A WORD FROM THE HEAD

h1 lie image header

wir schreiben das jahr 2007. ganz europa hat erkannt, dass die demokratie das tauglichste instrument darstellt, um die menschliche gesellschaft zu optimieren. so geht die mär. und bis vor kurzem hätte ich auch nicht gedacht, dass es wieder salonfähig werden könnte, demokratische grundwerte zu hinterfragen. presse und öffentliche meinung sind spielbälle einer stark konservativ geprägten wirtschaftslobby, die alles tut, um den konservativen geist, der unglückliche bürgerInnen geradezu generiert, aufrecht zu erhalten, zu stärken, denn: neurotiker sind gute, weil leicht manipulierbare konsumenten. dazu lässt man gekaufte politikerInnen slogans von sich geben wie: "geht es der wirtschaft gut, geht es uns allen gut". von konservativen, kirchenabhängigen medienkonzernen gespeiste zeitungen und magazine (und derer gibt es in österreich viel zu viele) verbieten ihren "journalistInnen", über themen wie homosexualität bzw. schwulsein (man muss das neutrale wort "gay" verwenden!) oder anti-baby-pille positiv zu schreiben, untersagen per vertrag aufdeckerjournalismus oder verlangen -ganz diskret- linientreue zur partei. freie presse wird als linksliberaler irrtum belächelt, kritik an der eigenen partei als verrat oder gar anti-patriotisches verhalten missdeutet. wer kritik übt, ist ein "raunzer", ein pessimist, der sich weigert, das "schöne" zu sehen. kunst und presse hat möglichst schön zu sein, möglichst kritiklos, außer an den definierten "gegnern", die gern auch als "gutmenschen" oder "kommunisten" bezeichnet werden. und wer sich innerhalb einer -beliebigen- partei des österreichischen politikspektrums befindet, sollte ohnehin das freche maul halten, denn die parteilinie ist heilig. unantastbar. wem´s nicht passt, der soll eben zu den anderen gehen.
und das von hunderten tv-sendern sedierte volk schweigt, duldet, ist der -von hunderten tv-sendern geprägten- meinung, es könne eh nichts ändern. nicht einmal durch wahlen, daher bleibt man am wahlsonntag zu hause. es läuft sicher eine wunderbare sportübertragung, in der echt patriotische sportler zeigen, was liebe zum vaterland -und zum gut gefüllten bankkonto- ist. oder herr otto habsburg senior hält eine ansprache vor övp-mitgliedern, in der er von diesen als "kaiserliche hoheit" angesprochen wird. und in der er die mitschuld österreichs an den untaten des zweiten weltkrieges negiert.
das gerade von einem herrn habsburg, dessen "von gott" (ha!) eingesetzte vorgänger immerhin den ersten weltkrieg und damit auch den zweiten auslösten.
und wäre das alles noch nicht bedenklich genug, melden sich auch immer penetranter vertreter der kirche in den massenmedien zu wort, wo ihnen doch ohnehin ihre kirchenkanzeln zur verfügung stünden. beschwören eine "christlichere" gesellschaft, unfähig, selbst zu erkennen, was christentum tatsächlich sein könnte, wäre es von der institutionalisierten religion nicht schon im keim erstickt worden, unwissend, was christentum sei. man möchte wieder kontrolle über bildung, über politik, über das soziale gefüge. die trennung von kirche und staat gilt plötzlich nichts mehr. es genügt dieser skrupellosen, zweitausend jahre alten lüge einer religion nicht, dass es das konkordat gibt, diese antidemokratische faschistenerfindung, die einzig dazu dient, geld, mehr geld zu machen. nein; gewisse kirchenkreise hätten offenbar ganz gerne theokratische strukturen, politikerInnen, die den bischof oder gar den papst fragen, bevor sie handeln. und viele politikerInnen würden das auch sicher gerne tun. denn damit fiele ein großes stück eigenverantwortung.

mir graut vor diesem staat, vor diesem europa, vor dieser "westlichen welt" in zunehmendem maße.

head agent indrid cold, feb. 23, 2007
>>>

christliche predigt
heinrich bartel (*1874)

hört! ihr leute, hier auf erden
soll es wieder dunkel werden,
frisch gewagt ist halb getan,
darum vorwärts, frisch voran.
nehmt dem volk die schule.

hat die schule man in händen,
o dann wird sich alles wenden,
alles tanzt dann, eins, zwei, drei,
nach dem wunsch der klerisei,
und gehorcht den pfaffen.

alle redner, journalisten,
und die roten sozialisten
werden dann in einer nacht
alle heimlich umgebracht,
dann wird ruhe werden.

lesen, rechnen und auch schreiben
wird man künftig nicht betreiben,
in der schul, wie sichs gehört,
wird nur religion gelehrt,
denn die ist sehr wichtig.

scheiterhaufen, fehmgerichte,
stehn uns trefflich zu gesichte,
und die folterkammer auch
sind uns ein sehr lieber brauch;
hoch das mittelalter.

alle länder hier auf erden
müssen dann ein staat nur werden,
und die schwarzen ganz allein
werden tonangebend sein
mit dem papst als könig.

alles tanzt nach unsren noten;
denken, das wird streng verboten,
nur die dummheit soll allein
alsdann noch geduldet sein,
die kann uns nicht schaden.

darum merket was ich sage:
predigt fleißig alle tage
nur die dummheit weit und breit,
damit unser werk gedeiht,
seid gesegnet! amen.




muckerlied
adolf glaßbrenner (1810 - 1876):

tagtäglich zehnmal beten
und bibelspruch' im maul,
sonst hab' ich nichts vonnöten,
bin ganz erschrecklich faul.
ich war ein armer schlucker,
hatt' kaum das liebe brot,
da wurde ich ein mucker:
nun hat es keine not!

bei jeder neuen sitzung
die unsre bande hält,
da wird mir unterstützung
durch bares, blankes geld.
dass ich bin fromm geworden,
hat mir doch sehr gefrommt!
vielleicht dass noch ein orden
mir in das knopfloch kommt.

den kopf gesenkt zur erde
geh' ich des morgens aus;
mit heuchelnder gebärde
tret' ich ins kaffeehaus,
trink' wasser dort mit zucker
und werbe fromme an:
kein mensch ahnt, was ein mucker
zu hause saufen kann!

zu hohem zins verleih' ich,
was ich beim muckern spar',
und meine seele weih' ich
herrn jesu immerdar,
und den gewinn notier' ich
im frommen liederheft;
auf diese weise führ' ich
in frieden mein geschäft.

des abends im theater
sitz' ich mit gierem sinn,
und schmunzle wie ein kater
nach jeder tänzerin;
mit meinem operngucker
schau' ich nach wad' und brust:
ach, lieber gott, ein mucker
hat auch so seine lust!

dann schleich' ich still zur klause,
da wo mich niemand sieht,
und nach dem abendschmause
sing' ich ein frommes lied
recht laut: von heil'ger stätte,
von jesu glanz und thron!
daweile macht mein bette
die kleine köchin schon.

ich preise die regierung,
ich finde alles gut,
ich fluche der verführung
durch jetz'ge freiheitsbrut:
so leb' ich armer schlucker
ganz heiter, gott sei dank!
und das geschäft als mucker
treib' ich mein lebelang!

© LIE secret service + HQ location: graz / austria / EU // contact: see contact info page