Rosenkranz (sie wird in den Nationalrat wechseln, Anm.) gestand den Unzufriedenen das Recht auf Einberufung eines Sonderparteitages zu.
Schärfer wurde Stadler, der beim Landesparteivorstand heute, Dienstagabend, laut ORF "reinen Tisch" machen will. Jene, "die ihr eigenes Süppchen kochen und ihre eigenen Karrierewünsche realisieren" wollten, müssten "in die Schranken gewiesen" werden.
Marchat sagte im APA-Gespräch, er halte es mit seinem Bundesobmann Herbert Haupt: Personaldiskussionen seien nicht öffentlich zu führen. Die Forderung nach einem außerordentlichen Landesparteitag wenige Monate vor der NÖ Landtagswahl im Frühjahr 2003 hält er angesichts der Situation für "grob fahrlässig". Zu Wenitsch merkte der Landesparteisekretär an, dass dieser selbst für das Delegiertentreffen in Knittelfeld unterschrieben hatte. (www.news.at)
Am Dienstagabend leitet die niederösterreichische FPÖ ein Parteiausschlussverfahren gegen Exlandesobmann Hans-Jörg Schimanek, die Bezirksobleute von Gmünd und Horn, Wolfgang Zibusch und Helmut Gröschel, sowie gegen Erich Hofer, Gemeinderat in Kirchstetten, der dazu aufgerufen hatte, für die ÖVP zu stimmen ("blau denken - schwarz wählen") ein.
Eva Linsinger kommentiert im Standard die Entwicklung am Dienstag so:
"Haupts Signal ist klar und unmissverständlich: Wer den Putsch von Knittelfeld und die Putschisten anprangert, hat in der FPÖ nichts mehr verloren. Wer der konstruktiven Regierungspolitik von Susanne Riess-Passer und Karl-Heinz Grasser nachtrauert, auch nicht. Und wer Haider zu den Knittelfeldern rechnet, schon überhaupt nicht. Damit ist die Unterordnung der Parteispitze unter die Knittelfelder Rebellen offiziell vollzogen.
Noch am Wahlabend hatte Haupt eine neuerliche Regierungsbeteiligung der FPÖ angestrebt. Seine jetzige Säuberungsaktion macht die FPÖ aber um noch ein Stück mehr regierungsunfähig - bleiben doch in der Partei nur noch die übrig, die Haider bedingungslos folgen, egal, welche Kapriole er schlägt. Dass Haupt nun auch den verlängerten Arm Haiders, den Kärntner Martin Strutz, in sein Koalitionsverhandlungsteam nachnominiert hat, macht nur noch deutlicher, in welche Richtung die Kleinpartei FPÖ geht."
Mi

27.11.

Nach einer Befragung von Imas erklären sich genau 80 Prozent die hohen Stimmenverluste der FPÖ in erster Linie mit dem Verhalten des Altparteiobmannes und Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider. Leidiglich fünf Prozent machten eine zu geringe Publikumswirkung von Herbert Haupt dafür verantwortlich. Auch die FPÖ-Wähler unter den Befragten vertraten - wenngleich nicht so stark wie die übrige Bevölkerung - diese Ansicht. 15 Prozent aller Befragten hatten dazu keine Meinung.
Einen totalen Rückzug von Haider aus der Politik und vom Amt des Kärntner Landeshauptmannes würden laut Umfrageergebnis 68 Prozent begrüßen, lediglich elf Prozent würden dabei ein Gefühl des Bedauerns empfinden. Ähnlich war die Einschätzung der Befragten bei der Frage, ob ein Rückzug Haiders für die FPÖ ein Vorteil wäre. (www.news.at)
Die FPÖ-Ausschlussorgie dürfte weiter gehen. Massive Kritik am Verhalten der "Knittelfelder Putschisten" übte am Mittwoch der freiheitliche EU-Abgeordnete Gerhard Hager. Er erwartet nun ebenfalls "interessiert" seinen Ausschluss.
Im Gespräch mit der APA erklärte Hager, er habe sich bis zur Wahl "zurück gehalten und geschwiegen", aber "wenn das so läuft, dass jetzt die Putschisten als die Guten hingestellt werden und alle anderen, die gesagt haben, man soll die Regierung unterstützen und nicht zerstören, als Verräter", könne er dazu nicht schweigen. Hager: "Die Idee, zu sagen, die ÖVP ist schuld am Scheitern der Koalition, das glaubt ja niemand."
Offenbar wollten die Verantwortlichen für den "fulminanten Wahlerfolg" in der FPÖ als "Träger des Erfolgs unter sich bleiben", ätzte Hager gegen die eigene Partei. Jedenfalls, so Hager, "mache ich der Partei nicht die Freude, selber auszutreten". Er habe keine Sorge nach einem Parteiausschluss: "In Europa gelten die aus der Partei Ausgeschlossenen als besonders 'cool' und werden hoch notiert". Gleichzeitig betonte Hager, er "stehe zur Partei. Ich bin immer noch ein Optimist und hoffe, dass die Vernünftigen siegen werden".
Befragt, ob Haider ausgeschlossen werden sollte, sagte Hager, "das ist nicht der Hauptpunkt. Ich kenne Haider seit er mich 1996 geholt hat. Das macht es mir schwer, er hat mich damals schon beeindruckt. Er hat einen Wandel durchgemacht, das ist ihm entglitten. Da ist nicht er schuld. Andere haben Öl ins Feuer gegossen", wobei der EU-Abgeordnete den FPÖ-Volksanwalt Ewald Stadler nannte. "Für mich sind die Stadler-Leute die Zündler und nicht Haider. Ich verlange auch nicht den Ausschluss Haiders, der soll brav seinen Landeshauptmann machen. Ich bin überhaupt gegen Parteiausschlüsse, das ist ja ein Schwächezeichen." (apa)
"Ich habe mehr Stehvermögen als jeder Durchschnittspolitiker", sagte der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider am Mittwoch als Reaktion auf eine Anfrage der APA, ob sein Bedarf an Politik jetzt tatsächlich gedeckt sei, wie er am Montag erklärt hatte.
Was in den vergangenen Monaten über ihn alles gesagt und geschrieben worden sei, das sei eine beispiellose Kampagne, meinte Haider am Rande eines Pressegespräches: "Da ist wild spekuliert worden, ist der Jörg Haider noch tragbar oder nicht, ist er verrückt oder geisteskrank, so etwas hat es noch nie gegeben." Er habe nach wie vor gute Nerven und ein hervorragendes Stehvermögen.
Über keinen anderen Landeshauptmann würden derartige Spekulationen angestellt. Betroffen zeigte sich Haider auch darüber, dass auch FP-Funktionäre sich "die Füße an Jörg Haider abputzen". Da sei es kein Wunder, wenn sein Bedarf gedeckt sei.
Seinen Verbleib in der Politik begründete Haider unter anderem damit, dass er "in die Wenderegierung mein Leben investiert" habe. Er selbst habe auf vieles verzichtet, um dieses Projekt möglich zu machen. Nun müsse er aber darauf achten, dass die FPÖ diese Wende nicht "mit dem politischen Leben bezahlt". (www.kurier.at)

Gegen einen tatsächlichen Vollzug der Parteiausschlüsse von prominenten FP-Funktionären sprach sich am Mittwoch der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider aus. Dass die Ausschlussverfahren eingeleitet worden seien, bezeichnete er vor Journalisten in Klagenfurt als "Wink mit dem Zaunpfahl". Jene, die einen entsprechenden Brief erhalten, sollten das Gespräch mit Parteichef Herbert Haupt suchen und sich deklarieren.
"Letztlich ist eine konsensuale Lösung besser als das Aussprechen von Ausschlüssen", sagte Haider. Alle, gegen die das Verfahren eingeleitet worden sei, hätten jedoch die Möglichkeit, zur freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft zurückzukehren, das gelte auch für Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-Klubobmann Peter Westenthaler. Das Überlaufen Grassers zu Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bezeichnete Haider wörtlich als "Sündenfall". Gefragt, ob dieser also nicht unverzeihlich sei, sagte Haider: "Unverzeihliches gibt es nicht, nicht einmal in der Religion."
All jene, gegen die vom FP-Bundesparteivorstand ein Ausschlussverfahren eingeleitet worden sei, müssten jetzt entscheiden, "wo sie hingehören", erklärte Altparteiobmann Jörg Haider. Die Chancen, die Freiheitlichen auf "Zukunftskurs" zu bringen seien gut, und er sei überzeugt davon, dass die meisten zur FPÖ zurückkehren wollen.
Es sei keine Frage, dass jene, denen nun der Parteiausschluss drohe, der FPÖ geschadet hätten, betonte Haider, doch sollten sie bedenken, dass sie von der FPÖ lange Zeit profitiert hätten. Auf die Frage, ob die Ausschlussverfahren eingestellt werden sollten, meinte Haider: "Das Verfahren ist eingeleitet, bis es abgeschlossen ist, hat jeder Betroffene die Möglichkeit, sich zu äußern." Dies gelte selbstverständlich auch für Finanzminister Karl-Heinz Grasser.
Gefragt, ob Grasser, wenn er quasi zur FPÖ zurückkehre, auch als Finanzminister einer künftigen schwarz-blauen Regierung denkbar sei, sagte Haider zuerst, dazu wolle er sich nicht äußern, um dann hinzuzufügen: "Das wäre vielleicht sogar die Lösung des Gordischen Knotens." Zugleich unterstrich er, Grasser habe den Freiheitlichen massiven Schaden zugefügt, als er zuerst eine Steuerreform abgelehnt und dieselbe dann gemeinsam mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel vor der Nationalratswahl propagiert habe.
Haider betonte mehrfach, dass niemand ausgeschlossen werden sollte, wenn er sich klar zur freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft bekenne. Dieses Bekenntnis abzulegen, sei allerdings eine "Bringschuld" der Funktionäre. Niemand dürfe erwarten, dass Parteichef Herbert Haupt jeden Funktionär einzeln anrufen werde, um ihn zurückzuholen.
Haider legte ein klares Bekenntnis zu einer Neuauflage der schwarz-blauen Koalition ab: "Ich bin absolut für eine Fortsetzung der Regierungsarbeit." Immerhin sei das Vertrauen der Wähler für das Regierungsprogramm gleich groß geblieben, "wenngleich sich die Gewichtung von den Freiheitlichen hin zur ÖVP verschoben hat". Die Entscheidung über eine Fortsetzung der Koalition werde aber beim Parteitag am 8. Dezember getroffen.
Er selbst werde jedenfalls Überzeugungsarbeit bei den freiheitlichen Funktionären leisten, dass der Gang in die Opposition nicht stattfinden, sondern eine Fortsetzung der FP-Regierungsbeteiligung angestrebt werden solle: "Dafür würde ich stehen." Zur Resolution der Vorarlberger Landes-FP, in der Haider aufgefordert wurde, keine bundespolitische Funktion mehr auszuüben, meinte er, er halte nichts von solchen Erklärungen. Er empfehle Hubert Gorbach, der "mich bei jedem Treffen herzlich umarmt", vorsichtig zu sein. Eine Landesgruppe, die bei der Wahl hinter die Grünen zurückgefallen sei, habe zudem keinerlei Berechtigung, der Kärntner FPÖ und ihm derartige Bedingungen vorzuschreiben. Haider bezeichnete die Resolution wörtlich als "blödsinnig".
Allein in seiner Funktion als Landeshauptmann sei er natürlich in der Bundespolitik aktiv, das sei ja gar nicht anders möglich. Und dass er ein Faktor in der Politik sei, beweise auch die Tatsache, dass "viele Führungsfunktionäre der ÖVP in den vergangenen Tagen das Gespräch mit mir gesucht haben". Bundespolitik in dem Sinne, dass er eine Bundesfunktion in der FPÖ ausübe, werde er ohnehin nicht mehr betreiben. Er wolle weder Bundesparteiobmann oder Stellvertreter werden, "das ist abgeschlossen". Dass Herbert Haupt, mit dem ihn eine mehr als 30 Jahre dauernde Freundschaft verbinde, sich mit ihm bespreche und auch seinen Rat einhole, sei hingegen selbstverständlich. (www.kurier.at)
Parteichef Herbert Haupt reagierte bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag auf den neuerlichen Schwenk von Haider:
Die FPÖ stellt mit sofortiger Wirkung alle zuletzt eingeleiteten Ausschlussverfahren ein. Für die weitere Vorgangsweise habe er für kommenden Sonntag eine Bundesparteileitungssitzung einberufen. Haupt will, so weit zeitlich möglich, mit allen vom Ausschluss Betroffenen - u.a. Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-Klubobmann Peter Westensthaler - ein persönliches Gespräch führen, damit in der FPÖ wieder eine einheitliche Linie gefunden werde.
In den letzten 24 Stunden hätten ihn "hunderte" Parteifreunde gebeten, von den Parteiausschlüssen Abstand zu nehmen, sagte FP-Chef Herbert Haupt. Flankiert wurde er von Klubobmann Karl Schweitzer und Justizminister Dieter Böhmdorfer. Er beuge sich diesem "Wunsch" und sei überzeugt, "dass sie Recht haben", so ein bedrückt wirkender Haupt. Den internen Streit wolle er nun "ein für alle Mal beenden".
Haupt betonte auch, dass er sich nicht der Position des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider angeschlossen haben, sondern dass es vielmehr umgekehrt gewesen sei. Er habe sich zuerst für die Sistierung der Ausschlussverfahren ausgesprochen, Haider habe sich dieser Position dann angeschlossen. Tatsächlich hatte sich Haupt aber am Vormittag noch hinter die Ausschlüsse von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Ex-Klubobmann Peter Westenthaler, Martin Kreßl, Alois Pumberger und Helmut Haigermoser gestellt. Nun schwenkte er offenbar um, nachdem die Ausschlusswelle ihre Eigendynamik bekommen hatten. (Die niederösterreichische Landespartei eröffnete im Alleingang vier Verfahren.) Jetzt spricht Haupt von einem "Fehler", den er begangen habe. Er habe seine persönliche Meinung nun hinter die Interessen der Partei gestellt.
Zur Situation der Partei hielt Haupt fest, dass jeder - auch er selbst - einen Teil der Verantwortung für die Krise zu tragen habe: "Wir haben uns bei den Mitgliedern und Funktionären und vor allem beim Wähler zu entschuldigen". "Es ist keine Schande, wenn man hinfällt, aber eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht", forderte der Parteiobmann einen Neuanfang. (www.kleinezeitung.at)
Die niederösterreichischen Freiheitlichen stellten - unter Bezug auf die neue Linie der Parteiführung - untertags gemeinsam mit Parteivize Thomas Prinzhorn klar, dass die Ausschlüsse gerechtfertigt seien. Überdies unterlägen die von der Landespartei getätigten Ausschlüsse - betroffen u.a. Ex-Landesobmann Hans-Jörg Schimanek - nicht der Kompetenz der Bundespartei. Zu Haupts Erklärung meinte Landeschef Ernest Windholz lediglich: "Ich nehme zur Kenntnis, was mein geschäftsführender Bundesparteiobmann sagt."
Ebenfalls schweigsam Grasser und Westenthaler: Der Finanzminister war in einer Sitzung, Ex-Klubchef Westenthaler sagte auf Anfrage, er wolle sich die geänderte Situation erst einmal anschauen. Auf seiner Internet-Homepage meinte Grasser offenbar noch vor der jüngsten Entwicklung, es sei "erschütternd, was sich innerhalb der FPÖ zur Zeit abspielt". Wenn die FPÖ weiterhin Regierungsverantwortung tragen wolle, dann brauche sie innere Stabilität, eine neue Führungsmannschaft sowie ein ein klares inhaltliches Programm.
Der nächste Akt im freiheitlichen Drama ist eine Sitzung der Bundesparteileitung am kommenden Sonntag, bei der die Streitigkeiten ausgeräumt werden sollen. Ein entsprechendes Tempo ist auch von Nöten, will sich doch Haupt ungeachtet der turbulenten Nachwahltage bereits am 8. Dezember in Salzburg der Wahl zum Parteichef stellen. Gegenkandidaten schloss er nicht aus. Entsprechende Gerüchte, wonach ein "Gegenputsch" im Rollen sei, waren in den letzten Tagen kursiert. (apa)
In der Kärntner FPÖ kann man seit Mittwoch hören: "Jörg Haider weiß nicht mehr, was er tut" - wobei die, die das sagen, nicht zitiert werden wollen. Schließlich drohe ihnen der Ausschluss. Nachdem Altparteichef Haider Bundesparteiobmann Haupt wegen der Parteiauschlüsse in die Parade gefahren war und plötzlich wieder auf Versöhnung machte, herrschte in der Kärntner FP-Zentrale Krisenstimmung. Eine Krisensitzung jagte die andere. Waren es doch gerade die Kärntner gewesen, die ganz massiv darauf gedrängt hatten, Haider-Kritiker und Gegner des Knittelfelder Programms zu entsorgen.
Auch in der Koalitionsfrage waren die Kärntner bisher vehement für Opposition gewesen. (Der Standard, Print-Ausgabe, 28.11.2002)
Ein Parteiausschluss ist die Konsequenz nach einem Richtungsstreit, durch Fakten belegbar. Eine Parteisäuberung hingegen ein "persönlicher Racheakt" gegen Personen, die sich nicht wohl verhalten. Diese Einschätzung trifft der Politologe Peter Pelinka. Die geplanten Rausschmisse von Funktionären in der FPÖ seien Säuberungen - "in der Zweiten Republik gibt es nichts vergleichbares. Fortsetzung des Stalinismus als Farce, ohne Hinrichtungskommando, mit dem Geruch des Lächerlichen", so Pelinka zur APA.
Vorarlbergs FPÖ-Chef Hubert Gorbach fordert Jörg Haider im Standard-Gespräch auf, sich aus der Bundespolitik zurückzuziehen.
Standard: Wie kommentieren Sie die FPÖ-Säuberungswelle?
Gorbach: Geschlossenheit ist wichtig. Das Hauptaugenmerk ist aber auf Stabilisierung der FP zu richten, nicht auf Ausschlüsse. Wir haben Wichtigeres zu tun: uns geschlossen und regierungsfähig zu zeigen. Natürlich können wir uns nicht öffentlich bekriegen. Aber in der wichtigen Stunde sind persönliche Interessen hintanzustellen. Die Ausschlüsse werden ein Wink mit dem Zaunpfahl gewesen sein.
Standard: Warum kündigt man Ausschlüsse an, wenn man sie nicht durchführt? Gorbach: Die Situation am Montag im Präsidium war ernst. Da war es wichtig zu signalisieren, es muss Schluss sein mit den öffentlichen Kritiken. Man sieht ja, wie die Rechnung ausschaut - furchtbar. Wenn man nach so einer Wahlniederlage nicht zur Tagesordnung übergeht, muss man sich zusammenreißen und geschlossen auftreten.
Standard: Die Ausschlüsse waren also nur ein Schuss vor den Bug, keine realen Ausschlüsse?
Gorbach: Ganz genau so sehe ist das. Auf keinen Fall sollten weitere Schüsse vor den Bug kommen - aber auch keine Anlässe dazu. Es soll sich jeder mit Kritik zurückhalten.
Standard: Ihre Vorarlberger FP sagt, Haider soll sich bundespolitisch zurückziehen. Wieso?
Gorbach: Weil wir Realpolitiker sind. Und weil wir wieder eine Regierungsbeteiligung anstreben. Und das wird nur möglich sein, wenn Haider keine Funktionen auf der Bundesebene einnimmt.
Standard: Mit Haider gibt es keine Regierungsbeteiligung?
Gorbach: Das ist nun einmal so, da kann man philosophieren, wie gerecht das ist - aber wenn Haider in einer Bundesfunktion ist, wird die ÖVP Schwarz-Blau intern nicht durchbringen. Haider soll den Weg frei machen.
Standard: Viele in der FPÖ wollen aber in die Opposition.
Gorbach: Wir können uns in der Regierung besser konsolidieren und profilieren. Wir haben gut gearbeitet - das zerrüttete Bild, das wir abgegeben haben, war schuld an der Wahlschlappe.
Standard: Bemühen Sie sich, Riess-Passer zurückzuholen?
Gorbach: Jeder, der es gut meint mit der FPÖ, sollte sich darum bemühen.
Standard: Könnte Karl-Heinz Grasser mitregieren?
Gorbach: Sicher. Dazu sage ich ganz pragmatisch: Wenn ich mich mit einem ÖVPler auf ein Programm einigen kann - dann kann ich das auch mit jemand, der mir ideologisch nach wie vor viel näher steht. Verzeihen gehört zu den guten Gaben des Lebens. Wiewohl ich sehr irritiert war - besonders über Grassers Auftritt mit Schüssel in einer entscheidenden Wahlkampfphase. Ob Grasser austritt, muss er selbst entscheiden. Aber wir sind in einer Phase, wo man das Gemeinsame über das Trennende stellen sollte.
Standard: Also werden die Ausschlüsse gegen Grasser und Co zurückgenommen? Gorbach: Man muss sie nicht zurücknehmen. Man kann sie auch einfach nicht exekutieren. (Der Standard, Printausgabe, 28.11.2002)
Das Hin und Her um Parteiausschlüsse der FPÖ hat nun ein prominentes FPÖ-Mitglied veranlasst, die Partei von selbst zu verlassen: Der ehemalige Nationalratsabgeordnete Georg Mautner Markhof kündigt in der "Presse" seinen Austritt an. Die FPÖ sei zu einer "irrealen Privatpartei Jörg Haiders" geworden, begründet er seinen Schritt. In den Führungsgremien seien nur noch "willenlose Vollstrecker".
Helmut Haigermoser, Peter Westenthaler und Karl-Heinz Grasser seien "verdiente FPÖler". Sie auszuschließen, sei "ein Wahnsinn und unbeschreiblicher Parteiterror". Die, die eine "eigene Meinung und ein Rückgrat haben", würden hinausgeschmissen. Hätte man den "unberechenbaren Haider" rechtzeitig ausgeschlossen, hätte man zwei Drittel der Wähler behalten, ist Mautner Markhof überzeugt.
Dass sich der Kärntner Landeshauptmann am Mittwoch nun doch wieder gegen die Parteiausschlüsse ausgesprochen hat, ändert für Mautner-Markhof nichts: "Das ist ein Affentheater, bei dem man nicht mehr mitkann." Aber eigentlich sei nicht Haider das Problem, sondern die "Ratten, die ihm hinterherlaufen". (www.derstandard.at, apa)
Als Gründe für den heutigen Schwenk der Parteispitze werden in "Format" (49/02) u.a. genannt:
"Das Duo Haupt und Haider löste mit den Säuberungswelle eine flächendeckende Rebellion von FPÖ-Spitzenfunktionären aus. Riess-treue Ortsgruppen telefonierten quer durch Österreich. Ihr Ziel. möglichst viele Unterschriften für eine Petition gegen die Ausschlüse und eine neue FPÖ ohne Haider.
Auch die EU-Abgeordneten der Parte schlossen sich auf Haupt und haider ein. Ein Brüsseler gegenüber Format:" Mit der Säuberung ist Haupt politisch tot. Er hat sich zm Scharfrichter der Wahnsinnigen gemacht."
Der durch die Säuberungskation hervorgerufene Aufstand vieler Spitzenfunktionäre zeigte bei Herbert Haupt und Jörg Haider sehr rasch Wirkung: bereits Mittwoch vormittag ließ Haupt verkünden, dass er neben den fünf vom Bundesparteivorstnad verkündeten Parteiauschlüssen keine weiteren akzeptieren werde. [Š] Nach einem langen persönlichen Gespräch mit Haider in Kärnten trat Haupt schließlich sogar den Totalrückzug an: eine Totalamnestie für die Parteirebellen, ausgeprochen nur 48 Stunden nach den gemeinsam beschlossenen Rauswürfen.
Haupt bricht seinen Kärntenaufnethalt früher als geplant ab und jettet zurück nach Wien. In seiner Aktentache: eine eineinhalb Seiten lange Erklärung, die "alle Parteiausschlußverfahren mit sofortiger Wirkung" aufhebt.
Mit dem Kniefall vor den Aufständigen versucht Herbert Haupt, den totalen Zerfall der Parei aufzuhalten - nur vier Tage vor der Parteileitungssitzung am Sonntag in Klagenfurt und elf Tage vor dem alles entscheidenden Sonderparteitag in Salzburg."

Do

28.11.

Die "Oberösterreichischen Nachrichten" über die FPÖ in OÖ unter der Überschrift "Aufstand der FP-Basis trieb das Köpferoll-Kommando zurück":
Verwirrung, Existenzängste und Zorn waren die vorherrschenden Gefühle in der Landes-FP nach der Wahl. Nach der Absage des Köpferollens bleiben die Haider-Kritiker bei ihrer Haltung.
Fragte man kurz vor und kurz nach der Wahl einen FP-Funktionär der zweiten oder dritten Ebene, welche Personen nun die die Landespartei weiter führen und welche Politik gemacht werden soll, konnte keiner wirklich Auskunft geben. Günther Steinkellner, neuer Obmann nach dem erzwungenen Rücktritt von Hans Achatz, saß und sitzt weniger fest im Sattel, als er der Öffentlichkeit glauben machen wollte. Er hat Vertraute sowohl im Achatz/Haider-Lager als auch bei Haider-Kritikern.
Letztere waren jedoch konsterniert, weil sich Steinkellner, der sich gern als Gemäßigter präsentiert, dem Köpferoll-Kommando des Bundesvorstands anschloss und die härtesten Haider-Kritiker abservierte. Die betroffenen Politiker Alois Pumberger, Bezirkskobmann in Ried, und Martin Kreßl, Parteiobmann in Gmunden, waren auf die Aktion wohl vorbereitet. Aus ihren Bezirken und aus einer Reihe anderer gabe es regelrechte Austritts- und Auflösungsdrohungen, die auch Herbert Haupt erreichten.
Die Kritiker bleiben auch bei ihrer Forderung nach einem endgültigen Abgang Jörg Haiders aus der Bundespolitik. Pumberger etwa verlangte nach der Rücknahme seines Ausschlusses eine "bindende schriftliche Vereinbarung", mit der Haupt "die Gefahr einer Rückkehr Haiders ausgeschlossen wird". Haupt müsse also zu einer Distanzierung von Haider finden.
Für Pumberger und Kreßl ist der Grund für die Kehrtwendung der Druck von der Basis. Kreßl sieht Zeichen dafür, dass sich die Vernunft durchsetzt.
Auch Steinkellner, hin und hergerissen zwischen Haider-Fans und -Kritikern fand Positives an der Rücknahme, die das Gegenteil von dem ist, was er tags zuvor als Parole ausgab, nämlich "Disziplin (im Sinne von Kritikverbot an Haider) und Härte". Haupt reiche allen die Hand für einen Neuanfang.
Der Gegenwind gegen die Säuberung der Partei von Gegnern des Bin-schon-weg-bin-wieder-da-Altobmanns war zu stark. Als Beispiel ein offener Brief der Steyregger Stadtparteileitung:
"Sollte das einfache Parteimitglied Jörg Haider weiterhin seinen Einfluss in die Bundespolitik einbringen, werden wir die FP-Stadtparteileiteung Steyregg auflösen, die Gemeinderäte werden aus der Partei austreten und die Gemeindearbeit als freie Gemeinderäte bis zum Ende der Periode weiterführen." )


Auch nach der Einstellung der Parteiausschlussverfahren durch Parteichef Herbert Haupt hält der frühere FP-Gesundheitssprecher und Rieder Bezirksobmann Alois Pumberger an seiner Kritik fest. In der "Kleinen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe) rät er dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, "nur noch Selbstgespräche" zu führen. Ex-Klubobmann Peter Westenthaler zeigt sich in der "Tiroler Tageszeitung" noch skeptisch. "Man weiß ja nicht, ob das wirklich hält und morgen noch Gültigkeit hat", meinte er.
In Richtung Haupt meint Pumberger, dass er für einen Neuaufbau zur Verfügung stehe, "aber ohne Haider". "Und Mund halten werde ich auch nicht. Man kann ja nicht alle behandeln wie Schweine oder Rindviecher, selbst wenn man Tierarzt ist", so Pumberger.
Auch Westenthaler richtete einen "eindringlichen Appell" an Haider, die Partei "endlich loszulassen". Nur so könnten die Freiheitlichen in eine unabhängige Zukunft gehen. Bei den eingestellten Ausschlussverfahren nehme er zur Kenntnis, "dass der Weg des stalinistischen Ausschlussmanifests umgekehrt worden ist. Das ist zumindest ein erster richtiger Schritt", so Westenthaler.
Ob der bereits vollzogene Ausschluss des langjährigen Nationalratsabgeordneten und RFW-Obmannes Helmut Haigermoser aus der FPÖ wieder rückgängig gemacht wird, steht noch nicht fest. "Es gibt einen gültigen Beschluss des Landesparteivorstandes", so Landesparteiobmann Karl Schnell.
Er werde der Wunsch von Bundesobmann Herbert Haupt, der am Mittwoch den Stopp aller Ausschlussverfahren verkündet hatte, in der nächsten Sitzung des Vorstandes vortragen, dann werde man sehen, ob der Beschluss geändert werde oder nicht. Die nächste Sitzung des Landesparteivorstandes finde in der kommenden Woche statt.
Helmut Haigermoser reagierte am Donnerstag in scharfer Form auf Schnells Aussagen: "Schnell ist auf Skalpjagd", so der Salzburger RFW-Obmann. "Normalerweise müsste Schnell jetzt ausgeschlossen werden", wenn man die Maßstäbe Haupts auch an den Landesparteiobmann anlegen würde, meinte Haigermoser. Schnell konterkariere das Vorgehen Haupts.
Die von Landesparteipräsidium und -vorstand der Freiheitlichen eingeleiteten Parteiausschlussverfahren gegen vier Funktionäre bleiben aufrecht. Es handle sich um Beschlüsse der Kollegialorgane, die durch das Landesparteistatut gedeckt seien, sagte Landesobmann Ernest Windholz am Donnerstag in einem Pressegespräch. Er sei zur Aufhebung "nicht bemächtigt".
Dass FPÖ-Chef Herbert Haupt am Mittwochnachmittag angekündigt hatte, alle Parteiausschlussverfahren einzustellen, gilt laut Windholz nur für die Bundesebene. Haupt habe diese "Entscheidung auf Grund einer Generalvollmacht getroffen".
Prominentestes von einem Verfahren in Niederösterreich betroffenes FPÖ-Mitglied ist Hans Jörg Schimanek. Der frühere Landesobmann und Landesrat ist nunmehr Bezirksrat in Wien-Floridsdorf. Windholz kündigte faire Verfahren für alle Betroffenen an. Er sprach sich überdies dafür aus, Diskussionen in den Gremien und nicht über die Medien zu führen. Eigene Befindlichkeiten seien hintan zu stellen.
Die Parteiausschlussverfahren in Niederösterreich "sind im Laufen", bekräftigte der Landeschef der FPÖ, Ernest Windholz. Eingeschriebene Briefe an die vier betroffenen Mitglieder seien bereits abgesandt.
Windholz unterstrich auch, dass er es nicht zulassen werde, wenn über die Medien auf Spitzenfunktionäre losgegangen werde. "Das ist untolerierbar." In der "kritischen Phase für die Landesgruppe" seien Personaldiskussionen "nur mehr in den Gremien" zu führen.
Die Forderung nach einem a.o. Landesparteitag - wie etwa von Hans Jörg Schimanek aufgestellt - bezeichnete der Landesobmann als "gutes Recht der Delegierten". Ein Drittel müsste dafür sein. In diesem Fall würde eine Parteitag stattfinden. Windholz hat nach eigenen Angaben prinzipiell "kein Problem" damit.
Die frühere steirische Nationalratsabgeordnete Theresia Zierler werde nicht steirische Landtagsklubchefin der Freiheitlichen werden, so der Steirer-FP-Obmann Leopold Schöggl am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz in Graz. Kandidaten für die Klubführung seien etwa die derzeitige geschäftsführende Klubchefin Waltraud Dietrich, der Abgeordnete Karl Wiedner oder die stellvertretende Bundesparteichefin Magda Bleckmann, wenn sie nicht ins Parlament einziehen wolle, was er aber nicht glaube. Für den früheren Klubobmann Franz Lafer wird es nun kein Parteiausschlussverfahren geben.
Für FPÖ-Chef Herbert Haupt ist die gestern verkündete Einstellung aller Parteiausschlussverfahren "unverrückbar". Zuvor hatten allerdings die Obmänner der FPÖ-Niederösterreich und Salzburg, Ernest Windholz und Karl Schnell, verkündet, dass die Ausschlussverfahren in ihren Bundesländern vorerst aufrecht bleiben würden. Dazu gab sich Haupt am Donnerstag zugeknöpft. Man diskutiere nicht mehr in der Öffentlichkeit, meinte der Sozialminister.
"Die Damen und Herren aus Salzburg und Niederösterreich werden am Sonntag Gelegenheit haben, ihre Positionen bei der Bundesparteileitungssitzung darzulegen", meinte er. Windholz werde dann seine Meinung vorbringen und er seine, so Haupt. In der Öffentlichkeit und über die Medien werde man allerdings nicht mehr diskutieren. Für ihn habe sich jedenfalls seit gestern nichts geändert. "Meine Haltung ist unverändert." (www.derstandard.at, apa)
Die Vorarlberger FPÖ überlegt eine Abspaltung von der Bundespartei. Wie Landesobmann Hubert Gorbach am Donnerstagnachmittag gegenüber dem ORF-Radio erklärte, wäre dies eine Denkvariante, wenn "sich die Bundessituation so weiterentwickeln würde".
Gorbach wörtlich: "Die organisatorische Eigenständigkeit - so weit ist es noch nicht. Aber wenn sich die Bundessituation so weiterentwickeln würde - was ich nicht annehme und meinen Beitrag leisten will, dass es nicht der Fall ist - dann wäre das natürlich auch eine Denkvariante, ähnlich wie im deutschen Modell CDU/CSU auf Basis unserer freiheitlichen Prinzipien eine eigenständige landesorientierte Politik zu betreiben. Aber das müsste der letzte Weg sein." (www.standard.at, APA)
In der FPÖ kursiert ein “Manifest 2002³, das einen Neubeginn fordert. Darin heisst es u.a.:
[*] (. . .) Wir fordern ein starkes Europa der Vaterländer und sprechen uns gegen die Zementierung der Spaltung Europas aus. Europa muß eine Wertegemeinschaft sein, die auf Demokratie, Freiheit und Toleranz basiert.
[*] Wir fordern eine Weltordnung freier selbstbestimmter Völker und sprechen uns gegen die Unterstützung menschenverachtender Diktaturen (wie jener im Irak oder in Nordkorea) aus.
[*] Wir treten für eine offene innerparteiliche Diskussion und Mitbestimmung über die Lage und den weiteren Weg der Freiheitlichen ein. Wir fordern eine Diskussion ohne Tabus und lehnen eine Diskussionsverweigerung durch das Instrument des Personenkults ab.
[*] Wir treten für einen glaubwürdigen Neubeginn der FPÖ und gegen das beharrliche Ignorieren der Motive jener Hunderttausender Wähler, die der FPÖ am 24. 11. 2002 den Rücken gekehrt haben, ein
.³ (www.diepresse.at)
Wien (APA) - Der frühere FPÖ-Klubobmann Norbert Gugerbauer soll sich beim Sonderparteitag der Freiheitlichen am 8. Dezember in Salzburg als Gegenkandidat von Herbert Haupt der Wahl zum Bundesparteiobmann stellen. Mehrere Tageszeitungen werden über dieses seit Tagen in Wien kursierende Gerücht in ihren morgigen Ausgabe berichten, wurde der APA Donnerstagnachmittag mitgeteilt. Gugerbauer selbst gab sich auf Anfrage der APA zugeknöpft: "Ich gebe seit zehn Jahren keinen Kommentar zu politischen Fragen - weder in die eine, noch in die andere Richtung."
Die Tageszeitungen berufen sich nach eigenen Angaben auf "mehrere verlässliche Quellen". Derzeit lote Gugerbauer aus, welche Teile der FPÖ ihn unterstützen würden. Er könne sich auf die früheren Spitzenfunktionäre Peter Westenthaler und Susanne Riess-Passer berufen, die in der Funktionärsschicht weiterhin einen großen Rückhalt hätte. In FPÖ-Kreisen kursiere gleichzeitig ein "Freiheitliches Manifest", in dem eine Kehrtwende der zuletzt praktizierten Politik gefordert werde. Dieses "Anti-Knittelfeld-Manifest" werde in FPÖ-Kreisen zur Unterzeichnung ausgesendet.
Nach APA-Recherchen beteiligen sich mehrere "prominente Leute" an dieser "Gegenbewegung". Neben Gugerbauer ist auch der Name des früheren Dritten Nationalratspräsident Siegfried Dillersberger gefallen.
Gugerbauer (52) war 1986 auf dem Innsbrucker Parteitag maßgeblich am Sturz der damaligen Parteiführung und an der Kür von Jörg Haider zum Parteichef beteiligt. Zum Bruch mit Haider kam es 1992: Haider kehrte nach seiner Abwahl als Kärntner Landeshauptmann nach Wien zurück und übernahm Gugerbauers Position des Klubobmanns. Gugerbauer zog sich daraufhin zurück und verließ die politische Bühne. (Tiroler Tageszeitung online)
In der FPÖ spitzt sich die Lage immer mehr zu. Am 8. Dezember ist ein Sonderparteitag angesetzt, auf dem ein großer Showdown stattfinden könnte. Jörg Haider steht hinter dem Kärntner Herbert Haupt, der derzeit die FPÖ interimistisch führt und am Parteitag zum Obmann gewählt werden will.
Sein Gegenkandidat soll Ex-Klubchef Norbert Gugerbauer werden, der hinter sich die Anhänger von Susanne Riess-Passer vereint. Gugerbauer gab dazu gestern “keinen Kommentar³ ab. Intern ist er weniger wortkarg – seit Tagen lotet Gugerbauer Mehrheitsverhältnisse am Parteitag aus. Unterstützung kommt von Granden aus früheren Tagen wie Ex-Obmann Friedrich Peter (82) und Ex-Nationalratspräsident Siegfried Dillersberger.
Ziel der Bewegung gegen Haider ist eine Neuauflage der schwarzblauen Koalition mit Riess-Passer als Vizekanzlerin. Um ein berechenbarer Regierungspartner zu werden, bedarf es einer FPÖ-Führung, die das Vertrauen Riess-Passers hat. Das ist ihre Grundbedingung, um weiter zu machen. Riess-Passer kehrt heute von ihrem China-Besuch zurück.
Fraglich ist, ob Gugerbauer am Parteitag eine Mehrheit bekäme. Die Ausschlussorgie hat dem Anti-Haider-Lager in der FPÖ Auftrieb gegeben. Haupt hat zwar die Notbremse gezogen und die Ausschlussverfahren gegen fünf FP-Politiker gestoppt, aber die Niederösterreicher und Salzburger kümmert das wenig. In NÖ laufen Verfahren gegen vier Funktionäre, in Salzburg gegen Ex-Mandatar Helmut Haigermoser. Wegen dieser Vorgänge geht das Rumoren an der Basis weiter. Es gibt Austrittswellen, Vorarlbergs FP-Chef Gorbach denkt gar an die Abspaltung seiner Landesgruppe nach dem CDU/CSU-Modell.
Die Haider-Fans müssen einen Dämpfer hinnehmen. Eine Plattform für dessen Rückkehr an die FPÖ-Spitze wurde eingestampft, weil Haider nicht will. Jetzt schlagen sie sich auf die Seite Haupts, weil sie hoffen, so den Durchmarsch Gugerbauers verhindern zu können. Ob ihnen das gelingt, ist offen. Nach der Papierform sind die meisten Parteitagsdelegierten “Knittelfeld³-Sympathisanten. Nachdem die “Knittelfeld³-FPÖ am letzten Sonntag ihr Desaster erlebt hat, schwindet jedoch das Zutrauen zu Haider als Stimmenbringer. (www.kurier.at)
Ex-FP-Landeschef und Landesrat Hans Jörg Schimanek erklärt in der "Presse" seine Bereitschaft, wieder Landesparteichef zu werden. "Ich stehe zur Verfügung", er sei "selbstverständlich bereit", bei einem Sonderparteitag gegen den amtierenden Landeschef Ernest Windholz anzutreten. Schimanek betont, dass er sich "nicht gegen den Bund stellen" werde.
Derzeit werden in NÖ Unterschriften für die Einberufung eines Sonderparteitages gesammelt, hinter der Aktion stehen laut "Presse" Schimanek und Noch-Abg. Robert Wenitsch. Die "FP-Rebellen" würden davon ausgehen, dass 60 Prozent der Delegierten unterschreiben. Für die Einberufung eines Parteitages sind die Unterschriften von einem Drittel der rund 400 Delegierten nötig. (www.derstandard.at)
Brüssel - "Haupt hat meine Unterstützung", erklärte der Kurzzeit-FPÖ-Obmann Verkehrsminister Mathias Reichhold am Donnerstag Abend in Brüssel am Rande des Verkehrsgipfels vor Journalisten. Schließlich habe er, Reichhold, Haupt als neuen FPÖ-Obmann vorgeschlagen. Haupt habe "die Kraft und den Durchsetzungswillen, um die FPÖ wieder in die Regierung zu bringen".
Reichhold ließ keinen Zweifel daran, dass er die abermalige Regierungsbeteiligung der FPÖ wünsche. Es wäre "wichtig für Österreich, wenn die FPÖ als Reformkraft weiter arbeiten könnte", sagte er. Er sei auch im "täglichen" Kontakt mit Haupt, um diesen über Entwicklungen in seinem Ressort zu informieren.
Insgesamt werde sich in der FPÖ "die Vernunft durchsetzen", glaubt Reichhold. Das Umdenken zeige sich auch darin, dass die Ausschlussverfahren rückgängig gemacht wurden. Auf die Frage, ob er dies Haupt empfohlen habe, sagte Reichhold lediglich "kein Kommentar". (www.derstandard.at, apa)
Die Kärntner FPÖ hat mit der ÖVP das Landesbudget vereinbart. Damit ist die Möglichkeit vorbei, Landeshauptmann Jörg Haider aufgrund eines geplatzten Budgets zum Rücktritt zu zwingen. Für die "normale" Abwahl des Landeschefs beziehungsweise den Neuwahlbeschluss verfügen SP und VP nicht über die nötige Zweidrittelmehrheit.
Innerhalb der FPÖ wünschen sich viele Haider an die Spitze zurück. Für ihn werde derzeit eine Position gesucht, "wo er sich einbringen kann", sagt ein Parteifunktionär, der anonym bleiben will. Mögliches Szenario: Haider wird Parteichef, Herbert Haupt geschäftsführender Obmann. An eine "Gegen-FPÖ" - etwa mit dem früheren Klubobmann und jetzigen Anwalt Norbert Gugerbauer an der Spitze - glaubt man in der Gruppe um Haider nicht. Eine Wiederholung einer "liberalen Abspaltung" werde kaum möglich sein, da im Parlament hauptsächlich "Knittelfelder" positioniert worden seien. Dass die FPÖ demnächst "wilde Abgeordnete" haben könnte, ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil die konstituierende Parlamentssitzung nach dem Parteitag stattfindet. Die FPÖ würde den Einzug Abtrünniger verhindern.
Gugerbauer zur Tiroler Tageszeitung: Er stehe als Obmann nicht zur Verfügung, arbeite aber an einer "Teamlösung", in der auch Susanne Riess-Passer und Peter Westenthaler vertreten sein sollen.
Die ÖVP wünscht sich ganz unverhohlen eine FPÖ mit neuer Spitze. Der steirische ÖVP-Landesrat Gerhard Hirschmann zum Standard: "Es läuft auf eine Spaltung hinaus, und natürlich wäre eine Partei unter Gugerbauer und Dillersberger eine andere FPÖ. Die Dumpfbacken rund um Haider verstellen ihm ja den Blick auf die Realität." Er sei "fassungslos", was sich derzeit in der FPÖ abspiele. Hirschmann: "Das erinnert mich an alte Russland-Zeiten, wo Sprechpuppen aufgetreten sind. Mit diesen Knittelfeldern macht sicher zwischen Bregenz und dem Neusiedlersee niemand eine Koalition."
Dennoch ringt die FPÖ mit der Frage: Regieren oder Opposition? Die Pro-Regierungs-Fraktion fürchtet, dass ÖVP und SPÖ ein Mehrheitswahlrecht einführen könnten, das die FPÖ auf Jahre von der Macht fern halten würde. (Martina Salomon/Walter Müller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.11.2002)

Fr

29.11.

WIEN. Norbert Gugerbauer gegen Herbert Haupt: Der Zweikampf um den Parteivorsitz soll nach dem Willen maßgeblicher Funktionäre einer neuen Teamlösung weichen: Ex-Klubobmann Gugerbauer mit Sozialminister Haupt und Verteidigungsminister Herbert Scheibner - und mit Einbindung von Ex-Parteichefin Susanne Riess-Passer. Am Freitag traf Gugerbauer Riess-Passer. Allerdings, so heißt es, soll er die noch amtierende Vizekanzlerin nicht von einer Rückkehr in die FP-Politik überzeugt haben.
Gugerbauer bestätigte am Freitag gegenüber der "Presse" seine Bemühungen um eine Erneuerung der FPÖ: "Richtig ist, daß ich mich irgendeinem persönlichen Beitrag nicht verschließen werde." Einen Sprung an die Parteispitze stellt er allerdings entschieden in Abrede.
Damit widerspricht Gugerbauer maßgeblichen FP-Funktionären, denen der Rechtsanwalt und gebürtige Oberösterreicher eine Kandidatur für den Parteivorsitz zugesagt haben soll. Gugerbauer soll erst dann offiziell sein Antreten bekanntgeben, wenn genügend Unterstützungserklärungen für seine Gegenkandidatur gesammelt sind. Aber auch die Gugenbauer-Anhänger favorisieren seit Freitag eine Teamlösung.
Freitag verdichteten sich neuerlich die Hinweise, daß Jörg Haider nun doch seine Rücktrittsankündigung als Kärntner Landeshauptmann wahr machen wird. "Deshalb war er am Vormittag bei Bundespräsident Thomas Klestil", sagte ein hoher Parteifunktionär aus dem Haider-Lager. Ein anderer betonte: "Haiders Karriere in der Partei ist endgültig aus. Schön langsam merkt er das sogar schon selbst." (www.diepresse.at)


Wien/Bregenz - Der Vorarlberger FPÖ-Landesobmann Hubert Gorbach, der gestern mit der Abspaltung seiner Landesorganisation gedroht hat, setzt jetzt auf Stabilisierung und Beruhigung der Lage. Am Freitagnachmittag erklärte Gorbach, er habe das "Freiheitliche Manifest" der "Anti-Knittelfelder" nicht unterschrieben: "Inhaltlich ist das ok. Ich habe kein Problem damit. Aber mit Manifesten und Resolutionen wird die Situation nur angeheizt. Wir müssen die Partei beruhigen und stabilisieren."
Gorbach hofft, dass es Herbert Haupt gelingen wird, die FPÖ bis zum Parteitag am 8. Dezember zu einigen. Einen Gegenkandidat bei der Wahl des Bundesparteiobmanns hält Gorbach für "kein Malheur in der Demokratie. Auch hat das der FPÖ schon einmal sehr gut getan, nämlich am 13. September 1986" (Ablöse von Norbert Steger an der Parteispitze durch Jörg Haider in einer Kampfabstimmung, Anm.).
Offen ist noch, ob Gorbach am kommenden Sonntag nach Klagenfurt zum erweiterten Bundesparteivorstand reisen wird. Er wolle zuvor noch mit Haupt ein Gespräch darüber führen, was das Ziel dieser Parteiveranstaltung sein soll. (www.derstandard.at, APA)
Laut Gorbach gebe derzeit mehrere Varianten für die Führungsebene, allerdings solle man diese nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. "Es muß Gespräche im inneren Kreis geben", sagt Gorbach zur "Presse". Ein Gegenkandidat beim Parteitag wäre "kein Malheur", allerdings, so der Vorarlberger FP-Chef: "Es wäre absolut besser, nur einen Kandidaten zu haben. Ich bin ein Freund gut vorbereiteter Parteitage, das ist auch ein Signal nach außen." Kein Verständnis hat Gorbach für eine Attacke der freiheitlichen Wirtschaftstreibenden gegen Haupt. Diese sollten sich besser Konzepte zum Wirtschaftsstandort Österreich überlegen.(www.diepresse.at)
Haupt zu den Vorgängen in seiner Partei: "Ich habe in aller Klarheit gesagt, dass ich am Parteitag in Salzburg kandidieren werde. Notfalls auch gegen einen Gegenkandidaten. Das ist für eine Partei keine Schande, sondern eine Chance." Die Bundesparteileitung ist nach dem Parteitag das höchste Gremium innerhalb der FPÖ. Zum Unterschied zum Parteitag hat die Parteileitung jedoch keine Beschlusskraft. (www.apa.at)
Nach einer rund achtstündigen Sitzung der Tiroler Gremien meinte Haupt knapp: Die Zeiten, in denen die Freiheitlichen "ein Nudelsieb waren und jeder Auskunft gegeben hat", seien nun endgültig vorbei. Dafür erhält der geschäftsführende Obmann nun wieder Unterstützung von den Tiroler FP-lern, die traditionell dem Lager von Ex-Obfrau Susanne Riess-Passer angehören und nicht jenem Haiders: "Wir stehen hinter Bundesparteivorsitzendem Herbert Haupt", tönte Landeschef Willi Tilg, vor wenigen Tagen selbst noch als Ausschlusskandidat gehandelt. Haupts Programm sei "hervorragend".
St. Pölten/Klagenfurt/Ried - Die Haider-Gegner in der FPÖ lassen nicht locker. Die freiheitlichen Bezirksparteileitung von Ried hat in einer Resolution beschlossen, den Bundesvorstand aufzufordern, "alles zu unternehmen, dass Landeshauptmann Jörg Haider keinerlei Funktion mehr auf Bundesebene einnimmt". Weiters wird Parteichef Herbert Haupt ersucht, am Bundesparteitag in Salzburg "einer personellen Erneuerung positiv gegenüberzustehen". Bei der Sitzung sei auch Generalsekretär Karl Schweitzer zur Unterstützung anwesend gewesen, erklärte Bezirksparteiobmann Alois Pumberger auf Anfrage der APA. Ebenfalls der Besprechung beigewohnt habe Landesparteichef Günther Steinkellner, der damit "erstmals Mut gezeigt hat".
Pumberger, vor wenigen Tagen noch vom Ausschluss bedroht, will zumindest zu Haupt noch nicht alle Brücken abbrechen. Dieser könne im Rahmen eines Teams durchaus an der Parteispitze bleiben. Dann müsse er sich aber "vollkommen" von Haider in der Bundespolitik trennen. Tue er dies nicht, werde Haupt zwar in Salzburg vielleicht gewählt, habe aber in Wahrheit keiner Chance mehr. Wenn Haupt ein starker Obmann sein wolle, müsse er eine eigene Linie finden: "Wenn er das nicht schafft, geht er abwärts".
Auch von anderen führenden Parteifunktionären müsste sich Haupt nach Ansicht der Rieder Freiheitlichen trennen. Konkret nennt er Parteivize Thomas Prinzhorn, Volksanwalt Ewald Stadler ("einer der Haupthusser"), den oberösterreichischen Ex-Landeschef und Landesrat Hans Achatz sowie die Landesparteiobmänner Karl Schnell (Salzburg) und Ernest Windholz (Niederösterreich). Benötigt würden jetzt Personen, die von der Vergangenheit unbelastet sind.
Zu der für Sonntag von Haupt in Klagenfurt anberaumten Gremien-Sitzung ist Pumberger übrigens nicht eingeladen. Damit könne es sich um keine Bundesparteileitung handeln, erklärte der Rieder Obmann. Denn in diesem Gremium sei er im Gegensatz zum Bundesvorstand vertreten.
Gewaltig zu gären scheint es in der niederösterreichischen Landesgruppe der FPÖ. Noch-Abg. Robert Wenitsch bestätigte am Freitag auf Anfrage der APA, dass am Vortag mit dem Sammeln von Unterschriften für die Einberufung eines Sonderparteitages begonnen worden sei. Ein Drittel der etwa 420 Delegierten, also rund 140, müssten dafür unterzeichnen. Dann wäre binnen vier Wochen ein a.o. Landesparteitag abzuhalten. In der Kritik von Wenitsch und seiner Mitstreiter steht die Landesführung der FP-NÖ. Diese würde "über die Köpfe der Funktionäre hinweg" entscheiden.
Im Bezirk Gänserndorf, wo Wenitsch FPÖ-Obmann ist, haben nach seinen Angaben bereits alle 22 Delegierten unterzeichnet. Auch aus anderen Landesteilen gebe es schon Unterschriften. "Innerhalb von acht Tagen", so der scheidende Mandatar, soll die entsprechende Zahl für die Abhaltung eines a.o. Landesparteitages beisammen sein. Der Landwirt gab sich am Freitag optimistisch, dass dies der Fall sein werde.

Innerhalb der Kärntner FPÖ kommt es derzeit zu organisatorischen und personellen Änderungen. "Der Wechsel des Landesgeschäftsführers wird nicht die einzige Maßnahme bleiben", sagte Landesparteiobmann Martin Strutz im Gespräch mit der APA. Er schloss am Freitag selbst personelle Konsequenzen im Landtagsklub nicht aus.
"Wir müssen uns in kürzester Zeit reorganisieren", sagte Strutz. Dies gelte auch für den Landtagsklub. Wen es von den 16 Abgeordneten treffen wird, wollte Strutz nicht sagen. Er müsse damit zuerst in die Gremien gehen. Aber der Parteichef verwies darauf, dass "im Wahlkampf nicht alle letzten Einsatz gezeigt" hätten.
"Der Partei ist es viele Jahre gut gegangen", erklärte Strutz. Sie habe nie Probleme gehabt. Mit dem auch in Kärnten desaströsen Abschneiden bei der Nationalratswahl am vergangenen Sonntag sei man vor eine "völlig neue Situation" gestellt. Strutz: "Mit einer Krisensituation aber können viele nicht umgehen, weil es eine solche bisher nicht gegeben hat."
Zu einer möglichen Koalition auf Bundesebene meinte der Kärntner FPÖ-Chef: "Wir dürfen uns nicht aufdrängen, denn der Ball liegt bei der ÖVP." Es gelte aber genau abzuwägen, "was für uns gut ist". Persönlich sei er für eine Fortsetzung des Reformkurses, sagte Strutz und fügte hinzu: "Die FPÖ würde sicher von einer Regierungsbeteiligung profitieren."
Angesprochen auf die Turbulenzen der vergangenen Monate, meinte der Kärntner Parteiobmann: "Es hat in erster Linie an der Kommunikation gemangelt. Riess-Passer hat die Länder nicht ernst genommen."
Nach einer Austrittswelle bei den Tiroler FPÖ-Mitgliedern und dem Ergebnis der Nationalratswahl setzt Landesparteichef Willi Tilg auf eine Neuformierung der Partei auf Landes-und Bundesebene. Ziel sei eine Geschlossenheit der FPÖ, sagte Tilg am Freitag in einer Pressekonferenz in Innsbruck.(www.derstandard.at, APA)
Klagenfurt - Die Bundesparteileitung der FPÖ trifft am Sonntag in Klagenfurt zu einer Sitzung zusammen. Die Lokalität und der Zeitpunkt werden geheim gehalten. Es wurde nur so viel bekannt, dass rund 200 Personen an der Sitzung teilnehmen werden. Dazu gehören neben dem Bundesparteivorstand auch Regierungsmitglieder in den Ländern sowie Funktionäre der kommunalen Ebene. Dem Vernehmen nach wird der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider ebenfalls dabei sein.
Die Wahl der Kärntner Landeshauptstadt als Sitzungsort habe "keine Symbolik", wurde betont. Bestritten wird auch, dass die Parteileitung als Vorbereitung für den außerordentlichen Bundesparteitag gilt, welcher eine Woche später in Salzburg stattfindet. "Es sind eine Information und eine offene Diskussion vorgesehen", sagte ein Mitglied der Bundesparteileitung gegenüber der APA.
Die Bundesparteileitung ist nach dem Parteitag das höchste Gremium innerhalb der FPÖ. Zum Unterschied zum Parteitag hat die Parteileitung jedoch keine Beschlusskraft. Am Donnerstag hatte das Büro von Obmann Herbert Haupt der APA noch mitgeteilt, dass in Klagenfurt keine Bundesparteileitung stattfinde sondern ein Erweiterter Bundesvorstand.(www.derstandard.at, APA)
Justizminister Dieter Böhmdorfer spricht sich gegen eine Kampfabstimmung um den Parteivorsitz bei der FPÖ aus: "Jede Gegenkandidatur wäre eine Belastung für Herbert Haupt". Jetzt brauche man Einigkeit und Geschlossenheit, und diese vermittle Haupt, so Böhmdorfer im "Standard" (Samstags-Ausgabe). Zuletzt war ja spekuliert worden, dass sich auf Wunsch der "Anti-Knittelfelder" ein Gegenkandidat zu Haupt beim Parteitag am 8. Dezember findet. Als mögliche Kompromissvariante wurde gegenüber der APA Verteidigungsminister Herbert Scheibner genannt.
Auch dieser spricht sich klar gegen eine Kampfabstimmung aus. Scheibner, der sich von Mittwoch bis Freitag zu einem Besuch in Pakistan und Afghanistan aufhielt, erklärte auf dem Rückflug von Kabul nach Wien gegenüber der APA, er kenne und schätze Norbert Gugerbauer, "der mein erster Klubobmann war", so wie er auch den gegenwärtigen Parteichef Herbert Haupt schätze.
Die FPÖ, so Scheibner, wäre aber besser beraten, sich noch im Vorfeld des Parteitags zu konsolidieren, anstatt eine weitere "Zerreißprobe" in Form einer Kampfabstimmung zwischen Haupt und Gugerbauer zu riskieren. Scheibner, der in der Gerüchteküche als einer der Unterstützer der Anti-Knittelfelder rund um Gugerbauer gehandelt wurde, erklärte, definitiv nicht darin involviert zu sein. (www.news.at)
Bregenz - Der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW) Vorarlberg hat sich am Freitag zur Forderung des Bundes-RFW nach einem personellen Neubeginn in der FPÖ ohne Herbert Haupt und Jörg Haider bekannt. RFW-Landesobmann Fritz Amann kritisierte im ORF Radio Vorarlberg im Zusammenhang mit den Parteiausschlussverfahren an Haupt eine Form von "Führungslosigkeit, wie wir sie in unseren Unternehmen sofort abstellen würden".
Der RFW sei ein auch für Nicht-FPÖ-Mitglieder offener "selbstständiger Verein" mit anderer Meinungsfindung als Parteiorganisationen, erinnerte Amann, der als FPÖ-Mandatar die Funktion eines Landtags-Vizepräsidenten ausübt. Für einen personellen Neubeginn an der Spitze der FPÖ gibt es laut Amann "genügend Ressourcen". Allerdings komme der 8. Dezember zu früh für einen Sonderparteitag, sprach sich Amann für eine Verschiebung des Termins aus. Der ehemalige Klubobmann Norbert Gugerbauer wäre eine von mehreren Möglichkeiten für einen neuen Parteiobmann, falls er sich überhaupt der Wahl stellt, meinte Amann.
Unabhängig davon sprach sich am Freitag der Vorarlberger Wirtschaftskammer-Vizepräsident Roman Zech (F) "im Sinne der heimischen Wirtschaft entschieden für eine Fortsetzung der bürgerlichen Regierung" von ÖVP und FPÖ aus - "und zwar so schnell wie möglich". Schwarz-Blau habe gute Arbeit für das Land geleistet, nur "wirtschaftspolitische Geisterfahrer" könnten für Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün sein. (www.derstandard.at, APA)
Die ehemalige FPÖ-Chefin und Noch-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer hat ein Comeback bei den Freiheitlichen "hundertprozentig" ausgeschlossen. Sie werde keine Partei- oder Regierungsfunktion mehr übernehmen, sagte sie in der ZiB-1. Sie sei aber nach wie vor "mit dem Herzen mit der Partei verbunden". Sie habe die FPÖ zwei Jahre geführt und ihre Entscheidung zum Rückzug aus der Politik "nicht leichtfertig" getroffen, so die Vizekanzlerin im ORF-Interview.
Einen FPÖ-Obmann Norbert Gugerbauer kann sich Riess-Passer offenbar vorstellen. Gugerbauer sei ein "politischer Vollprofi", der vor seinem Ausscheiden aus der Politik sehr erfolgreich und über die Parteigrenzen hinweg anerkannt gewesen sei, so Riess-Passer.
Grundsätzlich sei jemand, der "unbelastet" sei, am besten für den Posten des Parteichefs geeignet. Für sie komme eine Rückkehr an die Parteispitze zu 100 Prozent nicht in Frage. Sie habe die FPÖ zwei Jahre geführt und ihre Entscheidung zum Rückzug aus der Politik "nicht leichtfertig" getroffen. Auch Gugerbauer könne sie zu einer Rückkehr nicht überreden. Riess-Passer betonte, dass sie für keinerlei Funktionen, auch nicht für ein Regierungsamt zur Verfügung stehe. Sie sei aber nach wie vor "mit dem Herzen mit der Partei verbunden".
In Richtung des Kärntner Landeshauptmannes ließ sie ausrichten, dass all diejenigen, die die Partei geschädigt hätten, auch die Konsequenzen ziehen sollten. Sie sprach sich aber gegen "öffentliche Abrechnungen" aus.(www.news.at)
Verteidigungsminister Herbert Scheibner bezeichnete unterdessen Gerüchte, wonach er Obmann werden wolle, als "Unsinn". Er habe sich mit dieser Frage noch nicht auseinander gesetzt. Worum es ihm jetzt gehe, sei eine gemeinsame Lösung zu finden.(www.orf.at)
Freitag verdichteten sich neuerlich die Hinweise, daß Jörg Haider nun doch seine Rücktrittsankündigung als Kärntner Landeshauptmann wahr machen wird. "Deshalb war er am Vormittag bei Bundespräsident Thomas Klestil", sagte ein hoher Parteifunktionär aus dem Haider-Lager. Ein anderer betonte: "Haiders Karriere in der Partei ist endgültig aus. Schön langsam merkt er das sogar schon selbst." (www.diepresse.at)

Sa

30.11.

In der FPÖ wird weiter um eine Neuausrichtung der Partei gestritten. Dabei spitztt sich alles auf den Sonderparteitag am 8. Dezember zu, auf dem ein neuer Parteichef gewählt werden soll. Die ehemalige FPÖ-Chefin Riess-Passer hat sich neuerlich für Ex-Klubobmann Gugerbauer als freiheitlichen Parteichef ausgesprochen. Dieser sei ein politischer Vollprofi, der die "Chance auf einen Neubeginn" der FPÖ darstellen würde. Aber das müsse der Parteitag entscheiden. Gugerbauer wäre "natürlich" mehrheitsfähig. Für Gugerbauer spreche, dass er in die Auseinandersetzungen der letzten Wochen nicht verwickelt war und keine "Verletzungen davongetragen hat". Auch Verteidigungs-minister Scheibner käme "durchaus in Frage". Die eigene Rückkehr in die Politik schließt sie "hundertprozentig" aus.
Riess-Passer betonte Samstag im ORF-Radio, sie trete "absolut" für eine weitere Regierungsbeteiligung der FPÖ ein. Kritik kam am Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider. Eine "Partei, die von wechselnden Voraussetzungen je nach Stimmungslage einzelner abhängig ist, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein". Jetzt sei eine Neuausrichtung notwendig, "sonst bleibt nix mehr übrig von der FPÖ".
Und Haider müsse begreifen, dass die FPÖ keine One-Man-Show sei. "Eine Partei muss mehr sein als ein Fanklub", sagte Riess-Passer. Das "dritte Lager" habe in Österreich eine lange demokratische Tradition. "Das kann nicht nur an Einzelpersonen aufgehängt werden."
Jeder müsse in seinem Bereich Verantwortung übernehmen und endlich auf eigenen Füßen stehen, so die Ex-FPÖ-Chefin. Die Partei habe sich lange Zeit darauf verlassen, dass Haider im Wahlkampf zu Hilfe kommt, nach dem Motto "er gewinnt uns die Wahl und dann geht es wieder."
Andererseits müsse Jörg Haider erkennen, dass sich nicht die gesamte Partei nach seinen Bedürfnissen täglich neu ausrichten kann. Riess-Passer rief dazu auf, einer neuen Mannschaft eine Chance geben.
Jeder Parteiobmann tue sich schwer, wenn in Gremien gefasste Beschlüsse nachher öffentlich umgedreht werden. "So ist es mir gegangen, so ist es Mathias Reichhold gegangen, so geht es zum Teil auch Herbert Haupt."
Was die Freundschaft mit Jörg Haider betrifft, zeigt sich Riess-Passer enttäuscht. "Es gibt Freundschaften, Beziehungen, Partnerschaften, die auseinander gehen". Sie wolle versuchen, "das mit Anstand zu machen, damit man sich die guten Zeiten in Erinnerung halten kann."
Scharfe Kritik übte Riess-Passer an den Ausschlüssen bzw. Ausschlussverfahren, die dann wieder zurückgenommen wurden. "Wenn es dazu kommt, dass Leute, die in dieser Partei jahrelang ehrlich und aufrichtig ihre Arbeit geleistet haben, in einer Säuberungsaktion entfernt werden, wäre das nicht mehr meine Partei. Da würde ich entsprechende Konsequenzen ziehen", so Riess-Passer auf die Frage nach einem möglichen Parteiaustritt.
Zum Sonderparteitag in acht Tagen in Salzburg sei sie nicht eingeladen. "Ich bin nicht Delegierte am Parteitag. Und ich möchte auch nicht ein einfaches Parteimitglied sein, das dauernd dreinredet", meinte sie unter Anspielung auf Haider. (www.orf.at)
WIEN. Norbert Gugerbauer gegen Herbert Haupt: Der Zweikampf um den Parteivorsitz soll nach dem Willen maßgeblicher Funktionäre einer neuen Teamlösung weichen: Ex-Klubobmann Gugerbauer mit Sozialminister Haupt und Verteidigungsminister Herbert Scheibner - und mit Einbindung von Ex-Parteichefin Susanne Riess-Passer. Am Freitag traf Gugerbauer Riess-Passer. Allerdings, so heißt es, soll er die noch amtierende Vizekanzlerin nicht von einer Rückkehr in die FP-Politik überzeugt haben.
Gugerbauer bestätigte am Freitag gegenüber der "Presse" seine Bemühungen um eine Erneuerung der FPÖ: "Richtig ist, daß ich mich irgendeinem persönlichen Beitrag nicht verschließen werde." Einen Sprung an die Parteispitze stellt er allerdings entschieden in Abrede.
Damit widerspricht Gugerbauer maßgeblichen FP-Funktionären, denen der Rechtsanwalt und gebürtige Oberösterreicher eine Kandidatur für den Parteivorsitz zugesagt haben soll. Gugerbauer soll erst dann offiziell sein Antreten bekanntgeben, wenn genügend Unterstützungserklärungen für seine Gegenkandidatur gesammelt sind. Aber auch die Gugenbauer-Anhänger favorisieren seit Freitag eine Teamlösung.
Für die Klärung der Fronten ist nur mehr wenige Tage Zeit. Für heute, Samstag, ist ein Treffen jener angesagt, die Norbert Gugerbauer auch ganz offen unterstützen. Am Sonntag findet in Klagenfurt eine erweiterte FP-Bundesparteileitung statt. Und eine Woche später, am 8. Dezember, fällt dann am Sonderparteitag in Salzburg die definitive Entscheidung.

Der Volksanwalt und frühere Knittelfeld-Akteur Ewald Stadler hat für den Vorarlberger Weg der FPÖ nichts übrig. Die Rücktrittsaufforderungen Richtung Haider und Haupt seien "unnötig wie ein Kropf. Hier macht sich ein siebter Zwerg hinter dem siebten Berg wichtig", so Stadler. Die Parteiausschlüsse, die die Landesgruppe Niederösterreich vorgenommen hat, seien hingegen sachlich erwogen worden. "Wir sind ja kein Narrenklub, wo jeder sich quasi für eine andere Partei betätigen kann und sich dann über den Ausschluss aus der FPÖ wundert." Man habe sich so verhalten, wie Recht und Ordnung das verlangen.
Haider kann sich mittlerweile vorstellen, mit der ÖVP wieder eine Regierung zu bilden, auch mit einem Karl-Heinz Grasser. "Ich sehe das anders", so Stadler, "jemand, der Verrat an der Partei führt, kann nicht auch noch dafür belohnt werden."
Die FPÖ wird sich wieder auf ihr Grundwerte besinnen und erfolgreich sein, so Stadler. Es sei extrem unfair, Herbert Haupt, also jenem Mann, der den Wahlkampf getragen hat, mit so unnötigen Wortmeldungen in den Rücken zu fallen. Das sollten sich all jene vor Augen halten, die bisher wenig in der Politik zustande gebracht haben
Verdienst von Haider wird vergessen
Die Meinung vieler, dass es mit Haider in der FPÖ keinen Neuanfang geben könne, stößt bei Stadler auf Ablehnung. Das seien alles Leute, die vergessen haben, wie wichtig Haider für die FPÖ war, schließlich habe er aus einer Kleinpartei eine 27%-Partei gemacht.
"Manche, die sich heute wichtig machen, wären nie in politische Funktionen gekommen, deren Name wäre nicht einmal in einem kleinen Dorf bekannt, wenn nicht Haider ihnen die Mandate verschafft hätte." Die Gefahr, dass Landesparteiobmann Hubert Gorbach und Landtagsvizepräsident Fritz Amann durch ihre Aussagen nun in die Mühlen der Parteijustiz geraten, sei nicht gegeben, so Stadler, "so wichtig sind beide nicht". Fritz Amann sei nun wohl das Sprachrohr von Gorbach, aber das rege hinter dem Arlberg niemanden mehr auf. (www.orf.at)


Wien - FPÖ-Vizeparteiobmann Thomas Prinzhorn schließt eine Spaltung seiner Partei nicht aus. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil" (Montagsausgabe) sagte Prinzhorn: "Es gibt diese Gefahr." Prinzhorn sieht in der derzeitigen Situation der Partei aber auch eine Chance, dass sich die Partei hinter jener Führung sammelt, die beim Parteitag "mehr Stimmen und mehr Glaubwürdigkeit hat", meldet "profil" am Samstag im Voraus.
Der Zweite Nationalratspräsident identifiziert sich uneingeschränkt mit Herbert Haupts Kandidatur am Parteitag. Prinzhorn: "Er hat meine volle Unterstützung." Dennoch hat Prinzhorn nichts gegen Gegenkandidaten. Der FP-Parteivize in "profil": "Ich bin immer für einen Wettbewerb der Ideen und der Personen. Wir Freiheitliche waren stets für dieses Prinzip." (www.derstandard.at, APA)
Wenn am Sonntag in Klagenfurt der erweiterte Bundesparteivorstand der FPÖ im Beisein Jörg Haiders tagt, könnte eine Vorentscheidung über den künftigen Parteichef fallen: Herbert Haupt, ein Haider-Intimus, soll gute Karten dafür haben, beim Parteitag am 8. Dezember gewählt zu werden.
Während unter den “Knittelfelder³ Haider-Treuen Ratlosigkeit herrschte, wurde im Anti-Haider-Lager den ganzen Samstag über beraten. Fazit: Eine Kampfabstimmung und die Aufstellung eines Gegenkandidaten solle verhindert werden. Dies würde die FPÖ nur noch mehr schwächen.
Dazu müsse Haupt aber Forderungen erfüllen: In den Landesgruppen Salzburg, Niederösterreich und Steiermark müssten laufende Parteiausschlussverfahren gestoppt werden. Die jetzigen FPÖ-Vize Magda Bleckmann und Thomas Prinzhorn müssten von der Spitze weichen. Wichtigste Voraussetzung sei aber, dass sich Haupt gegen Jörg Haider deklariert: Haider müsse sich mit seiner Funktion als Landeshauptmann begnügen, dürfe bundespolitisch nichts mehr zu sagen haben und müsse aus dem Vorstand ausscheiden.
Um dies abzusichern, müsse Haiders Zurückhaltung “schriftlich fixiert³ werden. In diesem Sinn sei der “heutige Sonntag der Prüfstein für Haupt. Setzt er sich durch, kann er mit einer gediegenen Mehrheit am Parteitag rechen³, hieß es.
Haupt erklärte gestern dem Kurier, dass Jörg Haider als Landeschef “Mitglied aller Gremien³ auf Bundesebene sei, weshalb man ihn nicht ausschließen könne. Eine solche Trennung würde auch “rechtsstaatlichen und freiheitlichen Prinzipien³ widersprechen. Zudem habe der Landeshauptmann gegenüber dem Bund die Länderinteressen zu vertreten. Zu seinem Bestreben, erklärte Haupt, er wolle die Partei auf “eine Linie einschwören, damit sie wieder ein geschlossenes Bild ergibt³. (www.kurier.at)


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