C
LASSIFIED / SATIRICAL CONTENT [parody] copied from source: e-mail (anonymous) EINE SATIRISCHE ERGÄNZUNG ZUR SEKTENBROSCHÜRE DES BUNDESMINISTERIUMS FÜR SOZIALE SICHERHEIT + GENERATIONEN (Originaltext: hier klicken) Wer sich angesprochen fühlen kann
Verfolgt man Diskussionen über die österreichische Regierung, dann hört man oft Aussprüche wie: »Darauf würde ich nie reinfallen« oder »Mir kann ohnehin nicht passieren,
dass ich die wiederwähle.« Weit verbreitet ist zudem die Ansicht, dass nur »schwache« oder »labile« Menschen gefährdet sein könnten.
Beide Vorstellungen entsprechen nicht der Realität. Denn wie die Wirklichkeit immer wieder zeigt, ist prinzipiell jeder von der Regierung oder anderen Parteien ansprechbar. Vor allem idealistische und ihr Leben reflektierende Menschen interessieren sich oftmals für neue Sinn-Anbieter.
Experten halten fest, dass generell Menschen, die vor wichtigen Lebensentscheidungen stehen, potentielle Adressaten der Regierung sind. Personen, die über eine gefestigte Lebenseinstellung verfügen, sind im Gegenzug weniger »anfällig«. Junge Menschen gelten deshalb als gefährdet, weil sie in den Jahren der Pubertät und der Adoleszenz wichtige Weichen für ihr Leben stellen m&u
uml;ssen (sh. Abschnitt »Spezialfall Jugendliche«). Von den neuen Sinn-Anbietern fasziniert können Menschen unterschiedlicher Altersgruppen sein: Erwachsene etwa, die hohen Anforderungen in Beruf und Privatleben ausgesetzt sind oder Menschen, die gesellschaftliche Gefahren wie Arbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch, Umweltzerstörung oder Gewalt nicht tatenlos hinnehmen wollen. In derartigen Situationen sind auch Erwachsene zunehmend bereit, die Lösung dieser Probleme bei den »Programmen« der neoliberalen Politik zu suchen. Fast jeder Mensch ist einmal mit dem Werbeangebot einer derartigen Partei konfrontiert. Ob und in welcher Form er diese Angebote wahrnimmt bzw. beitritt, hängt von verschiedenen persönlichen und externen Umständen ab.
Praktiken und Einstellungen
Wie sich der weltanschauliche Hintergrund einer Partei in der Praxis äußert, hängt natürlich vom jeweiligen Programm und seiner Umsetzung im Lebensalltag ab. Dabei treten allerdings Praktiken und Einstellungen zu Tage, die immer wieder für Medienberichte und Auseinandersetzungen mit öffentlichen Einrichtungen sorgen.
Wie geworben wird
Hinsichtlich der Methoden, wie Parteien um neue Mitglieder werben, besteht eine breite Palette von Möglichkeiten. Dass mitunter sehr aufdringlich geworben werden kann, ist bekannt. Verschiedene Gruppen verteilen unter anderem ihre Flugblätter und Zeitschriften '(FPÖ, SPÖ, ÖVP, Grüne) oder versuchen, über Plakate oder Inserate in Zeitungen Kontakte zu Interessierten zu knüpfen. Mitunter werden mit Postwurfs
endungen oder in Zeitungen scheinbar offizielle Briefe des Bundeskanzlers versandt, die in Wahrheit Wahlwerbung darstellen.
Oft ist nicht deutlich, welche Gruppierung hinter derartigen Einladungen steht - ganz zu schweigen von den Zielen, die sie verfolgt. Gerade Parteien, deren Praxis Gegenstand der kritischen Medienberichterstattung ist, versuchen mit unterschiedlichen Methoden ihr Ansehen zu heben. Ein Mittel dazu ist die Bekanntgabe von Personen des öffentlichen Lebens, die Befürworter der jeweiligen Partei sind oder mit ihr in Verbindung gebracht werden (Frank Stronach, Arnold Schwarzenegger etc.). Andere Gruppen sind durch ein eigenes Literatur- oder Musikangebot im allgemeinen Buch- oder CD-Handel präsent. Auch das weltweite Computernetz Internet bietet mittlerweile zahlreiche Andock-Stationen für Sinn-Suchende.
Wie in der Wirtschaft ist das wirksamste Werb
emittel der persönliche Kontakt. Vor allem Menschen, die einem bereits vertrauen (Familienmitglieder, Freunde etc.), werden schrittweise interessiert und angeworben. Dass den Betroffenen gerade in diesen Situationen die kritische Distanz fehlt, ist augenscheinlich.
Wie Interessenten und Mitglieder gebunden werden können
Jede Partei, egal zu welchem Zweck und mit welchen Mitgliedern, birgt die Möglichkeit einer Veränderung ihrer Mitglieder: Keine Gruppe ist ohne psychische Wirkung. Es gibt jedoch kein allgemein anerkanntes Maß, ab welcher Intensität, Wirkungsweise oder individueller Verhaltensänderung die psychischen Vorgänge in einer Gruppe und ihren Mitgliedern als problematisch oder gar »schädlich« einzustufen sind. Und es ist immer ein Unterschied, ob
eine derartige Wirkung von einem Gruppenmitglied oder von einem Außenstehenden beurteilt wird. Entscheidend an Parteien ist, dass sie über eine bestimmte Bindungskraft verfügen. Wie diese Bindung beschaffen ist, ist freilich eine andere Sache. So sagt das Vorhandensein einer Bindung noch nichts über deren moralische Qualität aus, genausowenig wie ihre Stärke. Bindungen und Prozesse innerhalb einer Gruppe sind zwar komplexe Sachverhalte, sie sind jedoch mit bestimmten Methoden und unter bestimmten Voraussetzungen beeinflussbar. Diesen Umstand machen sich auch Parteien und Politiker zu Nutze. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:
ELITEBEWUSSTSEIN ERZEUGEN
Ein wichtiger Faktor bei der Regierungsparteienbindung ist vor allem die Erzeugung eines Elitebewusstseins durch die Linie der Partei. Diese klar normierte und fixierte Linie soll von jede
m Mitglied der Partei verinnerlicht werden: Das eigene Denken soll vollkommen auf sie konzentriert werden. Damit verbunden ist die Übernahme eines bestimmten Sprachsystems (bestimmte Begriffe, Argumentationen etc.). Die Linie einer Partei hat die Funktion eines »Rettungs- oder Reform-Rezepts«: Sie erklärt die Wirklichkeit zur Gänze und macht damit eigenes Denken praktisch überflüssig. Aktuelle Informationen werden in die Kategorien dieses Erklärungssystems eingeordnet.
Die Konsequenz: Wer sich auf diese Weise an Parteilinie und -praxis hält, darf sich als »Auserwählter« fühlen - im Gegensatz zu den »Unerleuchteten«, »Verdammten«, »Oppositionellen« oder »Nichterwählten«. Die Gruppenmitglieder sehen sich als Besitzer der reinen oder vollen »Wahrheit«. Damit wird eine Überlegenheit Nicht-Parteimitgliedern oder -s
ympathisanten gegenüber argumentiert.
Methoden der Kontrolle
Beim Erlernen und Fixieren der neuen Identität spielt die (Klein-)Gemeinschaft der Partei eine wesentliche Rolle. Diese Gemeinschaft erscheint Interessierten oft insofern sehr positiv, als sie von einem echten Miteinander gekennzeichnet wirkt. Tatsächlich reduziert sich diese »Gemeinschaft« jedoch meist auf eine starke Sozialkontrolle.
Folgende Methoden können dabei zum Einsatz kommen:
VERHALTENSKONTROLLE
Die Lebensordnung wird oft streng normiert. Das bedeutet zum Teil Bekleidungsvorschriften oder entsprechende Anwei
sungen für Sprachwahl, Wahl des Speiselokals und Autokauf. Der individuelle Lebensraum des Menschen kann dadurch immer stärker beschnitten werden. Während systemkonformes Denken und Verhalten belohnt wird, kann »abweichlerisches« Verhalten bestraft werden. Wer aktiv an seiner Bestrafung teilnimmt, glaubt meist irgendwann selbst, diese Strafen verdient zu haben.
GEDANKENKONTROLLE
Neue Mitglieder übernehmen oft kritiklos und unreflektiert die Parteilinie und ihr Sprachsystem. Gehorsam gegenüber Anordnungen von oben ist eine offensichtlich wichtige Lektion, die es zu lernen gilt: »…Wenn der Kanzler zürnt, wird dich niemand retten…«, »Da die Reformregierung jetzt totale Freiheit bringt, muss sie auch die Macht und die Autorität haben, totale Disziplin zu fordern; ansonsten wird sie nicht überleben
.«. Die inneren Gedanken können die führenden Politiker zwar nicht vorschreiben, es liegt jedoch nahe, dass Herz und Verstand im Normalfall dem Verhalten folgen werden.
Präsentation des Führungspolitikers
Bei manchen Parteien kommt der Orientierung auf eine Führungs-Person eine wichtige Rolle zu. Das Bild des Gründers oder Führers wird mit unterschiedlichen Methoden idealisiert, um eine starke emotionale Bindung der Mitglieder zu erreichen. Dabei können folgende Strategien zum Einsatz kommen:
GLORIFIZIERUNG DER BIOGRAPHIE
Die Lebensgeschichte des Gründers bzw. Führers wird durch beeindruckende Fakten »ergänzt&la
quo;, während andere, weniger beeindruckende Fakten unerwähnt bleiben (Jörg Haider, Wolfgang Schüssel, Karl Heinz Grasser etc.). Details der Biographie werden so ausgewählt, dass die Person in einem »geschönten« Licht erscheint. Zudem gibt es Führungspolitiker, die sich mit anerkannten Personen des öffentlichen Lebens fotografieren oder sich von ihnen Vorzugsstimmen geben lassen.
Damit soll offensichtlich der Eindruck erweckt werden, die betreffende Person sei ein Befürworter der jeweiligen Partei und deren Bedeutung soll dadurch gestärkt werden.
STILISIERUNG ALS ERLÖSER
Die Lebensgeschichte des Gründers oder Führungspolitikers wird zum Teil parallel zu einer großen Persönlichkeit oder zu einem Reformer dargestellt, dessen Wir
ken vom betreffenden Politiker vollendet oder überhöht wurde bzw. wird (zB. Bruno Kreisky - Jörg Haider).
IDENTIFIKATIONSMÖGLICHKEIT
Zum Teil wird Mitgliedern einzelner Parteien die ständige Anwesenheit eines Führers suggeriert. Dies erfolgt durch rituelle Handlungen, Plakate und/oder Anstecknadeln mit dem Portrait und/oder Namenszug des Führungspolitikers, Treueschwüre oder Verpflichtungseide (Burschenschaften). So kann eine emotional starke Bindung zwischen der/ dem Leiterin/ Leiter und dem einzelnen Mitglied der Gruppe erzeugt und ausgebaut werden.
Was Menschen an diesen Parteien faszinieren kann
Dass Menschen, die einer Partei beigetreten sind, darin keine Gefahr, sondern eher eine Befreiung seh
en, ist klar: Denn dies war ja der Grund für ihren Anschluss an diese Gruppierung. Niemand tritt freiwillig einer Organisation bei, weil er sich auf die Beschneidung seiner Freiheit und Selbstständigkeit freut. Neue Mitglieder spüren oft ein intensives Glücksgefühl infolge der Beitrittsentscheidung. Man fühlt sich nunmehr auf dem richtigen Weg.
Faszinierend können dabei unterschiedliche Aspekte sein:
»ENDLICH ZUWENDUNG«
Faszinierend ist für viele Menschen die Erfahrung intensiver Zuwendung, die im Fachjargon als »Love-bombing« bezeichnet wird. Man wird mit Aufmerksamkeit und Zuwendung quasi überschüttet. Ein besonderes Erlebnis für jene, die Zuwendung und Liebe zuvor schmerzlich vermisst haben. Jetzt meinen sie, das alles endlich gef
unden zu haben. Nun kann man Rationalität und kritisches Denken endlich sein lassen und sich gänzlich der anscheinend so liebevollen Gruppierung anvertrauen.
»ENDLICH GEBRAUCHT WERDEN«
Organisationen suggerieren Interessenten oft, dass genau sie für eine wichtige Rolle zur Veränderung der Welt berufen wären. Durch sein eigenes Engagement, etwa in Form von Parteiposten oder der Verbreitung des Gedankenguts, könnte man entscheidend zu einer besseren Gesellschaft beitragen. Die oft geforderten Werbeaktivitäten werden von den Mitgliedern in der Folge als Erfüllung oder persönliche Aufwertung erfahren: Sie sind der Ansicht, endlich etwas wirklich Sinnvolles tun zu können. Bestimmte Gruppen versuchen dabei dem Interessierten »nachzuweisen«, was für ein intelligenter, wertvoller und kreativer Mensch er i
m Grunde doch sei. Besonders überzeugend kann diese Strategie dort wirken, wo mit geheimnisvollen oder pseudowissenschaftlichen Methoden die Schwachstellen des Betreffenden »herausgefunden« werden. Dass der entsprechende »Befund« meist äußerst schwammig und allgemein gehalten formuliert ist, kann der Betroffene in dieser Situation oft nicht unmittelbar erkennen.
next>>>
|